Alter Kranen

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Der Alte Kranen
Aufnahme von der anderen Mainseite

Der Alte Kranen ist ein Hafenkran im barocken Stil und eines der Wahrzeichen Würzburgs. 1767 bis 1773 wurde er nach Plänen von Franz Ignaz Neumann errichtet. Auftraggeber war Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, der hiermit den Handelsweg zu Wasser besser für die Stadt nutzbar machen wollte. Der Bau wurde bald zum Wahrzeichen der Stadt. Das Umfeld diente historisch als Handelsplatz, heute ist es insbesondere im Sommer ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen.

Lage[Bearbeiten]

Der Alte Kranen, steht rechtsmainisch zwischen der Alten Mainbrücke und der Friedensbrücke. Er bildet ein Ensemble mit dem alten Zoll- und Hallhaus (letztere Bezeichnung verweist auf die Bedeutung des Salzhandels) und der Kranenbastion mit einem Eckpavillon. Ehemals befand sich oberhalb des Treppendurchgangs ein Kranwärterhäuschen. Neben dem Kranen standen Lagerhäuser. Durch das Bauensemble führt eine alte gepflasterte Straße, die ehemalige Kärrnergasse.

Geschichte[Bearbeiten]

Informationstafel am Alten Kranen
Nachbildung im Deutschen Museum

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Unter Melchior Zobel von Giebelstadt wurde 1548 erstmals das Mainufer als Kai befestigt. Hierfür hatte das Mitglied des Domstifts Lorenz Truchseß von Pommersfelden der Stadt testamentarisch im Jahr 1543 200 Gulden vermacht. Die Umsetzung des Bauvorhabens erfolgte durch den Baumeister Bastian Hartmann und betraf wohl den Abschnitt zwischen Spiegeltor und Mühltor. Es wurden dabei 473 Quadersteine aus Eibelstadt verbaut.

Laut Rottenbach [1] stand bereits seit 1560 ein einfacherer Kranen an diesem Mainabschnitt. Domherr Daniel Stibar von Rabeneck soll in seinem Testament verfügt haben, dass 200 Gulden „zur Erbauung eines Kranen am Maine, um die Güter aus den Schiffen auszuheben“ verwendet werden sollten. Memminger [2] schreibt hingegen, dass es im 16. Jahrhundert lediglich Planungen zur Errichtung eines sogenannten „Cranich“ gab. Domherr Sigmund Fuchs von Wonfurt vermachte den beiden Bürgermeistern im Jahr 1571 300 Gulden zur „Auferbauung eines Cranichs“. Seine Bedingung war jedoch, dass dies innerhalb von drei Jahren umgesetzt sein sollte. Durch Widrigkeiten in Planung und Witterung konnte das aber nicht erfolgen. So forderte ein Nachfahre das Geld zurück und es gab einen längeren Rechtsstreit, der schließlich zu Gunsten der Stadt ausging. Dass tatsächlich ein Vorgängerbau stand, konnte bislang nicht belegt werden.

Der Handel am Mainufer betraf hauptsächlich Bau- und Brennholz, Weinbergspfähle und Büttnerholz. Es wurde vor Ort auf einem Markt- und Stapelplatz gehandelt und von den Kärrnern weitertransportiert. Regelmäßiger Handelsverkehr auf dem Main entstand erst im 17./18. Jahrhundert.

Alter Kranen[Bearbeiten]

Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim unternahm einiges zur Stärkung des Handels. Unter anderem initiierte er einen geregelten Schiffsverkehr zwischen Mainz und dem Obermain. Im Zuge dessen gab er 1767 auch den Auftrag zur Errichtung des heute „Alter Kranen“ ganannten Bauwerks. Mit den Planungen wurde Franz Ignaz Neumann (Sohn von Balthasar Neumann) beauftragt. Die Errichtung selbst erfolgte durch Georg Bonitas bis 1773. Seinen Dienst tat der Bau gut 70 Jahre. Hänle und von Spruner schreiben in Würzburg und seine Umgebungen 1844: „Außerhalb des Kranenthores steht der Krahnen, der nun bald einem eisernen, zweckmäßigeren Platz machen wird.“ [3]

Technik des Alten Kranens[Bearbeiten]

Die Technik im Inneren des 10,2 m hohen Kranhauses ist im Original erhalten und funktionsfähig. Die zwei Treträder (Durchmesser 5,20 Meter, Breite 1,45 Meter) mussten gleichzeitig durch im Inneren laufende Kranenknechte in Gang gesetzt werden. In den Treträdern waren je bis zu sechs Personen für die maximale Hebekraft eingebunden. Die Windenknechte bzw. Radläufer zählten zu der Zunft der „Aufläder“, die speziell in Würzburg auch „Kärrner“ genannt wurden. Das gesamte Hebewerk ist drehbar um einen senkrechten Tragpfosten (auch als Kransäule, Kaiserbaum, Mitteltragestück oder Stempel bezeichnet) mit 0,55 m Durchmesser gelagert, der sich auf einem Eisenkegel in einer gefetteten Eisenpfanne im Boden dreht. Mit einer am Tragpfosten angebrachten Deichsel konnte die gesamte Konstruktion inklusive Krandach horizontal gedreht werden. Mehrere Haken an der Innenwand ermöglichten es, die Deichsel mit einer Kette zu fixieren.

Die beiden Kranarme, wovon der längere (14 Meter) eine maximale Tragkraft von einer Tonne, der kürzere (11 Meter) von 1,2 Tonnen hat, ragen aus dem kupfergedeckten Krandach. Sie sind für die leichte Drehbarkeit auf Walzen gelagert und um 360 Grad drehbar. Eine gewölbte Decke verhindert das seitliche Ausbrechen. Am Ende der Kranausleger befinden sich einfache Kettenflaschenzüge mit Haken, die wiederum jeweils mit einem Krangeschirr ausgestattet sind. Sowohl die kupferverkleideten Kranarme, als auch die Glockendachkappe sind mit kleinen, markanten Kupfer-Zierelementen wie z.B. Wetterfahnen, Spitzen oder Blüten versehen. Runde Dachgauben sorgen für Lichteinfall und runden die harmonische Architektur ab.

Im Alten Kranen wurden mehrere Holzarten verwendet: Kransäule, Rahmen, Kranausleger und Achsen wurden aus gebeiltem Hartholz im Baukastenstil hergestellt. Darunter sind Kastanienholz, Eiche und Buche. Die Laufflächen der beiden Treträder bestehen aus Nadelholz. [4]

Eiserner Kranen[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich der Handel vom Main auf die Eisenbahn. 1846 wurde der Alte Kranen stillgelegt und 50 Meter mainabwärts ein neuer eiserner Kran errichtet. Es handelte sich hierbei um einen feststehenden Handdrehkran, der vom Würzburger Handelsverein betrieben wurde. Zwei nahezu baugleiche Krane findet man heute noch in Bamberg am Linken Regnitzarm unweit des Alten Rathauses. Im Jahr 1922 hatte auch dieser Kran ausgedient und wurde daher wieder abgebaut. Für den Güterumschlag auf dem Main war zwischenzeitlich mainabwärts der Alte Hafen angelegt worden.

Trümmer-Verschiffung[Bearbeiten]

Der Alte Kranen blieb von den Zerstörungen im 2. Weltkrieg verschont und wurde zu einem Symbol des Überlebens. Am Kranenkai wurde in der Folgezeit täglich 900 Tonnen Brandschutt aus der Stadt auf Schiffe geladen und abtransportiert. Zur Erinnerung daran befindet sich nördlich des Kranen eine Gedenktafel und eine Trümmerlore (Trümmerräumungs-Denkmal).

Baudenkmal[Bearbeiten]

In der Liste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ist der Alte Kranen mit den zugehörigen Bauten unter Nummer D-6-63-000-287 wie folgt eingetragen:

„Schiffsanlegeplatz für den Güterumschlag; Verladestation, sog. Ochsenschanze, hochwasserfreie teilweise unterkellerte bastionsartige Geländeaufschüttung mit Böschungsmauer und Durchfahrten, barock, Franz Ignaz Neumann, 1767-1773, wohl unter Benutzung älterer Befestigungsanlagen des 17. Jh.; Kran, sog. Alter Kranen, gemauerter Rundbau auf der Ochsenschanze mit Figurengruppe, Mansard-Kegeldach und zwei schwenkbaren Auslegern, barock, Franz Ignaz Neumann, 1767-1773; Lagerhaus, sog. Niederlagehaus, dreiflügeliger eingeschossiger Kalksteinbau mit Walmdach über hohem befahrbarem Substruktionsgeschoss innerhalb der Ochsenschanze, barock, Franz Ignaz Neumann, 1767-1773, Wiederaufbau um 1980; Nebengebäude, eingeschossiger Sandsteinquaderbau mit Flachsatteldach, 2. H. 19. Jh.; Pavillon, eingeschossiger Haubendachbau mit Laterne, Ende 18. Jh., Wiederaufbau nach 1945; Uferbefestigung, Ufermauer mit Treppen, Wappenstein und flankierenden liegenden Löwen, anschließende gepflasterte Rampe, barock, bez. 1784; Torpfeiler, Kalkstein, 19. Jh.; Figur, sitzender Löwe, Sandstein, 18./19. Jh. in Neuaufstellung; Torpfeiler mit Kugelaufsatz, Kalkstein, 18. Jh. in Neuaufstellung.“

Die Pflege des Krans übernahm 1974 der Main-Franken-Kreis, der auch Führungen anbietet.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Kranenbastion und Uferpromenade[Bearbeiten]

Uferpromenade am Alten Kranen

Der begrünte Fußgängerbereich entlang des Mainufers lädt zum Flanieren und Verweilen mit Panoramablick vom Käppele bis zum Steinberg. Auf der Kranenbastion befindet sich ein kleiner Japanischer Garten. Am Fuße des barocken Eckpavillons sind einige Kräuter angepflanzt und beschriftet (auch in Braille-Schrift).

Denkmäler, Kunst und Skulpturen[Bearbeiten]

  • Nördlich der Kranenbastion befinden sich zwei Denkmäler für die Trümmerräumung nach der großflächigen Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg: Eine Trümmerlore und eine Gedenktafel.
  • Die erhöht stehende Löwenskulptur uferseiteitig der Kranenbastion stammt ursprünglich vom Ludwigsbahnhof. An der Oeggstraße schmückte er mit einem zweiten Löwen den Vorbau zum Wartesaal der 1. Klasse. Die Figuren blieben nach dem Abriss erhalten, einer wurde 1975 hier aufgestellt, der zweite steht an der Bastion des gegenseitigen Ufers hinter einem Gitter. [5]
  • Eine weitere Steinskulptur befindet sich südlich der Kranenbastion nahe dem Holztor.
  • In einem denkmalgeschützten Pavillon auf der Kranenbastion befindet sich das Künstlertürmchen.

Gastronomie[Bearbeiten]

Um den Alten Kranen haben sich mehrere gastronomische Betriebe angesiedelt: Unmittelbar neben dem Kranen gibt es auf der Hochfläche den Biergarten Alter Kranen. Auf der Terrasse wurde im Sommer die Odeon Sommerlounge aufgebaut. Im ehemaligen Hauptzollamt befand sich seit 1989 das Haus des Frankenweins, seit 2010 findet sich dort der Italiener Locanda (L'Osteria). Im Südflügel wurde 2011 der Brauerei-Gasthof Alter Kranen eröffnet. In Richtung Schiffsanlegestelle befindet sich das Restaurant Beef 800° und im Uferbereich vor der Kranenbastion der schwimmende Main Kutter Würzburg (ehemals Fischbar zum Krebs).

Schiffsanlegestelle[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Schiffsanlegestelle Kranenkai: Ausflugsverkehr unter anderem Richtung Veitshöchheim mit den Schiffen der Weißen Flotte (Veitshöchheimer Personenschifffahrt und Schiffstouristik Würzburg).

Tiefgarage[Bearbeiten]

Im Untergeschoss der Bastion befindet sich die hochwassersichere Kranengarage. Sie besteht seit April 1990 und bietet 65 Stellplätze, sie ist 24 Stunden geöffnet. Dort sind auch kostenfreie öffentliche Toiletten eingerichtet. Im Zuge der Bauarbeiten musste der Teich des Japanischen Gartens trockengelegt und durch eine Kiesfläche ersetzt werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band I. S. 7
  2. Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. S. 230
  3. S. Hänle und K. v. Spruner: Würzburg und seine Umgebungen. Ein Taschenbuch für Einheimische und Fremde. Verlag der Stehl'schen Buchhandlung, Würzburg 1844. S. 99
  4. Auskunft von Georg Götz, Main-Franken-Kreis.
  5. Jörg Lusin: Seltsame Wanderungen in Würzburg. In: Festschrift der Leonhard-Frank-Gesellschaft zum 80. Geburtstag von Werner Dettelbacher. Echter, 2006

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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