Gaubahn

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Übersichtskarte Gaubahn

Die Gaubahn war eine eingleisige, nicht-elektrifizierte Nebenbahn, die den Main mit dem Thierbach, der Gollach und der Tauber verband (ehemalige Kursbuchstrecke KBS 415).

Namensgeber und Bedeutung[Bearbeiten]

Die Strecke diente vorwiegend dem Abtransport landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus dem „Ochsenfurter Gau“, insbesondere Zuckerrüben, deswegen auch der Name „Gaubahn“. In der Gegenrichtung wurden Düngemittel und Saatgut transportiert. Im Personenverkehr war die Gaubahn von Bedeutung zur Pendlerbeförderung von und nach Ochsenfurt und Würzburg.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Die Strecke überwand vom Maintal bei Ochsenfurt, abzweigend von der Bahnlinie Würzburg-Treuchtlingen kommend, die Hügel des Ochsenfurter Gaus um über Burgerroth das Taubertal bei Bieberehren zu erreichen. Von dort verlief die Trasse entlang der Tauber bis nach Weikersheim in Baden-Württemberg, wo Anschluss an die Strecke Crailsheim-Lauda bestand. In Bieberehren zweigte eine etwa 6 km lange Stichstrecke nach Creglingen ab. Eine geplante Weiterführung nach Rothenburg ob der Tauber wurde nie realisiert.

Haltepunkte, Haltestellen und Bahnhöfe im Landkreis Würzburg[Bearbeiten]

Gaubahn-Denkmal in Gaukönigshofen
Haltepunkte
Die Haltepunkte hatten oft nur das Schild mit dem Namen der „Betriebsstelle“ und eine Tafel mit den Abfahrzeiten als Ausstattung; dazu kam mitunter eine einfache, meist von der Gemeinde errichtete Unterstandshütte mit Sitzbank. Die Gemeinden übernahmen in der Regel die Unterhaltung und Reinigung dieses ihres „Bahnhofgebäudes“, sowie das Räumen des Schnees am Bahngleis und das Sandstreuen bei Winterglätte. Haltepunkte auf der Gaubahn waren Hohestadt und Burgerroth.
Haltestellen
Auf den meisten Haltestellen, wo in früheren Zeiten häufig Bahnagenten eingesetzt waren, steht heute noch das Agenturgebäude, das in seiner einheitlichen Form auf den bayerischen Nebenbahnen oft anzutreffen ist. Es ist dies eine zweckmäßige, klar gegliederte Anlage: einerseits der Warte- und Schalterraum mit dem überdachten Vorplatz und dem Trockenabort, andererseits der Dienstraum mit der angebauten Güterhalle und der Stückgut- und Viehladerampe, im Keller der „Requistitenraum“. Da die Bahnagenten sich aus der ortsansässigen Bevölkerung rekrutierten, waren in diesen Stationsgebäuden keine Wohnungen vorzusehen. Das Äußere macht mit seiner dunkelbraunen Brettverschalung eine traulichen Eindruck.
Bahnhöfe
Die Endbahnhöfe waren reichlicher mit Hochbauten ausgestattet. Das eigentliche Stationsgebäude war mit einer großen, mechanischen Standuhr ausgestattet; zur mitlaufenden Außenuhr führte ein Übertragungsgestänge durch die Mauer. Ein wichtiges Inventarstück war auch die Dezimalwaage mit dem zugehörigen Gewichtssatz. Der Kassenschrank war in einem Nebenraum mit vergitterten Fenstern untergebracht. Der Schalter- und Warteraum war mit einem Kachelofen ausgestattet, ferner mit derben Bänken und Tischen aus Eichenholz. Weiterhin gehörten dazu die Güterhalle, sofern sie nicht mit dem Stationsgebäude in einem Baukörper vereinigt war und die Abortanlage als freistehendes Einzelgebäude. Wenn die Wohnungen für das Personal nicht im Stationsgebäude selbst untergebracht waren, gab es ein besonderes Eisenbahner-Wohnhaus, ferner immer ein Nebengebäude mit Waschküche und Holzlege. Im Maschinenhaus war außer dem Stand oder den Ständen für die Lokomotiven mit Putzgräben und Wasserkran ein einfacher Werktisch mit massivem Schraubstock vorhanden.
Streckenkilometer Bahnhof / Haltestelle / Haltepunkt Bedienung eingestellt
  0,0 Bahnhof Ochsenfurt
  2,6 Haltepunkt Hohestadt 1961
  4,4 Haltestelle Tückelhausen 1983
  6,9 Haltestelle Acholshausen 1978
  8,2 Haltestelle Gaukönigshofen 1992
  8,2 Gaubahn-Anschluss Militärflugplatz Giebelstadt 1960
10,5 Haltestelle Rittershausen 1992
12,5 Haltestelle Sonderhofen 1992
15,4 Haltestelle Gelchsheim 1992
19,5 Haltestelle Aub-Baldersheim 1992
22,3 Haltepunkt Burgerroth 1992
25,5 Haltestelle Bieberehren 1992
  2,1 Haltepunkt Reinsbronn * 1989
  3,8 Haltepunkt Klingen * 1923
28,3 Haltestelle Röttingen 1992
29,4 Haltepunkt Röttingen-Stadt 1923
32,2 Haltepunkt Tauberrettersheim 1989
* an der Stichstrecke nach Creglingen

Lokomotiven und Triebwagen[Bearbeiten]

Als typische Lokalbahnlokomotive, die auch lange Jahre auf der Gaubahn das zuverlässigste Zugpferd war, galt die 98er. Wie alle bayerischen Lokalbahnlokomotiven war sie als Tenderlok konstruiert, d.h. Wasser- und Kohlevorrat waren auf der Lokomotive selbst untergebracht. Es gab verschiedene Baureihen der 98er, zunächst als Nass-, später als Heißdampflokomotive versah sie Jahrzehnte ihren Dienst. Später kamen auf der Gaubahn auch Tenderloks mit der Stammnummerbezeichnung 64 und 86 zum Einsatz.

In den 1960er Jahren wurde die Dampflokomotive durch Dieselloks (z.B. V 260) abgelöst.

Für den Personenverkehr wurde seit den 1950er Jahren auch der Verbrennungstriebwagen (VT) 95 und 98 eingesetzt. Lediglich als Früh- und Abendzug fuhr noch die altgewohnte Zuggarnitur. Mit seinem schrill tönenden Signalhorn war der VT 95 weithin zu hören.

Geschichte[Bearbeiten]

Oberbaukompanie Stempel. Oberbauübung auf der Gaubahnstrecke zwischen Ochsenfurt und Acholshausen 1906

In den Jahren von 1894 bis 1904 setzte eine intensive Planung für den Bau der Gaubahn von Ochsenfurt nach Röttingen ein. Zur Verlegung der Gleise erwarb die Eisenbahndirektion Würzburg die nötigen Flächen. Die Strecke verlief nur durch bayrisches Staatsgebiet, bei Röttingen, dem Endpunkt verlief die Grenze zum Königreich Württemberg. Doch auch auf württembergischen Gebiet bei Mergentheim, Weikersheim und Creglingen wollte man einen Eisenbahnanschluss und so wurde durch den Bau der bayrischen Lokalbahn auch der Plan der Württemberger vorangetrieben. 1905 hatten sich die beiden Länder Bayern und Württemberg vertraglich auf eine länderübergreifende Bahnstrecke geeinigt. 1906 waren die Grundstücke erworben und wurden dem Eisenbahnfiskus zugeschrieben. Im Frühjahr 1906 begannen die Bauarbeiten an der Strecke der Gaubahn. Das Tagespensum der arbeitenden Beteiligten betrug 800 Meter Schienen pro Tag. Der Bau der Strecke zog sich bis 1907 hin. Mit der Herstellung der Bahntrasse, also dem gesamten Unterbau - den Taleinschnitten, Böschungen, Brücken usw. - wurde die Fa. Leonhard Moll in München beauftragt und überwiegend von italienischen Gastarbeitern durchgeführt. Für den Bahnoberbau, die Verlegung der Schienen also, wurde ein königliches Eisenbahn-Bataillon eingesetzt. [1]

Vor der Abfahrt des 1. Zuges der Gaubahn am 30. April 1907 in Ochsenfurt
  • 30. April 1907: Einweihung der Strecke.
  • 1908: Beginn der Bauarbeiten der Bahnlinie Röttingen-Weikersheim und Röttingen-Creglingen.
  • 1909: Eröffnung der Linie Weikersheim-Röttingen-Creglingen.
  • 1934/35: Bau von Stichbahnen von Gaukönigshofen zum Militärflugplatz Giebelstadt und von Gelchsheim zum Fliegerhorst Gelchsheim.
  • 1960: Einstellung des Güterverkehrs zum Militärflugplatz durch Abbestellung der Treibstoffanlieferung per Bahn durch die US-Army.
  • 1967: Einstellung des Personenverkehrs auf der Stichbahn nach Creglingen.
  • 1974: Einstellung des Personenverkehrs zwischen Ochsenfurt und Weikersheim. [2] Danach fast nur noch Güterverkehr, hauptsächlich zur Zuckerrübenkampagne im Herbst für die Südzucker AG in Ochsenfurt.
  • 1984: Einstellung des durchgehenden Verkehrs aufgrund einer baufälligen Eisenbahnbrücke über das Rippachtal bei Tauberrettersheim.
  • 1992: Allerletzte Fahrt auf der Gaubahnstrecke, nachdem die Zuckerfabrik in Ochsenfurt Ihre Rübenanlieferung von Güterwaggons auf LKW-Sattelzüge umgebaut hatte.
  • 1994/95: Abbau der Gleisanlagen.

Einige Stationsgebäude an der Strecke sind bis heute, wenn auch mit neuem Verwendungszweck, erhalten geblieben.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Nach dem Abbau der Gleisanlagen in den 1990er Jahren befindet sich auf der ehemaligen Trasse ein befestigter gerne angenommener Radweg, der Gaubahn-Radweg, der den Maintal-Radwanderweg über das Gollachtal mit dem Fernradweg Liebliches Taubertal verbindet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Müller: „Die Gaubahn - Erinnerungen“ in: 741 - 1991. 1250 Jahre Gaukönigshofen. Gemeinde Gaukönigshofen (Hrsg.), S. 232 ff. (Stadtbücherei Würzburg Dem Gau)
  • Günter Stock: Erinnerungen an die Gaubahn. Eine fränkische Nebenbahn zwischen Ochsenfurt, Röttingen, Weikersheim und Creglingen. Verlag Wingenfeld, Ochsenfurt 1996 (Stadtbücherei Würzburg Dhl Sto)
  • Günter Stock: Die Gaubahn. Lokalbahn Ochsenfurt - Röttingen, Weikersheim - Creglingen. Verlag Wingenfeld, Ochsenfurt 1986 (Stadtbücherei Würzburg Dhl Sto)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Die Augsburger Abendzeitung notierte am 13. August 1906: „Seit einigen Wochen sind vom Münchner Eisenbahnbataillon 5 Offiziere, Unteroffiziere und 153 Soldaten unter Führung des Hauptmannes und Kompagniechef Stempel dahier im Quartier. In kriegsmäßiger Uebung wird von dem Truppenteil das Legen der Schienen und Einrichten des Bahnkörpers der Teilstrecke Ochsenfurt-Acholshausen der im Spätjahr zu eröffnenden Lokalbahn Ochsenfurt-Röttingen o. Tauber besorgt. Die interessanten, für die Offiziere wie Mannschaften zweifellos sehr anstrengenden Arbeiten (sollen doch 800 Meter Schienenlage als Tagespensum verlangt werden) ziehen begreiflicherweise zahlreiche Zuschauer an, denen das flinke und systematische Zusammenarbeiten der einzelnen Abteilungen zuerst auffällt. Trotz des anstrengenden Dienstes und des heißen Wetters der letzten Wochen befindet sich alles wohl und sind bis jetzt schwere Unfälle nicht vorgekommen. Bis Ende August dürfte die Uebung zu Ende sein, worauf die Soldaten wieder in die Münchner Garnison verbracht werden.“
  2. Der letzte offizielle Personenzug auf der Gaubahn fuhr am 28. September 1974 von Ochsenfurt nach Weikersheim. (Main-Post vom 30. September 1974)