Tückelhausen

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Tückelhausen
Ortstyp Stadtteil
Stadt Ochsenfurt
Landkreis Würzburg
Regierungsbezirk Unterfranken
Freistaat Bayern
Land Deutschland
Kfz-Kennzeichen
Einwohner 300
Eingemeindung 1. Juli 1972
Ökonomiehof Tückelhausen

Tückelhausen ist ein Stadtteil von Ochsenfurt im Landkreis Würzburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Tückelhausen liegt im Thierbachtal an der Staatsstraße 2270 von Ochsenfurt nach Gaukönigshofen an der ehemaligen Gaubahn (heute: Gaubahn-Radweg). Zum Gemeindegebiet gehören die Weiler Kaltenhof, Mönchsmühle und Oelmühle.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte Tückelhausens beginnt, soweit sie urkundlich fassbar ist [1] mit einer vertraglichen Vereinbarung im fernen Fulda. Im Jahre 887 vermachte ein frommer Mann mit dem Namen Gotesdeu dem dortigen Kloster seinen ganzen fränkischen Besitz. In der anlässlich dieser Schenkung ausgestellten Urkunde wird neben dem Ort Münnerstadt erstmals Tückelhausen namentlich genannt. [2] Gotesdeu dürfte zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bereits im fortgeschrittenen Alter gewesen sein, denn er hoffte mit dem Vermächtnis am Ende seiner Tage Gott als gnädigen Richter zu sehen. Auf seine Zugehörigkeit zum Ordensstand könnte eine Textpassage der genannten Urkunde hindeuten, wo erwähnt wird, dass „der ehrwürdige Abt Sighard den Brüdern (im Kloster Fulda) vorsteht“. Weitere Informationen zur Person des Wohltäters sind dem Text nicht zu entnehmen.

Hinsichtlich der Beweggründe für die Schenkung spielen neben dem „Gedanken an die ewige Vergeltung“ noch andere Motive eine wichtige Rolle. Für die Wahl der Abtei Fulda als Empfängerin des Besitzers sind nach Angaben der Urkunde vor allem zwei Aspekte von ausschlaggebender Bedeutung. Zum einen legte Gotesdeu Wert darauf, dass dort „der allerheiligste Märtyrer Bonifatius begraben liegt“; andererseits verband ihn offensichtlich eine nähere Bekanntschaft mit dem Abt des Klosters, Sighard, der ausdrücklich erwähnt und als „ehrwürdig“ bezeichnet wird.

Was die näheren Einzelheiten der Schenkung betrifft, so bleibt der Text in vielem recht unbestimmt. Es fehlen konkrete Zahlen- und Flächenangaben wie auch Lagebezeichnungen, die Aufschlüsse über den Umfang und den Wert des Besitzes geben könnten. Statt dessen muss man sich mit einer Liste dessen begnügen, was dem Gotesdeu in Tückelhausen gehörte. Danach besaß dieser „festgebaute Häuser zum Eigentum“, die er wohl verpachtet hatte. Der Besitzkatalog umfasste ferne „Felder, Äcker, Wiesen, Viehweiden, gerodete und ungerodete Waldstücke“, außerdem „unbefestigte Straßen“ (Wege), „Gewässer“ (Teiche und/oder Seen) sowie „herablaufende Wasser“ (Bäche?). Am Ende der Aufzählung wird noch hinzugefügt, dass zum Vermächtnis noch all das gehörte, „was menschlicher Kultur nützliche“ sei.

Nach der frühen urkundlichen Erwähnung des Ortes im 9. Jahrhundert taucht dieser wieder weitgehend in das Dunkel der Geschichte ein. Lediglich zwei Nachrichten sorgen für eine gewisse Kontinuität in der Überlieferung. Eine Mitteilung aus dem 10. Jahrhundert berichtet davon, dass sich Tückelhausen im Besitz des Würzburger Bischofs Bernward befand, der andere bezeugt für das 11. Jahrhundert eine Wallfahrt zu dortigen Lambertusberg[3] Erst ab dem 12. Jahrhundert verbessert sich die Quellenlage entscheidend. Bedeutsam ist vor allem das Jahr 1131 bzw. 1138, denn damals vererbte Bischof Otto von Bamberg seine Besitzungen der Prämonstratenserabtei Oberzell. Die Empfängerin versprach dafür im Gegenzug, hier ein Tochterkloster zu errichten. Das geistliche Haus, in dem anfangs Mönche und Nonnen zusammen wohnten und arbeiteten, erlebte in der Folgezeit ein wechselvolle Geschichte. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts geriet die Einrichtung infolge jahrelanger Misswirtschaft in eine existenzbedrohende Krise. 1351 ging das Kloster Tückelhausen an den Kartäuserorden über.

Das Jahr 1803 brachte das Ende der Kartause. Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar desselben Jahres verloren alle geistlichen Fürstentümer, Stifter und Klöster ihre weltlichen Hoheitsrechte. Nur wenige Wochen später, am 8. Juli 1803, wurde die Kartause Tückelhausen aufgelöst, und die Mönche verließen für immer den Ort, dessen Geschichte sie 452 Jahre geprägt hatten.

Der umfangreiche Klosterbesitz ging in die Hände von Kurbayern über, das zunächst die Herrschaft über Mainfranken antrat. Die neue Regierung ließ 1804 die Ländereien und Gebäulichkeiten meistbietend an finanzkräftige Privatpersonen versteigern, die in Tückelhausen Bauerngüter errichteten. Im Jahre 1847 wurden die meisten dieser Ökonomien von dem preußischen General Hermann von Staff genannt von Reizenstein, erworben. Durch weitere Käufe vergrößerte jener sein Besitztum zu einem Großgut, das er 1858 an Valentin Heil verpachtete. Dessen Söhne, Georg und Sebastian Heil, bauten auf dem Pachtgelände einen Saatzuchtbetrieb und ein Brauerei. Beide Unternehmen bestimmten zusammen mit der Kunstmühle von Eck & Dreß lange Zeit das Wirtschaftsleben des Ortes. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts brachte der technischen Fortschritt zahlreiche Neuerungen in den dörflichen Alltag (Gaubahn, Elektrizität, Telefon, u.a.). Im Zuge der Gebietsreform 1972 wurde Tückelhausen nach Ochsenfurt eingemeindet.

Kultur[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Georg
► Siehe auch Baudenkmäler in Tückelhausen

Vereine[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

  • Nele-Fenster (Kartäuserstr. 14b) [1]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ort wird von der Kreisstraße WÜ 46 tangiert.

ÖPNV[Bearbeiten]

Bus.png Nächste Bushaltestelle: Tückelhausen/Ort
Eisenbahn.png Nächste Bahnstation: Ochsenfurt


Fahrradwege[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Braun: 1100 Jahre Tückelhausen. In: Ochsenfurter Geschichten, Nummer 8, August 1988, hrsg. von der Stadt Ochsenfurt
  • Dr. Petra Gold: Ochsenfurter Mühlentäler: Schafbachtal und Thierbachtal. Stadt Ochsenfurt 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorgeschichtliche Funde in Tückelhausen und seiner Gemarkung beweisen, dass dort schon früh Siedluungen bestanden, lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes (vgl. dazu den Artikel von Dr. Andrea Größlein zur Vor- und Frühgeschichte Tückelhausens in der Festschrift „1100 Jahre Tückelhausen“).
  2. Staatsarchiv Marburg Codes Eberhardi Sign. K 426 Bl. 124 v.
  3. Robert Rackowitz: Ehemalige Kartause „Cella Salutis” Tückelhausen - Rundgang durch Klosteranlage und Klosterkirche. Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Georg, Tückelhausen 1982, 4. Auflage, S. 7

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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