Seisser Kaufmannsfamilie

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Seisser (auch Seißer) ist der Name einer bayerischen Kaufmannnsfamilie aus Würzburg, die im Textil- und Lebensmittelhandel (Franck & Kathreiner AG „Caro Landkaffe“) in Würzburg und München tätig war.

Die (überwiegend katholische) Familie stellte im Königreich Bayern und im späteren Freistaat mehrere Persönlichkeiten in hohen öffentlichen Ämtern und Funktionen wie z.B. den Präsidenten der bayerischen Staatsbank Andreas Ritter von Seisser, den Major im bayerischen Generalstab und späteren Chef der bay. Landespolizei und Münchner Stadtrat Hans Ritter von Seisser, den Würzburger IHK-Geschäftsführer Dr. Paul Seisser (Begründer der weltgrößten Messe für Druck und Papier „Drupa“), den Geschäftsführer des Landesfrauenvereins vom Roten Kreuz für Nordbayern, Geheimrat Philip Seisser, oder den Landrat und Ehrenbürger von Wunsiedel Dr. Peter Seisser.


Geschichte[Bearbeiten]

Die Familie war im 16. Jahrhundert aus Württemberg oder Österreich (bzw. Südtirol) nach Würzburg eingewandert. Seit dem 18. Jahrhundert war die Familie im Tuch- und Seidenhandel tätig, später betrieb die Familie auch ein Mode- und Textilhandelshaus in der Würzburger Innenstadt mit Kontoren in München, Wien und Berlin. Das Textilhandelshaus M. Ph. Seisser gegr. 1773 gehörte zu den ältesten seiner Branche in Deutschland. Ein Zweig und mehrere Generationen der Familie waren seit dem 19. Jahrhundert im Lebensmittelhandel (Kathreiner's Malzkaffee, später Caro Kaffee, Unifranck & Allgäuer Alpenmilch GmbH) in München tätig.

Verwandtschaften[Bearbeiten]

Zwei Mitglieder der Familie wurden in den persönlichen bayerischen Adelstand erhoben. Die Familie war mit vielen alteingesessenen Würzburgern und bayerischen Kaufmannsfamilien verwandt und verschwägert wie den Völk, Geyß (mehrere Mitglieder der Familie Geyß stellten Kanzler der fürstbischöflichen Regierung), den Röder (Vorfahren der Expressionistin Prof. Emy Roeder) wie auch mit Mitgliedern bekannter Beamten-, und Professorenfamilien der Universität wie z.B. mit der Familie Wilhelm Olivier von Leube, den Familien Hertz, Leiblein, von Franque (u. a. mit dem Arzt Otto von Franqué), den Familien Strecker (Adolph Strecker: „Strecker Synthese") sowie Franz von Leydig (Entdecker der sog. Leydig-Zellen). Darüber hinaus war die Familie verschwägert mit den Familien Mieg (Arnold Friedrich Ritter von Mieg) der Familie Dr. Julius von Braun, wie auch in München u. a. mit der Architektenfamilie von Kramer, Kathreiner (Fam. Wilhelm, Brougier) etc.

Wappen[Bearbeiten]

Eine kolorierte Skizze (Original im bayerischen Hauptstaatsarchiv München) des wahrscheinlich im Barock entstandenen Seißer’schen Wappens wurde 1885 vom Ministerialrat im kgl. Bay. Staatsministerium der Finanzen Andreas (v.) Seißer an den bay. Reichsherold als Seißer‘ sches Familienwappen eingereicht und übernommen als persönliches Wappen von demselben, anlässlich seiner Aufnahme in die bayerische Adelsmatrikel nach Verleihung des Verdienstordens der bay. Krone. Der Reichsherold akzeptiere das Wappen und übernahm das Familienwappen für Andreas von Seißer ohne jegliche Veränderung oder Mehrung in das Adelsdiplom in der unteren Rangklasse des bay. Adels. [1] Lediglich die Schildform wurde im finalen Diplom historisierend verändert. Im Diplom ist der Schild abgeschrägt und stark nach links (heraldisch rechts) gekippt. In dieser Form wird das Wappen seither von der Gesamtfamilie geführt. Eine in Metall gegossene Abbildung des Wappens befand sich bis zu Sanierung des Stammhauses der Familie, dem Würzburger Kürschnerhof, im Jahre 2007 am Rückgebäude der Firma (M.Ph.) Seißer in der Martinstraße.

Blasonierung[Bearbeiten]

Wappen des Andreas v. Seißer und Stammwappen Seißer

Schild geteilt: oben auf blauem Grund ein goldener Sparren. Unten auf rotem Grunde 3 (2,1) goldene Sterne. Auf dem Helm ein blauer Flug mit goldenem Sparren. Helmdecken rot golden und blau golden.

Das gleiche Wappen existiert innerhalb der Familie in diversen heraldischen Farben. (Wann und warum das Stammwappen farblich verändert wurde ist unbekannt.)

Linien „Geheimrat Seißer“

Schild Geteilt und unten von weiss (silber?) und Blau gespalten. Oben auf rotem Grund ein goldener Sparren unten vorn auf weiss und hinten auf blau drei goldene Sterne (2,1). Auf dem Helm ein Flug mit einem goldenem Sparren belegt. Heldmdecken rot golden und blau golden.

Bzw. Ein roter Schild, oben ein goldener Sparren unten 3 (2,1) goldene Sterne. Auf dem Helm ein geschlossener Flug mit einem goldenen Sparren belegt. Helmdecken, rot golden

Linie „Hofrat Seißer“

Wappenschild ganz in schwarz: Auf schwarzem Grund ein goldener Sparren unten drei goldene Sterne (2,1). Auf dem Helm ein geschlossener Flug mit einem Sparren belegt, Heldmdecken schwarz, golden

Wappen des Hans Ritter von Seißer

Als Johann Paul (Hans) v. Seißer, Sohn des kgl. Kommerzienrates Ludwig Barbarossa Seißer nach Verleihung des Militärischen Max-Josephs-Orden ebenfalls in den persönlichen bayerischen Adelsstand erhoben wurde, stiftet dieser ein neues Wappen in enger Anlehnung an das Familienwappen und in der Adelsmatrikel verzeichneten Wappens seines Onkels Andreas von Seißer. Anstatt der 3 Sterne im unteren Teil des Schildes wählte er eine offene Schwurhand in Erinnerung an ein von ihm geschlagenes Gefecht nahe der französischen Stadt Bapaume.

Wappen Linie „Major im Generalstab Hans von Seißer“

Wappenschild geteilt: Oben in blau ein goldener Sparren (aus Familienwappen Seißer). Unten in rot eine silberne offene Hand (aus dem Wappen der Stadt Bapaume). Auf dem gekrönten Helm ein geschlossener Flug, mit einem goldenen Sparren belegt. Helmdecken, rechts blau golden, links rot-silbern. [2]

Persönlichkeiten der Familie[Bearbeiten]

  • Johann Balthasar Seisser (* 17. Oktober 1719 in Würzburg; † 1. August 1788 ebenda) war Posamentier und Bortenwirker in Würzburg.
  • Michael-Philipp Seisser (* 15. Mai 1789 in Würzburg; † 19. September 1859 ebenda) Kaufmann & Handelsmann, Namensgeber des Handelshauses M. Ph.Seisser, Handelsrat
  • Dr. Andreas Ritter von Seisser (* 1. Dezember 1837 in Würzburg; † 15. September 1911 in Fürstenfeldbruck), Ministerialrat im kgl. Finanzministerium, Exzellenz, Präsident der bayerischen Staatsbank.
  • Ludwig-Barbarossa Seißer (* 1839 in Würzburg; † 1926 ebenda). Kgl. bay. Handelsrichter und Bankier. Inhaber des Bankhauses Louis Seisser im Falkenhaus.(Vater des Hans v. Seisser, Schwiegervater des Generalmajors Dr. Julius v. Braun)
  • Ludwig Seisser (* 4. Juli 1866 in Würzburg; † 27. Januar 1936 in München), kgl. bay. Kommerzienrat, Direktor der Kathreiner Werke, lebte in München und Lindau auf Schloss Holdereggen, welches er zusammen mit seinem Schwiegervater Adolph Brougier im Ersten Weltkrieg als Lazarett zur Verfügung stellte. An seinen Sohn Erich Seisser, der 1945 von den Nationalsozialisten wegen „Wehrkraftzersetzung“ hingerichtet wurde, erinnert seit 2010 ein „Stolperstein“ vor Schloss Holdereggen.
  • Michael-Philipp Johann Seisser (* 14. Februar 1854 in Würzburg; † 1943 ebenda), kgl. bay. (geheimer) Kommerzienrat, Grosskaufmann, Funktionär beim roten Kreuz, Mitgründer der Handleszentrale Deutscher Kaufhäuser („HADEKA“). Seisser wurde unter der Würzburger Räterepublik als Geisel in der Residenz festgesetzt. Würzburg, München
  • Hofrat Dr. Rudolf Seisser, Mediziner und Forscher in Würzburg (Enkel des Botanikers Prof. Valentin Leiblein, Seisser war u.a. Assistent des Prof. Otto von Franqué)
  • Valentine Seisser, Oberin beim Roten Kreuz in München. Gründerin der Rot Kreuz Schwestern in Würzburg.
  • Hans Ritter von Seisser (* 9. Dezember 1874 in Würzburg; † 14. April 1973 in München), Major im bayerischen Generalstab, Polizeipräsident von München, Präsident der bayerischen Landespolizei (Max-Josephs-Ritter), Stadtrat von München, Würzburg, München
  • Adolf Seisser (* 1898 in München; † 1979 in Würzburg), Inhaber des Textilhauses Völk in Würzburg, Mitglied des Aufsichtsrates der Katreiner AG, später Franck Kathreiner AG, München
  • Dr. Paul Seisser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Würzburg (1943), Präsident des Verbandes der deutschen Druckindustrie; Mitgründer der „DRUPA“ (internat. Druckmesse), Frankfurt, Würzburg
  • Anton Franz Seisser (* 15. Juli 1883 in Würzburg; † 1968); Textilkaufmann, Stadtrat a.D., Aufsichtsrat der Kathreiner AG, Verwaltungsratsmitglied der Unifranck GmbH, Ludwigsburg, Sohn des Michael-Philipp Seisser. Würzburg, München
  • Dr. Rolf Seisser (geb. 1922),Verbandsfunktionär, ehem. Geschäftsführer des „Bereiches Druck im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau“ (Bundesverdienstkreuzträger), Präsident der Frankfurter Künstlerhilfe, etc. Frankfurt

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Finanz-Ministerialblatt für das Königreich Bayern, 1906
  • Bay. Hofkalender, 1911, München
  • Würzburger Diözesangeschichtsblätter, Band 58
  • Josef Balduin Kittel: „Ein Alt-Würzburger Handelshaus - Kaufhaus Seisser“, o.O.,
  • Handbuch des in Bay. Immatrikulierten Adels.
  • Prospekt der Firma Seisser Modesalon Landestrachten und Lodenkleider, ca. 1920, Universitäts-Druckerei Würzburg
  • 200 Jahre Seisser, Main-Post, 1973
  • Werner Dettelbacher: Damals in Würzburg - Bilddokumente aus der Zeit von 1914-1945. Stürtz Verlag, Würzburg 1971
  • Werner Dettelbacher: Würzburg - die Jahre nach 1945. Stürtz Verlag, Würzburg 1974
  • Werner Dettelbacher: Erinnerung an Alt-Würzburg - Bilddokumente aus der Zeit von 1866-1914. Stürtz Verlag, Würzburg 1970
  • „Die dreihundertfünfzigjahrfeier der Julius-Maximilians-Universität Würzburg“, 1932
  • DAV, Sektion Würzburg, Mitglieder Listen, ca. 1919?
  • Die Bayerische Staatsbank 1780 - 1955. Geschichte und Geschäfte einer öffentlichen Bank. Zur 175. Wiederkehr des Gründungsjahres. Gebundene Ausgabe – 1955
  • Jan-Christoph Kaiser-Seisser M.A. (Hrsg.): Seisser & Cie. Muenchen GmbH. Über uns. Druckerei Druckpunkt, München 2004, S. 9 ff.
  • Jörg Paczkowski: Der Wiederaufbau der Stadt Würzburg nach 1945. Mainfränkische Studien Band 30, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 1982, S. 115, 125, 133
  • Main-Post: „Lücken schließen sich am Kürschnerhof“ (29. August 1958)
  • Berliner klinische Wochenschrift, Band 54
  • Degeners Wer ist's?, Band 10, 12
  • Mieg'sche Chronik, Würzburg ca. 1910, Privat, Gauting
  • „Die Nachfolger des Franz Kathreiner aus München“, Familienchronik, Eigendruck, wohl 1920er Jahre, Privatbesitz, Gauting
  • Familienchronik Seisser, Dr Julius von Braun, Eigendruck Würzburg, Privatbesitz, Gauting

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels und Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, Band 19, 1894
  2. Blasonierung siehe: „Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, 1954“, gemalte Original-Vorlage im bayerischen Hauptstaatsarchiv München