Würzburger Zunfturkunde

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Die Würzburger Zunfturkunde im mittelalterlichen Würzburg ist ein Dokument, das ein Bündnis zwischen Stadt Würzburg und den Meistern aller städtischen Zünfte herstellte und die Eintracht der Stadt und die allgemeine Ordnung sichern sollte.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wuchs sowohl die Anzahl der Handwerker, als auch deren Vermögen und ihre Kunstfertigkeit. Dies hatte zur Folge, dass das Interesse der Zünfte an der politischen Mitgestaltung des öffentlichen Lebens wuchs. So kam es zu regelmäßigen Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern der Stadt und dem jeweils amtierenden Bischof, welcher gleichzeitig Stadtherr war, um den Kampf um die städtische Autonomie. Mit einem Schiedsspruch am 7. Oktober 1261 versucht man, diesen Streit zu beheben. Die Bürger Würzburgs durften den Rat der Vierundzwanzig nicht mehr ohne die Zustimmung des Bischofs wählen, woraufhin sie versprechen mussten, die Rechte des Bischofs, Klerus, Adels und der Ministerialen anzuerkennen. Erneuert wurde der Vertrag am 26. August 1275 durch den berühmten Dominikanerpater Albertus Magnus. König Rudolf I. von Habsburg löste im März 1275 am Hoftag zu Speyer alle Stadträte und Zünfte auf. Da in Würzburg der Rat und die Zünfte jedoch weiter wirkten, hob Bischof Berthold II. von Sternberg diese auf.

Der Weg zur Zunfturkunde[Bearbeiten]

Am 14. August 1303 genehmigte König Albrecht I. von Österreich Rechte und Freiheiten. Zu Anfang stellte der König ein vermittelndes Element zwischen den Bürgern und Bischöfen dar, der neue Bischof Andreas von Gundelfingen bemühte sich allerdings schon seit Beginn seiner Amtszeit 1303 um die endgültige Abschaffung der Zünfte. 1308 entschied man sich schließlich dazu, ein Verbot der Zünfte zu erlassen und es dem jeweiligen Stadtherrn überlassen war, die Zünfte wieder einzusetzen. Der Rat der Stadt und die Zünfte beschlossen am 15. November 1373, ein Bündnis einzugehen, das den Frieden und die Gemeinschaft Würzburgs sichern und bewahren sollte.

Inhalt der Urkunde[Bearbeiten]

Die Zunfturkunde enthält eine ausführliche Aufzählung aller Zünfte mit den Siegeln von 37 Zünften. Im ersten Abschnitt der Urkunde werden die beiden Bürgermeister Engel Weibeler und Seifried Fischlin genannt, im Anschluss daran die Namen, an welche sich die Urkunde richtet. Als letztes folgt, was bei Nichteinhaltung passieren wird. Bei einem leichten Vergehen wird eine Hand abgeschnitten, bei einem Größeren derjenige geköpft, in jedem Fall wird jedoch eine Anzeige eingereicht. Jeder Zunft wird der Zunftmeister vorangestellt und danach alle Mitglieder der Zunft eingeschlossen. Aus der Zunfturkunde ist auch zu entnehmen, dass die Weinproduktion in Würzburg eine besondere Stellung eingenommen hat, da fast ein Viertel der Zünfte Winzerzünfte sind, getrennt aufgelistet nach den jeweiligen Wohnvierteln bzw. Weinlagen. Die Urkunde schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der Bündnismitglieder und das Datum.

Genannte Zünfte[Bearbeiten]

Die Nummerierung entspricht auch einer Wertung. Angeführt wird die Reihe von der vornehmsten und angesehendsten Zunft der Kaufleute, zu denen auch die Goldschmiede zählten.

1. Krämer und Goldschmiede
2. Zimmerleute
3. Steinmetzen
4. Schmiedemeister
5. Semmler, Müller, Melber
6. Rockener (Pfister)
7. Fleischhauer
8. Kürschner
9. Schneider
10. Kurdewaner
11. Winzer zu Kunbach
12. Winzer zu Niedernhofen
13. Winzer zu Bleichach und Stelzenbach
14. Winzer am Haugertor
15. Winzer zu St. Afra
16. Winzer zu Neudorf
17. Winzer auf dem Rennweg
18. Winzer vor St. Stephanstor
19. Winzer im Baumgarten (Obster)

20. Winzer zu Sand
21. Gärtner
22. Gerber
23. Lodener
24. Altmänteler
25. Büttner
26. Sattler, Maler, Schwertfeger
27. Futterer, Eigerer
28. Schiffer und Holzpfortenmeister
29. Salzkästner
30. Fischer
31. Gezzmer
32. Weinmesser, Wirte
33. Sackträger
34. Reußen
35. Bader
36. Omenträger, Schröter
37. Stebler, Ziegeldecker, Wagner, Kistner

Folgen[Bearbeiten]

Am 24. Juli 1396 schloss Würzburg mit einigen umliegenden Städten einem Friedensschutzverband, um dem Steuerdruck von Fürstbischof Gerhard von Schwarzburg zu entkommen. Später kam es zu einem Aufstand, in welchem die Zünfte den Rat übernahmen. Die Bürger plünderten Besitztümer Geistlicher und Bischof Gerhard flüchtete auf die Festung Marienberg, die zwei Wochen lang von den Bürgern belagert wurde. Würzburg sollte Reichsstadt werden und wurde am 13. Oktober 1397 in "den Schutz des Königs und den Schirm des Reiches" aufgenommen. Die Auseinadersetzungen gipfelten 1400 in der Schlacht von Bergtheim zwischen Bischof und Bürgern der Stadt Würzburg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Hermann Hofmann: Würzburgs Handel und Gewerbe im Mittelalter. Inauguraldissertation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg 1938. S. 140 (UB 20/NZ 97953 H699+2)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]