Matthias Ehrenfried

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Bischof Matthias Ehrenfried
Sterbebildchen von Matthias Ehrenfried
Gedenktafel für Matthias Ehrenfried im Kiliansdom
Grabstätte von Matthias Ehrenfried in der Kiliansgruft des Neumünsters

Der römisch-katholische Bischof Prof. Dr. Dr. Matthias Ehrenfried (* 3. August 1871 in Absberg; † 30. Mai 1948 in Rimpar) leitete von 1924 bis zu seinem Tod als 84. Oberhirte das Bistum Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Matthias Ehrenfried wurde am 3. August 1871 in Absberg in Mittelfranken (Bistum Eichstätt) geboren und stammt aus bäuerlichen Verhältnissen. Daher wählte er als Bischof auch Ähren und Sichel als Symbole seines Wappens. Nach dem Abitur 1892 am Eichstädter Humanistischen Gymnasium schickte ihn Bischof Franz Leopold von Leonrod zum Theologiestudium ans Collegium Germanicum nach Rom. Dort erwarb er Doktorate in Philosophie und Theologie. Am 28. Oktober 1898 wurde er zum Priester geweiht.

  • 1899 Kaplan in Hilpoltstein
  • 1900 Dozent für Dogmatik an der Universität Eichstätt
  • 1906 Professor für Neues Testament und Apologetik
  • 1907 Erweiterung des Fachgebietes auf die Homiletik.

Von 1912 bis 1920 redigierte er die Zeitschrift „Die christliche Schule“, von 1920 bis 1924 die „Blätter für den katholischen Klerus“.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Ehrenfried war seit 1901 Mitglied der katholischen Studentenkorporation Academia Eichstätt, später K.St.V. Rheno-Frankonia Würzburg im KV, sowie der katholischen Studentenverbindungen K.D.St.V. Franco-Raetia zu Würzburg, K.D.St.V. Gothia Würzburg und K.D.St.V. Markomannia Würzburg zu Würzburg im Cartellverband (CV).

Bischof in Würzburg[Bearbeiten]

Die Anfänge der Amtszeit[Bearbeiten]

Als erster nicht aus der Diözese stammender Bischof wurde Matthias Ehrenfried von der Bayerischen Staatsregierung zum Bischof von Würzburg nominiert und am 30. September 1924 von Papst Pius XI. ernannt und im selben Jahr im Dom St. Kilian geweiht.

Zwischen 1924 und 1933 galt sein Hauptaugenmerk dem geistlichen Aufbau des Bistums:

  • 1926 Exerzitienheim Himmelspforten
  • 1927 Kilianeum Miltenberg
  • 1931 Diözesansynode, die Grundlage für zwei Jahrzehnte der Seelsorge im Bistum war.

Die Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Matthias Ehrenfried gilt als Widerstandsbischof gegen das Dritte Reich und als urwüchsiger Volksbischof. Schon vor 1933 wandte sich Ehrenfried klar gegen die nationalsozialistische Ideologie. 1933 wurde er von den Nazis erstmals mit „Schutzhaft“ bedroht.

Nur wenige Wochen nach der Machtergreifung Hitlers begann in Würzburg ein Kampf der Partei gegen die Kirche. Ehrenfried selbst war Anfeindungen des Würzburger Gauleiters Otto Hellmuth ausgesetzt. In keiner anderen deutschen Diözese wurden so viele Priester verhaftet wie in Würzburg. Allein beim Besuch Hitlers in Würzburg 1937 wurden 141 Priester wegen angeblicher „Unterstützung von Juden“ inhaftiert.

1934 und 1938 stürmten Nationalsozialisten dreimal das Bischöfliche Palais. Einer drohenden Verhaftung entging Bischof Matthias nur, weil die NSDAP zu dieser Zeit keinen Märtyrer brauchen konnte. Als einziger Oberhirte ließ er bei der Wahl 1933, den Wahlaufruf der bayerischen Bischöfe verlesen. Ehrenfried kritisierte die NS-Regierung als „Geißel Gottes“, ihre Vertreter als „Mächte der Unterwelt“. 1935 trat er für die theologische Fakultät der Universität ein, die geschlossen worden war. Die Aufhebung der Benediktinerabtei Münsterschwarzach brandmarkte er als „staatliches Unrecht“. Immer wieder warnte er vor „falschen Propheten“. Dokumente aus der NS-Zeit belegen, dass Ehrenfried scharf überwacht wurde.

Die Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

Durch den Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 war der Hof Conti, das Bischöfliche Palais, zerstört worden. Matthias Ehrenfried hatte das Inferno überlebt, allerdings war der zerstörte Hof Conti nicht mehr bewohnbar. So machte er sich auf die Suche ein Dach über dem Kopf zu finden. Gemeinsam mit seinem Sekretär Dr. Pfeifer kletterte er durch die Trümmer der zerstörten Stadt in Richtung Marianhill und weiter nach Lengfeld, wo er am 17. März 1945 im dortigen Pfarrhaus bei Pfarrer Georg Engel unterkommen konnte. Nach 10 Tagen Aufenthalt in Lengfeld zog Bischof Matthias Ehrenfried am 26. März 1945 aus Angst vor den Nazis nach Kirchenschönbach im Steigerwald, wo er im Haus der Oberzeller Schwestern Quartier bezog. Dort verbrachte er die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. [1]

Danach bezog er eine Notwohnung im Kloster Oberzell. Von dort aus sorgte er für seine Gläubigen und führte Verhandlungen mit der amerikanischen Militärregierung, um die Not der Menschen zu lindern.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

In den Jahren des Kampfes ungebrochen, begannen seine Kräfte im Frieden nachzulassen. Von einer schweren Krankheit erholte er sich nicht mehr: Am 30. Mai 1948 starb der Bischof im ausgelagerten Juliusspital in Rimpar. Seine letzte Ruhestätte fand er, nach der Aufbahrung in der Hofkirche am 1. und 2. Juni [2], in der Nähe der Gebeine der von ihm so verehrten Frankenapostel in der Kiliansgruft des Neumünsters. Sein Nachfolger wurde Julius Döpfner.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

In Würzburg sind die Matthias-Ehrenfried-Straße in der Gartenstadt Keesburg, sowie das Matthias-Ehrenfried-Haus, ein Mehrgenerationenhaus und katholisches Tagungszentrum, nach ihm benannt. In Rimpar trägt seit 1989 das damals als Ausweichkrankenhaus umfunktionierte Schulgebäude, in dem er starb, den Namen Matthias-Ehrenfried-Volksschule Rimpar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Domarus: Bischof Matthias Ehrenfried und das Dritte Reich. Echter Verlag, Würzburg ,1998.
  • Klaus Wittstadt: Ein Bischof in schwerer Zeit: Das Wirken Bischof Matthias Ehrenfrieds im Dritten Reich. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 57 (1995), S. 407–420.
  • Theodor Kramer (Domkapitular): Matthias Ehrenfried, Bischof von Würzburg, 1871-1948. In: Lebensläufe aus Franken. Band 6. Schöningh, Würzburg 1960.
  • Peter Fasel: Beiträge zur NS-Geschichte in Unterfranken. Kapitel „Wie Bischof Ehrenfried in seinen Hirtenbriefen den Krieg der Nazis unterstützte.“ Eigenverlag des Verfassers 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lengfelder Chronik: Abhängiges Dorf, selbständige Gemeinde, eingemeindeter Stadtteil. Hrsg.: Arbeitskreis Lengfelder Geschichte, Würzburg 2003, S. 321 f. ISBN 3-00-010272-8 (Stadtbücherei Würzburg Stadtinfo Würzburg - Stadtteil bzw. Zweigstelle Lengfeld Dak 10 Len)
  2. Roland Flade: Zukunft, die aus Trümmern wuchs, Main-Post, Würzburg 2009, S. 181 (aus dem Tagebuch von Otto Seidel)


Vorgänger Amt Nachfolger
Ferdinand von Schlör Bischof
1924 - 1948
Julius Döpfner