Johann Georg Wolfgang van der Auwera

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Johann Georg Wolfgang van der Auwera (Gemälde um 1743 von Josef Anton Glandschnigg)
Johann Georg Wolfgang van der Auwera (Gemälde um 1751 - 1753 von Lorenzo Tiepolo (?))

Johann Georg Wolfgang van der Auwera - auch Auvera - (* 24. Oktober 1708 in Würzburg; † 27. März 1756 in Würzburg) war ein bedeutender Bildhauer des Rokoko in Mainfranken.

Leben und künstlerischer Werdegang[Bearbeiten]

Jugendjahre in Würzburg[Bearbeiten]

Johann Georg Wolfgang, erstgeborener Sohn des Bildhauers Jakob van der Auwera und seiner Frau Maria Christine, einer Tochter des Malers Oswald Onghers, wurde noch am Tag seiner Geburt am 24. Oktober 1708 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul getauft. Über seine Jugend und Lehrzeit ist so gut wie nichts bekannt. Da der Vater für die Brüder Johann Georg Wolfgang, Lukas Anton und Johann Michael Joseph eigens einen „praeceptor” [1] hielt, war er wahrscheinlich besonders auf die Erziehung seiner Kinder bedacht. Es ist davon auszugehen, dass die drei Brüder die handwerkliche Grundlage ihres späteren Schaffens in der Werkstatt des Vaters erlernten. Der französische Künstler Claude Curé, der 1721 nach Würzburg kam und mit der Familie van der Auwera befreundet war, war nicht ohne Einfluss auf den jungen Johann Georg Wolfgang, der später Claude Curés Tochter Maria Cordula heiratete.

Wiener Zeit[Bearbeiten]

Als weitere Stilwelle wurde für den jungen Johann Georg Wolfgang die barocke Kunst Wiens bestimmend. Den 1729 gewählten Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn verbanden persönliche Kontakte mit der Kaiserstadt. Schönborn hatte als Reichsvizekanzler fast drei Jahrzehnte in Wien gelebt, was zur Folge hatte, dass sein künstlerischer Geschmack ausgesprochen wienerisch war, weshalb Schönborn auf die Gewinnung tüchtiger Kräfte für den Bau der Residenz in Würzburg bedacht war. Johann Georg Wolfgang, der vielversprechend in der Werkstatt seines bereits am Bau der Residenz beschäftigten, alternden Jakob van der Auwera herangewachsen war, erschien dem Fürstbischof würdig, nach einer gründlichen akademischen Ausbildung in Wien die Stelle des Vaters zu übernehmen. Im Herbst 1730 traf Johann Georg Wolfgang in Wien ein und empfing auf Wunsch des Fürstbischofs Schönborn und auf Kosten des Hochstiftes Würzburg dort seine weitere Fortbildung. In Wien bezog er sofort die Akademie, in deren Schülerverzeichnis er bis 1733 nachweisbar ist. Wo er anschließend lernte, ist nicht bekannt, ab Ende September 1736 hielt er sich wieder in Wien auf, wo er erneut die Akademie besuchte. Im Stil und in der Technik erinnern die anfänglichen Skizzen Johann Georg Wolfgangs noch sehr an die Zeichnungen des älteren Würzburger Bildhauers Claude Curé. Erst das Erlebnis der kraftvoll bewegten Kunst des Lorenzo Mattielli [1] auf dem Gebiet der profanen und des Giovanni Giuliani [2] auf dem der religiösen Plastik konnte den jungen Auwera in Wien aus der schwerfälligen Tradition des Claude Curé und seines Vaters Jakob van der Auwera befreien. Die Begegnungen mit der Kunst dieser Bildhauer während seines sechsjährigen Aufenthaltes in Wien hatte auf sein weiteres Schaffen gewichtigen Einfluss. Als Johann Georg Wolfgang im Dezember 1736 nach Würzburg zurückkehrte, war er zum Meister gereift. Er hatte sich in einer Weiterführung und Umbildung manieristischer Stilelemente ein besonderes Körpergefühl und seine virtuose Fähigkeit angeeignet, Körper und Gewand in ihrer stofflichen Verschiedenheit zu charakterisieren.

Aufstieg in Würzburg[Bearbeiten]

Da sein Vater Jakob van der Auwera infolge seines Alters, er war bereits 64 Jahre alt, den Aufgaben nicht mehr gewachsen war, übertrug er vermutlich noch im gleichen Jahr 1736 dem aus Wien zurückgekehrten und zum Meister gereiften Johann Georg Wolfgang die Werkstatt, in der nun auch der nächstjüngere Bruder Lukas Anton von dieser Zeit an dauernd mittätig war.

Die Hoffnungen von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, die er in den jungen Auwera gesetzt hatte, wurden von Johann Georg Wolfgang nicht enttäuscht. Bereits im Jahre 1737 übernahm der die bildhauerischen Arbeiten an der Portalfront der Residenz, ein überaus wichtiges und umfängliche bildhauerisches Aufgabenfeld. Ebenso entstanden das imposante Staatswappen über dem Haupteingang der Residenz sowie die schmuckreiche Attika [2] der Ehrenhofrückwand. Diese Arbeiten beschäftigten den Bildhauer und seine Gesellen bis zum Frühjahr 1741. Johann Georg Wolfgang van der Auwera trat ebenbürtig neben Antonio Bossi, dem Stukkateur aus Lugano und Johann Georg Oegg, dem Kunstschlosser aus Tirol, auf. Neben den großen Aufgaben, die Johann Georg Wolfgang an der Residenz zu bewältigen hatte, war er auch mit dekorativen Arbeiten tätig, wie z.B. kleinen Marmorgruppen. 1738 wurde er vom Fürstbischof zum Hofbildhauer ernannt.

Außerhalb der Hofhaltung übertrug das Stift Neumünster ihm 1739 den großen Dreikönigsaltar an der Nordseite des Kuppeloktogons. Ihm folgte als Gegenstück an der Südseite 1742 der Kiliansaltar.

Durch die gemeinsame Arbeit entstand zwischen Balthasar Neumann und Johann Georg Wolfgang bald eine freundschaftliche Beziehung. 1740 traten sie gemeinsam eine Reise in das Rheingebiet und in die Niederlande an und kehrten nach mehrmonatiger Fahrt im August wieder nach Würzburg zurück. Nach der Heimkehr vergrößerte sich der Werkstattbetrieb Auweras und in der Werkstatt waren bis zu 10 Gesellen beschäftigt.

Am 8. Oktober 1740 heiratete Johann Georg Wolfgang im Alter von 32 Jahren die 19-jährige Maria Cordula Curé, Tochter seines Freundes und einstigen Lehrers Claude Curé. Bereits im Jahre 1739 war Auwera Bürger von Würzburg geworden. 1743 wird er vom Stadtrat von allen bürgerlichen Lasten und Abgaben befreit. Dieses Privileg war zuvor auch seinem Vater eingeräumt worden. Das Ehepaar Auwera bewohnte ein Haus in der Bronnbachergasse und hatte sechs Kinder. Die künstlerische Veranlagung von väterlicher und mütterlicher Seite setzte sich allerdings nur im jüngsten Sohn Adam Bernhard Dominikus (* 25. Januar 1750; † 3. November 1807) fort, der später Maler wurde.

Johann Georg Wolfgang und seine Werkstatt erhielten in den folgenden Jahren eine Fülle von Aufträgen. Der dekorativen Phantasie des Künstler ist die blendende und verwirrende Erscheinung des Spiegelkabinetts der Residenz zu verdanken, für das er die Zeichnungen entwarf.

Bereits kurz vor dem Tod des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn im Jahre 1746 trat der kirchliche Aufgabenkreis an ihn heran. So hatte das Bürgerspital zum Heiligen Geist bereits im Jahre 1742 einen Hochaltar für seine spätgotische Kirche bei Auwera bestellt. 1743 schuf er den figürlichen Schmuck für die Fassade der von Balthasar Neumann gebauten Abteikirche von Münsterschwarzach. 1746 wurde Auwera von Abt und Konvent der Abtei mit der Errichtung der Kanzel beauftragt. Auch außerhalb der Grenzen Franken erhielt Johann Georg Wolfgang Aufträge, so zur plastischen Ausgestaltung des von Balthasar Neumann geplanten Hochaltars im romantischen Westchor des Wormser Domes.

Seit der Mitte der 1740er Jahre bekam Johann Georg Wolfgang auch Aufträge für monumentale Grabmale für die Dome zu Mainz und Bamberg. Auwera gelang es dem Gedenken der Schönborn-Bischöfe durch seine Grabmäler einen gebührenden Rang zu wahren. Während die Mainzer Denkmäler auch heute noch ihren angestammten Platz einnehmen, gelangten die Bamberger Epitaphien in den 1950er Jahren ins Mainfränkische Museum, wo sie vor dem drohenden Vergessen bewahrt werden.

Nach der Jahrhundertmitte erhielt Wolfgang van der Auwera im Anschluss an die Umgestaltung des Domchores noch einmal zwei größere Altaraufträge. 1751 schuf er in der Kirche des Kartäuserklosters Tückelhausen den prächtigen Hochaltar mit den Heiligenfiguren. Ebenfalls 1751 entstand nach seinen Plänen und teilweise auch in seiner Werkstatt geschaffen die Ausstattung der Augustinerkirche, die bis zur Säkularisation zum dort angesiedelten Dominikanerkloster gehörte. Die Augustiner zogen erst 1813 hier ein. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 ist dieses aufwendigste Werk Auweras komplett zerstört worden.

Früher Tod[Bearbeiten]

Am 27. März 1756 starb Johann Georg Wolfgang Auwera im Alter von nur 48 Jahren. Er wurde in der Nähe seines Wohnhauses auf dem profanierten und aufgelassenen Friedhof bei der Kirche der Dominikaner beigesetzt. Seine Witwe Maria Cordula Auwera übergab die Leitung der Werkstatt an ihren Schwager Lukas Anton, heiratete dann aber 1759 den Bildhauergesellen Johann Peter Wagner, der damit auch Besitzer und 1771 Hofbildhauer wurde. Er setzte das künstlerische Erbe der Werkstatt Auwera in klassizistischer Zeit fort.

Werke[Bearbeiten]

1945 zerstörte Werke[Bearbeiten]

Verschwundene Werke[Bearbeiten]

  • Statuenschmuck des Ehrenhofabschlusses der Residenz, geschaffen 1738 - 1744. Auf Geheiß des Kronprinzen Ludwig von Bayern wurde der Ehrenhofabschluss 1821 abgebaut und verschwand spurlos.
  • Auweras figürliche Arbeiten an der Fassade der Abteikirche zu Münsterschwarzach von 1743 und die Kanzel von 1746 sind nach der Säkularisation des Klosters im Jahre 1802 untergegangen.

Erhaltene Werke[Bearbeiten]

In Würzburg[Bearbeiten]

  • Burkarder Kirche: Ölberg, 1732 nach den Plänen von Balthasar Neumann von Matthäus Kolb für den damaligen Domfriedhof geschaffen, die Figuren stammen von Johann Georg Wolfgang van der Auwera. Der Ölberg wurde 1894 von seinem ursprünglichen Standort am „Leichhof” (heute: Kiliansplatz) in den Städtischen Hauptfriedhof verlegt. Die Steinfiguren waren, dem Zeitgeschmack entsprechend, mit Ölfarbe „marmoriert“, die den Stein verhältnismäßig gut konserviert hatte. Von 1951 bis 1954 wurden die Figuren Christi, des tröstenden Engels und der schlafenden Jünger von Steinbildhauer Fritz Körner unter Verwendung von grüngelben Sandstein aus Gnodstadt kopiert; die Originale kamen in die Nische der romanischen Vorhalle der Burkarder Kirche[4]
  • Hofkirche: Marmorskulpturen des heiligen Kilian und Burkard nach Entwürfen von Johann Georg Wolfgang van der Auwera, die von unbekannten Künstlern direkt in Carrara [3] ausgeführt wurden und Würzburg 1743 auf dem Seeweg über Livorno, Amsterdam und Köln erreichten sowie der Tabernakel von 1743 von Johann Georg Wolfgang van der Auwera am Hochaltar.
  • Hofkirche: Marmorskulpturen am nördlichen und südlichen Seitenaltar nach Entwürfen von Johann Georg Wolfgang van der Auwera aus Carrara.
  • Mainfränkisches Museum:
    • Barock-Saal: Goldgefasste Holzstatuen trauernder Engel von 1753. Die Statuen vom nördlichen Chorbogenaltar der Würzburger Marienkapelle gehören zu den wenigen erhaltenen Stücken der im 19. Jahrhundert beseitigten barocken Ausstattung dieser Kirche.
  • Mainfränkisches Museum:
    • Barock-Saal: Schreibschrank und Doppelschrank von Carl Maximilian Mattern und Johann Georg Wolfgang van der Auwera.
      Der Schreibschrank aus dem Jahre 1745 wurde für die Würzburger Residenz gefertigt.
      Der Doppelschrank aus dem Jahre 1753 stammt aus der Sakristei der Prämonstratenserabtei Oberzell.
  • Mainfränkisches Museum:
    • Barock-Saal: Bodenstanduhr von Carl Maximilian Mattern und Johann Georg Wolfgang van der Auwera aus dem Jahre 1743. Das Uhrwerk stammt von einem unbekannten, vermutlich im Würzburger Umland arbeitenden Uhrmacher.
  • St. Peter und Paul: Kanzel, geschaffen um 1745/50. Rekonstruktion der am 16. März 1945 zerstörten Kanzel. Die Plastiken wurden von Johann Georg Wolfgang van der Auwera geschaffen, die Ornamentik von Antonio Giuseppe Bossi.
Ansicht vor der Innenrenovierung der Kirche in den Jahren 2015/2016
Ansicht nach der Innenrenovierung der Kirche in den Jahren 2015/2016
  • Steinbachtal-Burkarder-Schule im Hof: Immakulata aus dem Jahre 1740, die ursprünglich auf der Heidingsfelder Rathausbrücke stand und dort durch eine Kopie ersetzt wurde.

Außerhalb Würzburgs[Bearbeiten]

  • Waigolshausen (Landkreis Schweinfurt): Hochaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus (1744)

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Präzeptor (auch Praeceptor, von lat. „praeceptum" = Vorschrift, Lehre) war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit die Bezeichnung für den Lehrer, besonders für den Hauslehrer.
  2. Attika (aus griechisch attikos 'attisch') bezeichnet in der Architektur eine über dem Kranzgesims befindliche Aufmauerung oder eine Abschlusswand zur Verdeckung des Daches. (Kleines Wörterbuch der Architektur - Reclam, S. 14, Absatz Attika; ISBN 3150093600)
  3. Rudolf Edwin Kuhn: Würzburger Madonnen des Barock und Rokoko. Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1949, S. 97
  4. Main-Post: „Meisterliche Barockplastik wird kopiert“ (19. Mai 1951)