DenkOrt Deportationen 1941-1944

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DenkOrt Deportationen 1941-1944 am Würzburger Bahnhofsvorplatz

Der DenkOrt Deportationen 1941-1944 ist eine regionale Gedenkstätte zur Erinnerung an die aus Unterfranken deportierte jüdische Bevölkerung am Würzburger Bahnhofsvorplatz.

Geschichte

Am Verladehof Aumühle, einem kleinen Güterbahnhof, musste der größte Teil der unterfränkischen Juden die Züge in die Vernichtung besteigen. Bereits seit 2015 liefen die Planungen für ein Denkmal. Es sollte ursprünglich in der Schweinfurter Straße auf dem historischen Aufgang zu dem ehemaligen kleinen Güterbahnhof, dem sogenannten Verladehof, errichtet werden. Die Rampe unweit des SB-Warenhauses Real bestand im mittleren Abschnitt noch aus dem Originalpflaster und endet derzeit als Sackgasse in dichtem Bewuchs. Anfang 2018 wurde der Verein DenkOrt Aumühle e.V. unter dem Vorsitz von Benita Stolz und Christine Hofstetter gegründet, der die Trägerschaft für das Projekt übernahm. 2019 erwies sich die Rampe wegen des darunter befindlichen Pleichach-Tunnels als marode und aus statischen Gründen ungeeignet.

Die Stadt Würzburg und der Verein entschieden sich schließlich für den Vorplatz des Hauptbahnhofs als alternativen Standort. Der Hauptbahnhof war der zweite Würzburger Deportationsbahnhof. Hier wurde die Gedenkstätte im Übergang zwischen Bahnhofsvorplatz und Ringpark östlich des Kiliansbrunnens 2019/2020 errichtet. Der Verein „DenkOrt Deportationen e.V.“, eine Vorbereitungsgruppe um Dr. Josef Schuster als Vorsitzendem der Jüdischen Gemeinde und Oberbürgermeister Christian Schuchardt und der von diesen beauftragte Architekt Matthias Braun planten und führten das Projekt durch. Das Johanna-Stahl-Zentrum unter seiner Leiterin Dr. Rotraud Ries sorgte für die historischen Hintergrundinformationen und erstellte unter dem Titel „DenkOrt 2.0“ Artikel zu den jüdischen Gemeinden und biografische Angaben zu den Deportierten. Begleitet wurden die Planungen vom Kulturreferenten Achim Könneke, dem Kulturamt und dem Gartenamt der Stadt Würzburg, das unter der Leitung von Dr. Helge Grob die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit Erweiterung des Ringparkes und überzeugender Integration des DenkOrtes erstellte. Mit den Arbeiten für das Denkmal wurde dem Ringpark zum ersten Mal in der Nachkriegszeit Fläche zurückgegeben - etwa 400 Quadratmeter - , er wurde erweitert und beachtlich aufgewertet.

Nach seiner Fertigstellung wurde der „DenkOrt Deportationen 1941-1944“ am 17. Juni 2020 eingeweiht. Bei dieser Feier durften nur 50 geladene Gäste aufgrund der Corona-Pandemie teilnehmen. [1]

Bildergalerie Einweihung

Beschreibung

Aufgrund seiner Konzeption und Formensprache knüpft das emotional wirkende Denkmal bereits an die ersten Schritte des Arbeitskreises „Wir wollen uns erinnern“ und den sich daraus gegründeten Verein „DenkOrt Deportationen“ an. Die eigentliche Leistung dieser Form der Erinnerungskultur ist, eine Formensprache und einen Weg gefunden zu haben, den Entrechteten und Entpersonalisierten wieder ihre Identitäten zurückzugeben. 22 Fototafeln von Unterfranken, die ihr Leben auf diese unvorstellbare Weise verloren haben, nahmen an der Einweihung des DenkOrtes teil.

Die Grundidee für das 25 auf 8,50 m große Denkmal basiert auf einer Fotografie: Hauptmotiv sind die Gepäckstücke, die die Menschen links und rechts auf ihrem Weg zu den Zügen zurücklassen. Auf dem historischen Basaltpflaster der Aumühle tragen Podeste verschiedener Größe ein Kofferband in 22 Metern Länge, die Gepäckstücke sind den damaligen echten Koffern, Rucksäcken und Rollen nicht nur nachempfunden. Sie sind abgenutzt, gerissen und einfach gebraucht und sind allein schon aufgrund dieser Darstellung emotional besetzt. Sie könnten jedem gehören. Vier Informationsstelen und drei Sitzbänke fordern dazu auf, sich hier nicht nur zu erinnern und zu gedenken, sondern auch zu hinterfragen und zu spüren. Sternförmig wird der DenkOrt die Geschehnisse wieder in die Wohnorte der Menschen zurückspiegeln, die aus ganz Unterfranken nach Würzburg zusammengetrieben wurden.

Für den „DenkOrt Deportationen“ werden die Gepäckstücke, ob nun Koffer, Rucksack oder Deckenbündel, stets im Doppel hergestellt. Auch das Material erinnert bisweilen an die Menschen, es finden sich Gepäckstücke aus dem Holz jüdischer Wohnhäuser. Das jeweils zweite, identische Gepäckstück steht in den ehemaligen Wohnorten der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, in 47 Gemeinden von Adelsberg bis Willmars. In Würzburg findet sich noch ein zweiter DenkOrt, da der Stadtbezirk Heidingsfeld vor 1945 noch eine eigenständige Gemeinde mit jüdischer Bevölkerung war. Ein dritter DenkOrt wurde in der Spiegelstraße errichtet. Schulklassen waren in die Herstellung der Gepäck-Skulpturen eingebunden. Stelen vor Ort informieren über die Ereignisse und die Menschen, QR-Codes bieten schnellen Zugang zu weiteren Informationen.

Der Entwurf des Denkmals stammt vom Würzburger Architekten Matthias Braun. Das Projekt kostete rund 250.000 Euro, finanziert durch Spenden, Zuschüsse und Sponsoren.

Bildergalerie

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

Kartenausschnitt

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