Bürgerspitalkirche

Aus WürzburgWiki

Dies ist die bestätigte sowie die neueste Version dieser Seite.

Außenansicht der Bürgerspitalkirche
Grundriss (1915)

Die Bürgerspitalkirche ist die Hauskapelle am Bürgerspital zum Heiligen Geist an der Ecke Semmelstraße/Theaterstraße.

Geschichte

Der gotische Kirchenbau mit Spitzhelm am Eingang der Semmelstraße ist einer der wenigen erhaltenen historischen Bauteile der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist.

Bei der Exemtion von der Pfarrei St. Johannes in Stift Haug durch Bischof Gottfried III. von Hohenlohe am 23. Juni 1319 muss bereits eine Kapelle oder zumindest ein Altar für die religiösen Verrichtungen im Spital bestanden haben. 1356 wird ein ewiges Licht am Marienaltar im Spital urkundlich erwähnt. [1]

Die Bürgerspitalkirche ist ein schlichter Saalbau mit eingezogenem, gewölbtem Chor und wurde am 13. April 1371 durch Weihbischof Waltherus de Capella geweiht. Die Kapelle wurde im Markgräfler Krieg beschädigt und zwischen 1561 und 1571 unter der Leitung von Paulus von Worms renoviert und erneut konsekriert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche 1631 beschädigt, profaniert und von den schwedischen Truppen als protestantisches Gotteshaus genutzt.

Nach vollständigem Wiederaufbau und Neuerrichtung von zwei Seitenaltären fand die erneute Konsekration durch Weihbischof Johann Melchior Söllner am 8. September 1650 statt. Große Veränderungen in der inneren Ausstattung fanden im Barock statt, als die drei Altäre im zeitgemäßen Stil durch namhafte Künstler erneuert wurden.

Die letzte Zerstörung bis auf die Grundmauern war beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945. Zwischen 1954 und 1956 fand der Wiederaufbau der Kapelle statt. Die Sanierung der Kirche und die Neugestaltung des Chorraumes durch Julian Walter aus Vasbühl wurde 1994 vollendet.

Patrozinium

Der Hauptaltar der Kirche wurde 1371 dem Heiligen Geist geweiht. Patrozinium ist somit das Pfingstfest. Später wurde auch das gesamte Spital namentlich unter den Schutz des Hl. Geistes gestellt.

Außenbereich

An der südwestlichen Fassade, beim Durchgang zum Innenhof, befindet sich ein Relief der Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit. Es wurde um 1718 von Jakob van der Auwera für ein Portal an der Semmelstraße 22 geschaffen. Nach 1945 fand es seinen heutigen Platz an der Kirchenfassade.

Nach der Verlegung des Eingangs in den Durchgang zum Hof wurde an der Außenseite des alten Portals eine Bronzeplatte mit Reliefs zu Weinbauthemen angebracht. Ein Spruch erinnert an Josef Balduin Kittel (Näheres siehe Kittel-Gedenkstätte). Davor ist ein Brunnenstein als Vogel- und Tiertränke eingerichtet, das Kittelsbrünnle.

Innenraum

Das rechteckige Langhaus weist eine Grundfläche von 14,50 x 10,63 m auf. Der eingezogene Chor im Nordosten bschließt mit fünf Achteckseiten, darüber erhebt sich ein Kreuzgewölbe. Die Tellerförmigen Schlusssteine zeigen Malereien, welche frühere reliefierte Darstellungen wiedergeben: Das Schweißtuch der Veronika und das Lamm Gottes. In hinteren Bereich des Lanhauses entstand mit dem Wiederaufbau im Jahr 1954 eine Empore. Darauf ist eine Orgel der Firma Weiß aus Zellingen aus dem Jahr 1956 installiert. Sie verfügt über zwei Manuale und elf klingende Register.

Ausstattung

Hochaltar

Der heutige Hochaltar wurde 1993 durch Julian Walter aus Vasbühl geschaffen. Auf einem Unterbau aus rotem Sandstein erhebt sich ein Aufbau aus Lindenholz in Form eines scheibenförmigen Mittelteils mit zwei Flügeln. Vor einer Nische befindet sich eine silbergetriebene, mit Steinen besetzte Madonna mit Kind, die vom Münchner Goldschmied Franz Keßler geschaffen wurde. 1730 wurde sie dem Bürgerspital von einer marianischen Vereinigung gestiftet. Bis 1945 gehörten zu der Figur eine von Schlangen umschlungene Weltkugel, Putti, sowie ein Sockel aus Holz mit verschiedenen Reliefs. Letztere hatte 1769 der Würzburger Goldschmied Joseph Neuß geschaffen.

Oberhalb der Madonna zeigt sich die Hl-Geist-Taube als Patron der Kirche, dahinter gehen Strahlen von den Händen Gottvaters aus. Auf den feststehenden Altarflügeln wird die Aussstattung des Spitals im Bereich von Landwirtschaft und Weinbau thematisiert, sowie die sozialen/pflegenden Tätigkeiten, welche damit finanziert werden. Einerseits ist das Stifterpaar mit abgebildet, andererseits die Brüder Teufel als Zustifter des Dorfs Laub.

Über die Ausformung frd ursprünglichen Hochaltasr ist nichts genaueres bekannt. Er wurde 1371 zu Ehre des Hl. Geistes geweiht. 1742 wurde ein zeitgemäß-barocker und komplett neuer Aufbau durch Johann Georg Wolfgang van der Auwera geschaffen. Er wies ein Altarblatt von Wolfgang Högler auf. 1945 ist dieser Hochaltar komplett verbrannt.

Weitere Altäre

Links und rechts des Chors bestanden historich zwei Seitenaltäre. 1371 wurde einer der seligsten Jungfrau Maria geweiht. Der Zweite zu Ehren des seligen Evangelisten Johannes, des Hl. Nikolaus des Bekenners, des Hl. Apostels Jakobus sowie der Heiligen Ebold, Leonhard, Maternus, Valerius und Eucharius. Nach der Profanierung der Kirche im 30-jährigen Krieg wurden diese Altäre 1650 dank maßgeblicher Unterstützung der Pfleger Octavian Maternstein und Hartmann erneuert und anschließend durch Johann Melchior Söllner wieder geweiht (zu Ehren der Mutter Gottes und es Hl. Kreuzes). Gut 100 Jahre später erfolgte nochmals ein Austausch, diesmal gegen barocke Aufbauten von Johann Peter Wagner, die durch das Vermächtnis eines Pfründners finanziert wurden. Auch diese beiden Altäre wurden 1945 Raub der Flammen.

Auch in der Sakristei befindet sich bis heute ein Altar, welcher 1371 dem Hl. Apostel Andreas und der Hl. Märtyrerin Katharina geweiht wurde.

Grabmäler und Gedenksteine

  • Gedenkstein für das Stifterpaar Johannes d.Ä. von Steren (Sterbejahr 1329) und Mergardis von Steren. Der eigentliche Grabstein des Johannes von Steren wurde 1945 zerstört. Die dortige Inschrift lautete: „Anno Domini MCCCXXIX in die conversione sancti Pauli obiit Johannes de Ariete civis Herbipolensis fundator huius hospitalis“.
  • Grabmal des Ecko von Steren (Sterbejahr 1343): Bruder des Stifters, Bürgermeister und Ratsherr.
  • Farbig gefasster Wappenstein der Familie de Leone. Er verweist auf Michael de Leone (Sterbejahr 1355) bzw. dessen Neffen Jakob vom Löwen, der nach der verlorenen Schlacht von Bergtheim um die Reichsfreiheit im Jahr 1400 gehenkt wurde. Die umrahmenden Wappen sind oben links Familie von Wilhermsdorf oder von Hohenberg, unten links Familie von Neuenstein, unten rechts Familie von Schrotsberg. Ursprünglich befand sich der Stein im Hof zum Großen Löwen, dem Wohnsitz der Familie de Leone (Dominikanergasse 6).

Figuren

Des weiteren schmückt auf der rechten Stirnseite des Langhauses vor dem Chor eine Figur des Heiligen Johannes des Täufers von Lukas Anton van der Auwera aus dem Jahre 1760 die Kirche, auf der linken Stirnseite eine gotische Sandsteinmadonna mit Kind, gemeißelt um 1420 von einem Würzburger Meister. In einer Nische steht eine spätgotische Holzfigur der Heiligen Barabara aus der Schule Tilman Riemenschneiders, die um 1510 entstanden ist.

Historische Abbildungen

Wiederaufbau der Bürgerspitalkirche

Geläut

Im verschieferten Dachreiter befindet sich eine Einzelglocke.

Zugehörigkeit

Die Kirche gehört zum Pfarrsprengel der Hauger Pfarrei.

Besichtigungsmöglichkeit

Im Allgemeinen ist die Kirche verschlossen. Bei Interesse kann über info@buergerspital.de oder Tel. 0931-9503-101 ein Termin zur Besichtigung vereinbart werden.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Kartenausschnitt

Die Karte wird geladen …
  1. Urkundenbuch des Bürgerspitals Würzburg 1300-1499, Urkunde Nr. 60
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von WürzburgWiki. Durch die Nutzung von WürzburgWiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.