Anton Franz Seisser

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Anton Franz Seisser (* 15. Juli 1883 in Würzburg; † 1968) war Textilkaufmann, Stadtrat a.D., Aufsichtsrat der Kathreiner AG und Verwaltungsratsmitglied der Unifranck GmbH in Ludwigsburg.

Familiäre Zusammenhänge

Anton Franz Seisser wurde als Sohn des Kommerzienrates Michael-Philipp Johann Seisser in Würzburg geboren. Seine Vorfahren stammen laut Familienüberlieferung aus Tirol. Seisser war ein Neffe des bayerischen Staatsbankpräsidenten Andreas Ritter von Seisser sowie ein Cousin des späteren Chefs der bayerischen Landespolizei Hans Ritter von Seisser. Seisser war verheiratet mit der Tochter des Münchner Kommerzienrates Hermann Aust. Aus der Verbindung stammten zwei Söhne. Sein Sohn, der Unternehmer Friedrich Ernst Günther Seisser, übernahm nach seinem Tod das Handelshaus Seisser in 8. Generation.

Leben und Wirken

Seisser besuchte das humanistische Gymnasium in Würzburg und war anschließend zur Weiterbildung in München, Genf und in Berlin beim Bankhaus Mendelssohn. Nach Abschluss der Lehre stieg er in das 1773 gegründete Handelshaus seines Vater sein. Von den 1920er bis in die 1960er Jahre war er als Verwaltungs- bzw. Aufsichtsratsmitglied der Kathreiner Werke (Kathreiners Malzkaffee und Franck-Kathreiner) in München tätig, wo er auch einen Wohnsitz hatte. Seisser war als Sprecher der Eignerfamilien maßgeblich an der Fusion der Kathreiner Werke, München mit dem größten Mitbewerber Franck aus Ludwigsburg beteiligt. Durch die Fusion der beiden Konkurrenten entstand der weltgrößte Anbieter von Ersatzkaffee, die Franck-Kathreiner AG, die später im Nestle Konzern aufging. Er bekleidete mehrere Ehrenämter so u.a. beim Bayerischen Roten Kreuz und unterstützte die Universität Würzburg. Seisser war Präsident des bayerischen Vereins für Ballonfahrerei.

Als sein Vetter Erich Seisser 1944 von der Gestapo wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet wurde (und später hingerichtet wurde; seit 2012 erinnert ein Stolperstein vor seinem letzten Wohnsitz, Schloss Holdereggen in Lindau an ihn), wurde Seisser mit einigen anderen Familienmitglieder in München kurzzeitig unter Hausarrest gestellt. Seisser, obwohl NSDAP Mitlied, weigerte er sich, seine Geschäftsbeziehungen zu jüdischen Händlern aufzugeben, so z.B. zur Firma Karl Sichel in Würzburg. Es wurden daraufhin mehrmals Ermittlungen gegen ihn, wie auch seinen Vetter, Inhaber des Handelshauses Georg Völk eingeleitet. Auch unterstütze Seisser seine Cousine die Expressionistin Emy Roeder im politischen Exil. Obwohl kein Freund ihrer Kunst und ihrer politischen Einstellung organisierte er immer wieder Geld und Sachsendungen nach Florenz. Diese wurden über einen befreundeten Professor der Universität heimlich nach Florenz gesendet.

Ehrenamtliches Engagement

Anton Seisser war wie sein Vater in der Volkskunde und Trachtenbewegung engagiert und führte die von seinem Vater Ende des 19. Jahrhunderts begonnene Sammlung bayerischer Volkstrachten weiter. Die Sammlung, die an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg gehen sollte, wurde 1945 zusammen mit dem Handelshaus komplett zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Seisser das Handels- und Textilhaus wieder auf und eröffnete als erster Würzburger Einzelhändler wieder sein Stammhaus. Aufgrund des Alters der Firma wurde ein spezieller Kredit des Marshall-Plans gewährt. Anton Seisser starb 1968. An seiner Trauerfeier nahmen Regina Erzherzogin von Österreich, Josef Neckermann und Werner Heisenberg teil.

Ehrungen und Auszeichnungen

Seisser diente im Ersten Weltkrieg als Offizier und war Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse und des bayerischen Militärverdienstordens.

Siehe auch

Quellen

  • Köpfe der Politik, Wirtschaft Kunst und Wissenschaft, Band 2
  • M. Ph. Seisser, Blatt mit 24 farbigen Tafeln der Sammlung bayerischer Landestrachten des kgl. Kommerzienrates Michael-Philipp Johann Seisser. Veröffentlicht anlässlich der Feierlichkeiten der hundertjährigen Zugehörigkeit Würzburgs zum Königreich Bayern, 1914, mit einem Vorwort des Hofrates Dr. Josef Balduin Kittel, Druckerei ?, Mezzotino und Lichtdruck
  • M. Ph. Seisser, 175 Jahre Stürtz Verlag
  • Die Nachfolger des Franz Kathreiner aus München, Familienchronik
  • Dr. Julius von Braun: Die Familie Seisser. Chronik, Privatbesitz Würzburg, München
  • Stadtarchiv Würzburg, Gestapo Akten 14380