St. Nikolaus (Euerhausen)

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Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Euerhausen
St. Nikolaus (Straßenansicht)

Die Pfarrkirche St. Nikolaus befindet sich mitten im Giebelstadter Ortsteil Euerhausen direkt oberhalb der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 19.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Quellen zum Grundbesitz und Zehnt in Euerhausen belegen zunächst, dass um 1368 in Euerhausen eine Pfarrei mit Kirche existierte, deren Zehnt dem Stift Neumünster zustand, und dass Neumünster in Euerhausen Grundbesitz hatte. Dies macht wahrscheinlich, dass die Grafen von Komburg spätestens etwa 1100 entweder die Euerhäuser Pfarrei gründeten und die Kirche zu Ehren des hl. Nikolaus errichteten oder die vorhandene Kirche dem hl. Nikolaus weihten. Da der Besitz in der Grafschaft der Komburger liegt, ist die Annahme rechtfertigt, dass Grundbesitz und Zehnt auf Königsgut zurückgeht und damit eine die Existenz von Dorf und Kirche im 8. Jahrhundert anzusetzen ist. Diese Vermutung stützt die Tatsache, dass 1089 Graf Emehard von Komburg aus den Reihen der Domherrn heraus zum Bischof im Bistum Würzburg gewählt wurde.

Im Jahre 1405 ist bereits mit Friedrich Model ein Pfarrer zu Euerhausen namentlich zu fassen. Aus dem Ablassbrief für die Pfarrkirche St. Nikolaus von 1456 geht der Kirchenpatron hervor und die Gewissheit, dass Euerhausen ein Pfarrdorf war. In Euerhausen beginnen die Aufzeichnungen der Pfarrmatrikel, eine Folge von Reformation und Trientiner Konzil, mit den exakten Einträgen zu Taufe, Hochzeit und Geburt nicht erst wie sonst üblich nach dem Dreißigjährigen Krieg (ab 1650) sondern bereits 1596. Das Zobelwappen auf einer Sandsteintafel an der Ostseite des Torturmes kündet noch heute von den Zobel von Giebelstadt zu Darstadt als Patronatsherrn in Euerhausen.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Euerhäuser Filiale Darstadt an den Eßfelder Pfarrer vergeben worden war, blieb die Pfarrei Euerhausen unbesetzt. Die Gläubigen mussten nach Sächsenheim oder Wolkshausen zum Gottesdienst und der Bischof von Würzburg besetzte die Pfarrei erst wieder, als die Gemeinde sich 1698 bereit erklärte, die Pfarrdotation um 45 fl. zu erhöhen. Im 18. Jahrhundert erhalten die katholischen Herchsheimer Untertanen der Giebelstadter Zobellinie, die seit 1695 wieder katholisch geworden war, die Genehmigung, in der katholischen Kirche zu Euerhausen sich trauen und ihre Kinder taufen zu lassen. Die Pfarrei Euerhausen gehörte 1820 zum Landkapitel Heidingsfeld, war mit einem Pfarrer und einem Cooperator besetzt und zählte 254 Seelen, zu denen noch die 158 Herchsheimer Katholiken kamen.

Patronat[Bearbeiten]

Nikolaus von Myra (* um 280 / 286 in Patara, heute Ruinen bei Kalkan(?) in der Türkei, † zwischen 345 und 351 in Myra, heute Demre in der Türkei), Metropolit von Myra und Wundertäter. Patrozinium ist am 6. Dezember.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die Euerhäuser Kirche, ein schmucker Barockbau aus dem frühen 18. Jahrhundert, wurde an der Stelle einer mittelalterlichen Kirchenburganlage errichtet, wovon noch heute die typischen Merkmale des spätmittelalterlichen (1250 - 1500) „Torturmes“ steinernes Zeugnis geben. Der knapp 10 m südwestlich der Kirche stehende Turm ist ursprünglich ein Torturm der mittelalterlichen Friedhofsbefestigung aus unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk, dessen westlicher Zugang vermauert ist. Der Zugang zum Turm ist nur über eine hölzerne Außentreppe möglich, deren Antritt auf zwei Kragsteinen liegt. Im Turm haben sich zwei nach Süden gerichtete Schlüsselschießscharten erhalten. Der echterzeitliche Aufbau, die nach allen vier Seiten vorhandenen, spitzbogigen Schallöffnungen mit Fischblasenmaßwerk entsprechen dem Turmaufbau, wie er auch in Herchsheim, Allersheim und Sulzdorf zu sehen ist.

Ausstattung[Bearbeiten]

Eulogius Böhler, der 1918 die Deckengemälde des flach gedeckten Langhauses und die Kreuzwegbilder in Euerhausen schuf, hat auch die Darstellung der Hl. Familie gemalt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das prachtvolle Altargemälde des Hochaltars ein Werk von Georg Sebastian Urlaub. Das Hochaltarblatt, welches nach den Attributen den heiligen Bischof Nikolaus darstellt, dürfte um 1729 entstanden sein, als der Künstler in der benachbarten Schutzengelkirche in Gaukönigshofen tätig war. Den Tabernakel von ca. 1764 erschuf Johann Georg Auwera. Das Bandel- und Gitterwerk der Blendflügel der Altarseiten aus dem Jahre 1737 stammen von dem Ochsenfurter Bildhauer Leopold Kurzhammer. Die Altarbilder der Seitenaltäre schuf 1743 der Ochsenfurter Johann Georg Völck.

Patronatsrecht[Bearbeiten]

Die Zobel von Giebelstadt, seit dem Teilungsvertrag des Hauses Zobel im ausgehenden 16. Jahrhundert die Linie Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen, besitzen in Euerhausen das Patronatsrecht, das sich als Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle bis heute erhalten hat und vom Zobel`schen Patronatsherrn bei der Übernahme der Pfarrei im Jahre 1987 auch wahrgenommen wurde.

Pfarrgebiet[Bearbeiten]

Die Pfarrei St. Nikolaus ist zuständig für die katholische Bevölkerung der beiden Giebelstadter Ortsteile Euerhausen und Herchsheim.

Pfarreiengemeinschaft[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Euerhausen gehört zur Pfarreiengemeinschaft Giebelstadt–Bütthard.

Seelsorger (Auszug)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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