Kürnach (Gewässer)

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Informationen über das gleichnamigen Gemeinde finden sich unter Kürnach.

Die Kürnach in Lengfeld neben der Kürnachtalhalle und dem Ökumenischen Zentrum
Die Kürnach in Lengfeld, nahe Schöpf

Die Kürnach ist ein Fließgewässer, das östlich von Kürnach entspringt und von Nordosten in Lengfeld auf das Würzburger Stadtgebiet trifft.

Namensherkunft

Der Bach wurde schon in der Würzburger Markbeschreibung von 779 urkundlich erwähnt und hieß althochdeutsch Quirnach. Quirn bedeutet so viel wie Mühle, die Kürnach ist also der Mühlbach. [1]

Geschichte

Im mittelalterlichen Stadtgebiet von Würzburg der Bach Kürnach dicht nördlich an dem Komplex vorbei, an dem ein vorbischöflicher Herren- oder Königshof angenommen wird (Neumünster und ehemalige Martinskapelle). Um das Jahr 1000 wurde die Kürnach an der Stadtmauer beim heutigen Bürgerspital zum Heiligen Geist gesperrt und nach Norden um die Bischofsmütze herumgeleitet. Einen Teil des Wassers ließ man aber weiterhin noch durch das alte Bett fließen. Die Richtung des alten Bachbettes ging durch die heutige Spiegelstraße, so später ein sumpfiger Platz mit dem Namen „Loch“ genannt wird und weiter über den heutigen Marktplatz. Dort hatte die Kürnach den Sumpf „Rigol“ gebildet, in den auch die Abwässer der umliegenden Häuser flossen. Am Rande des Rigol lag das Dietricher Spital, das auch im Dorf Kürnach Besitz hatte, aber auch viele Häuser von Juden standen hier auf Grundpfählen im Moorboden. Zwischen 1218 und 1225 gab es einen Rechtsstreit wegen einer unterirdischen Abwasserleitung des Juden namens Süßkind mit dne Verwaltern des Dietricher Spitals. Die Abwasserleitung, die man „Thol“ nannte, musste auch Unrat des Dietricher Spitals abführen. 1225 einigten sich Süßkind und der Spitalverwalter. Süßkind zahlte sechs Pfund (Geld) und das Spital ließ davon die Wasserleitung von neuem fest bauen.

Die umgeleitete Kürnach wurde am Alten Kranen in den Main geleitet. Nach der endgültigen Vernichtung der jüdischen Siedlung um den „Rigol“, der Ermordung und Selbstverbrennung einer größeren Anzahl von Juden und der Zerstörung ihrer Häuser, die sie einst von Gerbern gekauft hatten, wurde der heutige Marktplatz mit der Marienkapelle angelegt.

Verlauf

Die Quelle Schwarzer Brunn liegt in der Gemarkung der Gemeinde Kürnach, im Nordteil des Wäldchens Rankenholz östlich der Siedlungsfläche. Gerade am Oberlauf bietet das Gewässer ein schönes Landschaftsbild mit ökologischer Vielfalt. Die Kürnach durchfließt die Gemeindefläche nach Westen, biegt dann nach der Kürnachtalbrücke in südwestlicher Richtung ab und fließt durch Estenfeld. Nördlich der Estenfelder Weißen Mühle mündet der Nägeleinsbach von Osten kommend in die Kürnach. Im Bereich des Stadtbezirks Lengfeld erreicht sie das Würzburger Stadtgebiet. Nahe der Lengfelder Riedstraße mündet der Riedbach in das Fließgewässer. Die Kürnach floss früher bis zum Main, gegenwärtig mündet sie unter dem Greinbergknoten von links in den ehemaligen Mühlbach Pleichach. Der Bemessungsabfluss an der Würzburger Stadtgrenze beträgt 26 m³/s.

Zuflüsse

Geschützte Landschaftsbestandteile

An der Kürnach gibt es zwei Gebiete, die als geschützte Landschaftsbestandteile ausgewiesen sind:

Quellgebiet der Kürnach und Waldabteilung Geisbühl

Das Gebiet mit einer Fläche von ca. 32,4 Hektar wurde am 26. Oktober 1990 als geschützter Landschaftsbestandteil mit der Bezeichnung „Quellgebiet der Kürnach“ und „Waldabteilung Geisbühl“ ausgewiesen und trägt die Nummer LB024. „Zweck des geschützten Landschaftsbestandteiles ist es, das Gebiet im Interesse des Naturhaushaltes, insbesondere wegen der Tier- und Pflanzenwelt, sowie zur Belebung des Landschaftsbildes zu erhalten. Der Quellbereich der Kürnach ist mit seggenreicher Feuchtvegetation bestanden. Daran angrenzend sind feuchte Wirtschaftswiesen, die dem Wald vorlagern. Die Hochstauden und Seggenbereiche sind als schützenswerte 6d-Flächen [2] zu werten. Der Wald zeichnet sich durch Artenreichtum mit einigen seltenen Pflanzen, z. B. Türkenbund, Traubenhyazinthe, Aronstab usw. aus.“ [3]

Geschützter Landschaftsbestandteil „Waldabteilung Geisbühl“

Lengfelder Auwäldchen

► Lengfelder Auwäldchen

Umweltschutz

2012 erhielten die Gemeinden Kürnach und Estenfeld einen Förderbescheid für die Erstellung eines Gewässerentwicklungskonzeptes zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt. Das Konzept wurde 2013 von dem Umweltbüro Fabion GbR erstellt. Ziele sind es, das Fließgewässer und seine Struktur ökologisch zu verbessern, wieder eine ökologische Vielfalt herzustellen und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. [4] [5]

Ein 24 Kilometer langer Bachrundweg zum Radeln und Wandern entlang der Kürnach (und der Pleichach) soll außerdem die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für das Gewässer schärfen. Entlang der Zwei Bäche Tour gibt es viele Informationstafeln, ein Quiz mit mehreren Stationen und Rastplätze, mit denen die Menschen für den Gewässerschutz gebildet werden sollen. [6]

Im Bereich des Stadtbezirks Lengfeld informiert seit 2007 der Bachlehrpfad Kürnach über die Artenvielfalt in und am Bach und die Lebensraumqualität im Kürnachtal.

Gewässerverschmutzungen

Trotz der Bemühungen der anliegenden Gemeinden gab es in der Vergangenheit des Öfteren massive Gewässerverschmutzungen: So gab es 2011, 2012, 2013 und 2017 immer wieder Fischsterben, die auf eingeleitetes ungeklärtes Abwasser zurückzuführen waren. Im April 2013 soll ein Defekt an einem Regenüberlaufbecken in Estenfeld Auslöser der Umweltverschmutzung gewesen sein. Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt Würzburg gaben bekannt, dass das Kanalsystem in Estenfeld verbessert werden soll. [7] Im Sommer 2015 und im Januar 2016 kam es erneut zu massiven Verunreinigungen der Kürnach. [8] Im Mai 2018 wurde das Gewässer nach einem Verkehrsunfall auf der Kürnachtalbrücke zwischen Kürnach und Estenfeld durch Dieselkraftstoff verunreinigt. [9]

Wirtschaftliche Nutzung

An der Kürnach befinden bzw. befanden sich zahlreiche Mühlen (von West nach Ost): [10]

Bildergalerie

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Christine Demel: Chronik 1225 Jahre Kürnach. 779 - 2004. Selbstverlag Gemeinde Kürnach 2004, S. 261 f. [11]

Weblinks

Erläuterungen, Hinweise und Einzelnachweise

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