Unbefleckte Empfängnis Mariens (Ingolstadt)

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Kuratiekirche Unbefleckte Empfängnis Mariens in Ingolstadt
Rückansicht der Marienkirche mit Sakristeianbau
Langhaus mit Blick in den Chor der Marienkirche

Standort[Bearbeiten]

Die katholische Filialkirche Unbefleckte Empfängnis Mariens in Ingolstadt liegt in der Ortsmitte an der Pfarrgasse / Ecke Ludwig-Bauer-Straße.

Patrozinium[Bearbeiten]

Die Kuratiekirche ist dem „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria”, auch Maria Immaculata genannt, geweiht. „Conception”, das Fest der Empfängnis der Gottesmutter Maria, bezieht sich auf die Empfängnis der Maria durch ihre Mutter Anna. Gedenktag ist der 8. Dezember.

Geschichte[Bearbeiten]

Die alte, baufällige Dorfkirche wurde unter Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau abgebrochen und durch die von 1751 bis 1753 gebaute heutige Kirche ersetzt. Die Weihe dieser neuen Pfarrkirche fand im Todesjahr von Balthasar Neumann 1753 statt.

Dem Kirchenbau gingen zahlreiche Schreiben und Bitten der Kirchengemeinde Ingolstadt und der Pfarrer von Eßfeld voraus. Diese baten seit dem Jahre 1703 den Zehntherrn zu Ingolstadt, den Fürstbischof von Würzburg um Hilfe bei der Errichtung einer neuen Kirche und eigenständigen Pfarrei. Von besonderer Hilfe waren die Fürsprache von Philipp Franz Johann Adolf Christoph Friedrich Zobel von Giebelstadt, Domherr und Kanoniker des Ritterstifts St. Burkard, der höchstwahrscheinlich die gutachterliche Tätigkeit des fürstbischöflichen Bauamtes und Balthasar Neumanns zustande brachte. Johann Georg Kolb, Vogt von Ansbach, beschreibt in seiner Bestandsaufnahme von 1728 den schlechten baulichen Zustand der Kirche mit den Worten: Die Kirche sei „sehr klein und baufällig, mit einem kleinen Turm, darin drei mittelmäßig Glocken hängen.”

Architektur[Bearbeiten]

Das Dorf Ingolstadt wird vom Turm der von Balthasar Neumann erbauten Landkirche geprägt, dessen Kuppel den Abschluss mit einem eingeschnürten Zwiebelhelm findet, dem Kennzeichen der Kirchen in der Barockzeit im 18. Jahrhundert. Auf der Turmkuppel befindet sich ein weithin sichtbar lothringisches Kreuz [1] als Turmkreuz, das der bischöfliche Hofschlosser Johann Georg Oegg schuf.

Die Kirche zu Ingolstadt wurde nach den Plänen und unter persönlicher Leitung von Balthasar Neumann gebaut. Sie ist das letzte Werk des 1753 im Jahr der Einweihung seiner Kirche verstorbenen Barockbaumeisters.

Die Marienkirche zu Ingolstadt weist die typischen Stilmerkmale der „Landkirchen” von Balthasar Neumann auf. Durch ihre schlichte und einfache, streng mathematische Konstruktion ist sie einzigartig und weist darüber hinaus einige Besonderheiten auf. Sie ist eine Saalkirche [2] mit einer Grundfläche von 220 m², deren Grundriss nicht dem lateinischen Kreuz entspricht, d.h. ihr fehlt das Querhaus. Als „Fassadenturmkirche” ist sie nicht nach Osten ausgerichtet. Die gesamte Fassadenanlage ruht auf einer Freitreppe. Balthasar Neumann gestaltete, angepasst an die bestehende örtliche Situtation, eine schlichte, wohlproportionierte Ein-Turm-Fassade, deren leicht risalitartig [3] vorspringender Teil in der Mittelachse liegt. Der Großteil des Turmes liegt im Langhaus und nur der geringere Teil ist in die Fassade einbezogen. Die dezenten, betont leicht kurvig geführten Lisenen [4] und Gesimse gliedern die Kirchenfassade in drei Stockwerke. Die Ecken sind nach innen abgerundet und geben gemeinsam mit den zurückspringenden Seitenflügeln der Fassade ein weiches Aussehen.

Innenraum[Bearbeiten]

Der helle Innenraum, den man durch das böhmische Gewölbe [5] im Untergeschoß des Fassadenturmes betritt, überrascht durch sein harmonisches Verhältnis von Länge, Breite und Höhe. Unterstrichen wird die Raumgliederung durch drei rundbogige, große und helle Fenster in jeder Seitenwand. Die gekehlte Holzbalkendecke von Kirche und Altarraum zeigt als Deckenstuck im Chor das Symbol „ΑΩ” und im Langhaus innerhalb eines geschweiften Profilrahmens das Symbol „IHS”, jeweils im Wolkenkranz und mit goldener Strahlenaura. Es ist davon auszugehen, dass diese Stuckarbeiten zeitgleich mit dem Kirchenbau (1751 - 1753) entstanden sind.

Der Tabernakelhochaltar ist eine zwischen 1768 und 1772 entstandene Rokoko-Arbeit von Johann Georg Auwera. Seinen Großvater Jakob van der Auwera (* 17. Februar 1672 in Mecheln; † 20. Februar 1760 in Würzburg) hatte der Bau der Würzburger Residenz aus den Niederlanden nach Würzburg gezogen. Mit dem Ende des Baus der Residenz wurden viele Künstler, so auch die Auweras gezwungen sind Aufträge auf dem Land zu suchen. 15 Jahre nach dem Bau der Kirche schuf Johann Georg Auwera den Hochaltar mit seinem baldachinartigen Aufbau. Die starke vertikale Betonung des Altars wird ausgeglichen durch die girlandenartigen Seitenbrücken des Hochaltars, die den kantigen Ansatz der Fenster verdecken und die Büsten von Joachim [6] und Anna [7] [8] tragen.

Der Hochaltar wird beherrscht durch die weiße Holzstatue der Maria Immaculata [1], die ein herausragender Teil des Gesamtensembles der heiligen Dreifaltigkeit ist. Als Künstler des Rokoko bevorzugt Johann Georg Auwera figürliche Darstellungen im Zentrum des Altars über dem Tabernakel als Fundament.

Der Tabernakel ist ein „Aussetzungstabernakel”. Seit der Gegenreformation betont der katholische Barockaltar, der „Tabernakelhochaltar“, die Glaubenswahrheit der Gegenwart Gottes in den Gestalten von Brot und Wein und steht damit dem evangelischen Kanzelaltar gegenüber, der die Bedeutung der Kirche als Versammlungsraum für den Predigtgottesdienst unterstreicht.

Die beiden Seitenaltäre sind ein Geschenk des Klosters Tückelhausen aus dem Jahr 1753 und stammen aus der dortigen Klosterkirche. Auf Konsolen beiderseits der Altäre stehen die vier Evangelisten mit ihren vergoldeten Attributen: Am St. Burkardaltar Markus mit dem Löwen und Lukas mit dem Stier, am St. Josefaltar Johannes mit dem Adler und Matthäus mit dem Engel [9]. Im Innenraum der Kirche befindet sich der aus dem Jahr 1582 stammende Taufstein, der von Konrad Geyer von Giebelstadt zu Ingolstadt und seiner Ehefrau Margarethe von Sternberg gestiftet wurde. Das Altarbild des heiligen Burkard am linken Seitenaltar schuf 1957 der aus Tückelhausen stammende Künstler Karl Clobes (1912 - 1996). Das Altarbild des heiligen Josef mit dem Jesuskind am rechten Seitenaltar ist ein frühes Werk des Würzburger Kirchen- und Historienmalers Andreas Leimgrub (1817 - 1890).

Bildergalerie[Bearbeiten]

Pfarreisprengel[Bearbeiten]

Die Kuratie Unbefleckte Empfängnis Mariens ist für die Katholiken des Giebelstadter Ortsteils Ingolstadt und den Weiler Kauzenmühle zuständig.

Pfarreiengemeinschaft[Bearbeiten]

Pfarreiengemeinschaft Giebelstadt-Bütthard

Die Filialkirche Unbefleckte Empfängnis Mariens gehört zur Pfarreiengemeinschaft Giebelstadt–Bütthard.

Seelsorger (Auszug)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Giebelstadt, Nr. D-6-79-138-50
  • Katholisches Pfarramt Giebelstadt und Ingolstadt (Hrsg.): 350 Jahre Kirche Maria Immaculata in Ingolstadt. 50 Jahre Kirche St. Josef in Giebelstadt. Die katholischen Pfarrkirchen Giebelstadt und Ingolstadt, 1. Auflage 2003

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Das Lothringer Kreuz (französisch: Croix de Lorraine oder Croix d'Anjou), ist ein Kreuz mit zwei Querbalken - der untere Querbalken ist vom unteren Ende des Längsbalkens so weit entfernt wie der obere Querbalken vom oberen.
  2. Eine Saalkirche ist ein einschiffiges Kirchengebäude, dessen Innenraum ein nicht durch Stützen unterteilter Saal ist. Neben der Hallenkirche, der Basilika und dem Zentralbau ist sie einer der vier Grundtypen des christlichen Kirchenbaus.
  3. Ein Risalit - von italienisch risalto, „Vorsprung" - ist ein - zumeist auf ganzer Höhe - aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil. Als Mittel zur Fassadengliederung ist er ein typisches Gestaltungsmittel der Architektur des Barocks und der Renaissance, tritt jedoch auch in anderen Epochen auf.
  4. Die Lisene (selten auch Lesene, von frz. lisière „Saum”, „Rand”‚ „Kante”), auch Mauerblende, ist im Bauwesen eine schmale und leicht hervortretende vertikale Verstärkung der Wand.
  5. Ein böhmisches Gewölbe ist ein gewöhnliches, über einem quadratischen Raume angebrachtes Kuppelgewölbe, wobei die Wölbungsflächen in schiefen Ecken zusammenstoßen und sich im Schluss des Gewölbes verlaufen.
  6. Der heilige Joachim war laut mehreren apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts der Vater Marias und somit Großvater von Jesus Christus.
  7. Die heilige Anna (von hebr.: חַנָּה, Hanna; griech.: Αννα) war laut mehreren apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter Marias und damit die Großmutter von Jesus Christus.
  8. Der heilige Joachim und die heilige Anna waren im 18. Jahrhundert nach der Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis Mariens (Maria Immaculata) von Papst Clemens XI. im Jahr 1708 in der gesamten katholischen Kirche besonders beliebt.
  9. Symbole der Evangelisten
    Auf vielen Bildern werden die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler. Diese vier Bilder sind der Offenbarung des Johannes (4, 6) entnommen, wo es in einer Vision des Gottesthrones heisst: „Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.” Auch die Darstellung der vier Wesen mit Flügeln ist dieser Bibelstelle entnommen. Der Kirchenlehrer Hieronymus (347 bis 419) ordnete die vier Lebewesen den einzelnen Evangelisten zu, indem er auf die Anfänge ihrer Evangelien verwies: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum und der Menschwerdung Jesu, daher der Mensch. Markus stellt an den Anfang seines Textes die Bußpredigt des Johannes, der wie ein Löwe seine Stimme in der Wüste erschallen lässt. Lukas berichtet zuerst vom Opferdienst des Priesters Zacharias, so dass der Stier als Opfertier zu seinem Attribut wurde. Und Johannes schließlich beginnt mit dem Prolog über das Wort Gottes und schwingt sich in einer Art „geistigem Höhenflug" wie der Adler in Höhen, die die anderen nicht erreichen.
    Außer dieser Zuordnung zu den Evangelisten symbolisieren alle vier Wesen in der gemeinsamen Darstellung Jesus Christus selbst, dessen vier wichtigste Heilstaten in den Evangelientexten bezeugt werden: Der Mensch ist Abbild der Menschwerdung, der Stier bedeutet seinen Opfertod, der Löwe die Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt.
    (Quelle: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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