St. Andreas und St. Jakobus der Ältere (Gützingen)

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Südwest-Ansicht der kath. Kuratie St. Andreas und St. Jakobus d.Ä. in Gützingen
Südost-Ansicht der kath. Kuratie St. Andreas und St. Jakobus d.Ä. in Gützingen
Nordansicht der kath. Kuratie St. Andreas und St. Jakobus d.Ä.

Die katholische Kuratie St. Andreas und St. Jakobus der Ältere im Büttharder Ortsteil Gützingen liegt oberhalb der Kreisstraße WÜ 35 am Kirchplatz in der Ortsmitte.

Patrozinium

Die Kuratiekirche verfügt über ein Doppelpatronat:

  1. Erster Kirchenheiliger ist der Hl. Andreas (* in Bethsaida oder in Kafarnaum,† 30. November 60 (?) in Patras). Er war Apostel Jesu und starb als Märtyrer. Er war Bruder des Simon Petrus und wie dieser von Beruf Fischer (Markusevangelium 1, 16).
  2. Zweiter Kirchenheiliger ist Jakobus der Ältere (* am See Gennesaret in Galiläa, dem heutigem Jam Kinneret in Israel, † um Ostern 43 in Jerusalem in Judäa, heute in Israel), Apostel Jesu und Märtyrer, älterer Bruder des Jüngers Johannes; beide gehörten zu den erstberufenen Jüngern. Patrozinium ist am 25. Juli.

Geschichte

Rest des Sakramentsaltars der gotischen Vorgängerkirche

Zuvor befand sich an gleicher Stelle ein gotischer Bau, von dem sich noch die Bekrönung einer ehemaligen Sakramentsnische erhalten hat, die in die nördliche Außenmauer des heutigen Kirchturmes eingefügt wurde. Auf dem Reliefbild erkennt man das Angesicht Christi im Schweißtuch der Veronika.

Die Pfarrei Allersheim betreute die Filialen Herchsheim, Gaubüttelbrunn und Gützingen. Herchsheim wurde 1321 zur selbständigen Pfarrei erhoben, 1448 Gaubüttelbrunn. So verblieb Gützingen als Kuratie der Allersheimer Pfarrei St. Walburga und St. Georg. Der 1792 mit einer Zwiebelhaube bedeckte dreigeschossige Kirchturm, der auf einen Chorturm aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht, steht im Norden des eingezogenen Chors, an den sich nach Süden das Langhaus anschließt. Die Fassade im Süden ist mit Lisenen an den Ecken und einem Schweifgiebel versehen, der von einem Tympanon gekrönt wird.

Am 18. Dezember 1898 erfolgte die Errichtung als Lokalkaplanei durch Bischof Ferdinand von Schlör. 1910 wurde die neue Sakristei gebaut und 1915 die Orgel angeschafft. Unter Pfarrer Anton Keller aus Gaubüttelbrunn fand 1978/79 eine grundlegende Renovierung der Kirche statt.

Ausstattung

Altäre

Blick auf die Altäre

Der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel wurden 1753 unter der Regierung des Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths geschaffen, der von 1749 bis 1754 regierte. Sein Wappen schmückt den Hochaltar. Die Altäre und Kanzel standen einst in der Hofspitalkirche in Würzburg und stammen aus den Jahren 1791 bis 1794. Da die Hofspitalkirche baufällig war, wurde sie in den Jahren 1793/94 neu gebaut. Die Altäre und Kanzel wurden durch die Vermittlung der Zisterzienserpatres vom Kloster Bronnbach, die damals von Allersheim aus die Seelsorge in Gützingen ausübten, nach Gützingen gebracht und in der neugebauten Kirche aufgestellt.

Das Hochaltarblatt „Vierzehnheiligen“ trägt die Inschrift „Oswald Onghers fecit 1682“ und war für den schon 1682 errichteten Hochaltar in der Hofspitalkirche geschaffen worden. 1753 wurde es in den damals neuen Altaraufbau übernommen und kam dann 1793 nach Gützingen. Begleitet wird das Altarblatt von den Assistenzfiguren des Hl. Kilians auf der linken und des Hl. Burkards auf der rechten Seite. Unter der Bekrönung Gottvater, darunter das Wappen des Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths. Der linke Seitenaltar in Gützingen ist geschmückt mit einem Altarblatt der Hl. Anna und der Mutter Gottes. Den rechten Seitenaltar ziert ein Bild des Hl. Leonhard, des Hl. Andreas und des jugendlichen Johannes, des Täufers. Die Rahmen der Seitenaltäre sind mit Rokokomuschelwerk verziert.

Kanzel

Die Kanzel stammt aus dem Spätrokoko und zeigt klassizistische Motive, am Korpus Holzskulpturen der vier Evangelisten mit ihren Symbolen [1], als Bekrönung des Schalldeckel eine Figur des „Guten Hirten“.

Statuen

Besondere Beachtung verdienen auch die frühgotische Statue des Hl. Sebastian, die Statuen der Orts- und Kirchenpatrone St. Andreas und St. Jakobus sowie die Barockstatuen der Mutter Gottes und des Hl. Wendelinus an den Langhauswänden.

Chorbogen und Deckengemälde

Die am Chorbogen stuckierte und von Putten gehaltene Vorhangimitation ist eine Arbeit aus dem Spätrokoko. Ebenfalls aus dem Spätrokoko stammen die Stuckumrahmungen der Deckengemälde im Kirchenschiff („Abendmahl“ und in den Ecken die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit ihren Symbolen von Eulogius Böhler, 1912) und im Chor („Hl. Dreifaltigkeit“ und in den Ecken die vier großen Kirchenlehrer Hieronymus, Augustinus, Ambrosius und Gregor von Eulogius Böhler, 1912), sowie an der Brüstung der Empore und an den vierzehn Kreuzwegstationen.

Orgel

Die Orgel wurde 1915 als pneumatisches Werk von der königlich-bayerischen Hoforgelfabrik Steinmeyer & Co. Oettingen/Bayern gebaut. Sie besteht aus 2 Manualen und Pedal, mit insgesamt 9 Registern und einem abgeschwächten Register im Pedal. Die Orgel besteht aus 581 Pfeifen aus Metall und Holz. Am Prospekt ist nur klassizistisches Schnitzwerk angebracht, bestehend aus Ovalen, Lorbeerfestons und Medaillons. Der Prospekt könnte in die Zeit um 1792 datiert werden, als die Kirche erbaut wurde und mit einer Orgel das Firma Ehrlich aus Mergentheim ausgestattet war. 1995 wurde sie von der Firma Weiß aus Zellingen renoviert.

Geläut

Im Turm befinden sich drei Bronzeglocken:

  • Andreas- und Jakobusglocke, Schlagton a',
  • Muttergottesglocke, Schlagton c',
beide 1951 von Fa. Czudnochowsky/Erding gegossen;
  • Arme Seelenglocke, Schlagton d'', aus dem alten Geläute von 1923.

Pfarreigebiet

Die Kuratie ist zuständig für die Katholiken in der Gemarkung von Gützingen.

Pfarreiengemeinschaft

Die Kuratie St. Andreas und St. Jakobus gehört heute zur Pfarreiengemeinschaft Giebelstadt–Bütthard.

Seelsorger (Auszug)

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmal in Bütthard, Nr. D-6-79-122-60
  • Mit freundlicher Unterstützung von Frau Friederike Langeworth, M.A., Archivpflegerin Markt Giebelstadt
  • Hans Karlinger (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Dritter Band: Regierungsbezirk Unterfranken & Aschaffenburg. Heft 1 Bezirksamt Ochsenfurt. R. Oldenbourg, München 1911, S. 123 (Nachdruck ISBN: 3-486-50455-X). (Online-Fassung)
  • Kuratie Gützingen der Pfarrei Allersheim. In: Realschematismus der Diözese Würzburg. Dekanat Ochsenfurt. Echter Verlag, Fränkische Gesellschaftsdruckerei und Verlag GmbH, 1991, S. 12 ff.

Weblinks

Erläuterungen

  1. Symbole der Evangelisten
    Auf vielen Bildern werden die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler. Diese vier Bilder sind der Offenbarung des Johannes (4, 6) entnommen, wo es in einer Vision des Gottesthrones heisst: „Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.“ Auch die Darstellung der vier Wesen mit Flügeln ist dieser Bibelstelle entnommen. Der Kirchenlehrer Hieronymus (347 bis 419) ordnete die vier Lebewesen den einzelnen Evangelisten zu, indem er auf die Anfänge ihrer Evangelien verwies: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum und der Menschwerdung Jesu, daher der Mensch. Markus stellt an den Anfang seines Textes die Bußpredigt des Johannes, der wie ein Löwe seine Stimme in der Wüste erschallen lässt. Lukas berichtet zuerst vom Opferdienst des Priesters Zacharias, so dass der Stier als Opfertier zu seinem Attribut wurde. Und Johannes schließlich beginnt mit dem Prolog über das Wort Gottes und schwingt sich in einer Art „geistigem Höhenflug“ wie der Adler in Höhen, die die anderen nicht erreichen.
    Außer dieser Zuordnung zu den Evangelisten symbolisieren alle vier Wesen in der gemeinsamen Darstellung Jesus Christus selbst, dessen vier wichtigste Heilstaten in den Evangelientexten bezeugt werden: Der Mensch ist Abbild der Menschwerdung, der Stier bedeutet seinen Opfertod, der Löwe die Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt.
    (Quelle: Würzburger katholisches Sonntagsblatt)

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