Franziskanerkloster

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Franziskanerkirche, Westfassade

Das Franziskanerkloster ist räumlicher Lebensmittelpunkt der Franziskaner-Minoriten (OFMConv). Dies ist eine katholische Ordengemeinschaft, die nach den Ordensregeln des Heiligen Franz von Assisi (auch Franziskus) in einfacher Lebensführung und materieller Bedürfnislosigkeit lebt, betet und arbeitet.

Ordensgründung[Bearbeiten]

Der Orden der Minderen Brüder, den Franziskus im Jahre 1209/10 von Papst Innozenz III. mündlich als Ordensgemeinschaft bestätigt erhielt, soll seine Mitglieder im Geiste des Evangeliums, im Geiste der Gottes- und Nächstenliebe, zu Demut und Buße, zur evangelischen Armut und in der Treue zur Kirche, zu echter Brüderlichkeit und zu Friedensboten für ihre Sendung in die Welt ausrüsten und befähigen. Der Gründer griff den Missionsgedanken und die Missionierung der islamischen Gebiete auf. Im Jahre 1217 überschritt der Orden bereits die Grenzen Italiens.

Klostergeschichte[Bearbeiten]

Von Augsburg aus, der ersten Franziskanerniederlassung auf deutschem Boden, schickte Bruder Cäsar, der erste Provinzial, die beiden sprachgewandten Brüder Johannes von Piano de Carpine und Barnabas als Prediger und Quartiermacher nach Würzburg voraus, wo sie vermutlich Ende Oktober oder Anfang November 1221 ankamen. Bruder Cäsar selbst traf dem Bericht der Chronik zufolge mit der Hauptgruppe der Brüder erst einige Tage später in der Bischofsstadt ein.

Bischof Otto I. von Lobdeburg nahm die ersten Minderbrüder wohlwollend auf und wies ihnen als vorläufige Niederlassung die St. Bartholomäusklause an, die an der Stelle des heutigen Priesterseminars oder der Seminarkirche St. Michael, unmittelbar an der damaligen Stadtgrenze lag. Schon am 30. November wurden drei Würzburger in den Orden aufgenommen und eingekleidet.

In den darauf folgenden Jahren wurde die deutsche Ordensprovinz infolge des raschen Zuwachses neu gegliedert. Bei der letzten Aufteilung der weit ausgedehnten Provinz in eine Oberdeutsche oder Straßburger und in eine Niederdeutsche oder Kölnische Ordensprovinz, die nach dem Stand der neuesten Forschungen zwischen den Jahren 1246 und 1264 erfolgte, kam die Würzburger Niederlassung zur Oberdeutschen Provinz.

Bischof Hermann I. von Lobdeburg genehmigte laut Urkunde vom 27. November 1249 den Minderbrüdern die Übersiedlung an den neuen Platz unmittelbar neben der bereits bestehenden Valentinuskapelle. Außerdem kaufte er für sie mehrere Höfe und Grundstücke in der nächsten Umgebung und schenkte sie den Brüdern zum Bau eines neuen Klosters und einer Kirche.

Der Baubeginn der groß angelegten Franziskanerkirche, direkt neben der alten Valentinuskapelle, dürfte noch im Jahre 1249 stattgefunden haben.

Mit der Säkularisation drohte dem Franziskanerkonvent Würzburg ein allmähliches Erlöschen. Am 3. Februar 1803 nahm eine Säkularisationskommission das gesamte Inventar des Klosters auf. 287 ausgewählte Bücher der Bibliothek und 539 Kupferstiche mussten abgegeben werden. Da die Vermögenswerte gering waren, hob die kurbaierische Regierung das Kloster nicht sofort auf, verurteilte es jedoch zum Aussterben. Die Insassen - 16 Patres und drei Brüder - durften bis zu ihrem Tod bleiben, die Aufnahme von Novizen war jedoch untersagt. Die Begräbnisse in der Kirche wurden verboten; der klostereigene Friedhof 1805 wegen Verbreiterung der Straße und Anlage des Franziskanerplatzes eingeebnet. Zwar erlaubte Großherzog Ferdinand von Würzburg wieder die Aufnahme von Novizen, die bayerische Regierung setzte das Verbot aber 1814 erneut in Kraft. Nach mehreren vergeblichen Ansuchen an die bayerische Regierung bat im Jahr 1839 der Ordensgeneral P. Angelus Bigoni König Ludwig I. von Bayern, der damals längere Zeit in Rom weilte, den Fortbestand des Minoritenklosters in Würzburg, des ältesten in Deutschland, zu ermöglichen. Ludwig I. entsprach dem Bittgesuch. Am 2. März 1840 traf der zustimmende Erlass in Würzburg ein.

Seit August 2016 wurden die Räumlichkeiten von insgesamt rund 4.300 Quadratmetern Grundfläche nach Plänen der Architekten Rainer Kriebel und Grischa Büttner aus dem Architekturbüro Grellmann-Kriebel-Teichmann erneuert. Insgesamt beliefen sich die Kosten nach Ordensangaben auf rund 7,4 Millionen Euro. Den Großteil von etwa 4,8 Millionen Euro trugen die Franziskaner-Minoriten, das Bistum Würzburg unterstützte die Maßnahme mit 1,4 Millionen Euro. Am 23. Juni 2018 wurde das Kloster von Weihbischof Ulrich Boom feierlich wiedereröffnet.

Konventsgebäude und Kreuzgang[Bearbeiten]

Kreuzgang des Franziskanerklosters

Gleichzeitig mit dem Kirchenbau wurde das Konventsgebäude mit Erdgeschoß und einem darüberliegenden Stockwerk errichtet. Zusammen mit der Südseite der Kirche und der sich nach Osten anschließenden Valentinuskapelle bildeten der Ost-, Süd- und Westflügel des Konventsgebäudes ein Viereck. Ein Kreuzgang, der den Innengarten umschloss, führte in einfachem gotischem Stil um die drei Klosterflügel und an der Südseite der Kirche entlang.

Papst Innozenz IV. beauftragte in einem Schreiben vom 13. November 1245 an den Kustos der Minderbrüder in Würzburg den Bruder Ambrosius oder einen anderen Bruder mit der Wahrnehmung der Leprosenseelsorge im Bistum Würzburg. Ferner wird im Jahre 1333 der Würzburger Minderbruder Werner von Rothenburg als Prokurator des Siechenhauses Wöllrieder Hof zwischen Würzburg und Rottendorf genannt.

Abgesehen vom Erwerb einiger Stiftungen und angrenzender Grundstücke, wie z. B. eines Teiles des Schönthaler Hofes, zur Vergrößerung und Abrundung des Geländes, sind bis zur Zeit unter Julius Echter von Mespelbrunn keine größeren Baumaßnahmen des Minoritenklosters Würzburg bekannt.

Besondere Verdienste erwarb sich der Fürstbischof um die äußere Instandsetzung und zugleich um die innere Reform des Franziskaner-Minoritenklosters in Würzburg.

Valentinuskapelle[Bearbeiten]

Die Valentinuskapelle, die am Ostflügel des Kreuzganges unmittelbar neben dem Chor der Franziskanerkirche liegt und den Franziskanern im Jahre 1249 überlassen wurde, wird seit langem vor allem als Beichtkapelle genutzt. Von der ursprünglichen Kapelle ist die Westmauer mit dem rundbogigen, spätromanischen Portal erhalten. 1611/13 ließ Bischof Julius Echter von Mespelbrunn einen Neubau errichten, einen rechteckigen Raum zu fünf Jochen. Die Wölbung, die ein gotisches Netzgewölbe vortäuscht, ist ein Meisterwerk von Lazaro Agostino. Im Gewölbescheitel befindet sich das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter.

In den Jahren 1966 und 1967 fertigte die Würzburger Goldschmiede Michael Amberg einheitlich Altar, Ambo und Tabernakelstele und den umarmenden Christus am Kreuz umgeben von sieben Feuerflammen (nach der Vision des Heiligen Bernhard). Neben der Türe zum Kirchenchor stand bis 2015 die Figur des Heiligen Bischof Valentin (ehemals im Altar der Kapelle, den 1892 Matthäus Schiestl geschaffen hatte).

Klosterfriedhof[Bearbeiten]

Von seinem schon frühzeitig erteilten Begräbnisrecht machte das Würzburger Minoritenkloster reichlich Gebrauch. Während die eigenen Konventsangehörigen meistens im Kreuzgang beigesetzt wurden, waren Kirche und Friedhof auf der Nordseite der Kirche und dem heutigen Franziskanerplatz eine beliebte Beerdigungsstätte angesehener Würzburger Bürger, bedeutender Persönlichkeiten und des fränkischen Adels. Einige wenige noch erhaltene Grabdenkmäler und Grabplatten in der Kirche legen davon Zeugnis ab. Bis zum Jahre 1804 blieben Kirche und Friedhof nördlich und östlich der Kirche als Begräbnisstätte erhalten. Dann musste der Friedhof einer Straßenerweiterung und der Anlage des Franziskanerplatzes weichen.

Bischöfe und Weihbischöfe in Würzburg[Bearbeiten]

Im 13., 14. und 15. Jahrhundert finden sich nachweislich aus dem Kapitel die Namen folgender Würzburger Bischöfe:

Rückblickend auf die seelsorgliche Tätigkeit, die Pflege von Gelehrsamkeit und Wissenschaft während des 13. bis 16. Jahrhunderts stellten die Würzburger Franziskaner-Minoriten auch einige Weihbischöfe:

Historische Aktivitäten des Klosters[Bearbeiten]

In Würzburg versahen die Patres des Franziskanerklosters, die als Priester geweihten Mönche, zu Anfang des 17. Jahrhunderts in der Marienkapelle und von 1641 bis 1644 in der Pfarrei St. Burkard den Gottesdienst. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts werden von amtlicher Seite „Katheder, Kanzel und Beichtstuhl“ als seelsorgliche Schwerpunkte der Franziskaner in Würzburg herausgestellt. In der Stadt Würzburg wirkten die Patres außer in ihrer seelsorglichen Tätigkeit in der eigenen Ordenskirche ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch als Prediger und Beichtväter im Dom. Nach der Säkularisation übernahmen sie auch den Altardienst in der Hofkirche der Residenz.

In der Sorge für Ordensnachwuchs und die Reich-Gottes-Arbeit gründete die Provinzleitung schon während des Ersten Weltkrieges in den Räumen des Würzburger Franziskanerklosters ein „Studentat“ für Gymnasiasten.

Pastorales und karitatives Angebot[Bearbeiten]

Zum pastoralen Angebot der Franziskaner-Minoriten zählen neben Gottesdiensten, Andachten und Beichtgelegenheit auch ein soziales und karitatives Engagement. So betreiben sie die Würzburger Straßenambulanz. Diese bietet pflegerische und medizinische Hilfen dort an, wo sich die Betroffenen normalerweise aufhalten.

Guardian (Auszug)[Bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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