Ochsenfurt und der Französisch-Niederländische Krieg (1672-1678)

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Der Französisch-Niederländische Krieg, auch Holländischer Krieg genannt, war ein gesamteuropäischer militärischer Konflikt, der von 1672 bis 1678 dauerte.

Vorgeschichte

Im März 1672 erklärten Frankreich und England den Niederlanden den Krieg. Ebenfalls verbündet mit Frankreich waren der Fürstbischof von Münster und der Erzbischof von Köln. In einem „Blitzfeldzug“ drangen die Franzosen beinahe ungehindert über Lüttich und Kleve in die Provinz Gelderland vor und eroberten Utrecht. [1] Wilhelm III. von Oranien [2] konnte den französischen Vormarsch nur verhindern, indem er gezielt Schleusen öffnen und Dämme durchstechen ließ, um so das Land zu überfluten und eine komplette Niederlage zu verhindern. Ein Großteil der Einwohner wurde hinter die so gebildete Holländische Wasserlinie evakuiert. Bei der Belagerung von Groningen mussten die mit Frankreich verbündeten Truppen des Bischofs von Münster eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Im Juli wurde Wilhelm III. zum Statthalter der beiden noch gehaltenen Provinzen Holland und Zeeland ernannt. [1]

Nachdem es den Franzosen nicht gelang, die Wasserlinie zu überwinden, wandte sich Ludwig XIV. [3] anderen Zielen zu und belagerte die Festung Maastricht, die im Juli 1673 vor dem französischen Heer kapitulierte. Der Fall dieser wichtigen Grenzfestung rief neben Österreich auch Spanien auf den Plan. Beide Monarchien befürchteten einen französischen Angriff auf die Spanischen Niederlande. Kaiser Leopold I. hatte bereits im Sommer 1672 vorsorglich Bündnisverträge mit den Vereinigten Niederlanden sowie dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg [4], geschlossen. Habsburgische und Preußische Truppen unter Friedrich Wilhelm und Raimondo Montecuccoli geschlossen. Habsburgische und Preußische Truppen unter Friedrich Wilhelm und Raimondo Montecuccoli wurden an den Rhein entsandt und führten im Elsass einen Belagerungskrieg gegen die bereits eingefallenen Franzosen, der jedoch keiner Seite Erfolge brachte. Streitigkeiten des Kurfürsten mit Montecuccoli, das Unterbleiben niederländischer Subsidienzahlungen und die Besetzung der brandenburgischen Provinzen in Westfalen zogen den Separatfrieden des Brandenburgers [5] mit sich, was die kaiserliche Position am Rhein entschieden schwächte. [6] Der Krieg weitete sich rasch auf große Teile Europas aus. Unter anderem kämpften im Sommer 1673 Frankreich, Schweden, die Bistümer Köln und Münster sowie England, gegen Österreich, Brandenburg, die Niederlande und das Bistum Bamberg. Große Teile des Heiligen Römischen Reiches verhielten sich zu Beginn noch neutral. [7]

Caraffa-Kürassiere

Nach der Kriegserklärung des habsburgischen Kaisers Leopold I. an König Ludwig XIV. als Reaktion auf dessen Überfall auf die Niederlande [8] schickte der Sonnenkönig im Frühjahr 1673 ein zweites französisches Heer unter Marschall Henri de la Tour Vicomte de Turenne [9] rheinabwärts durch Hessen über Frankfurt an den Main. Dort sollte es Winterquartiere beziehen, das besetzte Elsass decken und die nach Ausscheiden der Brandenburger aus der Koalition neu aufgestellte kaiserliche Armee unter Generalissimus Raimondo Montecuccoli, welche im Sommer 1673 bei Eger in Böhmen gesammelt wurde, beobachten sowie am Rheinübergang hindern, während die französische Hauptarmee unter dem Prinzen Condé [10] weiterhin die holländischen Festungen belagerte. [11]

Der Franzoseneinfall in Franken

Die Franzosen erfuhren Ende August das die Kaiserlichen Böhmen verlassen hatten und auf Nürnberg marschierten, was Turenne dazu veranlasste, die Tauber entlang nach Mergentheim vorzustoßen, dort sein Hauptquartier einzurichten und ein Magazin anzulegen. Die ca. 36.000 Mann starke kaiserlichen Armee unter Montecucolli zog weiter über Bad Windsheim auf Uffenheim zu. Am 11. September passierten die Franzosen mit ca. 30.000 Mann Röttingen an der Tauber, wo sie ihre Nahrungsmittel ergänzten und zogen über Bieberehren in das Steinachtal und unterhalb von Burg Brauneck weiter. Die Kavallerie erklomm die Löffelstelzer Steige und rückte über Nassau-Strüth-Aufstetten parallel zum langsameren Heer vor. [12]

Am 12. September 1673 wurde Turenne durch seine Späher das Anrücken des kaiserlichen Heeres aus Richtung Bad Windsheim gemeldet. [13] Die Franzosen stellten sich nun zwischen Adelhofen und Walkershofen zur Schlacht auf. Zugleich lies der kaiserliche Heerführer im Raum südwestlich von Uffenheim sein erstes Treffen zuerst antreten, dann retirieren und rückte mit dem zweiten Treffen, der Artillerie und der Bagage so schnell es ging über Gollhofen-Oberickelsheim-Gnodstadt nach Marktbreit an den Main ab und setzte sich am Kapellenberg fest. Nach Ochsenfurt wurde eine Garnison des Kürassierregiments Harrant gelegt, obwohl es bereits von fränkischen Kreistruppen besetzt war und sich das Hochstift Würzburg offiziell für Neutral erklärt hatte. [14] Turenne, der sich durch seinen alten Gegenspieler Montecuccoli überrumpeln hatte lassen, blieb nichts anderes übrig, als den Kaiserlichen an den Main zu folgen, die durch ihr Manöver nun die Mainübergänge bei Ochsenfurt und Kitzingen besetzt hatten und auf der Höhe von Segnitz eine Pontonbrücke errichteten. [15]

Die Kämpfe zwischen Marktbreit und Goßmannsdorf

Stahlstich eines unbekannten Künstlers vom Ort des Kampfgeschehens zwischen Thierbach und Marktbreit im Holländischen Krieg (1673)
Ausschnitt des Kampfplatzes in den Weinbergen oberhalb Marktbreit (1673)

Die Franzosen rückten derweil auf die Mainhöhen südlich von Ochsenfurt vor und bezog Posten an den Ausläufern des Dümmersberges und auf dem Wolfgangsberg. Ochsenfurt wurde zur Übergabe aufgefordert, was der Stadtkommandant Obrist Jakob Alfons Franz Calderon d’Avila jedoch ablehnte. Da die Franzosen auf dem Wolfgangsberg unter Wassermangel litten, detachierte Turenne das Regiment Champagne und eine Eskadron Dragoner in die Weinberge (heute am Galgenberg) vor Marktbreit, um dort einen Posten über dem Main anzulegen, der seine Soldaten beim Wasserholen decken sollte und diese Position gegen Kaiserliche Angriffe zu bewachen. Die Kaiserlichen fingen alsbald an diese Stellung zu beschießen und führten auch einen begrenzten Angriff mit dem Dragonerregiment Chavagnac darauf durch, um die Franzosen vom Wasser zu vertreiben. Andere Versuche der Franzosen in der Nähe der Stadt Ochsenfurt Wasser zu holen, wurden durch Musketenfeuer von den Stadttürmen und -mauern vereitelt. Turenne beschwert sich in einem Brief an Kriegsminister Louvois gar darüber, dass ihm die eigentlich neutralen Ochsenfurter bereits „mehrere Dragoner vom Gaul geschossen“ hätten. Er wusste damals noch nicht, dass Ochsenfurt Kaiserlich besetzt war und vermutlich diese Soldaten das Feuer auf seine Wasserholer eröffnet hatten. [16]

Der Abstieg hinunter zum Main war aufgrund der steilen Mainhöhen sehr beschwerlich [17], sodass Turenne einen Vorposten mit 300 Mann aus dem Regiment „Champagne“ unter ihrem Kommandeur dem Capitain von Tilly und einer Eskadron Dragoner auf den flacheren Mainhöhen des Galgenbergs in den Weinbergen gegenüber Marktbreit errichtete, um sich einer gangbaren Wasserstelle am Main zu bemächtigen. Dieser Posten war jedoch bereits nach kurzer Zeit kaiserlichem Artilleriebeschuss vom Kapellenberg bei Marktbreit ausgesetzt. Turenne ließ seine Artillerie zurückfeuern und so entspann sich ein kurzzeitiges Artillerieduell. [18]

Montecuccoli detachierte kurz darauf Feldwachtmeister Chavagnac [19] mit einem Dragonerregiment (800 Reiter), um am Morgen des 13. September den französischen Vorposten anzugreifen. Der Kommandeur des französischen linken Flügels, Lieutenant-General Comte de Guiche schickte dem französischen Vorposten ein Reiterregiment als Verstärkung, welchem es gelang, den Platz zu behaupten und die Kaiserlichen in die Flucht zu schlagen. Hierbei wurde der kaiserliche Obrist von Görtze tödlich verwundet. Montecuccoli schickte nun das Infanterieregiment von Starhemberg, um die Scharte auszuwetzen. So entspann sich ein Gefecht in den Weinbergen vor dem Breitbach, welches sich bis nach Obernbreit hinzog. Beim Gegenangriff der Kaiserlichen wurden der französische Kapitän Tilly, der Baron de Berniers und fünf andere Offiziere gefangengenommen. Letztendlich warfen die Kaiserlichen die Franzosen aus ihren Stellungen, was Turenne dazu zwang, in der Nacht zum 14. September 1673 mit seiner Armee die Stellung zu wechseln. [20]

Er zog mit seinem Heer über Hohestadt ins Thierbachtal und besetzte den westlichen Höhenzug des Tals. Sein Quartier schlug er in der Kartause Tückelhausen auf. Die Franzosen lagen bis zum 20. September in dieser Stellung und lieferten sich Artillerieduelle mit den Kaiserlichen, welche Posten bei Hohestadt bezogen. Hohestadt wurde niedergebrannt und Ochsenfurt durch französische Artillerie beschossen. Die Treffer sind noch am Nikolausturm und am Dicken Turm zu sehen. Nach einer Woche mit Scharmützeln und Plünderungen der Gaudörfer durch französische Streifkorps zogen sich diese in der Nacht nach Wenkheim und von dort nach Mergentheim zurück. Grund hierfür war der nun offiziell vollzogene Seitenwechsel des Bischofs von Würzburg Johann Hartmann von Rosenbach in die kaiserliche Partei. Somit standen der kaiserlichen Armee die Mainübergänge in Ochsenfurt, Würzburg und Kitzingen zur Verfügung, was ihr eine Umgehung der Franzosen und einen Vorstoß auf Frankfurt ermöglichte. [21]

Nachdem am 18. September auch noch ein Kaiserliches Detachement unter Obrist Dünnewald einen großen französischen Nachschubkonvoi bei Wertheim aufgebracht und fünf Proviantschiffe angezündet hatte, fasste der französische Heerführer den Plan, sich an die Tauber zurückzuziehen, um von der Linie Tauberbischofsheim-Röttingen-Wertheim seine fränkische Operationsbasis in Aschaffenburg schützen zu können. Der Verlust des Wertheiner Nachschubs lastete doppelt schwer, da hierbei noch ein Konvoi von 54 zweispännigen Karren samt seiner Bedeckung von 200 französischen Dragonern von Dünnewalds Kürassieren überrascht und zerschlagen wurde. Hierbei verloren die Franzosen 100 Gefallene und Verwundete sowie 60 Gefangene. Die restlichen 40 Dragoner entkamen und brachten Turenne die Botschaft. [22]

Auswirkungen des Einfalls

Der Franzoseneinfall dauerte in Franken nur vom 12. bis 20. September. Kostete im Umland jedoch mindestens 18 Zivilisten das Leben. In mehreren Dörfern wurden die Kirchen geplündert, die Pfarrhäuser angezündet, Vieh und Nahrungsmittel gestohlen. Zwischen Gnodstadt und Marktbreit war durch die Kämpfe die Ernte niedergetrampelt. Dutzende tote Pferde der gegenseitigen Kavallerieangriffe lagen auf den Feldern und hunderte Tote wurden in den Schanzen zwischen Marktbreit und Ochsenfurt in Massengräbern beerdigt. [23] In Ochsenfurt und Marktbreit wurden noch Wochen danach blessierte Soldaten im Spital verpflegt. [24]

Die Besetzung von Ochsenfurt, bestehend aus mehreren Kompanien des fränkischen Kreisinfanterieregiments unter Obrist d´Avila hielt noch bis 1. November 1673 an. [25] Anschließend hatte Ochsenfurt mehrere Monate seine Ruhe, da die Truppen des Kaisers nach der Vereinigung mit den Holländern Bonn erobert hatten und am Rhein in die Winterquartiere gingen. [26]

Ochsenfurt in den weiteren Kriegsjahren

Im darauffolgenden Jahr 1674 kam es zu einem regelrechten Manöver- und Stellungskrieg im Elsass, bei welchem keine Seite entscheidende Vorteile erringen konnte. Im November 1674 bezog die aus 15.000 Mann bestehende kurfürstlich brandenburgische Armee die Winterquartiere in Franken, rund um Schweinfurt. [27] Hierfür musste auch das Hochstift aufkommen, sodass Ochsenfurt zur kurfürstlich brandenburgischen Schatzung 1674-1675 monatlich über 120 fl aufbringen musste. Brandenburgische Truppen waren allerdings nicht in Ochsenfurt einquartiert. [28] Sie zogen im Juni 1675 über Magdeburg nach Preußen, um den schwedischen Einfall in der Mark zurückzuschlagen. [29]

Im Mai 1675 wurde dann aber eine Kompanie des Lüneburgischen Reichskontingents in Ochsenfurt einquartiert, um die Brücke zu bewachen. Am 17. August 1675 bemerkt der Stadtschreiber, dass „weilen es mit dem Kriegswesen und Durchzügen (Gottlob) ziemlich still ist, die Wachen unter den Toren der Bürgerschaft zur sublevation verringert werden“[30]

Im Januar 1676 hatte Ochsenfurt für die im Lande liegenden kaiserlichen Winterquartiere mit aufzukommen und musste insgesamt 1.220 Fl. aufwenden. [31] Eine Besatzung von Ochsenfurt ist nicht dokumentiert. Einzig ein kaiserliches Getreidemagazin mit einem Kriegskommissar namens Schipko und einigen Knechten befand sich noch in der Stadt. [32]

Am 20. Juni 1676 wurde eine Kompanie Würzburgisch-Hochstiftlicher Truppen in die Stadt gelegt, um den Pass über den Main zu sichern. Sie scheinen die Stadt nach kurzer Zeit wieder verlassen zu haben. [33]

War die Stadt nun frei von militärischer Belegung hatte sie doch immer noch monetäre Kriegsleistungen zu erbringen. So wurde 1. Mai 1677 die Summe der Winterquartiere abgerechnet und das Schatzungsgeld für Ochsenfurt festgelegt. Mit der Disziplin der Bürger scheint es in diesen Kriegsjahren auch nicht zum Besten gestanden zu haben. Am 29. August 1677 beklagten sich die Bürgeroffiziere der Stadtwache, dass sie von den wachhabenden Bürgern nicht ernstgenommen würden. [34]

Wie jedes Jahr bezog auch im nächsten Winter wiederum Militär seine Winterquartiere in Ochsenfurt. Am 29. November 1677 rückten 20 Soldaten der hochstiftlichen Kompanie des Obristwachtmeisters Voit von Rieneck ein, um den „Pass über den Fluss“ zu bewachen. Insgesamt waren für die Stadt 62 Soldaten vorgesehen. Einen Tag später stießen fünf Fouragewägen mit Pferden hinzu. Der langweilige Wachdienst in Ochsenfurt scheint bei den Soldaten zu starkem Verdruss geführt zu haben, sodass es am 13. Februar 1678 zu Streitigkeiten zwischen den beiden Korporalen der einquartierten Einheit und dem Rat kam, weil ihre Soldaten einen jüdischen Händler auf offener Straße geschlagen hatten und ihm den Tabak stahlen. Die 30 Würzburgischen Soldaten zogen nach fünf Monaten, also im April 1678 wieder ab. [35]

Auch diesen Winter kam es wieder zu Friktionen zwischen den einquartierten Soldaten und der einheimischen Bevölkerung. Am 29. Dezember 1677 beschwerte sich deshalb der Rat der Stadt beim Pfortenamtmann, dass die hochstiftlichen Soldaten „mit Ttrommeln und Pfeifen in der Nacht in der Stadt umziehent großes Geschrei und Insolentien verüben, auch gestern gar uff der Gassen geschossen“ haben. Der Hauptmann der Kompanie wurde daraufhin ersucht, seine Männer im Griff zu halten, was jedoch nur kurzzeitig gelang. Als am 5. März 1678 auch noch der Rest der Voit-Rieneck’schen Halbkompanie zu ihren Kameraden nach Ochsenfurt verlegt wurde und nun insgesamt 62 Soldaten zuzüglich der Fourageknechte und Magazinverwalter im städtischen Quartier lagen, eskalierte die Situation.

Am 12. März 1678 kam es zu einer großen Schlägerei zwischen Bürgerssöhnen und den einquartierten Soldaten, welche augenscheinlich den Kürzeren zogen. Zwei Musketiere wurden hierbei so schwer verletzt, dass sie ärztliche Behandlung vom städtischen Bader benötigten. [36]

Als Auslöser für die Handgreiflichkeiten wurde zwar eine Intrige des kaiserlichen Magazinscheibers ausgemacht, die Gegenseitigen Abneigungen hatten jedoch zweifellos bereits vorher bestanden, sodass nicht viel gefehlt hatte, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Die Bürger waren der ständigen Soldatenbelegung in ihren Wohnungen, der andauernden Rekrutenstellung und Werbungen sowie der horrenden Kriegslasten überdrüssig und sehnten Ruhe und Frieden herbei. Als Schuldiger wurde der Schreiber des Kaiserlichen Kriegskommissars Schipko präsentiert, der angeblich beide Seiten mit jeweils übler Rede gegeneinander aufgehetzt hätte. Der Schreiber hatte die Arztkosten zu übernehmen und wurde zur Strafe durch die Gassen getrieben. Somit konnten alle beteiligten Stellen ihr Gesicht wahren - der Ochsenfurter Rat konnte seine renitenten Bürger als verführte Schäfchen darstellen und der Kapitän seine disziplinlosen Soldaten ebenfalls. Das Nachsehen hatte hierbei der Sündenbock, der inhaftiert und einige Zeit später abgeholt ward, um ihn zu examinieren, da Seitens der Armee sogar eine Verschwörung zur Destabilisierung der Kompanie vermutet wurde. Wobei mit dem damals geläufigen Verb examinieren nicht nur das Ausfragen, sondern durchaus auch die Folter gemeint ist. [37]

Noch im gleichen Monat kam es erneut zu Problemen zwischen Bürgern und Soldaten, da letztere es mit ihren Werbungen übertrieben. Jeder fremde, taugliche Jüngling, der den Soldaten über den Weg lief, wurde zum Trinken eingeladen und falls er ablehnte, derart bedrängt, dass er um seine Gesundheit fürchtete. Trank er jedoch aus dem dargebotenen Krug, galt dies als Annahme des Handgelds und er wurde als Rekrut unter Zwang abgeführt. Der Rat der Stadt Ochsenfurt hatte nun jedoch Angst, dass die Soldaten durch diese rüde Methode die Landarbeiter der umliegenden Orte, welche zur Feldarbeit und Bestellung der Weingärten nach Ochsenfurt kamen, fernhalten könnte und beschwerte sich darum beim Pfortenamtmann, kurz darauf wurden die Soldaten abgezogen. [38]

Am 24. April wurde den versammelten Bürgern die Schatzung für 1678 verkündet, Ochsenfurt hatte demnach 1.377 Gulden aufzubringen. Während die Stadt den Sommer 1678 wiederum militärfrei war, rückte mit dem Näherkommen der Wintermonate wieder eine Belegung mit Soldaten heran. [39] Das Muster wiederholte sich jedes Jahr: immer im Winter wurden Soldaten ins sogenannte „Winterquartier“ gelegt. Die Schatzung musste zusätzlich zu den Kosten des Winterquartiers über das ganze Jahr gezahlt werden. [40]

Aus der Vergangenheit hatte der Rat der Stadt jedoch gelernt, sodass am 15. November 1678 den Bürgern verkündet wurde, dass sie in keinem Fall mit den nun wieder einquartierten hochstiftlichen Soldaten Trinken oder Spielen sollten, erst recht nicht die Torwachen, da dies nur zu Streit führe. Zu jener Zeit waren ein Corporal und 15 Soldaten in der Stadt einquartiert. [41] Neben der Einquartierung und Schatzung musste sich Ochsenfurt auch turnusmäßig an den Übungen des Landausschussregiments beteiligen und Rekruten hierfür stellen. So stand am 13. Januar 1679 eine neue Montierung der sechs städtischen Ausschüsse durch den Bürgermeister an. [42]

Kriegsende und Auswirkungen in Ochsenfurt

Währenddessen ging am 5. Februar 1679 mit dem Frieden von Nijmwegen der Holländische Krieg zu Ende. [43] Ochsenfurt hatte in den Jahren 1672-1678 bewegte Zeiten erlebt. So war die Stadt fast Kampfgebiet geworden, hatte laufende Einquartierungen zu erdulden, diente als dauerndes Magazin, zahlte horrende Summen an Schatzung und verlor jährlich junge Bürger an Werber und das Landausschussregiment. War zwar der Krieg nun zu Ende, so waren die Schatzungs- und Winterquartiergelder dennoch weiterhin zu bezahlen. [44] Außerdem warf bereits ein neuer Türkenkrieg und der Reunionskrieg seine Schatten voraus. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Einwohner Ochsenfurts im 17. Jahrhundert beständig im Spannungsfeld zwischen Krieg, Hungersnöten und der Pest ihr Dasein bestreiten mussten.

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Erläuterungen und Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Volker Press: Kriege und Krisen. Deutschland 1600-1715. (Neue deutsche Geschichte, Bd. 5), München 1991. S. 418.
  2. Wilhelm III. von Oranien (1650-1702): ab 1672 General-Statthalter der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. 1689 König von England.
  3. Ludwig XIV. (1638-1715): ab 1643 König von Frankreich.
  4. Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688): ab 1640 Kurfürst von Brandenburg
  5. Am 6. Juni 1673 wurde zwischen dem Ludwig XIV. und Friedrich Wilhelm der Vertrag von Vossem geschlossen. Der Brandenburger schloss darin Frieden mit Frankreich und erhielt seine Festungen und Gebiete in Westfalen zurück. Weiterhin wurden ihm französische Subsidien versprochen, die jedoch nie ausgezahlt wurden.
  6. Richard Reifenscheid: Die Habsburger in Lebensbildern. Von Rudolf I. bis Karl I. Graz Wien Köln. 4. Aufl. 1990. Leopold I; S. 179-195. Hier S. 183.
  7. Vgl. Press, Kriege und Krisen, S. 419. Vgl. auch Max Spindler: Handbuch der bayerischen Geschichte. Bd. III, 1. Geschichte Frankens bis zum Ausgange des 18. Jahrhunderts. Hrsg. von Andreas Kraus. 3. Aufl. München1997. S. 498-499.
  8. Unter den deutschen Fürsten hatte bisher nur Kurbrandenburg ein Bündnis mit den Niederländern geschlossen.
  9. Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne (1611-1675): ab 1660 Generalfeldmarschall von Frankreich.
  10. Louis II. de Bourbon, prince de Condé (1621-1686): ab 1672 Oberbefehlshaber der französischen Truppen auf dem holländischen Kriegsschauplatz.
  11. Friedrich Wilhelm Zanthier: Feldzüge des Vicomte Turenne. Marechal-General der Armeen des Königs von Frankreich. Leipzig 1779. S. 359.
  12. Andreas Müller/Pieter Valkenier: Des Verwirreten Europae Continuation, oder Wahre Historische Beschreibung Derer in der Christenheit fürnehmlich aber in dem Vereinigten Niederlande Teutschland und hernach in den angräntzenden Reichen Fürstenthümern und Herrschafften zeither dem Jahre 1673 biß auff das Jahr 1676 durch die Waffen des Königes in Franckreich erregter blutiger Kriege leidigen Empörung und Verwüstung. Amsterdam 1680. S. 140.
  13. Militärische Monatsschrift. Band 1. (1785) S. 566, vgl. auch Müller/Valkenier, verwirreten Europae Continuatoin, S. 140
  14. STAOch (Stadtarchiv Ochsenfurt) Receßbuch 1671-1674. Eintrag vom 3. und 8. September 1673.
  15. STAOch Receßbuch 1671-1674. Eintrag vom 9. und 10. September 1673.
  16. MERIAN, Theatri Europeai, S. 342. Vgl. Auch Philippe-Henri Grimoard: Collection des lettres et mémoires trouvés dans les porte-feuilles du Maréchal de Turenne : Sammlung : pour servir de preuves et d'éclaircissemens à une partie de l'histoire de Louis XIV. Brief an Minister Louvois aus dem Feld bei Ochsenfurt am 13. September 1673. Paris 1782. S. 359-360.
  17. Vermutlich musste er durch das Bärental erfolgen.
  18. Vgl. MERIAN, Theatri Europeai, S. 342, vgl. Auch Militärische Monatschrift, S. 572.
  19. Gaspard de Chavagnac, kaiserlicher Generalfeldwachtmeister, Inhaber eines Dragonerregiments. (* ca. 1624 - 11. Februar 1695): Am 17. Februar 1674 Feldmarschalleutnant; 19. Januar 1680 Abschied.
  20. Vgl. MERIAN, Theatri Europeai, S. 342, vgl. auch Grimoard, Collection des lettres. Brief an Minister Louvois aus dem Feld bei Ochsenfurt am 15. September 1673. S. 352.
  21. Meyer, Diarii Europaeum S. 327, vgl auch Grimoard, Collection des lettres. Brief an Minister Louvois aus dem Feld bei Ochsenfurt am 13. September 1673. S. 359, Vgl. auch MERIAN, Theatri Europeai, S. 342. Vgl. weiterhin Herbert Schott: Im Kräftespiel der Reichspolitik – die „Außenpolitik“ des Hochstifts. In: Unterfränkische Geschichte. Bd. 4/12. Hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig. Würzburg 1998. S. 17-67. Hier S. 31.
  22. Vgl. Grimoard, Collection des lettres, Marschal de Turenne an Marquis de Louvois, 21. September 1673. S. 357.
  23. STAOch Gnodstadter Chronik. Verfasser unbekannt. Würzburg 1942. S. 296-297. Vgl. auch Johannes Wenzel: Marktbreit – Geschichte einer kleinen fränkischen Stadt. Marktbreit 1987. S. 120.
  24. STAOch Receßbuch 1671-1674. Eintrag vom 18. Oktober 1673. Vgl. WENZEL, Marktbreit, S. 120.
  25. STAOch Receßbuch 1671-1674. Eintrag vom 1. November 1673
  26. Vgl. Reifenscheid, Habsburger in Lebensbilder, S. 184
  27. Spindler, Handbuch bayerische Geschichte. Bd. III, 1. Geschichte Frankens S. 499. Vgl. auch Herbert Rosendorfer: Der Prinz von Homburg. Biografie. München 1991. S. 139.
  28. STAOch Receßbuch 1675-1676. Eintrag vom 14. März 1675.
  29. Vgl. Rosendorfer, Homburg, S. 143.
  30. STAOch Receßbuch 1675-1676. Eintrag vom 15. Mai 1675 und vom 17. August 1675.
  31. STAOch Receßbuch 1675-1676. Eintrag vom 10. Januar 1676.
  32. STAOch Receßbuch 1675-1676. Eintrag vom 28. Februar 1676 und 13. Martii 1678.
  33. STAOch Receßbuch 1675-1676. Eintrag vom 20. Juni 1676.
  34. STAOch Receßbuch 1677-1678. Eintrag vom 1. Mai 1677 und 29. August 1677.
  35. STAOch Receßbuch 1675-1676 und 1677-1678. Eintrag vom 29. November 1677, vom 13. Februar 1678 und vom 3. April 1678.
  36. STAOch Receßbuch 1677-1678. Eintrag vom 12. März 1678.
  37. STAOch Receßbuch 1677-1678. Eintrag vom 13. März 1678.
  38. STAOch Receßbuch 1677-1678. Eintrag vom 13. März 1678.
  39. STAOch Receßbuch 1676-1678. Eintrag vom 24. April 1678.
  40. STAOch Receßbuch 1676-1678. Eintrag vom 24. April 1678.
  41. STAOch Receßbuch 1676-1678. Eintrag vom 15. November 1678.
  42. STAOch Receßbuch 1679-1680. Eintrag vom 13. Januar 1679.
  43. Der Friede von Nimwegen umfasst mehrere Friedensverträge, die 1678/1679 in Nijmegen (Nimwegen) geschlossen wurden und den Französisch-Niederländischen Krieg sowie damit verbundene Kriege beendeten. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  44. STAOch Receßbuch 1679-1680. Eintrag vom 1. Mai 1679.