Gaurettersheim

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Gaurettersheim
Ortstyp Ortsteil
Gemeinde Bütthard
Verwaltungsgemeinschaft Verwaltungsgemeinschaft Giebelstadt
Landkreis Würzburg
Regierungsbezirk Unterfranken
Freistaat Bayern
Land Deutschland
Kfz-Kennzeichen WÜ, OCH
Höhe 320 m u. NN
Einwohner 167
Eingemeindung 1. Januar 1972
Gaurettersheim mit Blick auf die katholische Pfarrkirche St. Michael

Gaurettersheim ist ein Ortsteil der Marktgemeinde Bütthard im Landkreis Würzburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gaurettersheim liegt westlich der Bundesstraße 19 und grenzt an die Gemarkung Allersheim und Tiefenthal.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Michael in Gaurettersheim

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Das fruchtbare Ackerland des Ochsenfurter Gaues zog bereits seit Jahrtausenden Siedler an. [1] So wurden auch in den Gemarkungen der beiden Ortschaften Gaurettersheim und Tiefenthal, die geographisch an der Peripherie des Gaues, gleichwohl aber an der wichtigen Verbindungsstraße von Mergentheim nach Würzburg liegen, frühe Siedlungsspuren entdeckt, die zur Ausweisung zahlreicher Bodendenkmäler führten. Durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erfolgte zwischenzeitlich eine Nachqualifizierung dieser Bodendenkmäler. Seitdem werden diese in ihrer bislang bekannten Ausdehnung im Bayerischen Denkmal-Atlas dargestellt. [2]

Nachdem das Frankenheer unter Chlodwig I. im Jahre 496 bei Zülpich die Alemannen besiegte und die Schlacht bei Straßburg 506 das Ende des Alemannenreiches besiegelte, nahmen sie einen großen Teil des bisher alemannischen Siedlungsgebietes, darunter auch Mainfranken, dauerhaft in ihren Besitz. Im Zuge dieser die sog. Fränkische Landnahme erfolgte, ausgehend vom Maintal, die Kolonisierung des heutigen Ochsenfurter Gaues, der damals noch als Badanach- bzw. Badenachgau bezeichnet wurde. [3]

Gaurettersheim wurde im Jahre 1130 in einer Urkunde, in welcher Embricho, Bischof von Würzburg (1127-1146), den „freundschaftlichen Vergleich“ zwischen den Brüdern des Neuen Münsters und dem Vogt Reginhard (Graf von Endsee), über die jährlichen Abgaben und die Dienstleistungen der Vogteien Riedenheim, Rettersheim, Giebelstadt und Bütthard (Grafenamt Röttingen) bestätigte, erstmals erwähnt. [4] Für Tiefenthal liegen erste urkundliche Belege ab dem Jahre 1298 vor. [5]

Gaurettersheim unterstand also dem Stift Neumünster in Würzburg als kirchlichem Dorfherr, der auch den Zehnt mittels eines Zehntamts erhob. Die Vogteirechte, also die niedere Gerichtsbarkeit über Gaurettersheim, wurden jedoch vom Hochstift Würzburg als Lehen vergeben und waren zunächst im Besitz der Grafen zu Hohenlohe. Im Jahre 1294 fiel das Lehen an das Hochstift zurück, welches es an das Stift Neumünster zu freiem Eigentum übergab. Damit übte das Stift Neumünster ab diesem Zeitpunkt neben der kirchlichen nunmehr zudem die weltliche Dorfherrschaft aus. Diese Praxis hatte jedoch nur kurze Zeit Bestand, da die Vogteirechte bis ins 16. Jahrhundert wechselnd durch das Stift Neumünster an die Adelsgeschlechter von Weinsberg, von Wittelsbach und dem Johanniterorden verpfändet wurden. [6]

Eine dem Heiligen Michael geweihte Pfarrkirche ist in Gaurettersheim im Jahre 1307 nachgewiesen. [7] In Tiefenthal hingegen scheint erst um 1700 eine erste kleine Kapelle errichtet worden zu sein. Mit der Säkularisation 1803 fiel Gaurettersheim, wie alle anderen kirchlichen Herrschaften im Ochsenfurter Gau, an das Großherzogtum Würzburg unter Ferdinand von der Toskana. Mit der Niederlage Napoleons 1815 wurde das ehemalige Hochstift Würzburg schließlich zusammen mit den anderen fränkischen Gebieten dem Königreich Bayern zugeschlagen. [8]

Nach den Wirren und kulturellen Umbrüchen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege unterlagen Gaurettersheim und Tiefenthal dem Wandel der wirtschaftlichen Entwicklung, welche ab 1840 verstärkt auch in Bayern Einzug hielt. [9] Auch wenn im Bezirksamt Ochsenfurt kein lokales Industriezentrum entstand, florierte die Region aufgrund ihres wirtschaftlichen Reichtums und der Nähe zur Wasserstraße Main. In dieser Zeit veränderte sich das seit Jahrhunderten feudal geprägte Antlitz der Orte Gaurettersheim und Tiefenthal. Nach der Säkularisation etablierte sich ein selbstbewusster und reicher Bauernstand in den Ortschaften des „Ochsenfurter Gaues“. Auf den alten Fachwerkhöfen errichtete man Wohnhäuser aus Steinquadern, geräumige Scheunen und moderne Nebengebäude. Die Fachwerkhäuser mit Holz oder Strohbedachung wichen Neubauten aus Stein und Ziegeln. [10]

Auch die baufällige, in Teilen wohl noch mittelalterliche Kirche in Gaurettersheim, wurde zwischen 1873 und 1876 durch einen größeren, neoromanischen Kirchenbau ersetzt. [11] Parallel beschloss die Gemeindeverwaltung einen Neubau des seit 1805 genutzten Schulgebäudes. Dieses wurde zwischen 1875 und 1876 für die Gaurettersheimer und Tiefenthaler Schüler errichtet. Es beinhaltete neben den Klassenräumen auch die Lehrerwohnung. Die Schulstelle wurde von einem Hauptlehrer und einem Handarbeitslehrer bzw. einer -arbeitslehrerin ausgefüllt. [12]

Zwischen 1903 und 1905 wurde unter Bürgermeister Georg Grieb der Bau einer Wasserleitung in Gaurettersheim beschlossen und ausgeführt. Zwischen 1830 und 1870 waren in beiden Orten in mehreren Schritten die Ortsstraßennetze ausgebaut worden, was die beschwerliche Felderbewirtschaftung sicherlich immens erleichterte. [13] Die alte Heerstraße von Würzburg nach Mergentheim wurde von den königlich bayerischen Verkehrsbehörden als breite Chaussee ausgebaut, somit war auch ein Warenverkehr über weitere Strecken möglich. [14] Auch die modernen Kommunikationsmedien kamen nun in Gaurettersheim und Tiefenthal an. So ließ der Tiefenthaler Bürgermeister Kaspar Gerner 1907 bei Peter Hofmann, dem Inhaber der damaligen Dorfgastwirtschaft (Hausnummer 5), einen Fernsprechanschluss errichten. [15]

Im Jahre 1919 wurde durch die Gemeindeverwaltung Tiefenthal schließlich ein Vertrag mit der Elektrizitätsgesellschaft München-Landshut abgeschlossen, damit Tiefenthal ans Stromnetz angebunden wurde. [16]

Neben den baulichen Veränderungen innerhalb der landwirtschaftlich geprägten Orte wandelte sich auch die Landwirtschaft selbst durch Einführung von Säh- und Erntemaschinen oder der Entwicklung des Kunstdüngers. [17] Im Jahre 1907 wurde zudem der Antrag auf Durchführung einer ersten Flurbereinigung zur Behebung der bestehenden Ackerzersplitterung in Gaurettersheim gestellt. Diese zog sich, wohl auch kriegsbedingt, bis 1924 hin. Die Antragstellung für Tiefenthal erfolgte 1908[18] Diese Flurneuordnung fand erst 1932 ihren Abschluss. [19]

Verwaltungstechnisch wurden Gaurettersheim und Tiefenthal in den 1818 gebildeten Untermainkreis eingegliedert. Aus diesem wurde später der Kreis Unterfranken und Aschaffenburg gebildet, der 1910 bereits 710.943 Einwohner umfasste. Die beiden Orte gehörten 1914 zum Bezirksamt Ochsenfurt, welches sich in die Distrikte Aub und Ochsenfurt teilte. Gaurettersheim und Tiefenthal unterstanden administrativ dem Distrikt Aub. Die Distriktsebene kümmerte sich um Belange der Öffentlichkeit und der Gesundheit. So unterhielt sie Distriktskrankenhäuser in Aub und Ochsenfurt, Distriktsstraßen und die Ersatzkommission für die Musterung.

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde in den Markt Bütthard eingegliedert.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Sehenswertes[Bearbeiten]

Dorfbrunnen
► Siehe auch Baudenkmäler in Gaurettersheim

Vereine[Bearbeiten]

Bürgerheim und Feuerwehrhaus

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Gaurettersheim wird von der Kreisstraße WÜ 40 durchfahren.

ÖPNV[Bearbeiten]

Bus.png Nächste Bushaltestelle: Gaurettersheim/Ort
Eisenbahn.png Nächste Bahnstation: Wittighausen


Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Fach, Georg Menig: „Da liegen die Toden wie hingemäht“ - Der Ochsenfurter Gau im Ersten Weltkrieg - dargestellt am Beispiel der Orte Gaurettersheim und Tiefenthal. Verlag GENDI, 2018, S. 14-16, ISBN 9783946295310 (Kapitel „Geschichte“; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Georg Menig)

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Dirk Rosenstock/Ludwig Wamser: Von der germanischen Landnahme bis zur Einbeziehung in das fränkische Reich. In: Peter Kolb/Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Band 1. Von der germanischen Landnahme bis zum hohen Mittelalter. Würzburg 1989. S. 15-90. Hier S. 16-17
  2. Online abrufbar unter: https://www.blfd.bayern.de/denkmalerfassung/denkmalliste/bayernviewer/
  3. Vgl. Johannes Merz/Robert Schuh (Hrsg.): Franken im Mittelalter. Francia orientalis, Franconia, Land zu Franken: Raum und Geschichte. Kommission für Bayerische Landesgeschichte. München 2004. S. 25-40
  4. Die Datierung ergibt sich aus dem Regierungsantritt König Lothars von Supplinburg, der am 13. September 1125 erfolgt war.
  5. Vgl. Stefan Fach: Tiefenthal. Die Entwicklung der Dorfstruktur und Höfe in Tiefenthal. Tiefenthal 2007. S. 16. Im Folgenden Chronik Tiefenthal abgekürzt.
  6. Ähnlich erging es auch den Mannlehen in Tiefenthal. Vgl. Flach, Chronik Tiefenthal, S. 33-49
  7. Vgl. Stefan Fach: Gaurettersheim. Die Entwicklung der Dorfstruktur und Höfe in Gaurettersheim. Tiefenthal 2008. S. 465. Im Folgenden abgekürzt mit Chronik Gaurettersheim.
  8. Vgl. Harm-Hinrich Brandt: Würzburg von der Säkularisation bis zum endgültigen Übergang an Bayern. In: Peter Kolb/Ernst-Günther Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. 4 1/2: Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Eingliederung in das Königreich Bayern. S. 477-485
  9. Vgl. Dirk Götschmann: Wirtschaftsgeschichte Bayerns. 19. und 20. Jahrhundert. Regensburg 2010. S 14-15
  10. Vgl. Artikel Volkstum, Menschenschlag und Siedlung im Ochsenfurter Gau. In: „Rund um den Landturm.“ Beilage der „Ochsenfurter Zeitung“ vom 6. September 1952. GDAG (Gemeindearchiv Gaukönigshofen) G/600 Bauakten 1860-1900.
  11. Vgl. Fach, Chronik Gaurettersheim, S. 481-488
  12. Vgl. Fach, Chronik Gaurettersheim, S. 558-565
  13. Vgl. Fach, Chronik Gaurettersheim, S. 343-346
  14. Vgl. Fach, Chronik Bütthard, S. 103-104
  15. Vgl. Fach, Chronik Tiefenthal, S. 265
  16. Vgl. Fach, Chronik Tiefenthal, S. 266
  17. Vgl. Götschmann, Wirtschaftsgeschichte, S. 233-234
  18. GDAT Gemeindeprotokollbuch Tiefenthal, Eintrag vom 1. November 1908.
  19. Vgl. Fach, Chronik Tiefenthal, S. 185. Vgl. ders. Chronik Gaurettersheim, S. 420

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