Mutterhauskirche

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Gesamtansicht der Mutterhauskirche

Die Mutterhauskirche (Klosterkirche St. Joseph) der Kongregation der Schwestern des Erlösers in der Ebracher Gasse wurde in den Jahren 1895 bis 1897 unter Gerneraloberin Maria Alexandrina Hofmann nach Plänen von Joseph Schmitz gebaut. Die Klosterkirche war eines der wenigen Beispiele für die Gesamtplanung von Architektur, Ausstattung und Malerei aus der Hand von Schmitz.

Patrozinium[Bearbeiten]

Die Mutterhauskirche ist dem hl. Josef, dem Bräutigam, geweiht. Gedenktag ist der 19. März.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

„Im Gartenhof kath. Kirche der Schwestern des Erlösers, neuromanisch, Joseph Schmitz, 1895-97; mit Ausstattung.“ Die Detailpläne hat der Würzburger Architekt Franz Ostberg entworfen.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten]

Schon 1856 hatte das Schwesternhaus in der Kettengasse eine Hauskapelle, in der Bischof Georg Anton von Stahl am Fest der unbefleckten Empfängnis (8. Dezember) [1] die erste heilige Messe feierte. Als die Schwesternzahl wuchs, vergrößerte man 1869 den Kapellenraum. Da die Anzahl der Schwestern stetig angewachsen war, wurde am 28. Juli 1895 in der Ebracher Gasse von Bischof Franz Joseph von Stein der Grundstein für den Bau der neuromanischen Mutterhauskirche gelegt und schon zwei Jahre später am 28. Juli 1897 konnte der Kirchenbau von Bischof von Stein eingeweiht werden.

Die neue Kapelle der Barmherzigen Schwestern in Würzburg

Kilians-Blatt, 57. Jahrgang, Würzburg, Mittwoch, den 28. Juli 1897 (Stadtarchiv Würzburg)

„Die Barmherzigen Schwestern haben zwischen ihren neu erworbenen Anwesen, dem Ebracher- und dem Seebachshof, nunmehr einen Kapellenbau aufgeführt, der, mit Empore versehen und mit Kreuzgängen umgeben, die beiden Häuser mit einander verbindet. Außerdem wurde an dem alten sogenannten Wolfskeelbau ein im gleichen Stil gehaltener Flügelbau, welcher Arbeitsräume und Küche enthält, angebaut.
Die Kapelle, die bekanntlich heute, Mittwoch, früh feierlich eingeweiht wird, ist für 600 Schwestern berechnet und somit ziemlich geräumig. In ihrer Bauart muss sie insofern als eigenartig bezeichnet werden, als sie in ihrer äußeren Erscheinung sowohl, wie in der inneren Durchbildung das Bestreben zeigt, möglichst den weihevollen Eindruck zu machen, den eine alte romanische Basilika auf uns ausübt. Emporanlagen, Gewölbebau, Anordnung der Vorhalle und der anstoßenden Kreuzgänge sind in enger Anlehnung an Vorbilder des 11. und 12. Jahrhunderts entworfen. Fussboden und Decken, Türen und Fenster sind zwar einfach und schlicht, jedoch streng, zum Teil mit symbolischen Darstellungen, im frühmittelalterlichen Charakter hergestellt. Aber auch die innere Ausstattung: Altäre, Kanzel, Orgel, Stuhlwerk und Kronleuchter sind in der gleichen Weise, immer an alte Vorbilder erinnernd, durchgeführt.
Diese auf der Wertschätzung der alten Bauwerke beruhende Bestrebung der neueren Kirchenbaumeister ist schon seit Jahren in München von den bedeutendsten Meistern ausgegangen, und es zeigt sich, dass die Meisterwerke des Mittelalters für die christliche Kunst stets eine unerschöpfliche Fundgrube auch auf diesem Gebiete der inneren Ausstattung, besonders des Altarbaues, sind und bleiben werden.
Einzelne Zweige des Kunsthandwerkes z.B. die Kunst, das Metall zu treiben, die eigenartige Behandlung des Eisens bei kunstvollen Beschlägen, die zierliche Flachschnitzerei in Holz sind dabei wieder gefördert worden oder zum Teil neu in Aufnahme gekommen, und es ist nur erfreulich, dass dieser frische, künstlerische Zug auch bereits bei den Würzburger Kunsthandwerkern zum Ausdruck gekommen ist.
Die vollständige architektonische Durcharbeitung der neuen Kapelle nach dem Entwurfe des Herrn Architekten Schmitz in Nürnberg führte der bewährte Architekt Herr Franz Ostberg hierselbst aus, welcher auch die Bauausführung mit seinen Gehilfen Herrn Bauführer Dittmar leitete. Den neuen Flügelbau, sowie den inneren Umbau der alten Gebäude leitete Herr Ostberg nach eigenen Entwürfen gleichfalls. Außerdem war Herr Baumeister Löhe, der verstorbene Zimmermeister Herr Eckert, sowie Herr Georg Wahler bei der Bauausführung tätig.
Von den übrigen hiesigen Künstlern und Kunstgewerbetreibenden zeichnete sich vor allem Herr Bildhauer Schleglmünig aus, welcher die Skulpturen der Portale, die Kapitäle und die übrige Ornamentik, außerdem aber die Kanzel und Kommunionbank und die meisten Holzschnitzereien zur Ausführung brachte. Die Türen, sowie sämtliches Stuhlwerk und die in Zirbelholz ausgeführte Vertäfelung der Sakristei stammen aus der renommierten Hofmöbelfabrik von Ostberg. Die schönen Stationen sind nach eigenen Entwürfen von Herrn Bildhauer Schiestl jun. geschnitzt, während der in Kupfer getriebene Seitenaltar in der Werkstätte des Herrn Josef Amberg gefertigt wurde. Herr Endres stellte die Altarmensen her, Herr Riebeler und Burkert den größten Teil der Glasfenster, und die Orgel wurde von Herrn Schlimbach und Sohn erbaut. Die Glocken stammen aus der Werkstätte der Herren Gebr. Klaus in Heidingsfeld, und die Heizung wurde von der Firma Sturm in Würzburg eingerichtet.
Als von auswärtigen Künstlern stammend sind besonders der Hochaltar von Hof-Silberarbeiter Harrack nach Modellen von Professor Waderé, ferner die Arbeiten von Herrn Bildhauer Balth. Schmitt, Professor v. Kramer, Bildhauer Rotermundt, Kunstschlosser Frey und Glasmaler Scheppach zu erwähnen.
Sind nun die beteiligten Kräften den nicht immer leicht zu entsprechenden Anforderungen der Bauleitung vollkommen gerecht geworden, so macht sich doch nirgendwo der Überfluss in der dekorativen Ausgestaltung der Kapelle bemerklich. Dieselbe ist im Gegenteil in durchaus einfachen, der klösterlichen Anlage entsprechenden, aber würdigen Rahmen gehalten.
Möchte aus der neuen Heimstätte der barmherzigen Schwestern auch fernerhin die segensvolle Wirksamkeit hervorgehen, durch die sie sich zu allen Zeiten und bei allen Menschen so viele dankbare, rückhaltlose Anerkennung erworben haben!“

Innenausstattung[Bearbeiten]

1914 malte Adalbert Hock, Bruder des Spirituals Konrad Hock, die Mutterhauskirche aus. Der Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 und veränderter Zeitgeschmack sorgten aber auch hier dafür, dass die Einheit der Gesamtplanung von Architektur, Ausstattung und Malerei aus der Hand von Schmitz nicht lange anhielt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Ansichten der Mutterhauskirche[Bearbeiten]

Werke von Ernst Singer[Bearbeiten]

Das Kruzifix und die Heiligenfiguren in der Mutterhauskirche stammen vom fränkischen Bildhauer Ernst Singer.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Erik Soder von Güldenstubbe: Kongregation der Schwestern des Erlösers. Geschichte und Gegenwart. Würzburg 2009
  • Erik Soder von Güldenstubbe: Die Schwestern des Erlösers - Geschichte einer Schwesterngemeinschaft 1849-2016 Würzburg 2017, S. 238 ff.
  • Thomas Wehner (Bearb.), Realschematismus der Diözese Würzburg, Dekanat Würzburg-Stadt, 1992, S. 26 f.
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Würzburg, Nr. D-6-639-000-114

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur unbefleckten Empfängnis bei Wikipedia [1]

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