Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist
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Mit einer Geschichte von über 700 Jahren ist die Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist die älteste noch bestehende Siftung im Stadtgebiet. Sie betreibt vielfältige Senioreneinrichtungen in Würzburg. Das bedeutende Weingut der Stiftung finanziert ebenso wie die zahlreichen Liegenschaften der Stiftung die sozialen Einrichtungen.
Geschichte
Das Bürgerspital wird 1317 zum ersten Mal als „Neues Spital vor dem Hauger Tor außerhalb der Mauern Würzburgs“ (Novum hospitale [...] ante portam versus Hauge extra muros Herbypolenses) urkundlich erwähnt. [1] Stifter der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist war höchstwahrscheinlich bereits 1316 der Würzburger Bürger Johann von Steren mit seiner Frau Mergardis. Fürstbischof Gottfried III. von Hohenlohe bestätigt in einer Urkunde vom 23. Juni 1319 die Exemtion (lat. exemptio, das Herausnehmen) aus der Pfarrei Haug. [2] In dieser Urkunde wurde festgelegt, dass der Stifterfamilie in einer „Dreierpflegschaft“ mit dem Recht der Selbstergänzung die Leitung und Verwaltung der Stiftung obliegen soll. Das Stifterehepaar wollte eine privat-bürgerliche und keine stadtgemeindlich oder kirchliche Stiftungsverwaltung. [3] Am 1. Oktober 1320 bestätigte Papst Johannes XXII. die Gründung des Bürgerspitals. [4]
1342 wurde das Neue Spital zum Heiligen Geist, wie die Einrichtung ursprünglich meist genannt wurde, mit dem bis dahin außerhalb der Stadt gelegenen städtischen Siechenhaus vereinigt. Wie beispielsweise aus dem Fundationsbrief von Hans von Steren (Sohn des Stifters) aus dem Jahr 1349 hervorgeht, diente die soziale Einrichtung zwar der Pflege und Unterstützung von armen, alten und gebrechlichen Menschen, war jedoch nicht als Krankenhaus zur Versorgung Kranker oder Leprabefallener, für deren Betreuung weiterhin das Siechenhaus zuständig war, zu verstehen (1903 wurde das Bürgerspital zwar als „Pfründner- und Siechenhaus“ ausgewiesen, schwerst körperlich oder psychisch Erkrankte wurden aber weiterhin an andere Einrichtungen weitergeleitet). Zu den bedeutendsten Zustiftern des Bürgerspitals gehörten im 14. Jahrhundert die Brüder Rüdiger und Wolfram Teufel. Im Würzburger Raum hatte das Spital Ende des 16. Jahrhunderts 58 ha Ackerland und 10 ha Weinbergsbesitz sowie weitere Lehenhöfe außerhalb. Die Benennung als „Bürgerspital zum Heiligen Geist“ entstand laut Rottenbach zeitgleich mit der Grundsteinlegung des Juliusspitals am 12. März 1572 und wurde dann der offizielle Name der manchmal auch „Heiliggeistspital“ genannten Stiftung.
Nach verschiedenen Neubau- und Wiederaufbauarbeiten im 16. Jahrhundert wurde 1718 ein Neubau im Hof errichtet. [5] Ältester erhaltener Teil des Gebäudekomplexes ist die Bürgerspitalkirche von 1371.
Die medizinische Versorgung des Bürgerspitals oblag unter anderem einem von Bürgermeister und Rat bestellten Stadtmedicus. Die Aufnahme der (katholischen) Spitalbewohner (Innere Pfründner) und die Hausordnung wurden in den seit 1541 verfassten Pfründe- bzw. Pfründnerordnungen geregelt. Beispielsweise besagten die Vorschriften im Jahr 1885, dass das Eigentum der Pensionäre (einschließlich späterer Erbschaften) mit dessen Eintritt an das Bürgerspital übergeht. Äußere Pfründner, die nicht im Spital wohnten, aber finanziell unterstützt wurden, waren zur Teilnahme an den Gottesdiensten verpflichtet. [6]
Durch den Kauf der Schlüpferleinsmühle 1836 mit 100 ha, des Rothofes 1894 mit 60 ha und des Straußhofes 1898 mit 48 ha wurde der Liegenschaftsbesitz auf über 316 ha vergrößert. Vor der Machtübernahme durch die NSDAP umfasste der Grundbesitz das Anstaltsgebäude mit Hausbesitz in einer Größe von ca. 1,6 ha, das Weingut mit 75 ha, die Gutshöfe mit 165,7 ha und Einzelgrundstücke mit 8,3 ha. Die Stiftung erhielt zahlreiche großzügige Schenkungen. [7]
Nach den Zerstörungen vom 16. März 1945 erfolgte 1950 zunächst die Wiederaufnahme des Weinstubenbetriebs. Am 25. Januar 1951 konnten dann wieder Pfründner in Räumlichkeiten über der Weinstube im Greisingbau aufgenommen werden. Nach Plänen Rudolf Schlicks begann im Sommer 1953 der Wiederaufbau der übrigen Gebäude. Seit Ostern 1956 ist das Bürgerspital-Glockenspiel zu hören. Der Wiederaufbau des Bürgerspitals und der Bürgerspitalkirche wurde durch Bischof Döpfner am 30. Januar 1957 mit einem Meßopfer gefeiert. [8]
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Informationstafel zur Geschichte (Zugang zur Verwaltung)
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Informationstafel zur Geschichte (Durchgang zum Innenhof)
Stiftungszweck
Zweck der Stiftung ist insbesondere die Fürsorge von betagten Würzburger Bürgern:
- Aufnahme von Senioren im vorgerückten Alter zu wettbewerbsüblichen Heimkostensätzen in ihre Alten- und Pflegeheime
- Aufnahme von Patienten in ihre geriatrische Reha-Klinik zur stationären oder ambulanten Behandlung zu wettbewerbsüblichen Kostensätzen
- Aufnahme von Senioren gegen Entgelt in die Wohnstifte,
- Betreiben von geriatrischen Therapiepraxen und ambulanten Pflegediensten für Bewohner der im Eigentum der Stiftung stehenden Einrichtungen
- weitere Alten- u. Pflegeheimplätze schaffen und unterhalten.
Integrierte Stiftungen
Über die Jahrhunderte wurden unter dem Dach des Bürgerspitals ehemals eigenständige kleinere Stiftungen einbezogen. Stand 2005 werden hier folgende Stiftungen aufgeführt: Ehehaltenhaus, Siechenhausstiftung, Hueberspflege, Georg Eydel-Handwerkerstiftung, Richard-Schmitt-Stiftung, Vereinigte Stiftung der Jugendwohlfahrt und Jugendpflege, Herbipolis Bürgerstiftung, Wickenmayer'sche Kinderpflege. [9]
Teilbereiche der Stiftung
Senioreneinrichtungen
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Das Wohnstift Sanderau bestand von 1974 bis 2018
Zudem gibt es das Geriatriezentrum, die Tagespflege Villa Schenk und einen ambulanten Dienst.
Weingut
Das Weingut Bürgerspital ist ein VDP.Weingut und bewirtschaftet ca. 120 ha Rebfläche in renommierten Lagen. Der Weinbau ist seit Gründungszeiten der Stiftung ein wichtiger Wirtschaftszweig. In den frühen Jahrhunderten vorrangig für die Eigenversorgung, später essenziell für den finanziellen Unterhalt der sozialen Einrichtungen.
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Weinreben des Bürgerspital-Weinguts an der Inneren Leiste
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Wappen des Bürgerspital-Weinguts an einer Weinbergsmauer
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Blick vom Steinberg mit dem Wappen des Bürgerspital-Weinguts
Gebäudekomplex Semmel-/Theaterstraße
Traditionsreicher Standort der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist ist im Gebäudekomplex zwischen Theaterstraße und Semmelstraße. Dort befinden sich die Hauptgebäude mit dem barocken Roten Bau und der gotischen Bürgerspitalkirche um einen Innehof, der von den Weinstuben bewirtschaftet wird.
Ebenfalls auf dem Gelände: Das Weingut des Bürgerspitals mit dem Zentralkeller und allen technischen Anlagen sowie die Verwaltung und einige Anbauten. Nach Nordosten schließt sich eine Gartenanlage an. Am Eck des Baukomplexes (in Richtung Eichhornstraße) besteht seit 1956 ein viel beachtetes Glockenspiel.
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Informationstafel zu den Baulichkeiten an der Semmel-/Theaterstraße
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Das Bürgerspittal zum heilig. Geist in Wirtzburg (mit dem Spittalthor) (um 1600)
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Bürgerspital mit einem Spruch von Felix Dahn
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Innenhof des Bürgerspitals (zwischen 1910 und 1940)
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Innenhof des Bürgerspitals (1929)
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Innenhof des Bürgerspitals (1946)
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Bürgerspital Ecke Semmelstraße/Theaterstraße (1950)
Brunnen
Mehrere Brunnen, sowohl historische als auch moderne, zieren das Anwesen.
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Historischer Pfeilerbrunnen
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Wasserspeier
Regelmäßige Veranstaltungen
Hofschoppenfest
Jährlich lädt das Weingut zum Bürgerspital-Hofschoppenfest im barocken Innenhof des Stammhauses. Das Fest findet immer rund um den Stiftungstag des Spitals (23. Juni) statt. Zu einer Auswahl an Weinen der diversen Lagen des Bürgerspitals werden fränkische Speisen angeboten. [10]
Ehrungen und Auszeichnungen
- 1969 wurde die Stiftung mit der Goldenen Stadtplakette der Stadt Würzburg ausgezeichnet.
Kontakt
- Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist
- c/o Stiftungsverwaltung
- Theaterstraße 19
- 97070 Würzburg
Siehe auch
- Stiftungen
- Stiftungsnetzwerk Würzburg
- Bürgerspital Weinstuben
- Bürgerspitalkirche
- Glockenspiel
- Liste der Spitalmeister des Bürgerspitals
- Roter Bau
- Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist
- Weingut Bürgerspital
Quellen und Literatur
- Rüdiger Braun: Die Gründung des Neuen Spitals (Bürgerspitals) in Würzburg vor 700 Jahren. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, 78. Band, S. 253-319
- Ralf Frenzel: Bürgerspital Würzburg. Tre Torri Verlag GmbH 2016, ISBN: 978-3-944628-87-5
- Quellen zur Geschichte des Bürgerspitals Würzburg 1500-1650, bearb. v. Hans-Wolfgang Bergerhausen (Fontes Herbipolenses VIII), Würzburg 2014
- Die Bürger und ihr Spital. Aspekte aus der Geschichte des Bürgerspitals in Würzburg. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Würzburg von Sybille Grübel und Dr. Robert Meier (Kleine Reihe des Stadtarchivs, Nr. 29), Würzburg 2006
- Bürgerspital zum Hl. Geist Würzburg. Kleiner Kunstführer, Schnell & Steiner, 2. Auflage, Regensburg 2004
- Urkundenbuch des Bürgerspitals Würzburg 1300-1499, bearb. von Ekhard Schöffler (Fontes Herbipolenses VII), Würzburg 1994
- 600 Jahre Bürgerspital zum Heiligen Geist. Festschrift. Hrsg.: Bürgerspital zum Hl. Geist. Echter, Würzburg 1969
- Bruno Rottenbach: 660 Jahre Bürgerspital. In: 15 Jahrhunderte Würzburg. Hrsg. von Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 268-280 (Randspaltentext)
- Notizen zur Geschichte des Bürgerspitals zum heiligen Geist in Würzburg, Festschrift zum 500. Jahrestag der Bürgerspitalstiftung vom 27. Juni 1819
- Ludwig Schleinkofer: Die Entwicklung des Bürgerspitals „zum hl. Geist“ in Würzburg. Staatswissenschaftliche Dissertation, Typoskript, Würzburg 1925 (Universitätsbibliothek Würzburg).
Weblinks
- Internetseiten des Bürgerspitals
- Infoseite über das Bürgerspital zum Heiligen Geist auf wuerzburg.de
- Stiftung auf stiftungen.bayern.de
Einzelnachweise und Hinweise
- ↑ Die Urkunde ist gedruckt bei Schöffler, Nr. 5, S. 4; ein Digitalisat der Urkunde ist abrufbar unter: https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/Buergerspital/1/charter.
- ↑ Schöffler, Nr. 7, S. 5-8; https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/Buergerspital/2a/charter.
- ↑ Es sind zahlreiche Urkunden vorhanden, dass der Stiftersohn nach dem Tod des Vaters (1329) die Stiftung verwaltete und 1349 die Verwaltung auf seinen Sohn (Stifterenkel) und dessen Ehefrau Guthe übertrug. Auch der Stifterenkel tritt in der Folge in zwei Kaufurkunden als Pfleger des Spitals auf, letztmals 1351 (zusammen mit seinem Cousin). In den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Bischof gelang es der Stadt, sich das Spital anzueignen. Stiftungshistoriker erklären solche häufig vorkommenden Kommunalisierungen auch damit, dass allgemein der Rat in den Städten durch Veränderung des Stiftungszwecks seinen eigenen Angehörigen einen Aufenthalt im Spital verschaffen wollte.
- ↑ Schöffler, Nr. 9, S 9f.; https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/Buergerspital/3/charter.
- ↑ S. Göbl: Würzburg, die Stadt des Rokoko. Ein kulturhistorisches Städtebild. 12. Auflage Würzburg 1926, S. 144f.
- ↑ Bruno Rottenbach: 660 Jahre Bürgerspital. In: 15 Jahrhunderte Würzburg. Hrsg. von Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 268-280; S. 274-279 (Randspaltentext)
- ↑ Aus der Geschichte (bürgerspital.de)
- ↑ Bruno Rottenbach, a.a.O., S. 280a
- ↑ Volksblatt 1.7.2005, über Bio-Mappe Stadtarchiv
- ↑ Main-Post: „Hofschoppenfest im Bürgerspital eröffnet“ (17. Juni 2011)
