Luftschutzmaßnahmen in Würzburg 1945

Luftschutzmaßnahmen wurde in Würzburg bereits vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs zu einem wichtigen Thema. Während der Luftschutz anfangs in erster Linie organisatorische Maßnahmen umfasste, gewannen in den 1940er Jahren nach den ersten Luftangriffen vor allem bauliche und technische Vorkehrungen an Bedeutung. In Summe war Würzburg im Vergleich zu anderen Großstädten im Hinblick auf den Luftschutz jedoch sehr einfach ausgestattet.
Organisatorische Luftschutzmaßnahmen
Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fanden Mitte der 1930er Jahre erste Luft- und Gasschutzübungen sowohl für die Bevölkerung, als auch für die Freiwillige Feuerwehren statt. Großangelegte Luftschutzübungen fanden beispielsweise am 17. Oktober 1934 auf dem Marktplatz und am 17. November 1934 an einem Gebäudekomplex in der Langgasse statt. Ähnliche Übungen folgten bald darauf auch in allen anderen Stadtteilen. [1] [2] Ebenfalls 1934 wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, Dachböden von Brandlasten zu entrümpeln und geeignete Löschmittel (z.B. Löschsand in Eimern und Säcken) bereitzustellen. In einigen Fällen wurden Dachböden mit einer dicken Sandschicht (ca. 10-20 cm) versehen, um Stabbrandbomben vor dem Aufprall abzubremsen. So sollte ein Auslösen der Stabbrandbombe verhindert werden.
Die gesetzliche Grundlage für den Luftschutz erließ die Reichsregierung am 26. Juni 1935 in Form des Deutschen Luftschutzgesetzes. Das Luftschutzgesetz regelte einerseits die Verantwortlichkeiten und Kostenerstattung (Luftschutzgesetz §1), andererseits enthielt es Luftschutzpflichten, die von den Bürgern zwingend befolgt werden mussten. In Ausnahmefällen führte der Luftschutz bis hin zu Enteignungen (Luftschutzgesetz §4). Dem Luftschutzgesetz folgten verschiedene Durchführungsbestimmungen. Das Luftschutzgesetz wurde wiederum am 8. September 1939 und am 31. August 1943 fortgeschrieben. Verantwortlich für den Luftschutz war das Deutsche Reich in Form des Reichsministers der Luftfahrt, der die Durchführung wiederum unter anderem den Polizeidienststellen übertrug. In Würzburg war der Luftschutz somit die Aufgabe des örtlichen Polizeipräsidenten (örtlicher Luftschutzleiter), der sich wiederum städtische Einrichtungen wie z.B. Feuerwehr zur Hilfe nahm. Am 1. April 1936 wurde in Würzburg außerdem die Dienststelle „Luftschutz (technischer Teil) und Arbeiten des Fachführers der Stadtverwaltung bei der örtlichen Luftschutzleitung“ eingerichtet. Hauptaufgabe dieser Dienststelle stellte der bauliche Luftschutz für das Würzburger Rathaus und für sonstige Amtsgebäude, die technische Organisation des Luftschutzes für alle städtischen Amtsgebäude, der Aufbau des erweiterten Selbstschutzes in den städtischen und stiftischen Gebäuden, die Bauberatung für alle städtischen Dienststellen in Luftschutzfragen sowie die Bauberatung in Baupolizeisachen für den Reichsluftschutzbund dar. [3]
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Luftschutzgesetz vom 26. Juni 1935 (Auszug)
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Verkauf von Sandsäcken für Löschzwecke durch das Kaufhaus Seisser (1943)
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Löschsand-Papiertüte, hergestellt in Würzburg
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Löschsand-Papiertüte, hergestellt in Würzburg
Bauliche Luftschutzmaßnahmen
Luftschutzzeichen und -markierungen

In einem Erlass des Reichsministeriums der Luftfahrt und des Oberbefehlshabers der Luftwaffe wurde im Rahmen des §7 der ersten Luftschutzverordnung zum Luftschutzgesetz in der Fassung vom 31. August 1943 folgende Regelung für die Kennzeichnung der Luftschutzräume getroffen: betreffende Kennzeichnung der Luftschutzräume und Entfernung von Kellerfenstergittern wird den Eigentümern von Gebäuden als zusätzliche Maßnahme zu den angeordneten Lageplänen die Kennzeichnung der Lage der Luftschutzräume an den Außenwänden der Häuser aufgegeben, soweit diese Kennzeichnung im Luftschutzort noch nicht durchgeführt ist. Die Durchführung dieser Maßnahmen ist erforderlich, um den Bergungskräften die Möglichkeit zu geben, bei eingestürzten Häusern die Luftschutzräume schnell feststellen zu können. [...][4]
Die Luftschutzzeichen waren zwar reichsweit einheitlich geregelt, allerdings geht aus der Literatur und aus Bildern hervor, dass es durchaus regionale Unterschiede in der Ausführung gab. In Würzburg fielen die Luftschutzzeichen im Vergleich zu anderen deutschen Städten vergleichsweise dezent aus, wie zahlreiche historische Aufnahmen belegen. Die Lage der Zugänge für Luftschutzräume und Schutzräume, Mauerdurchbrüche sowie Notausstiege waren auf den Hauswänden mit - teils auch fluoreszierenden - weißen Buchstaben und Pfeilen gekennzeichnet. Unter anderem folgende Luftschutzzeichen/Luftschutzmarkierungen gab es:
- KS = hier kein Schutzraum!
- NA = Notausstieg (oft in Kombination mit Pfeilen)
- MD = Mauerdurchbruch (zu einem benachbarten Keller)
- SR = Schutzraum
- Rg = Rückgebäude (zum Beispiel Gebäude in zweiter Reihe)
In der Altstadt wiesen darüber hinaus zahlreiche Schilder auf die Luftschutzräume (LS-Räume) und deren Kapazitäten hin.
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Ludwigstraße um 1940, Kennzeichnung von Schutzräumen (SR) und Mauerdurchbrüchen (MD)
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Bahnhofstraße 1940er Jahre, Kennzeichnung eines Schutzraums (SR)
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Karmelitenstraße 1941, KS = Kein Schutzraum
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Dettelbachergasse 1942, Kennzeichnung eines Notausstiegs (NA)
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Neubaustraße 1942, Hinweis auf öffentlichen Luftschutzraum
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Kärnergasse 1943, KS = Kein Schutzraum
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Karmelitenstraße um 1943, KS = Kein Schutzraum sowie Hinweispfeil „Mainkai“
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Innerer Graben um 1944, Kennzeichnung von Schutzräumen (SR)
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Bahnhofstraße 1944, Kennzeichnung eines Schutzraums (SR) und von Mauerdurchbrüchen (MD)
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Maxstraße 1944, Kennzeichnung eines Schutzraums (SR)
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Herrnstraße zwischen 1940 und 1945, Kennzeichnung von Schutzräumen (SR) und Notausstieg (NA)
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Semmelstraße 1944/1945, KS = Kein Schutzraum
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Turmgasse zwischen 1942 und 1945, der Schutzraum (SR) befand sich im Rückgebäude (Rg)
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Neubaustraße, Schutzraum (SR) und Hinweisschild „Saugstelle“
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Luftschutzzeichen am Peterplatz
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Beleuchteter Hinweispfeil an einer Fassade in der Domstraße. Der nächstgelegene öffentliche Luftschutzraum befand sich in der Domstraße 15.
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Beleuchteter Hinweispfeil an der Kurie Heideck. Der nächstgelegene Luftschutzraum befand sich in der Domerschulstraße 2.
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Schustergasse 1945/1946, KS = Kein Schutzraum
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Hinweisschild auf öffentliche Luftschutzräume am Grafeneckart
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Hinweisschild auf öffentliche Luftschutzräume am Grafeneckart, 1945
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Karmelitenstraße 1946, der Schutzraum (SR) befand sich im Rückgebäude (Rg)
Auch heute noch sind vereinzelt alte Luftschutzzeichen an Gebäuden zu finden, beispielsweise an der Jägerstraße 5, am Friedrich-Ebert-Ring 17 oder an der Huttenstraße 2. Ehemalige Schutzräume erkennt man auch oft an den massiven Stahlklappen vor den Kellerfenstern (splittersichere Raumabschlüsse).
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Schutzraum (SR) Friedrich-Ebert-Ring 17 (2022)
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Notausstieg (NA) Friedrich-Ebert-Ring 17 (2022)
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Splittersichere Raumabschlüsse (Stahlklappen) an den Kellerfenstern Friedrich-Ebert-Ring 17 (2022)
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Schutzraum (SR) und Notausstieg (NA) Huttenstraße 2 (2022)
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Stahlklappe eines ehemaligen Schutzraums an der Arndtstraße 37 (2022)
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Stahlklappe eines ehemaligen Schutzraums an der Arndtstraße 37 (2022)
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Stahlklappe eines ehemaligen Schutzraums an der Sophienstraße 21 (2022)
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Stahlklappen an der Weingartenstraße 43, ehemalige Weinkellerei Klenk mit Gewölbekeller (2023)
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Luftschutztür an der Bockgasse 3, mit nachträglichen baulichen Veränderungen (2023)
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Luftschutztür an der Bockgasse 3, mit nachträglichen baulichen Veränderungen (2023)
Hoch- und Tiefbunker
Da Würzburg offiziell als Lazarettstadt anerkannt war und somit als nicht besonders luftgefährdet galt, wurden keine massiven Luftschutzbauten wie beispielsweise in Schweinfurt oder anderen Industriestädten geschaffen. Es gab somit keine Hochbunker, Tiefbunker oder gar Flakbunker im Stadtgebiet. Eine Ausnahme bildete ein Hochbunker aus massivem Beton am Letzten Hieb für das Personal der Luftschutz-Befehlsstelle und Kommandozentrale. Auch am Gestapo-Notgefängnis Friesstraße waren zwei kleinere Bunker. Kleinere Tiefbunker befanden sich im Bereich der Kirchbühlstraße im Frauenland sowie unter dem Neumannplatz (Platz an der heutigen Ernst-Reuter-Straße) in Grombühl. Am Bahnbetriebswerk gegenüber des Hauptbahnhofs steht ein besonders geschützten Beobachtungsturm. Auf dem Bahngelände befinden sich darüber hinaus im Hangbereich zwei Bunker.
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Luftschutz-Befehlsstelle (Hochbunker)
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Bunker am Gestapo-Notgefängnis Friesstraße
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Beobachtungsturm am Bahnbetriebswerk
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Bunker am Bahnbetriebswerk
Luftschutzkeller und -stollen, Schutzräume, Splittergräben

Man beschränkte sich in Würzburg Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre vielmehr auf den Bau und Ausbau von Luftschutzkellern und Schutzräumen in Amtsgebäuden und Privathäusern sowie auf den Ausbau von Stollen sowie von Bier- und Felsenkellern.
Unter folgenden Plätzen/Orten befanden sich öffentliche Luftschutzkeller (hier lediglich eine Auswahl): [5] [6]
- Marktplatz
- Sternplatz
- Neumannplatz (Platz an der heutigen Ernst-Reuter-Straße)
- Platz'scher Garten: Zwei Luftschutzkeller/Brauereikeller, unter anderem der „Gäbhards-Keller“
- Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen: Der Luftschutzkeller befand sich unter dem Hügel/Boule-Platz hinter dem Denkmal, der mittlerweile verfüllte Zugang befand sich im Hang in Richtung Husarenstraße. Der Notausstieg des Luftschutzkellers nach oben ist gegenwärtig noch vorhanden, die Öffnung wurde aber mit einem Gitter zugeschweißt. [7]
- Karmelitenkloster Maria Magdalena (Reuererkloster): Der Luftschutzraum befand sich in der Krypta unter der Kirche und bot ca. 500 Personen Platz. [8]
- Südöstlich des Hauptfriedhofs im Bereich der Siligmüllerbrücke. Der Eingang zum Luftschutzkeller ist noch vorhanden. [9]
- Friedenstraße
- Unter dem Hofgartenwall am Rennweg (Zugang vom Hofgarten und vom Rennweg) und im südlichen Wallflügel (Zugang an den Maulbeer-Lauben)
- Unter dem Zeller Torhaus
- Bibrastraße 9 und 14 [10]
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Bunkereingang des öffentlichen Luftschutzkellers unter dem Marktplatz (mittig links im Bild)
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Bunkereingang des öffentlichen Luftschutzkellers Neumannplatz in Grombühl 1956 (Platz an der heutigen Ernst-Reuter-Straße)
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Ausgang Richtung Rennweg im ehemaligen Luftschutzkeller im Hofgartenwall (obere Ebene)
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Gasschleuse des ehemaligen Luftschutzkellers im Hofgartenwall am Ausgang zum Rennweg
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Zugang zur oberen Ebene des ehemaligen Luftschutzkellers im Hofgartenwall (am Rennweg)
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Zugang zur unteren Ebene des ehemaligen Luftschutzkellers im Hofgartenwall (im Hofgarten)
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Zugang zum ehemaligen Luftschutzkeller im Hofgartenwall (im Hofgarten)
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Ausgang der unteren Ebene zum Hofgarten
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Zugang zum ehemaligen Luftschutzraum im südlichen Hofgartenwall (Maulbeerlaube)
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Festgerostete Bunkertür im Luftschutzraum am südlichen Hofgartenwall
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Relikt des ehemaligen Luftschutzkellers Reuererkloster. Dieser befand sich in der Krypta unter der Kirche.
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Zugang des ehemaligen Luftschutzkellers Zeller Torhaus
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Ehemaliger Luftschutzkeller unter dem Zeller Torhaus
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Notausstieg des ehemaligen Luftschutzkellers Zeller Torhaus
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Luftschutzraum unter dem Zeller Torhaus, Notausstieg
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Luftschutzraum unter dem Zeller Torhaus, Tür zu einem Nebenraum
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Lüftungsöffnung des ehemaligen Luftschutzkellers Zeller Torhaus
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Luftschutzkeller Bibrastraße 9
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Luftschutzkeller Bibrastraße 9
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Luftschutzkeller Bibrastraße 14, Bunkertür
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Luftschutzkeller Bibrastraße 14
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Luftschutzkeller Bibrastraße 14
Bier- und Felsenkeller sowie Stollen als Luftschutzkeller (Auswahl): [5] [11] [6] [12]
- Felsenkelleranlagen im Schlossberg (Tellsteige)
- Beer'scher Felsenkeller (Leistenstraße)
- Luftschutzkeller An der Jahnhöhe (Jahnhöhe-Luftschutzkeller) Heidingsfeld (es gab dort insgesamt drei Bierkeller)
- Gäbhardskeller unter dem Platz'schen Garten [13]
- Hutten'scher Felsenkeller (Randersackerer Straße)
- Stollen hinter der Spitalgasse 8
- Stollen im Nikolausberg hinter der Köster-Klinik für ca. 1.000 Personen (Mergentheimer Straße, auf Höhe der Löwenbrücke) [14]
- Stollen in der Füchsleinstraße hinter der Nervenklink für ca. 2.500 Personen [14]
- Stollen hinter dem Vinzentinum für ca. 2.500 Personen [14]
- Stollen an der Veitshöchheimer Straße im Steinberg [14]
- Stollen am Hubland hinter der ehemaligen Fliegerschule (2017 wiederentdeckt und als Fledermaus-Winterquartier gesichert) [15]
- Festung: Wehrgang im Graben vor dem Äußeren Höchberger Tor (aus „Denkmalschutzgründen“ rückgebaut)
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Felsenkelleranlagen im Schlossberg (© Dr. Wolfgang Bühling)
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Hutten'scher Felsenkeller
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Luftschutzstollen Hubland: Der von den Amerikanern zugeschüttete Zugang wurde im Vorfeld der Landesgartenschau wiederentdeckt und für die Kontrolle des Fledermausquartiers neu gestaltet.
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Luftschutzstollen Hubland: Der mittlere Zugang wurde als Zuflug für Fledermäuse neu gestaltet.
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Luftschutzstollen Hubland: Die drei Eingangsstollen waren im Fels durch einen Quergang verbunden. Links oben Fledermaus-Quartiersteine.
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Luftschutzstollen Hubland: Hinter dem Quergang befinden sich einige Kammern. Diese hier ist in den Fels geschlagen und wurde nicht mehr ausgebaut (so wie die anderen). An der Decke Quartiersteine für Fledermäuse
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Festung Marienberg: Eingang zum Wehrgang im Graben vor dem Äußeren Höchberger Tor. 1945 befand sich hier ein Luftschutzraum.
Ein Splittergraben, auch Deckungsgraben (im Sinne der Luftschutz-Bauvorschriften) oder Splitterschutzgraben genannt, ist ein einfaches Luftschutzbauwerk, das Schutz vor Trümmern, Splittern und Gaseinwirkung bieten sollte. In Würzburg gab es folgende Splitterschutzgräben (Auswahl):
- im Ringpark [6]
- in der Hindenburg-Siedlung, dort zwischen Bodelschwinghstraße und Bauriedlstraße (heute Gartenstadt Keesburg) [16]
- am Äußeren Neubergweg, dort wo die steile Treppe vom Alandsgrund über die Schrebergärten mündet. [16]
Mauerdurchbrüche, Leitwege
Da die Würzburger Altstadt sehr eng bebaut war, wurden zum Main hin als Luftschutzmaßnahmen mehrere Durchbrüche, sogenannte Brandgassendurchbrüche, geschaffen. Ein Mauerdurchbruch erfolgte neben dem Holztor durch Abriss der Stallung des Gasthauses Zum Matrosen, ein zweiter Durchbruch wurde durch den Abriss eines kleinen Hauses neben dem Hotel Schwan in der Büttnergasse erzielt. [5] Einen dritten Durchbruch gab es möglicherweise nördlich des Mühltores.
Die Fluchtwege aus der engbebauten Innenstadt, beispielsweise an den Main oder in den Ringpark, wurden auch als Leitwege bezeichnet. Die Wege waren mit großen aufgemalten Pfeilen gekennzeichnet. In der Regel wurde dafür fluoreszierende Farbe verwendet.
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Das Gebäude links neben dem Holztor wurde als Luftschutzmaßnahme abgerissen.
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Stift Haug/Bahnhofstraße 1944, Luftschutzpfeil „z.Leitweg Ringpark“
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Grafeneckart 1945, links im Bild ein Luftschutzpfeil „Leitweg zum Main“
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Herrnstraße zwischen 1940 und 1945, Luftschutzpfeil „z.Leitweg Hofstraße“
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Herrnstraße nach 1945, links im Bild ein Luftschutzpfeil „z.Leitweg Hofstraße“
Löschwasserversorgung
Das Feuerlöschwesen wurde den Erfordernissen des Luftschutzes entsprechend organisiert; dazu zählte z.B. die dezentrale Unterbringung der Fahrzeuge und der Mannschaften in verschiedenen Stadtteilen und die Anschaffung moderner Geräte. Zur Verbesserung der Löschwasserversorgung in den gefährdeten Stadtbereichen wurden Löschwasserbehälter angelegt, z.B. unter dem Residenzplatz (insgesamt 1.200 m³, unterirdisch), am Wagnerplatz und am Platz vor der Gehörlosenschule (jeweils oberirdisch). Ebenso wurden u.a. in den Glacis-Anlagen gegenüber der Augenklinik, beim Zeller Tor, vor dem Luitpoldkrankenhaus und auf dem Paradeplatz, Marktplatz (Unterer und Oberer Markt), in der Neutorstraße sowie Dominikanerplatz offene Löschwasserbehälter errichtet. Auf den von der RAF gefertigten Luftbildern waren auch die Löschteiche vor der Stephanskirche (heutiger Wilhelm-Schwinn-Platz), in der Valentin-Becker-Straße (Ecke Kliebertstraße), der Sedanstraße und in der Weißenburgstraße erkennbar. [6] Ihre Bewährung haben diese zum Teil auch verkehrshindernden Löschwasserbecken am 16. März 1945 bestanden, zwar nicht im Sinne ihrer eigentlichen Bestimmung zum Löschen von Bränden, sondern als Oasen im Feuersturm, zu denen sich die gejagten Menschen flüchteten, um Haut und Kleidung zu kühlen oder Decken und Mäntel voll Wasser saugen zu lassen und damit den Weg ins Freie zu erkämpfen. [6]
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Löschwasserbecken auf dem Unteren Markt
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Löschwasserbecken auf dem Unteren Markt
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Löschwasserbecken auf dem Oberen Markt
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Löschwasserbecken auf dem Oberen Markt
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Löschwasserbecken auf dem Paradeplatz
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Bau der Löschwasserbehälter unter dem Residenzplatz
Scheinstraßen und Tarngärten Residenzplatz
1944 legten die Nationalsozialisten auf dem Residenzplatz falsche, mit Holzgeländer versehene „Straßen“ und Tarngärten zum Schein an. Ziel war es, die Luftaufnahmen von Aufklärungsflugzeugen der Alliierten zu täuschen.
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Scheinstraßen auf dem Residenzplatz (1944)
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Tarngärten auf dem Residenzplatz (1945)
Psychologische Luftschutzmaßnahmen
Bereits 1935 wurden auf dem Barbarossaplatz und dem Paradeplatz durch den Reichsluftschutzbund silbergrau gestrichene Fliegerbomben aus Blech auf einem Sockel aufgestellt. Sie trugen die Inschrift „Luftschutz tut not“ und sollten die Bevölkerung für das Thema Luftschutz sensibilisieren. In den 1930er und 1940er Jahren wurde außerdem mit Würzburger Poststempeln für den Reichsluftschutzbund geworben: „Luftschutz ist nationale Pflicht. Werdet Mitglied im Reichsluftschutzbund.“ war auf den Stempeln zu lesen.
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Fliegerbombe auf Sockel am Barbarossaplatz
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Fliegerbombe auf Sockel am Paradeplatz
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Würzburger Luftschutz-Poststempel von 1934
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Würzburger Luftschutz-Poststempel von 1940
Siehe auch
- Würzburg im Zweiten Weltkrieg
- Würzburg in der Zeit des NS-Regimes
- Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945
- Kriegsspuren und Kriegsruinen des Zweiten Weltkriegs
- In Zeiten des Kalten Krieges: Zivilschutzanlagen
Literatur
- Heinrich Dunkhase: Würzburg, 16. März 1945, 21.25 Uhr – 21.42 Uhr. Hintergründe, Verlauf und Folgen des Luftangriffs der No. 5 Bomber Group. in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 32, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 1980
- Max Domarus: Der Untergang des alten Würzburg im Luftkrieg gegen die deutschen Großstädte. Siebente erweiterte Auflage, Verlag Franz Teutsch, Gerolzhofen 1995 (1. Auflage 1982). S. 31 ff.
Weblinks
- Luftschutzgesetze, Durchführungsbestimmungen und weitere Bestimmungen von 1935 bis 1944
- Schutzraumbestimmungen vom 4. Mai 1937
Einzelnachweise
- ↑ 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Würzburg. Festschrift zur 100-Jahr-Feier vom 2. mit 4. August 1958. Würzburg 1958, S. 55
- ↑ Löschzug 3 Sanderau (Hrsg.): Chronik. Würzburg, Eigenverlag, 2000.
- ↑ XXX. Verwaltungsbericht der Stadt Würzburg, S. 111
- ↑ Luftschutzgesetz in der Fassung vom 31. August 1943, Erste Durchführungsverordnung, Az. 2a 15.28 Nr. 10 225/44 L. in 13 L II Da/2 I B vom 15.3.1944
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Heinrich Dunkhase: Würzburg, 16. März 1945, 21.25 Uhr - 21.42 Uhr. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 32, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. (Hrsg.), Würzburg 1980, S. 4
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Max Domarus: Der Untergang des alten Würzburg im Luftkrieg gegen die deutschen Großstädte. Siebente erweiterte Auflage, Verlag Franz Teutsch, Gerolzhofen 1995 (1. Auflage 1982). S. 31 ff.
- ↑ Hans Oppelt (Hrsg. im Auftrag des Stadtrates Würzburg): Würzburger Chronik 1945. Schöningh, Würzburg 1947. S. 21
- ↑ Karmelitenkloster Würzburg: Geschichte
- ↑ Auskunft der Stadt Würzburg
- ↑ Main-Post: „Zeitzeugengespräch und Besichtigung von Luftschutzkellern“ (5. März 2025)
- ↑ Ratsprotokoll Nr. 402, Ratssitzung am 22. Dezember 1944 (im Stadtarchiv Würzburg)
- ↑ Einige der Stollen wurden bis 1945 nicht vollständig fertiggestellt (Grund: Kriegsbedingter Mangel an Bohrgeräten und Arbeitern)
- ↑ Main-Post: „Baustelle über dem Luftschutzkeller“ (29. September 2014)
- ↑ 14,0 14,1 14,2 14,3 genaue Lage und Zustand/Verbleib des Stollens bisher noch ungeklärt
- ↑ Stadt Würzburg: ECKART - Informationen aus dem Würzburger Rathaus, Ausgabe Juni 2019, S. 4
- ↑ 16,0 16,1 Erwin Schmollinger: Geschichte und Chronik der Keesburg und ihrer Umgebung. Würzburg, 2013, S. 126/127
