Johann Michael Joseph van der Auwera

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Johann Michael Joseph van der Auwera - auch Auvera - (* 14. Dezember 1711 in Würzburg; † 9. Februar 1758 in Aub) war ein fränkischer Bildhauer und entstammte der Bildhauerfamilie Auwera.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Zeit in Würzburg[Bearbeiten]

Johann Michael Joseph van der Auwera war der jüngste Sohn des Hofbildhauers Jakob van der Auwera in Würzburg. Laut der Taufmatrikel der Würzburger Dompfarrei wurde er am 14. Dezember 1711 getauft. [1] Da der Vater für die Brüder Johann Georg Wolfgang, Lukas Anton und Johann Michael Joseph eigens einen „praeceptor“ [2] hielt, war er wahrscheinlich besonders auf die Erziehung seiner Kinder bedacht. [3]

Es ist davon auszugehen, dass die drei Brüder die handwerkliche Grundlage ihres späteren Schaffens in der Werkstatt des Vaters erlernten. Johann Georg Wolfgang, der vielversprechend in der Werkstatt eines bereits am Bau der Residenz beschäftigten, alternden Jakob van der Auwera herangewachsen war, erschien dem Fürstbischof würdig, nach einer gründlichen akademischen Ausbildung in Wien die Stelle des Vaters zu übernehmen. Nachdem nun der älteste Bruder in den Jahren von 1730 bis 1736 seine Ausbildung in Wien absolvierte, kann angenommen werden, dass der Vater Jakob nicht auch noch auf die Hilfe seiner beiden jüngeren Söhne verzichten wollte. Da die Arbeiten an der Residenz voll im Gange waren und es sehr viel Arbeit gab, benötigte er deren Unterstützung und Mitarbeit. Die Wanderjahre von Johann Michael Joseph dürften daher die übliche Zeit von drei bis vier Jahren nicht überschritten haben. Es scheint auch möglich zu sein, dass Johann Michael Joseph einen Teil seiner Gesellenzeit beim Würzburger Hofbildhauer Claude Curé verbracht hat, da sich die beiden ausländischen Familien gut kannten. [4]

Am 19. November 1737 heiratete Johann Michael Joseph in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Aub die dortige Weberstochter Anna Maria Ley. Johann Michael Joseph arbeitete nach seiner Heirat weiterhin in der Auwerawerkstatt. Nach den Taufeinträgen seiner Kinder wohnte er zuerst in der Pfarrei Stift Haug und seit 1742 in St. Gertraud. Von seinen fünf Kindern blieb nur das erste, Johann Georg und das letzte Michael Joseph, am Leben. Die anderen drei starben bereits im frühen Kindesalter. Sein drittes Kind, Johann Adam Anton, wurde bereits 1745 in Aub geboren und starb dort im Oktober 1746, ein Hinweis darauf, dass die Frau Auweras bereits ab 1745 in Aub lebte.

Umzug nach Aub[Bearbeiten]

Paul Cammerisches Anwesen

Mit dem endgültigen Umzug von Johann Michael Joseph nach Aub musste aber auch gesichert sein, dass er hier den Lebensunterhalt seiner Familie sichern konnte. Dieses Vorhaben wurde durch den Tod zwei Konkurrenten begünstigt. 1746 verstarben in Ochsenfurt der erst 39 Jahre alte Bildhauer Johannes Müller und der Kitzinger Bildhauer Johann Doser, die beide Kundschaft im Ochsenfurter Gau hatten. Ab 1748 war Johann Michael Joseph Bürger von Aub und war Besitzer des sogenannten „Paul Cammerischen Anwesens” [5], einer Gastwirtschaft direkt an der Heerstraße und dem Zollhaus an der Brücke, was einen möglichen Nebenerwerb als Wirt bedeutete. Tatsächlich aber wurde erst sein Sohn Johann Georg Auwera als Wirt erwähnt.

Die wirtschaftliche Lage Auweras war in den Folgejahren eher dürftig. Er hatte wenig zu tun und versuchte in anderen Orten wie Ochsenfurt und Mergentheim Fuß zu fassen. Durch den Tod des Ochsenfurter Bildhauers Leopold Kurzhammer im Jahre 1749 erhielt er im Jahr darauf den Auftrag für die Portalfigur des heiligen Wolfgang in Ochsenfurt. Unter Berufung auf diese Arbeit bewarb sich Johann Michael Joseph im Mai 1752 um die Aufnahme in die Stadt Ochsenfurt. Warum daraus nichts wurde ist nicht bekannt. Eventuell erschien es dem Bildhauer lukrativer in Mergentheim sein Glück zu versuchen, denn nachweislich hatte er sich in der Nähe des Schlosses eingemietet. [6] Johann Michael Joseph war demnach der erste Auwera, der zumindest zeitweise in Mergentheim lebte.

Die beiden Kinder Johann Georg und der jüngere Michael Joseph Auwera wuchsen bis zur Lehrzeit außerhalb des Elternhauses auf; Johann Georg bis zu seinem zwölften Lebensjahr bei seinem Großvater Jakob, Michael Joseph in der Schule des Waisenhauses am Würzburger Juliusspital. Entscheidend hierfür waren zum einen die bessere Schulbildung in Würzburg und die schlechte wirtschaftliche Lage der Familie.

Tod[Bearbeiten]

Am 9. Februar 1758, zwei Jahre nach dem Tod seines ältesten Bruder Johann Georg Wolfgang, verstarb Johann Michael Joseph van der Auwera im Alter von nur 48 Jahren. Er wurde im Kirchhof der Auber Stadtpfarrkirche beigesetzt. Bis zur Rückkehr des Sohnes Johann Georg von der Wanderschaft im Jahre 1764 führte die Witwe Auweras unter der Leitung von Mathäus Haslinger die Werkstatt weiter. Anna Maria starb am 14. April 1784 in Aub.

Johann Michael Joseph und die Auwerawerkstatt[Bearbeiten]

Jakob van der Auwera, der infolge seines Alters von 64 Jahren den Aufgaben der Auwerawerkstatt nicht mehr gewachsen war, übertrug vermutlich noch im Jahr 1736 dem aus Wien zurückgekehrten Johann Georg Wolfgang die Werkstatt, in der nun auch der nächstjüngere Bruder Lukas Anton mitarbeitete. Johann Georg Wolfgang und Lukas Anton waren überwiegend für den Hof tätig; beide waren auch stilistisch aufeinander eingespielt. [7] Die aus dem Nachlass der Auwerawerkstatt erhaltenen Zeichnungen eines Altars und einer Kanzel, die Johann Michael Joseph zugeordnet werden können, sprechen dafür, dass Johann Michael Joseph eher für die außerhöfischen Aufgaben tätig war. Spätestens 1748 schied Johann Michel Joseph aus der Auwerawerkstatt aus und zog nach Aub. Ein Grund hierfür bestand darin, dass nach der Beendigung des Rohbaus der Residenz im Jahre 1744 viele Künstler nur noch schwer Beschäftigung fanden und der weitere Ausbau unter Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn gedrosselt worden war. Der andere Grund war die Heirat seines Bruders Lukas Anton am 3. Februar 1744. Dadurch musste die Auwerawerkstatt einen erweiterten Personenkreis ernähren, weshalb Johann Michael Joseph als jüngster Bruder zuerst das Feld räumen musste.

Werke[Bearbeiten]

Ochsenfurt[Bearbeiten]

Röttingen[Bearbeiten]

Das breite Korbbogen-Portal des Rathauses ist bekrönt mit dem Wappen von Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau (1749 – 1754) Zwei flache Gurtbänder überhöhen und tragen die fränkische Herzogskrone. Zu beiden Seiten darunter sind Schwert und Krummstab hinter das Wappenschild gesteckt, als Zeichen der landesherrlichen Gewalt der Würzburger Fürstbischöfe. Zwei kleinere Wappenschilde zeigen links einen Pferdekopf, das Wappen der Freiherren von Zobel, die einige Amtmänner in Röttingen stellten, und rechts das Stadtwappen von Röttingen, den heiligen Georg in silberner Rüstung mit goldener Lanze und rotem Kreuz.

Sonderhofen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Menth: Die Bildhauerfamilie Auwera in Aub. Stadt Aub: Kunst und Geschichte, Band 2, Aubanusverlag, Wolfratshausen 1987

Einzelnachweise und Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Pfarrarchiv Aub, Akte Auwera, Urkunde 6 Auszug Taufmatrikel der Dompfarrei 88, 14. Dec. 1711
  2. Präzeptor (auch Praeceptor, von lat. „praeceptum" = Vorschrift, Lehre) war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit die Bezeichnung für den Lehrer, besonders für den Hauslehrer.
  3. Bei Gertrud Krüger: Jakob van der Auwera, Dissertation Würzburg 1931, erfahren wir Näheres über den Personenkreis, in dem Johann Michael Joseph 1719 aufwuchs: „Jacob fonderaura hat 4 Kind, 1 gesellen, 2 lehrjung, 1 Magd, 1 praeceptor ...“
  4. Dass sich die beiden ausländischen Familien Auwera und Curé gut miteinander verstanden, zeigt auch die Heirat von Johann Georg Wolfgang am 8. Oktober 1740 mit der 19-jährigen Maria Cordula Curé, Tochter seines Freundes und einstigen Lehrers Claude Curé.
  5. Das Paul Cammerische Anwesen hatte seinen Namen nach seinem Vorbesitzer Paul Cammerer, der Weißgerber und unterer Torwärter war. Stadtarchiv Aub, Bürgermeisterrechnung 1738, fol 14.
  6. Stadtarchiv Mergentheim, Nahrungsbuch 1753, fol. 224.
  7. Siehe hierzu die Herkules-Gruppen.
  8. Georg Menth: Die Bildhauerfamilie Auwera in Aub. Stadt Aub: Kunst und Geschichte, Band 2, Aubanusverlag, Wolfratshausen 1987, S. 29-30