Gaubahn

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ochsenfurt-Weikersheim
TUEK200-Gaubahn-ges-Schummerung-Ausschnitt Gaubahn.jpg
Streckennummer (DB): 5204 (Ochsenfurt–Schäftersheim)
4955 (Schäftersheim–Weikersheim)
Kursbuchstrecke: 415c
Streckenlänge: 36,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 18 ‰
Minimaler Radius: 200 m

Die Gaubahn war eine eingleisige, nicht-elektrifizierte Nebenbahn, die den Main mit dem Thierbach, der Gollach und der Tauber verband.

Namensgeber und Bedeutung[Bearbeiten]

Die Strecke diente vorwiegend dem Abtransport landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus dem „Ochsenfurter Gau“, insbesondere Zuckerrüben, deswegen auch der Name „Gaubahn“. In der Gegenrichtung wurden Düngemittel und Saatgut transportiert. Im Personenverkehr war die Gaubahn von Bedeutung zur Pendlerbeförderung von und nach Ochsenfurt und Würzburg.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg war am Gaukönigshofener Bahnhof eine Viehverladerampe gebaut worden und mittels dieser Transportmöglichkeit entfalteten die Teilhaber der Viehhandelscompagnie Weikersheimer ein den gesamten deutschen Raum umfassendes Geschäftswesen. Damit unterschieden sie sich deutlich von den durchschnittlichen jüdischen Viehhändlern, die ihr Vieh von Verkäufer zu Käufer von Knechten treiben ließen.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Die Strecke überwand vom Maintal bei Ochsenfurt, abzweigend von der Bahnlinie Würzburg-Treuchtlingen kommend, die Hügel des Ochsenfurter Gaus um über Burgerroth das Taubertal bei Bieberehren zu erreichen. Von dort verlief die Trasse entlang der Tauber bis nach Weikersheim in Baden-Württemberg, wo Anschluss an die Strecke Crailsheim-Lauda bestand. In Bieberehren zweigte eine etwa 6 km lange Stichstrecke nach Creglingen ab. Eine geplante Weiterführung nach Rothenburg ob der Tauber wurde nie realisiert.

► Siehe auch Gaubahn: Beschreibung der Linienführung Ochsenfurt-Röttingen (1905)
► Siehe auch Gaubahn: Erweiterung der Lokalbahn Weikersheim-Creglingen (1907)

Geschichte[Bearbeiten]

Oberbaukompanie Stempel. Oberbauübung auf der Gaubahnstrecke zwischen Ochsenfurt und Acholshausen 1906

Pläne für eine Gaubahn gehen zurück bis ins Jahr 1870. Verschiedene „Lokalbahncomitès“ stritten sich um eine geeignete Streckenführung. Je nach Interessenslage wünschte man eine Linienführung von Goßmannsdorf über Giebelstadt nach Röttingen oder favorisierte die (später auch gebaute) Strecke von Ochsenfurt durchs Thierbach- und Gollachtal nach Röttingen. Ab 1894 setzte eine intensive Planung für den Bau der Gaubahn von Ochsenfurt nach Röttingen ein, der von der Bayerischen Ständeversammlung (dem Vorläufer des heutigen Bayerischen Landtages) am 14. Februar 1900 genehmigt wurde. Zur Verlegung der Gleise erwarb die Eisenbahndirektion Würzburg die nötigen Flächen. Die Strecke verlief nur durch bayrisches Staatsgebiet, bei Röttingen, dem Endpunkt verlief die Grenze zum Königreich Württemberg. Doch auch auf württembergischen Gebiet bei Mergentheim, Weikersheim und Creglingen wollte man einen Eisenbahnanschluss und so wurde durch den Bau der bayrischen Lokalbahn auch der Plan der Württemberger vorangetrieben. 1905 hatten sich die beiden Länder Bayern und Württemberg vertraglich auf eine länderübergreifende Bahnstrecke geeinigt. 1906 waren die Grundstücke erworben und wurden dem Eisenbahnfiskus zugeschrieben. Im Frühjahr 1906 begannen die Bauarbeiten an der Strecke der Gaubahn. Das Tagespensum der arbeitenden Beteiligten betrug 800 Meter Schienen pro Tag. Der Bau der Strecke zog sich bis 1907 hin. Mit der Herstellung der Bahntrasse, also dem gesamten Unterbau - den Taleinschnitten, Böschungen, Brücken usw. - wurde die Fa. Leonhard Moll in München beauftragt und überwiegend von italienischen Gastarbeitern durchgeführt. Für den Bahnoberbau, die Verlegung der Schienen also, wurde ein königliches Eisenbahn-Bataillon eingesetzt. [1]

Vor der Abfahrt des 1. Zuges der Gaubahn am 30. April 1907 in Ochsenfurt
Fahrplan der Gaubahn aus dem Eröffnungsjahr 1907
Sommerfahrplan der Gaubahn 1962

Einige Stationsgebäude an der Strecke sind bis heute, wenn auch mit neuem Verwendungszweck, erhalten geblieben.

Haltepunkte und Bahnhöfe im Landkreis Würzburg[Bearbeiten]

Gaubahn-Denkmal in Gaukönigshofen
Haltepunkte
Die Haltepunkte hatten oft nur das Schild mit dem Namen der „Betriebsstelle“ und eine Tafel mit den Abfahrzeiten als Ausstattung; dazu kam mitunter eine einfache, meist von der Gemeinde errichtete Unterstandshütte mit Sitzbank. Die Gemeinden übernahmen in der Regel die Unterhaltung und Reinigung dieses ihres „Bahnhofgebäudes“, sowie das Räumen des Schnees am Bahngleis und das Sandstreuen bei Winterglätte. Haltepunkte auf der Gaubahn waren Hohestadt, Burgerroth und Klingen.
Bahnhöfe
Auf den meisten Bahnhöfen, wo in früheren Zeiten häufig Bahnagenten eingesetzt waren, steht heute noch das Agenturgebäude, das in seiner einheitlichen Form auf den bayerischen Nebenbahnen oft anzutreffen ist. Es ist dies eine zweckmäßige, klar gegliederte Anlage: einerseits der Warte- und Schalterraum mit dem überdachten Vorplatz und dem Trockenabort, andererseits der Dienstraum mit der angebauten Güterhalle und der Stückgut- und Viehladerampe, im Keller der „Requistitenraum“. Da die Bahnagenten sich aus der ortsansässigen Bevölkerung rekrutierten, waren in diesen Stationsgebäuden keine Wohnungen vorzusehen. Das Äußere macht mit seiner dunkelbraunen Brettverschalung eine traulichen Eindruck.
Endbahnhöfe
Die Endbahnhöfe waren reichlicher mit Hochbauten ausgestattet. Das eigentliche Stationsgebäude war mit einer großen, mechanischen Standuhr ausgestattet; zur mitlaufenden Außenuhr führte ein Übertragungsgestänge durch die Mauer. Ein wichtiges Inventarstück war auch die Dezimalwaage mit dem zugehörigen Gewichtssatz. Der Kassenschrank war in einem Nebenraum mit vergitterten Fenstern untergebracht. Der Schalter- und Warteraum war mit einem Kachelofen ausgestattet, ferner mit derben Bänken und Tischen aus Eichenholz. Weiterhin gehörten dazu die Güterhalle, sofern sie nicht mit dem Stationsgebäude in einem Baukörper vereinigt war und die Abortanlage als freistehendes Einzelgebäude. Wenn die Wohnungen für das Personal nicht im Stationsgebäude selbst untergebracht waren, gab es ein besonderes Eisenbahner-Wohnhaus, ferner immer ein Nebengebäude mit Waschküche und Holzlege. Im Maschinenhaus war außer dem Stand oder den Ständen für die Lokomotiven mit Putzgräben und Wasserkran ein einfacher Werktisch mit massivem Schraubstock vorhanden.
Streckenkilometer Bahnhof / Haltepunkt Bedienung eingestellt
  0,0 Bahnhof Ochsenfurt
  2,6 Haltepunkt Hohestadt 1961
  4,4 Bahnhof Tückelhausen 1983
  6,9 Bahnhof Acholshausen 1978
  8,2 Bahnhof Gaukönigshofen 1992
  8,2 Gaubahn-Anschluss Militärflugplatz Giebelstadt 1960
10,5 Bahnhof Rittershausen 1992
12,5 Bahnhof Sonderhofen 1992
15,4 Bahnhof Gelchsheim 1992
19,5 Bahnhof Aub-Baldersheim 1992
22,3 Haltepunkt Burgerroth 1992
25,5 Bahnhof Bieberehren 1992
28,3 Bahnhof Röttingen 1992
29,4 Haltepunkt Röttingen-Stadt 1924
32,2 Bahnhof Tauberrettersheim 1983
34,4 Bahnhof Schäftersheim (BW) 1983
36,0 Haltepunkt Weikersheim-Stadt (BW) 1923
36,5 Bahnhof Weikersheim (BW) 1983
  2,1 Bahnhof Reinsbronn * 1967
  3,8 Haltepunkt Klingen * 1924
  6,4 Bahnhof Creglingen (BW) * 1967
* an der Stichstrecke von Bieberehren nach Creglingen
  BW = Baden-Württemberg

Gaubahn-Fahrt am 11. März 1973 (Video)[Bearbeiten]

Mit der Dampflok 98 727 von Würzburg nach Lauda 11. März 1973

(Mit dem Start des Videos stimmen Sie der Weiterleitung und Übermittlung von Daten an YouTube zu.)

Lokomotiven und Triebwagen[Bearbeiten]

Als typische Lokalbahnlokomotive, die auch lange Jahre auf der Gaubahn das zuverlässigste Zugpferd war, galt die 98er. Wie alle bayerischen Lokalbahnlokomotiven war sie als Tenderlok konstruiert, d.h. Wasser- und Kohlevorrat waren auf der Lokomotive selbst untergebracht. Es gab verschiedene Baureihen der 98er, zunächst als Nass-, später als Heißdampflokomotive versah sie Jahrzehnte ihren Dienst. Später kamen auf der Gaubahn auch Tenderloks mit der Stammnummerbezeichnung 64 und 86 zum Einsatz.

In den 1960er Jahren wurde die Dampflokomotive durch Dieselloks (z.B. V 260) abgelöst.

Für den Personenverkehr wurde seit den 1950er Jahren auch der Verbrennungstriebwagen (VT) 95 und 98 eingesetzt. Lediglich als Früh- und Abendzug fuhr noch die altgewohnte Zuggarnitur. Mit seinem schrill tönenden Signalhorn war der VT 95 weithin zu hören.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Nach dem Abbau der Gleisanlagen in den 1990er Jahren befindet sich auf der ehemaligen Trasse ein befestigter gerne angenommener Radweg, der Gaubahn-Radweg, der den Maintal-Radwanderweg über das Gollachtal mit dem Fernradweg Liebliches Taubertal verbindet.

Gaubahn bei WürzburgWiki[Bearbeiten]

► Alle Artikel sowie historischen und aktuellen Abbildungen bei WürzburgWiki: Kategorie:Gaubahn

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Irmtraud Edelmann, Adolf Dreißler, Günter Schifferdecker, Rudi Tack: Die Eisenbahn im Main-Tauber-Kreis. Hrsg.: Frankonia-Buch, Verlag Fränkische Nachrichten, Druck- und Verlags-GmbH, Tauberbischofsheim 1990
  • Kurt Müller: „Die Gaubahn - Erinnerungen“ in: 741 - 1991. 1250 Jahre Gaukönigshofen. Gemeinde Gaukönigshofen (Hrsg.), S. 232 ff. (Stadtbücherei Würzburg Dem Gau)
  • Günter Stock: Erinnerungen an die Gaubahn. Eine fränkische Nebenbahn zwischen Ochsenfurt, Röttingen, Weikersheim und Creglingen. Verlag Wingenfeld, Ochsenfurt 1996 (Stadtbücherei Würzburg Dhl Sto)
  • Günter Stock: Die Gaubahn. Lokalbahn Ochsenfurt - Röttingen, Weikersheim - Creglingen. Verlag Wingenfeld, Ochsenfurt 1986 (Stadtbücherei Würzburg Dhl Sto)

Pressespiegel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Die Augsburger Abendzeitung notierte am 13. August 1906: „Seit einigen Wochen sind vom Münchner Eisenbahnbataillon 5 Offiziere, Unteroffiziere und 153 Soldaten unter Führung des Hauptmannes und Kompagniechef Stempel dahier im Quartier. In kriegsmäßiger Uebung wird von dem Truppenteil das Legen der Schienen und Einrichten des Bahnkörpers der Teilstrecke Ochsenfurt-Acholshausen der im Spätjahr zu eröffnenden Lokalbahn Ochsenfurt-Röttingen o. Tauber besorgt. Die interessanten, für die Offiziere wie Mannschaften zweifellos sehr anstrengenden Arbeiten (sollen doch 800 Meter Schienenlage als Tagespensum verlangt werden) ziehen begreiflicherweise zahlreiche Zuschauer an, denen das flinke und systematische Zusammenarbeiten der einzelnen Abteilungen zuerst auffällt. Trotz des anstrengenden Dienstes und des heißen Wetters der letzten Wochen befindet sich alles wohl und sind bis jetzt schwere Unfälle nicht vorgekommen. Bis Ende August dürfte die Uebung zu Ende sein, worauf die Soldaten wieder in die Münchner Garnison verbracht werden.“
  2. Der letzte offizielle Personenzug auf der Gaubahn fuhr am 28. September 1974 von Ochsenfurt nach Weikersheim. (Main-Post vom 30. September 1974)
  3. Bereits am 25. Oktober 1983 war in der Tauberzeitung zu lesen: „Ein Erlaß der Bundesbahndirektion Nürnberg flatterte unlängst Landrat Georg Denzer auf den Tisch, nachdem der Bundesverkehrsminister die Einstellung des Gesamtbetriebs auf der DB-Strecke Bieberehren - Schäftersheim bereits am 28. März dieses Jahres genehmigt hat. Aufgrund des Erlasses aus Nürnberg wird nach dem 31. Dezember 1983 der Günterverkehr zwischen Schäftersheim und Röttingen eingestellt. - „Anfang vom Ende“, meinte Denzer gestern vor dem Kreistag. Es sei bereits abzusehen, wann die Strecke Bieberehren - Röttingen stillgelegt werde, womit dann die Gaubahn gestorben sei.“