Geschichte der Luftfahrt

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Zur Geschichte der Luftfahrt in Würzburg:

Frühe Ideen[Bearbeiten]

Theoretische Überlegungen zur möglichen Luftfahrt erfolgten bereits im 17. Jahrhundert durch zwei Würzburger Universitätsangehörige:

  • Athanasius Kircher (geb. 1601 bei Fulda) lehrte Mathematik, Physik, Philosophie und orientalische Sprachen. Auf Grund des Dreißigjährigen Kriegs floh er aus Würzburg nach Avignon und Rom. Einige seiner Abhandlungen widmeten sich dem Fluggedanken. Z.B. war er der Ansicht, dass man Falken zum Ziehen von Flugdrachen abrichten könnte. Eines seiner Bücher, die „Ekstatische Himmelsreise“, thematisiert eine fantastische Weltraumfahrt.
  • Der 1608 in Königshofen geborene Jesuitenpater Kaspar Schott lehrte an den Universitäten Würzburg und Augsburg. Er stand in enger Verbindung mit Kirchner. Die Frage, ob Luftfahrt möglich sei, behandelte er in seinem Werk „Magia Universalis“. Dabei kam er zu dem Schluss, es könne keine Luftfahrt geben, da alles der Schwerkraft unterworfen sei. Dennoch sah er eine zukünftige Chance, wenn man es schaffe, ein dünnwandiges Gefäß mit Äther zu füllen und es damit in der Schwebe zu halten.

Erste Ballone[Bearbeiten]

  • 1795 ersuchte der Würzburger Buchhändler Joseph Anton März umd die Erlaubnis, seinen selbstgebauten Heißluftballon öffentlich vorführen zu dürfen. Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach untersagte dies jedoch mit der Begründung einer davon ausgehenden Brandgefahr.
  • Wahrscheinlich am 6. April 1797 erhob sich zum ersten Mal in Würzburg ein Ballon vom Boden des Jesuitengartens aus, wo heute noch das Mozart-Gymnasium steht.
  • Einen neuen Versuch unternahm der Chemieprofessor Johann Georg Pickel. 1804 füllte er auf dem Residenzplatz eine kleine Ballonhülle aus Goldschlägerhaut mit Wasserstoffgas. Allerdings scheiterte der Aufstieg auf Grund der mangelhaften Materialeigenschaften der Hülle.
  • Der aus Würzburg stammende Meschaniker und Ballonfahrer August Bittorf konstruierte einen Heißluftballon aus Papier und unternahm damit bereits 1808-10 erfolgreiche Aufstiege in Sachsen.
  • Den ersten realen Ballonaufstieg in Würzburg gab es beim Volksfest anlässlich der Einweihung des Frankoniabrunnens im Juni 1894. Die Ballonfahrer waren Julius Lattemann und seine Lebensgefährtin Käthchen Paulus, welche als die erste Fallschirmspringerin der Welt gilt.

Der Fränkische Verein für Luftfahrt[Bearbeiten]

Die Gründung des Fränkischen Vereins für Luftfahrt fand am 12. Mai 1905 auf Initiative von Karl Hackstetter statt. Bereits im Gründungsjahr traten 142 Mitglieder bei. Zunächst diente der von Augsburg geliehene Ballon „Augusta Vindelicorum“ als Fluggerät. 1906 wurde ein eigener Ballon angeschafft und „Franken“ genannt. Es handelte sich um einen gelben kugelförmigen Gasballon, der 1.700 Kubikmeter fasste. Am 12. September 1906 wurde das Fluggerät mit einer wissenschaftlichen Hochfahrt bis auf 5.500 m eingeweiht. Mit dabei war ein Universitätsprofessor, der an den Insassen in unterschiedlichen Höhen Untersuchungen vornahm. Startplatz war anfangs der Sanderrasen, später zug man auf den Viehmarktplatz um, wo eine bessere Gasleitung zum Befüllen des Ballons zur Verfügung stand. 1910 ersetzte ein neuer Ballon „Franken II“ das Vorgängermodell. Er musste jedoch bei Kriegsausbruch 1914 an die Heeresverwaltung abgegeben werden. Insgesamt hatten mit den Ballonen 77 Fahrten mit 209 Passagieren in Würzburg und anderen Städten stattgefunden Die gefahrene Gesamtstrecke belief sich auf ca. 12.000 km. Auf Betreiben von Karl Hackstetter kam es ab 1919 zu einem Wiederaufleben des Vereins. Gemeinsam mit Schülern der Fliegerschule wurde Mitte der 20er Jahre auch Gleitflug betrieben.

Pioniere des Motorflugs[Bearbeiten]

Würzburger Pioniere des Motorflugs:

Luftfahrt im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Bereits ab dem Jahr 1910 wurde die Entwicklung des Militärflugwesens vorangetrieben. Unter den ersten bayerischen Militärfliegern befand sich auch der aus Würzburg stammende Leutnant Wilhelm Wirth sowie Oberleutnant Luitpold Graf Wolfskeel von Reichenberg. Letzterer war bis 1914 Chef der Bayerischen Militärfliegerabteilung. Aus Würzburg kam auch Leutnant Karl Ritter, Militärpilot ab 1911, der in den 30er Jahren als Regisseur von Fliegerfilmen bekannt wurde. Auch Fritz Moosmair von den Neunern war als Militärpilot tätig.

Während des Ersten Weltkriegs - wie schon in den Vorjahren - diente der Galgenberg (früher Exerzierplatz Kugelfang) als Landeplatz für Militärflieger auf Überlandflügen. Für sie wurde ein neuer, größerer Flugzeugschuppen errichtet, die „Flugzeughalle Würzburg“.

Das Ehrenbuch der Gefallenen der Stadt Würzburg nennt für den Ersten Weltkrieg 28 Würzburger Gefallene bei der Fliegertruppe. Der Versailler Vertrag untersagte zunächst jeden Flugbau in Deutschland. Kriegsflugzeuge mussten ausgeliefert oder zerstört werden. Nach einiger Zeit wurden die Beschränkungen jedoch wieder gelockert.

Die Fliegerschule Würzburg[Bearbeiten]

Um trotz der Nachkriegseinschränkungen im Flugwesen den Anschluss an die internationale Entwicklung der Fliegerei zu halten wurde in Würzburg die unterfränkische Sektion der „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Flugsport und Flugtechnik“ gegründet. Den Vorsitz hatte Hauptmann Heinrich Nopitsch inne, ein ehemaliger Kriegsflieger. Sein Ziel war die Errichtung einer Fliegerschule am Galgenberg. Dort hatte der Fränkischen Verein für Luftfahrt bereits 1922 eine Station für Segelflüge eingerichtet. Nachdem auch die Sportfliegerei mit leichten Motoren wieder gestattet wurde, wurden ab 1924-25 neue Hangars, dahinter angebaute Werkstätten sowie Wohn- und Unterrichtsgebäude aufgebaut. Nopitsch schied zu dieser Zeit aus der Reichswehr aus und übernahm die Leitung der Fliegerschule, als Fluglehrer war der bekannte Segelflugpionier Willi Pelzner aus Nürnberg tätig.

Die feierliche Einweihung der Fliegerschule erfolgte am 20. Juni 1924, unter den Ehrengästen befand sich Kronprinz Rupprecht von Bayern. Die Möglichkeit eines Rundflugs nutzten unter anderem der Oberbürgermeister Dr. Löffler, Regierungspräsident von Henle und der Rektor der Universität. Am 16. August 1925 wurde Am Kugelfang der 3. Fliegergedenktag begangen. Begeistert verfolgten große Zuschauermengen die Kunstflugvorführungen von Ernst Udet. Bei einem der nachfolgenden Wettbewerbe verunglückte Hauptmann a.D. Nopitsch tödlich. Sein Nachfolger als Leiter der Flugschule wurde Robert Ritter von Greim, bei dem die populäre deutsche Fliegerin Elly Beinhorn 1929 den Kunstflugschein II absolvierte.

Der Stadtrat verfolgte das Ziel, das Fluggelände der Fliegerschule zu einem offiziellen Verkehrslandeplatz zu machen, daraus wurde allerdings nichts. Lediglich im Bedarfsfall sollten die Maschinen der Trans-Europa-Union in Würzburg die Möglichkeit zur Zwischenlandung haben.

Luftfahrt 1933-45[Bearbeiten]

Fliegerhorst[Bearbeiten]

Bereits in den Jahren vor der nationalsozialistischen Machtübernahme zeigten sich Veränderungen in den Lehrgängen der Fliegerschule. Verstärkt nahmen Offiziere und Offiziersanwärter teil, die bereits eine Flugausbildung hatten und hier „als Zivilisten“ ihre jährlichen Auffrischungskurse absolvierten. 1934/35 wurde der Flugplatz am Galgenberg offiziell in einen Fliegerhorst der Luftwaffe umgewandelt. Das vormals schräge Flugfeld wurde durch massive Erdarbeiten in eine ebene Start- und Landebahn umgeformt. Neue Flugzeughallen und Kasernenbauten entstanden. Auf dem Gelände wurde ab 1935 die Fernaufklärungsgruppe 123 (letztgültige Nummer) mit drei Staffeln gebildet. Ausgerüstet waren sie mit Heinkel He 45 Doppeldeckern, später auch mit moderneren Heinkel He 70 und den zweimotorigen Dornier Do 17. Zu Beginn des Krieges wurden die Staffeln an die Westfront verlegt und ab dem Frankreich-Feldzug verblieben die Staffeln auf den Kriegsschauplätzen im Westen und Südosten. Von Würzburg aus wurden von anderen Einheiten einige wenige Kriegseinsätze geflogen. Für die weitere Kriegszeit diente der Fliegerhorst als Überholungs- und Ausbesserungswerft für die Frontflugzeuge. Anfang April 1945 wurden bei den Kämpfen und durch Sprengungen viele Hallen und Gebäude beschädigt. Nach der Eroberung durch die US-Armee wurde das Flugplatzgelände von der amerikanischen Armee als Kaserne für eine Infanterie-Division übernommen und das ehemalige Flugfeld wurde ab 1950 mit vielen Wohngebäuden für die US-GIs bebaut. Hier entstanden die Leighton Barracks.

Flugsport[Bearbeiten]

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme konnte der Fränkische Verein für Luftfahrt (im DLV) nicht mehr eigenständig weiter bestehen. Der Deutsche Luftsport-Verband (DLV), bereits in der Weimarer Zeit gebildet, wurde im Zuge der Gleichschaltung ab 1937 in NSFK (National-Sozialistisches Flieger-Korps) umbenannt. Bereits ab 1933 wurde der Flugsport militärisch organisiert und von NSDAP-Funktionären geleitet. Segelfluglehrgänge fanden wegen der militärischen Nutzung des Galgenbergs nun am Flugplatz Schenkenturm und im Umland statt, organisiert durch das Nationalsozialistische Fliegerkorps.

Flugsport nach 1945[Bearbeiten]

1948 gründete sich die „Interessengemeinschaft für Modell- und Segelflug“, aus der zwei Jahre später der Flugsport-Club Würzburg e.V. hervorging. Allerdings war zu der Zeit das Fliegen wie auch der Besitz von Flugzeugen durch die amerikanische Besatzungsmacht untersagt. Am 20. April 1951 wurde schließlich die Erlaubnis des motorlosen Segelflugs unter bestimmten Bedingungen gegeben. Sogleich wurden in Würzburg die Arbeiten am Bau eines eigenen Gleitfliegers aufgenommen (ein Nachbau des alten Schulgleiters SG 38). Ein Fluggelände fand sich zunächst in Obereisenheim. Der Jungfernflug des Gleiters fand bereits 1952 statt, im selben Jahr wurde zusätzlich ene Mü 13 E käuflich erworben, 1955 ergänzt um den Leistungs-Einsitzer L-Spatz 55. Das Gelände in Obereisenheim wurde für den Flugbetrieb zu klein und der Verein suchte einen neuen Standort. In Würzburg war zwischenzeitlich durch die Amerikaner das Schenkenfeld zum Flugplatz ausgebaut worden, allerdings ausschließlich für militärische Nutzung. So nutzte man zeitweise die Flugplätze Karlstadt und Giebelstadt sowie auch eine eigens installierte Schleppwinde auf einem Feld am Rotkreuzhof. 1959 gab es erste Testflüge am Schenkenturm. Aber erst 1965 gelang es, dauerhaft diesen Standort für den Sportbetrieb zu gewinnen. Nachdem die Stadt das Schenkenfeld 1961 erworben hatte, wurde dem FSCW die Erlaubnis zu Mitnutzung des Fluggeländes an den Wochenenden erteilt. 2001 konnte der Flugsport-Club den Flugplatz Schenkenturm schließlich käuflich erwerben.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]