Leofried Adelmann

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Dr. Leofried Adelmann (* 4. Dezember 1819 in Löwen/Belgien; 22. August 1884 in Würzburg) war promovierter Humanmediziner, Magistratsrat, Unternehmer und Kunstsammler in Würzburg. [1] [2]

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Leofried kam in der Stadt Löwen, die damals nach dem „Wiener Kongress“ [3] zum „Vereinigten Königreich der Niederlande“ [4] gehörte, als Sohn des Dr. Franz Joseph Adelmann (* 1787 in Würzburg), einem Professor für Naturwissenschaft (Botanik und Zoologie) an der Universität von Löwen, und seiner Ehefrau Barbara, geborene Harbauer, einer elsässischen Bürgermeisterstochter und Schwester des Leibarztes von König Wilhelm I. der Niederlande, zur Welt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Aufgrund der „Belgischen Revolution von 1830“ [5] emigrierte die Familie Adelmann 1831 nach Würzburg. [6] Die Eltern von Prof. Josef Adelmann, die in Würzburg gelebt hatten, waren zu dieser Zeit bereits verstorben. Zuerst wohnte Josef Adelmann mit Frau und Sohn im Haus seines Bruders Dr. Ullrich Adelmann.

Leofried Adelmann, der bereits während seiner Schulzeit in Belgien hervorragende Leistungen gezeigt hatte, war auch auf der Lateinschule in Würzburg ein Einserschüler. Im Oktober 1839 immatrikulierte er sich als belgischer Student der Medizin an der Universität Würzburg und studierte dort bis 1845. Während der Semesterferien unternahm er Reisen innerhalb Deutschlands, nach Belgien, Frankreich und Holland. Nach seinem Studium war Leofried Adelmann Praktikant im Juliusspital und praktizierte in der Poliklinik.

Unternehmer[Bearbeiten]

Im Alter von 28 Jahren heiratete er 1846 Anna Johanna Antonia Bolongaro-Crevenna und wohnte mit ihr in einem der Familie Bolongaro gehörenden Haus in der Haugerpfaffengasse. In Amsterdam erwarb er sich das nötige Grundwissen der Tabakfabrikation und des Handels und erhielt 1853 eine entsprechende Konzession, so dass er aktiv im unternehmerischen Bereich der Bolongaro-Fabrik mitwirken konnte. Im gleichen Jahr bekam er die Bayerische Staatsbürgerschaft und das Würzburger Bürgerrecht und wurde in die Geschäftsleitung der Tabakfabrik seines Schwiegervaters Johannes Bolongaro Crevenna, der Firma Gebrüder Bolongaro-Crevenna, Rauch- und Schnupf­tabak, berufen.

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten]

1852 wurde Leofried Adelmann 2. Direktor des Polytechnischen Zentralvereins und war aktiv an den Hilfsmaßnahmen für die hungernde Rhönbevölkerung beteiligt. [7] Er wurde 1. Direktor des Polytechnischen Zentralvereins und war 1854 beim fünfzigjährigen Jubiläum der bestimmende Mann. Adelmann war Gründungsmitglied des Verschönerungsvereins Würzburg. Gemeinsam mit dem Fabrikanten und Zeller Bürgermeister Friedrich Koenig jr. legte er 1876 die Friedrich-Koenig-Anlagen an. In einer privaten Initiative begannen beide, den Nordhang an der Bohlleite zu bepflanzen, Wege anzulegen und die Anlage der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Magistratsrat[Bearbeiten]

Leofried Adelmann wurde zum bürgerlichen Magistratsrat der Stadt Würzburg gewählt und war als solcher in den unterschiedlichsten Funktionsbereichen tätig:

  • Mitglied der königlichen Schulkommision
  • Mitglied der Schulkommisionen von St. Burkard und Stift Haug sowie Respiciend der Maxschule
  • Kommissär der Stadt beim Handwerk für die Bierbrauer, Buchbinder, Büchsen- und Uhrmacher, Fischer, Gerber, Gürtler, Kannengießen, Kürschner, Messerschmiede, Sattler, Tapzierer, Schiffbauer, Spengler, Tüncher und Vergolder

Diese Liste zeigt auf, welche Einfluss- und Informationsmöglichkeiten Adelmann hatte.

Kunstsammler[Bearbeiten]

Zu dem Sammler Adelmann schreibt Walter M. Brod: „Als wohlhabender Mann war Leofried Adelmann auch ein bedeutender Kunstkenner und Sammler. Seine Kunstschätze waren über Würzburg hinaus bekannt. Von weither kamen Kunstfreunde, um Adelmanns kulturelle, religiöse und kunsthandwerkliche Antiquitäten zu bewundern. Unter ihnen war auch der preußische Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich. Adelmann führte ihn persönlich durch seine Sammlung. Seinen Erben hinterließ er über 2000 Kunstgegenstände, (...)“ [8] 1888 ließen die Erben die Sammlung in der Schrannenhalle in Würzburg versteigern. Die Auktion dauerte acht Tage und wurde in allen großen Zeitungen inseriert. Der Auktionskatalog las sich wie der Katalog eines renommierten kunsthistorischen Museums.

Adelmann und die Zellerau[Bearbeiten]

Bereits schon vor, aber insbesondere nach der Enthebung der Festungseigenschaft der linksmainischen Stadt im Jahre 1867 vergrößerte Leofried Adelmann zielstrebig den Grundstücksanteil der Familie in der Zellerau. Er erwarb das Gut Moschee und Gut Moskau, das Gelände mit und um die Gaststätte Zum Onkel, das ganze Dreieck Frankfurter Straße, Wredestraße und Hartmannstraße und den ehemaligen „Vereinsgarten“ des Landwirtschaftlichen Vereins.

1864 kaufte er am Zeller Bock das „Tivoli“ mit dem zugehörigen Landhaus, in dem er sich fern seiner Familie regenerierte, die in der Semmelstraße oder während der Sommerzeit auf Gut Moschee lebte.

Beim Tode Leofried Adelmanns im August 1884 lag der Grundbesitz der Familie in der Zellerau fast geschlossen in den Linien Wörthstraße, Fasbenderstraße, Sedanstraße, Weißenburgstraße und Frankfurter Straße, abgegrenzt durch das Mainufer bis zu den Mauern des Klosters Oberzell und bis hinauf zur Zeller Waldspitze.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Leofried Adelmann wurde auf dem Würzburger Hauptfriedhof bestattet. Das Grab von Bolongaro-Crevenna und Adelmann befindet sich in der 1. Abteilung des Hauptfriedhofes an der Mauer zur 8. Abteilung. Nach und nach wurden alle Grundstücke der Adelmanns verkauft, die meisten schon vor dem Ersten Weltkrieg.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Leofried Adelmann (Hrsg.): Bayerische Trachten Mittelfranken. Verlag des polytechnischen Vereins, Würzburg 1856
  • Leofried Adelmann (Hrsg.): Burgruinen Unterfrankens. Würzburg 1958 (Onlinefassung bei Franconica-Online)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Achim Schürer: Die Schürer-Chronik. Erlebte Geschichte. Würzburg 2001, S. 302
  2. Leo H. Hahn: Streiflichter zur Geschichte der Zellerau und der Stadt Würzburg. Mainpresse Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co, Würzburg 1995, S. 34-43
  3. Nähere Informationen zum „Wiener Kongress“ bei Wikipedia [1].
  4. Nähere Informationen zum „Vereinigten Königreich der Niederlande bei Wikipedia [2].
  5. Nähere Informationen zur „Belgischen Revolution von 1830“ bei Wikipedia [3].
  6. In den Meldebögen des Würzburger Magistrats erscheint Prof. Dr. Josef Adelmann erstmals 1831 als pensionierter belgischer Professor.
  7. Schlechte Erntejahre, die ihren Höhepunkt 1851 erreichten, führten zu einer allgemeinen Verteuerung der Lebensmittel, so dass in den ärmsten Regionen Frankens, dem Spessart und der Rhön, mit einer Hungersnot gerechnet werden musste. Vgl. hierzu auch: Udo Haupt: Anmerkungen zur wirtschaftlich-sozialen Situation in Spessart und Rhön um die Mitte des 19. Jahrhunderts. in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66, hrsg. von den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 2014, S. 177 ff. und Udo Haupt: Anmerkungen zur wirtschaftlich-sozialen Situation in Spessart und Rhön um die Mitte des 19. Jahrhunderts (Teil 2). in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67, hrsg. von den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 2015, S. 239 ff.
  8. Walter M. Brod: Dr. med. Leofried Adelmann, 1819 - 1884, Magistratsrat in Würzburg. in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 55, hrsg. von den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 2003, S. 104