Kurie Heideck

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kurie Heideck/heute Theresienklinik
Kurie Heideck aus der Vogelperspektive (Reprod. aus Mader)
Lage der Domherrnhöfe (Stand 1823)

Die Kurie Heideck (weitere Namen: Curia in qua sita est Cappella sancte Margarethe, Trimberg [1], Gundelfingen [2], Lichtenstein [3], Zandt'scher Hof [4]) ist ein ehemaliger Domherrnhof in der Würzburger Altstadt.

Lage[Bearbeiten]

Die Kurie Heideck (heute Teil der Theresienklinik) lag an der Ostseite der Domerschulgasse bei der Einmündung der Plattnersgasse. Gegenüber dem Eingang lag das Tor zum Bruderhof. Dem bebauten Teil des Grundstücks schloss sich nach Norden die Kurie Tannenberg an und dem Gartenteil an der gleichen Grenze die Kurie Vituli. Nach Osten grenzte der Garten an den des Klosters der Kongregation der Schwestern des Erlösers. Den südlichen Abschluss bildete die Kurie Seebach, der Gasse gegenüber lag die Kurie Marmelstein.

Die alte Bezeichnung lautet Distrikt III, Nr. 83 [5], die neue Domerschulstraße 1.

Namensgeber[Bearbeiten]

Der ehemalige Domherrnhof Heideck ist benannt nach dem Domherrn Marquard von Heideck, der für die Zeit von 1326 bis 1355 belegt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hof lässt sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen und als die älteste Domherrnkurie geschichtlich nachweisen. Das Gebäude wurde 1626 durch Domkapitular Erhard von Lichtenstein, dessen Wappen noch die Fassade schmückt. Besonders sehenswert ist das Renaissanceportal. Oberhalb des Tores, rechts und links von demselben, dann über dem zugemauerten Eingang zur ehemaligen Kapelle, befinden sich Wappen des Herrn von Lichtenstein, der den Hof renovierte; im Innern des Hofes sind Wappen der Herren von Lichtenstein, Rosenbach und Reinach.

1803 ging der Hof in das Privateigentum des ihn zuletzt als Domherr bewohnt habenden Franz Anton von Reinach, Ende des 19. Jahrhunderts an die freiherrliche Familie von Zandt, nach der das Anwesen Zandt'scher Hof benannt wurde, über. Einige Zeit befand sich im Hause das Institut der englischen Fräulein, dem die private höhere Töchterschule der Fräulein Thoma folgte. Seit 1890 war der Hof im Besitz eines Bürgerkonsortiums. Zeitweise war er an eine Reitschule vermietet, vorübergehend befand sich dort eine Fahrradbahn.

Um 1930 erwarb das Kloster der Töchter vom allerheiligsten Erlöser das Anwesen. In der beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 schwer getroffenen Stadt Würzburg wurde in den fünfziger Jahren die Errichtung einer weiteren Klinik zur Versorgung der Bevölkerung zu einer zwingenden Notwendigkeit. Die Kongregation der „Töchter des Allerheiligsten Erlösers“ (ab 1969 „Schwestern des Erlösers") beschloss daher, auf dem klostereigenen, aber ebenfalls schwer zerstörten Gelände der Domerschulstraße 1 und 3 eine neue Theresienklinik zu bauen. Bei den Grundstücken handelte es sich um die historischen Reste der alten Domherrnhöfe Heideck und Seebach.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Hof ist eine geschlossene zweigeschossige Anlage mit Satteldächern um unregelmäßigen Binnenhof, die ihre heutige Erscheinungsform im wesentlichen Erhard von Lichtenstein um 1626 verdankt. Die frühbarocke Fassade mit geohrten Sandsteinrahmungen und Bossenportal, das den Luftangriff 1945 überstanden hat, stammt von Michael Kern. Über der Hofeinfahrt ist in einem Aufsatz nach dem Portalgesims das von Putten flankierte Wappen Eberhards von Lichtenstein zu sehen (zwei gezackte Felsen, deren Spitzen sich berühren). Ein weiteres Wappen Eberhards von Lichtenberg ist auf der Innenseite des Straßengebäudes (Westflügel) zu sehen, das eine Muschelnische zwischen zwei Türen deckt. Im Hof befindet sich am Südflügel, die Wohnung des Kanonikus mit zwei Geschossen, ein vorspringender polygonaler Renaissance-Treppenturm mit Zwiebelhaube aus dem 16./17. Jahrhundert, der Wappenstein aus Sandstein ist auf das Jahr 1675 bezeichnet, die beiden Sandstein-Barockportale auf die Jahre 1625 und 1681. Das Gartenhaus ist ein zweigeschossiger Giebelbau um 1618, dessen Fachwerk des Obergeschosses verputzt ist. Über dem Eingang findet sich das Wappen des Domdekans Franz Christoph von Rosenbach mit Legende und der Jahreszahl 1681. [6] Dieses Wappen wiederholt sich im gebrochenen Giebelfeld über dem Eingang des Ostflügels.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte zwischen 1952 und 1953 der Wiederaufbau.

► Eine detaillierte Baubeschreibung der Kurie Heideck ist dem Buch von Jörg Lusin (siehe Abschnitt „Quellen und Literatur“) zu entnehmen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Am 1. September 1950 konnte der erste Bauabschnitt, der Umbau des Hof Heideck, beendet und eingeweiht werden. Bald war jedoch auch diese Klinik zu klein und entsprach im übrigen nicht mehr den Erfordernissen der Zeit und des medizinisch-technischen Fortschritts. So wurde in einem zweiten Bauabschnitt der vorhandene Kliniktrakt durch Ausbau des benachbarten Hofes Seebach mit seiner historischen Allendorf-Kapelle in Angriff genommen. Am 3. März 1957 konnte die Einweihung gefeiert und der volle Krankenhausbetrieb aufgenommen werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Hinweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Vier Mitglieder der Familie von Trimberg waren Besitzer des Hofes in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dies waren Goswin von Trimberg, Scholasticus, 1195; Poppo von Trimberg, Scholasticus, 1195; Poppo III. von Trimberg, Dompropst, ab 1267 Fürstbischof; Berthold von Trimberg. Noch zur Zeit von Ulrich Graf von Kirchberg wurde er so genannt (Urkunde vom 11. April 1332, Monumenta Boica 39 Nr. 226 [1]).
  2. Nach Andreas von Gundelfingen, Besitzer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Kurie wurde so genannt z.B. im Testament Marquards von Heideck vom 12. Mai 1354 (Monumenta Boica 42 Nr. 37 [2]
  3. Das Adelsgeschlecht Lichtenstein besaß den Hof mit kurzen Unterbrechungen fast zwei Jahrhunderte lang ab der Mitte des 15. Jahrhunderts.
  4. Nach Max Freiherr von Zandt, einem Besitzer nach der Säkularisation.
  5. Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  6. Diese Gartenhäuser scheinen typisch für die Domherrnhöfe zu sein. Sie entstanden wohl unter dem Eindruck der italienischen Renaissancevillen.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Die Karte wird geladen …