Philharmonisches Orchester

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Das Philharmonische Orchester Würzburg blickt auf eine lange Tradition als Hofkapelle der Würzburger Fürstbischöfe zurück.

Geschichte[Bearbeiten]

Hofkapelle zu Zeiten der Fürstbischöfe[Bearbeiten]

Vereinzelt lassen sich musikalische Aktivitäten auf der Festung Marienberg für das 15. Jahrhundert nachweisen, als nicht mehr nur fahrende Spielleute, sondern auch die eher als Handwerk angesehene Kunst von zur Hofhaltung gehörigen Pfeifern, Fidelspielern, Geigern, Lautenisten und Trompetern durch den Herrscher vergütet wurde. [1]

Erste Grundlagen einer fürstbischöflich geförderten Hofmusik (und auch Dommusik) legte Julius Echter, der sich für Aufführungen auch zeitgenössischer (mehrstimmiger) Musik in Würzburgs Kirchen einsetzte. Kurz nach dessen Amtszeit wurde 1618 der in Oberfranken geborene Johann Heinrich Pfendner (* um 1590; † 1631) Hoforganist und Kapellmeister in Würzburg, welcher der Würzburger Hofkapelle ein eigenständiges Profil gab. Während der schwedischen Besatzung ab 1632 verstummte die Würzburger Hofmusik. Erst später kam es wieder zu einer Pflege von Musik und Theater am fürstbischöflichen Hof. So richtete Johann Philipp von Greiffenclau sich auf der Festung Marienberg im sogenannten weißen Saale ein Theater ein.

Unter von Greiffenclaus Nachfolger, Johann Philipp von Schönborn, kam es mit dem in Italien ausgebildeten Kapellmeister Philipp Friedrich Buchner, der einen von Monteverdi beeinflussten frühbarocken Stil verkörperte, und dem ab 1662 als Zweiter Kapellmeister wirkenden Ferdinand Tobias Richter zu einem Wiederaufbau der Würzburger Hofkapelle mit einem deutlich über die Besetzung mit Blechbläsern und Paukern hinausgehenden Ausbau des Instrumentalensembles. Amtsnachfolger als Kapellmeister wurden 1674 Bauer, 1677 Steger und 1679 Johann Melchior Caesar, der 1686 als Domkapellmeister nach Augsburg ging. Die Zeit von 1686 bis 1719 lässt laut Klaus Hinrich Stahmer keine musikalischen Ereignisse und Komponisten in Würzburg als sonderlich bemerkenswert erscheinen, obgleich um 1700 mit Kapellmeister Degen und dem ihm 1718 nachfolgenden Fegelein bereits Neuansätze für die Gestaltung der Hofmusik spürbar wurden.

Mit dem 1719 erfolgten Amtantritt des musikbegeisterten, selbst Laute und Violine spielenden Johann Philipp Franz von Schönborn begann die Blütezeit der Würzburger Hofmusik. Unter seiner Regierung wurde ab 1722 die in der Residenz bestehende kleine Kapelle ausgebaut und es erfolgten bedarfsorientierte Engagements neuen Personals wie etwa die, der aus Italien zugewanderten Musiker Fortunato Chelleri, welcher zum Kapellmeister ernannt wurde, und Giovanni Benedetto Platti. Mit letzterem war die Zahl der Musiker 1724 auf 25 angestiegen.

Nach dem plötzlichen Tod von Johann Philipp Franz im Jahr im August 1724 wurden von seinem Nachfolger Christoph Franz von Hutten Etat und Unterstützung der Musiker am Hof und somit die Fülle an festlich-musikalischen Ereignissen spürbar reduziert. Der Stelle eines Kapellmeisters wurde zunächst sogar ersatzlos gestrichen. Während Platti dem Hof - bei ausnahmsweise guter Besoldung - als Musiker und Komponist bis 1749 erhalten blieb, wurde Chelleri entlassen und ging an den Hof von Kassel. Als musikalischer Oberleiter wurde der aus Nürnberg stammende, seit 1721 in Würzburg als Hoforganist tätige Pachelbel-Schüler Wolfgang Händler eingesetzt.

Größere Bedeutung erlangte die musikalische Kunstpflege dann wieder unter dem von 1729 bis 1746 in den Bistümern Würzburg und Bamberg regierenden Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn und seinen Nachfolgern. Er hielt sich eine bereits ansehnliche Hofmusik, durch welche Opern und Singspiele sowie Oratorien, Kantaten und Instrumentalstücke zur Aufführung kamen. Durch die Doppelregentschaft Friedrich Karls war es möglich, die Musiker Bambergs und Würzburgs bei besonderen Anlässen zusammenzulegen. Unter Friedrich Karl kam es um 1732 zu einer ganzen Reihe von musikalischen Neueinstellungen. So wurde beispielsweise Plattis Ehefrau Theresa als Sängerin oder der Kanzleischreiber, Tenor und Lautenist Johann Georg Laudensack (1707-1767) dem etwa 30köpfigen Ensemble der Hofkapelle hinzugefügt und 1735 wurden Mitglieder der „Tastungschen (Hautboisten-)Bande“, ein von der Würzburger Miliz aufgelöstes Corps von Militärmusikern, engagiert. 1737 wurde als Nachfolger Händlers der für ein fruchtbares höfische Musikleben sorgende, bereits seit 1731 am Würzburger Hof als Komponist und Organist tätige Johann Georg Franz Waßmuth als Hofkapellmeister angestellt.

Ihre Glanzzeit erlebte die von 1746, dem Todesjahr von Friedrich Carl von Schönborn, bis 1754 mehr oder weniger brachgelegene Musikpflege am Würzburger Hof dann unter dem musikbegeisterten Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779). Im Winter 1770/71 ließ er, nachdem bereits 1767 eine kleinere Bühne im Fürstensaal entstanden war, das Nordoval der Residenz zum Operntheater umbauen, an dessen Aufführungen sich zahlreiche fürstliche Gäste erfreuen konnten. Wie zuvor bereits Friedrich Karl von Schönborn regierte er (ab 1757) in Würzburg und Bamberg, was auch zum Wiederaufblühen der Würzburger Hofmusik beigetragen haben mag. Aus Italien, wohin er seinen auch als Dommusik-Leiter tätigen Hofkomponisten Wilhelm Küffner 1768 als Musik-Agenten geschickt hatte, engagierte er z.B. den Tartini-Schüler Aloisio Lodovico („Luigi“) Fracassini (1733-1798), der 1779 Kapellmeister in Bamberg wurde. Das Instrumental-Ensemble der Würzburger Hofkapelle umfasste um 1770 13 Streicher, 11 Holzbläser, etwa 14 Blechbläser sowie einen Pauker, einen Harfenisten und einen Lautenisten.

1779 übernahm der seit 1774 als Konzertmeister im Ensemble wirkende Joseph Lorenz Schmitt die Aufgaben des Kapellmeisters. Während Adam Friedrichs Nachfolger, der von 1779 bis 1795 regierende, musikalisch klerikal orientierte Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal, ein Abwandern vieler eher weltlich orientierter Musiker bewirkte und dem weiteren Bestehen des Operntheaters in der Residenz ein Ende machte, konnte die Hofkapelle dennoch ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzen und durfte sich unter der Regierung des letzten Fürstbischofs Georg Karl von Fechenbach (1795-1802) wieder einer tatkräftiger Förderung erfreuen. [2]

Letzter fürstlicher Hofkapellmeister war ab 1802 Friedrich Witt (1770-1836). Nachdem die Hofkapelle nicht mehr bei Hofe tätig war, musizierten deren beste Musiker, wie gelegentlich schon zuvor, zusammen mit bürgerlichen Amateuren, z.B. bei „Liebhaber-Concerten“ (nachweisbar seit 1770 [3]), sogenannten „Academien“ und den von Vizekonzertmeister Friedrich Lehritter mitbegründeten und ab 1786 [4] regelmäßig stattfindenden „Winterkonzerten“ [5]. Auch mit anderen Ensembles im Orchester des städtischen Theaters wurden gemeinsame Auftritte durchgeführt. [6] Unter Witts Leitung wurden noch sonntägliche Konzerte in der Hofkirche gegeben. [7], aber als Würzburg 1814 endgültig bayerisch wurde war die Zeit der Hofmusik vorbei. [8]

Der Fürstbischöflichen Hof- und Dommusik vorstehende Kapellmeister von 1593 bis 1814[Bearbeiten]

Bedeutende Musiker im Philharmonischen Orchester[Bearbeiten]

1806 bezog Großherzog Ferdinand III. von Toskana die Würzburger Residenz und unterstützte - manchmal sogar als Dirigent - die Institution der Hofmusik, deren auf 44 Mitglieder reduzierte Musiker er auch für das Theater einsetzte, noch bis zur endgültigen Eingliederung des auf Provinzniveau abgesunkenen Würzburgs in das Königreich Bayern 1814. [9]

In der Geschichte des Würzburger Orchesters spielen immer wieder auch die Würzburger Tonkünstler eine Rolle. Der älteste unter ihnen ist Wilhelm Küffners Sohn und Johann Georg Franz Waßmuths Enkel Joseph Küffner (1777-1856), der als Geigenvirtouse am Theaterorchester tätig war. Er produzierte sich auch häufig in Konzerten und machte sich als Komponist von Violinkonzerten, Polonaisen für Orchester, romantischer Gitarrenmusik etc. einen Namen. Ab 1808 war der ehemalige Cellist der Hofkapelle Georg Valentin Röder Musikdirektor des Theaters.

Johann Valentin Hamm (1811-1874) war Violinist und gehörte 40 Jahre lang dem Theaterorchester als Mitglied an. Seine solistischen Darbietungen im Theater wurden von der Kritik häufig rühmend anerkannt.

Vom 1. Januar 1812 bis zum 31. März 1813 leitete Franz Ignaz Holbein Edler von Holbeinsberg das Würzburger Theater. Unter Holbeins Direktion durchlebte die Würzburger Bühne eine Zeit des Glanzes. Er verfügte über erfolgreiche Solisten und das städtische Orchester wurde aus Mitgliedern der Hofkapelle gebildet.

Weiterer bemerkenswerter Direktor des Würzburger Theaters war Wendelin Weißheimer. Weißheimer leitete die Würzburger Oper während zweier Spielzeiten (1866 bis 1868) und verhalf u.a. der Aufführung des „Rienzi” von Richard Wagner am 13. Dezember 1866 zu glänzendem Erfolg.

Nach einem um 1900 tätigen Kapellmeister Schink übernahm Dr. Erich Falkmann das Orchester des Stadttheaters mit der Darbietung selbst anspruchsvolle Werke wie z.B. „Salome” von Richard Strauss und „Tristan und Isolde” von Richard Wagner. Ein Hinweis auf den Aufstieg Würzburgs zur Theater- und Kulturstadt waren sicher auch Auftritte, welche bekannte Künstler wie Richard Strauss (1894, „Tod und Verklärung“ [10]), aber auch Bruno Walter und Paul Hindemith, hier als Gastdirigenten hatten. [11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg nannte sich das heutige Philharmonische Orchester Würzburg zunächst „Städtisches Philharmonisches Orchester“. [12]

Seit der Spielzeit 1991/92 bis zum Ende der Spielzeit 1999/2000 stand Jonathan Seers dem Philharmonischen Orchester Würzburg als Generalmusikdirektor vor. Seers, der in dieser Funktion gleichzeitig auch als künstlerischer Leiter des Mozartfestes der Stadt Würzburg tätig war, ist es gelungen, dem Orchester durch bemerkenswerte Aufführungen überregionale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Seit 2011 ist Enrico Calesso Chefdirigent der Philharmoniker.

Veranstaltungsorte[Bearbeiten]

Nach Eröffnung des neuen Stadttheaters am 4. Dezember 1966 mit „Die Meistersinger von Nürnberg” von Richard Wagner wurde dieses neben dem Konzertsaal der Hochschule für Musik die Heimstätte des Orchesters.

Förderverein[Bearbeiten]

Das Orchester wird unterstützt und gefördert vom Verein Freunde der Würzburger Philharmoniker e.V.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Stahmer: Musiker spielen nicht allein zur Ergötzlichkeit ..., in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 310-320, S. 313
  2. Klaus Hinrich Stahmer: Musik in der Residenz. Würzburger Hofmusik, Stürtz-Verlag, Würzburg 1983, S. 23, 26-39, 45-52, 56, 58-63, 84-89, 103-105 und 121-123
  3. Klaus Stahmer, a.a.O., S. 318
  4. Klaus Stahmer: Musiker spielen nicht allein zur Ergötzlichkeit ..., in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 310-320, S. 318
  5. Klaus Hinrich Stahmer, a.a.O., S. 106-109 und 123
  6. Bernhard Janz: Konzertwesen, in: Ulrich Konrad: Musikpraxis, Musikerziehung und musikalisches Gewerbe, S. 193-195, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 191-246, S. 196 f.
  7. Siegfried Koesler: Kirchenmusik, in: Ulrich Konrad: Musikpraxis, Musikerziehung und musikalisches Gewerbe, S. 193-195, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 191-246, S. 193
  8. Klaus Stahmer: Musiker spielen nicht allein zur Ergötzlichkeit ..., in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 310-320, S. 317
  9. Klaus Hinrich Stahmer: Musik in der Residenz. Würzburger Hofmusik, Stürtz-Verlag, Würzburg 1983, S. 112 f.
  10. Klaus Stahmer: Musiker spielen nicht allein zur Ergötzlichkeit ..., in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 310-320, S. 318 f.
  11. Wolfgang Schulz: Vom Schul- und Jesuitenschauspiel zum Würzburger Stadttheater, in: Das erste Würzburger Kulturbuch, hrsg. von Volker Müller-Veith, Würzburg 1992, S. 39 ff.
  12. Bernhard Janz: Konzertwesen, in: Ulrich Konrad: Musikpraxis, Musikerziehung und musikalisches Gewerbe, S. 196-204, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 191-246, S. 200

Quelle und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]