Spital zu den 14 Nothelfern

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Ehemalige Hofspitalkirche, heute Spitäle
Brunnen am Spitäle
Vierzehn-Nothelfer-Relief von Tilman Riemenschneider (1520-1530)

Das Spital zu den 14 Nothelfern im Mainviertel wurde 1494 auf Grund einer testamentarischen Verfügung des Johann von Allendorf [1], Kanzler des Hochstifts Würzburg und erster Propst des Ritterstiftes St. Burkard, im ehemaligen „Hof zum Schackhen“ nahe der Alten Mainbrücke errichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu dem Spital gehörte auch eine Kirche, das heutige „Spitäle“ (Kunstgalerie); es wurde 1498 bezogen. Im 16. Jahrhundert wurden dann kranke Hofbedienstete im Spital versorgt. Daher auch der um 1560 aufkommende Beiname „Hofspital“. Hier wirkte z.B. Franz Heinrich Meinolf Wilhelm ab 1753 als Arzt bevor er Leibarzt der Fürstbischöfe wurde (Die Medikamente lieferte die von 1573 bis 1945 nachweisbare Einhorn-Apotheke). [2] 1620 wurde das Spital erweitert um mehr Pfründner aufnehmen zu können. 1774 hob Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim den Brauch, kranke Hofbedienstete in das Spital zu schicken, wieder auf, weil in der Stiftungsurkunde ein solches Recht nicht begründet war. Der Name „Hofspital“ blieb erhalten.

1793 wurde die alte, baufällig gewordene Kirche abgerissen und nach Plänen des fürstbischöflich Würzburgischen Hofarchitekten Adam Salentin Fischer ein Neubau im klassizistischen Stil errichtet. Die Altäre und Kanzel aus dem Jahre 1753 wurden durch die Vermittlung der Zisterzienserpatres vom Kloster Bronnbach, die damals von Allersheim aus die Seelsorge in Gützingen ausübten, nach Gützingen gebracht und dort in der neugebauten Kirche St. Andreas und Jakobus der Ältere aufgestellt. Den Innenraum der neu errichteten Hofspitalkirche gestaltete Heinrich Alois Geigel. [3]

Schicksal nach 1945[Bearbeiten]

Das „Spital zu den 14 Nothelfern“ wurde beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 völlig zerstört. 1952 legte Rudolf Schlick als Leiter des städtischen Hochbauamtes einen Entwurf vor, der den Wiederaufbau der Gesamtanlage in der alten Form vorsah. [4] Hinter der Kirche sollte wieder ein zweigeschossiges, fast U-förmiges Gebäude mit Mansarddach an einem Hof entstehen, der durch das heute noch stehende Tor an der Spitalgasse erreicht werden konnte. In der Main-Post vom 6. August 1959 hieß es aber bereits „leider ist ein Plan aus dem Jahre 1952, der den Wiederaufbau von Spital und Kirche vorsah, bis heute noch nicht ausgeführt worden“.

Die Ruinen wurden nach und nach niedergelegt; von der historischen Substanz blieb kaum noch etwas erhalten. 1977 wurden schließlich die letzten Reste abgerissen. Nur die Spitalkirche und das imposante Portal in der Spitalgasse blieben erhalten.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Vierzehn-Nothelfer-Relief[Bearbeiten]

Aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider stammt ein Relief der vierzehn Nothelfer, welches für das Hofspital angefertigt wurde und seit 1950 im Mainfränkischen Museum zu sehen ist. Das Kunstwerk aus Lindenholz ist 57,5 cm hoch und 119 cm breit und wurde aus sechs Teilen zusammengefügt. Der Auftrag an Riemenschneider erging entweder durch Johann von Allendorf 1494 oder durch Lorenz von Bibra 1514. Kunsthistoriker datieren die Entstehungszeit aufgrund von Bilddetails aber erst in die Jahre 1520-30. Es wird vermutet, dass Jörg Riemenschneider (Sohn von Tilman R.) an der Erstellung maßgeblich beteiligt war.

Laut Überlieferungen befand sich das Relief ursprünglich am spätgotischen Hochaltar, Ende des 18. Jahrhunderts wurde es an die westliche Außenwand der Kirche versetzt, 1852 am nördlichen Seitenaltar der Kirche angebracht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es rechtzeitig ausgelagert, so dass es seiner Vernichtung in der Brandnacht von 1945 entging. 1947 wurde das Werk dem Mainfränkischen Museum übergeben (Inventar-Nr. 40 120).

Dargestellt sind in zwei Reihen die 14 Heiligen: Margaretha (mit Buch und Stabkreuz), Eustachius (mit einem Hirschkopf), Achatius, Barbara (mit einem Kelch), Bischof Erasmus, Katharina (mit dem Schwert), Pantaleon (mit dem Nagel im Kopf), Christophorus (mit dem Christkind), Vitus (als Patriziersohn), Abt Aegidius (mit der Hindin), Bischof Blasius, Ritter Georg (mit dem Drachen), Diakon Cyriakus und Bischof Dionysius (mit dem Haupt in der Hand). [5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Der Wille des Stifter Johann von Allendorf war: „Daß 12 bekannte, arme, fromme Leute aufgenommen und verpflegt und nebstdem auch arme Fremde und Vertriebene auf einen Tag und eine Nacht beköstigt und beherbergt werden sollten.“ (Quelle: Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten., 3. Auflage, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1923, S. 326)
  2. Karlheinz Bartels: Die Würzburger Pharmakopöen, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 25 (2006), S. 75-112, S. 90-93
  3. Heinrich Ragaller: Zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in Würzburg, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 353-373, S. 353
  4. Main-Post 1. März 1952
  5. Kataloge des Mainfränkischen Museums. Band 1: Tilman Riemenschneider. Texte Hanswernfried Muth, Fotos Dorothes Zwicker. Stürtz Verlag Würzburg, 1982. ISBN 3 8003 01814. S. 210 f.

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