Lorenz von Bibra

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Fürstbischof Lorenz von Bibra
Grabplatte für Lorenz von Bibra

Lorenz von Bibra (* 1459 in Mellrichstadt; † 6. Februar 1519 in Würzburg) war Herzog in Franken und Fürstbischof im Bistum Würzburg.

Familiäre Zusamenhänge[Bearbeiten]

Lorenz von Bibra entstammt einer angesehenen fränkischen Adelsfamilie. Sein Vater war Hans von Bibra, Amtmann in Diensten des Hochstiftes Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Lorenz besuchte die Schule im thüringischen Kloster Veßra und immtrikulierte sich 1472 an der Universität Heidelberg. Dort erwarb er 1474 den akademischen Grad eines „Baccalauresu artium“. [1] 1477 immatrikulierte sich Lorenz an der thüringischen Universität Erfurt und anschließend an der Universität Bologna. Dort studierte er vermutlich nicht Theologie, sondern Recht, da die adeligen Mitglieder der Reichskirche keine Seelsorger, sondern Verwaltungsspezialisten waren.

Geistliche Laufbahn[Bearbeiten]

Von 1472 bis 1483 war Lorenz von Bibra Kanoniker des Ritterstifts St. Burkard. 1480 erhielt er durch päpstliche Provision ein Kanonikat am Mainzer Dom. 1491 wurde er Propst des Stift St. Paul in Worms und Wormser Domherr. Ebenfalls 1491 ernannte ihn der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg zu seinem Kaplan. Von 1489 bis 1492 amtierte Bibra als Propst von St. Kunibert in Köln, 1491 als Oberpfarrer in Kempen, 1491/1493 als Dekan von St. Viktor in Xanten.

Bischof von Würzburg[Bearbeiten]

1488 wurde Lorenz von Bibra Domizellar des Würzburger Domstifts. Im Februar 1494 erfolgte die Wahl zum Würzburger Dompropst und am 12. Mai 1495 wählte ihn das Domkapitel einstimmig zum Bischof von Würzburg. Am 23. Mai 1495 teilten Dekan und Domkapitel den Bürgermeistern, dem Rat und den Bürgern von Würzburg und seiner Vorstädte die Wahl schriftlich mit, verbunden mit der Aufforderung, dem Bischof und Domkapitel zu huldigen und den Treueid zu schwören. Die Huldigung der Stadt Würzburg folgte prompt am 25. Mai. Am 11. Oktober 1495 empfing Bibra die Bischofsweihe durch den Bamberger Fürstbischof Heinrich III. Groß von Trockau und den Würzburger Weihbischof Georg Antworter. Wie bereits bei seinem Vorgänger Rudolf II. von Scherenberg gingen auch bei Lorenz von Bibra die Bestrebungen weiter, die Befugnisse des Stadtrats einzuschränken und selbst eine stärkere obrigkeitliche Kontrolle auszuüben.

Amtsführung und Erbe[Bearbeiten]

Lorenz von Bibra war ein beliebter und angesehener weltlicher und geistlicher Herrscher und bekannt als Schlichter in Streitfragen. Er wurde oft angerufen, um als Schiedsrichter Streitigkeiten zu lösen. Als Förderer des Humanismus und Mann der Renaissance versuchte er eine Reform der Katholischen Kirche im Kleinen. Das Bistum Würzburg blühte während seiner Regentschaft finanziell auf. Unter seiner Herrschaft wurden ab 1496 erstmals Würzburger Münzen mit Jahreszahlen in arabischen Ziffern geprägt. [2] Er ließ die Festung Marienberg im Stil der Renaissance ausbauen und die Wehranlagen erweitern. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt er zum Reformator Martin Luther und zum Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider.

Reue und Tod[Bearbeiten]

Lorenz von Bibra starb in Würzburg auf der Festung Marienberg. Kurz vor seinem Tod beauftragte er den Domdekan und weitere Testamentsvollstrecker, unter anderem auch Bürgermeister und Stadtrat von Würzburg um Verzeihung zu bitten, falls er in seiner Herrschaft gegen sie gehandelt hätte. Das Verhältnis zur Stadt und zum Fürstbischof war in der 24-jährigen Regierungszeit nicht immer spannungsfrei gewesen, aber doch ohne größere Unruhen oder gar Aufruhr gegen die Obrigkeit verlaufen. Angesichts der Lebensmittelverknappung und der daraus folgenden Teuerungen und Hungersnöte war dies sicherlich keine Selbstverständlichkeit.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Das Grab von Lorenz von Bibra befindet sich im Kiliansdom. Sein Grabmal wurde von Tilman Riemenschneider gefertigt, allerdings nach dem Tod des Fürstbischofs 1522 vollendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Erläuterungen und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Der Bachelor (ˈbætʃəlɚ oder ˈbætʃlɚ, auch Bakkalaureus oder Baccalaureus [m.] bzw. Bakkalaurea oder Baccalaurea [f.]) ist der Träger des niedrigsten akademischen Grades. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Dieter Schäfer: Ein wirtschaftliches Zentrum seit tausend Jahren, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. von Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 382-395, S. 394a


Vorgänger Amt Nachfolger
Rudolf II. von Scherenberg Bischof
1495 - 1519
Konrad II. von Thüngen