Athanasius Kircher

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Pater Athanasius Kircher, SJ

P. Prof. Athanasius Kircher SJ (* 2. Mai 1602 in Geisa/Rhön; † 27. November 1680 in Rom) war Jesuit, Mathematiker, Philosoph, Ethiker, Sprachforscher und Orientalist. Der Universalgelehrte wirkte als Professor von 1629 bis 1631 in Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kircher besuchte von 1614 bis 1618 das Jesuiten-Kollegium in Fulda. Am 2. Oktober 1618 trat er in Paderborn in den Jesuitenorden ein. 1622 ging er von Münster nach Köln und schloss dort seine Studien in Naturkunde und Philosophie ab. Später, nach einem Aufenthalt in Koblenz, war er in Heiligenstadt als Lehrer am dortigen Jesuitenkolleg tätig und unterrichtete Mathematik, Hebräisch und „Syrisch“ (das war vor allem die Aramäische Sprache). Danach hielt er sich in Mainz auf, wurde 1628 zum Priester geweiht und ging im selben Jahr nach Speyer.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

1629 wurde Athanasius Kircher Professor für Mathematik und Ethik sowie orientalische Sprachen an der Philosophischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 1631 veröffentlichte er sein erstes Buch („Ars Magnesia“).

Päpstliche Universität[Bearbeiten]

Im selben Jahr zwang ihn die Flucht vor den, bis 1634 das Hochstift Würzburg besetzenden Schweden während des Dreißigjährigen Krieges, seine Arbeiten an der Päpstlichen Universität von Avignon in Frankreich fortzusetzen. Von 1635 an lehrte Kircher Mathematik, Physik und Orientalistik am Collegium Romanum (Gregoriana), unterbrochen von einer bis 1638 dauernden Reise nach Malta. 1645 wurde er von dieser Tätigkeit freigestellt, um sich seinen Forschungen widmen zu können. Er erforschte Krankheiten wie Malaria und die Pest, kam dabei zu einer für die damalige Zeit neuen Vorstellung von der Entstehung von Infektionskrankheiten und schuf eine bedeutende Sammlung von Antiquitäten, die er zusammen mit seinen eigenen Erfindungen im eigens dazu eingerichteten Museum Kircherianum ausstellte.

Forschungsgebiete[Bearbeiten]

Kircher veröffentlichte eine große Zahl ausführlicher Monografien über ein weites Spektrum von Themen unter anderem der Ägyptologie, Geologie, Medizin, Astrologie, Mathematik und Musiktheorie. Tatsächlich war Kircher seiner Zeit voraus, was insbesondere an seinem Einfluss auf die Bakteriologie, Medizin, Akustik, Astronomie, Mechanik und Farbenlehre abzulesen ist. So setzte er für seine Forschungen als einer der ersten Wissenschaftler das Mikroskop ein, vermutete mit dessen Hilfe als einer der ersten Menschen [1] den Einfluss von „kleinen Wesen“ auf die Entstehung von epidemisch auftretenden Infektionskrankheiten wie der Pest und schuf erste Regeln zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung.

Kircher hatte die Vorstellung, dass Gott, die Natur und die in der Astrologie benutzten Planetenkonstellationen (im Sinne eines Zusammenwirkens von Mikrokosmos und Makrokosmos bzw. von Mensch und Natur) Grundlage für die Medizin seien. Hierbei sah er den Kosmos als „großen Magneten“ an und die auf Magnetismus beruhende Harmonie der Welt als Abbild Gottes. Somit war er auch Vorgänger des von dem Arzt und „Magnetiseur“ Franz Anton Mesmer (1734-1815) sowie anderen Medizinern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert benutzten Magnetismus-Konzepts. [2] [3]

Vordenker der Luftfahrt[Bearbeiten]

Einige seiner Abhandlungen widmeten sich dem Fluggedanken. So war er beispielsweise der Ansicht, dass man Falken zum Ziehen von Flugdrachen abrichten könnte. Eines seiner Bücher, die „Ekstatische Himmelsreise“, thematisiert eine fantastische Weltraumfahrt.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Kircher ist auf dem 15. Bild des Wandgemäldes im Ratssaal in Würzburg verewigt. Nach ihm wurde 2016 die Athanasius-Kircher-Straße im neuen Stadtteil Hubland benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Werner E. Gerabek: Kircher, Athanasius, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 750 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Bergdolt: Pest, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 1122-1127, S. 1127a
  2. Werner E. Gerabek: Mesmer, Franz Anton, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 973
  3. Werner E. Gerabek: Jean Paul und die Romantische Medizin, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 51-64