Residenz

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Die Würzburger Residenz ist ein bedeutender barocker Schlossbau am Nordrand der Altstadt Würzburgs, dessen Bau 1719 begonnen und der 1778 vollendet wurde. Der Entwurf wurde von Balthasar Neumann geprägt.

Sie diente, bis zur Auflösung der geistlichen Territorien durch die Säkularisation, als Sitz der Würzburger Fürstbischöfe. Das Schloss zählt zu den Hauptwerken des süddeutschen Barocks und ist im europäischen Kontext als der bedeutendste Residenzbau des Spätbarock anzusehen. Damit steht es in einer Reihe mit Schönbrunn in Wien und Schloss Versailles bei Paris. Die UNESCO hat das Bauwerk inklusive Residenzplatz und Hofgarten 1981 als Teil des Weltkulturgutes geschützt.

In der Begründung der UNESCO für die Aufnahme in die Liste des „Kultur- und Naturerbes der Welt“ heißt es, die Würzburger Residenz sei das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser, einzigartig durch ihre Originalität, ihr ehrgeiziges Bauprogramm und die internationale Zusammensetzung des Baubüros, eine Synthese des europäischen Barock. Sie veranschauliche zudem einen der strahlendsten Fürstenhöfe Europas. Das 1979 bis 1987 rekonstruierte Spiegelkabinett, eines der Paradezimmer im Kaiserflügel, sei das vollkommenste Raumkunstwerk des Rokoko.[1]

Front der Residenz (Residenzplatz mit Frankoniabrunnen)
Front der Residenz
Luftaufnahme der Residenz

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Würzburger Fürstbischöfe hatten seit Mitte des 13. Jahrhunderts ihren Sitz in der Festung auf dem Marienberg. Im Zeitalter des Absolutismus, in dem der Herrscher seine Macht und seinen Reichtum auch durch die Größe seines Wohnsitzes zeigte, war ein Renaissanceschloss wie das in den Festungsanlagen alles andere als dem Rang der Herren noch genügend.
Johann Philipp Franz von Schönborn war ein Mann seiner Zeit, ein absolutistischer Herrscher, der diesem Anspruch auch gerecht zu werden gedachte: So hatte er aus einem Unterschlagungsprozess gegen seinen Kammerdirektor Jakob von Gall die Summe von 600.000 Gulden erstanden [2] – die er in den Bau eines neuen Schlosses zu investieren gedachte. Der Auftrag zur Erstellung eines Bauplans ging an Balthasar Neumann, einen noch weitgehend unbekannten Baumeister. Der Bau wirkt heute in sich vollkommen geschlossen und erfolgte nach einem einheitlichen Plan, in welchem Neumann die Ideen und Vorschläge der ihn unterstützenden Architekten Johann Maximilian von Welsch, Philipp Christoph von und zu Erthal, Robert de Cotte, Gabriel Germain Boffrand, Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn und Johann Lucas von Hildebrandt zu einer Synthese zu führen hatte. Vor allem letztere beide haben den Entwurfsprozess maßgeblich beeinflusst. Hildebrandt prägte die charakteristischen Mittelrisalite von Garten- und Hoffassade, während Boffrand die Nebenflügel der Stadtfassade inspirierte. Dass dem Bau trotzdem nichts eklektizistisches anhaftet, kann als eine der bedeutendsten künstlerischen Leistungen von Balthasar Neumann angesehen werden.

Dass die heutige Anlage derart geschlossen wirkt, ist auf die synthetische Kraft im von Balthasar Neumann immer wieder überarbeiteten Entwurf zurückzuführen:

"Die Grundrißanlage rezipiert das Versailler Schloß. Dabei beinhaltet die Residenz Eigenschaften eines Stadt- und Landschlosses:

- Hufeisenform des Ehrenhofes und die besonders ausgebildete Gartenfront nach französischem Muster eines Landschlosses;

- der Ehrenhof war ursprünglich durch ein qualitätvolles Gitter vom Vorplatz abgetrennt.

- Mehrhöfige Seitenblöcke entsprechen dem Typus des Stadtschlosses.

Außerdem prägen die unterschiedlichen Aufrißgliederungen des Corps-de-logis und der Seitenblöcke die Zwitterhaftigkeit des Gesamtbauwerks.“ (Dehio)

Geschichte der Residenz[Bearbeiten]

Standortwahl[Bearbeiten]

Seit dem 13. Jahrhundert befand sich die Hofhaltung der Würzburger Fürstbischöfe auf der Festung Marienberg. 1683 beschloss das Domkapitel, die Hofhaltung des Fürstbischofs von der Festung in die Stadt zu verlegen. Dafür wurden mehrere Standorte geprüft. Innerhalb der Bischofsmütze war die Bebauung zu dicht, mögliche Flächen im Mainviertel wurden verworfen, da zwischen dem Herrschaftssitz und der Bischofskirche weiterhin der Fluss zu überqueren gewesen wäre. So fiel die Entscheidung für das Gebiet am Rennweg, das damals nur sehr dünn besiedelt war. Lediglich im südlichen Bereich fand sich der Hof Grobshausen, der sodann für Wirtschaftszwecke genutzt werden sollte. Etwa im Bereich des heutigen Ehrenhofs der Residenz entstand zunächst ab 1701 durch Antonio Petrini im Auftrag des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau das Rennweger Schlösschen. Es war wesentlich kleiner angelegt als die spätere Residenz und im Grundriss um etwa 30° gedreht. Die Erstellung dauerte fünf Jahre, bezogen wurde das Schlösschen letztlich aber nicht, da sich auf Grund von Senkungen im Baugrund Risse in den Wänden gebildet hatten. [3] Eine Einbeziehung in die neue Residenz wurde verworfen und der Bau wurde im Jahr 1720 für den Neubau wieder abgetragen.

Bei der Positionierung der Grundfläche des neuen Residenzbaus wählte man auf Vorschlag des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn einen baulichen Bezug zur östlich liegenden Bastion der damals noch neuen sternförmigen Stadtbefestigung. Die Residenz wurde senkrecht zur Winkelhalbierenden der Bastion angeordnet. So entstand die Struktur für den Ostgarten und der dem Schloss vorgelagerte großzügige Residenzplatz. [4]

1719–1729: Erster Bauabschnitt und Ruhezeit[Bearbeiten]

Die Bauarbeiten an der Würzburger Residenz wurden unter Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn 1719 begonnen. Am 22. März 1720 erfolgte die Grundsteinlegung am Nordblock. Johann Philipp, beim Volke wegen seiner hohen Abgabenlasten unbeliebt, stirbt bereits 1724, ohne in „sein“ Schloss je eingezogen zu sein. Sein Nachfolger, Christoph Franz von Hutten, lässt in den folgenden fünf Jahren (1724–1729) seiner Regentschaft lediglich das Karreé um den vorderen nördlichen Ehrenhof fertigstellen und bezieht eine Wohnung in den heute als Ingelheim-Zimmern bekannten Räumen.

1729–1749: Zweiter Bauabschnitt[Bearbeiten]

Residenz im Bau 1731

Die Bauarbeiten werden erst wieder in vollem Umfang unter dem Bruder des ersten Bauherrn, Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, reg. 1729–1746, in Angriff genommen. Während seiner Regentschaft wird der Rohbau an Silvester 1744 vollendet. Darüber hinaus bezieht Friedrich Carl eine neue Wohnung im südlichen Flügel, lässt ebendort die Hofkirche einrichten und sorgt in seiner Regierungszeit dafür, dass sowohl die Paraderäume, das Spiegelkabinett wie auch ein erster Festsaal, der Weiße Saal, (durch Antonio Bossi), fertiggestellt werden. Sein Nachfolger, Anselm Franz Graf von Ingelheim, lässt den Baumeister Neumann absetzen und stoppt den Ausbau der Anlage. Er bezieht Wohnung in den heutigen Ingelheim-Zimmern und macht sich vornehmlich Gedanken darum, Geld zu beschaffen: So führt er u.a. Geldausfuhrsteuern ein.

1749–1779: Höhepunkte des Innenausbaus[Bearbeiten]

In die Zeit von 1749 bis 1754 fallen Höhepunkte der Innenausstattung. Unter der Herrschaft von Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths beteiligen sich an der Innenausstattung mit Fresken und Stuckkaturen unter anderem Giovanni Battista Tiepolo 1750–53 (Treppenhaus mit dem größten zusammenhängenden Deckenfresko der Welt, Kaisersaal, Hofkirche), Antonio Bossi (Kaisersaal, Gartensaal) und Johann Zick 1750 (Gartensaal). Die Epoche des Würzburger Rokoko ist damit vollendet. Der Architekt Balthasar Neumann erlebt die Ausgestaltung und Fertigstellung des Treppenhauses noch weitgehend mit, stirbt aber kurz darauf.

Unter dem nächsten Fürstbischof, Adam Friedrich von Seinsheim, reg. 1755–1779, wird die Residenz fertig ausgestaltet: 1771 entstand die Sandstein-Balustrade des Treppenhauses, die in den Folgejahren mit den Wagnerschen Skulpturen aus Heiligenthaler Marmor bekrönt wurde.

Der Garten bekommt seine heutige Form, und auch im Schloss lässt Seinsheim im wesentlich kargeren Stil des Louis-seize Zimmer umgestalten. Die Ausstattung der sogenannten Ingelheimzimmer ab 1776 im Stil des Früh-Klassizismus sowie des grünlackierten Zimmers beschließen 1778 als letzte Baumaßnahme eine fast sechzigjährige ununterbrochene Bauzeit.

1779–1814: Die fürstbischöfliche Residenz[Bearbeiten]

Für die nächsten 22 Jahre ist die fertiggestellte Residenz das Schloss der Fürstbischöfe von Würzburg. Ab 1803 wechselt sie jedoch gleich mehrfach den Besitzer: Der Reichsdeputationshauptschluss beendet die Herrschaft der Bischöfe über Franken und macht die Residenz sowie Franken selbst zu kurfürstlich bayrischem Besitz. Diese erste Phase der bayrischen Herrschaft endet, ohne dass die Wittelsbacher den Baubestand verändert hätten, nach vier kurzen Jahren: Im Frieden von Preßburg 1806 bekommt Bayern Tirol und Ferdinand III. (Toskana) aus dem Hause Habsburg das nun souveräne Großherzogtum Würzburg zugesprochen. Ferdinand lässt im Nordoval ein Karussell für seine Kinder einrichten, in seiner Herrschaft wird auch der Große Salon und der Toscana-Saal ausgestaltet. Bis auf den zuletzt erwähnten Saal sind seine Räume im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Napoleon soll damals die Residenz bei einem seiner zwei Besuche gleichermaßen spöttisch wie respektvoll als „schönsten Pfarrhof Europas“ bezeichnet haben. 1814 verlässt Ferdinand das regnerische Würzburg, da er auf dem Wiener Kongress sein früheres Herzogtum Toskana zurück erhält.

1814–1945: Ein bayerisches Schloss[Bearbeiten]

Postkarte 1905
Nach dem Zweiten Weltkrieg

Seitdem die bayerischen Könige auf dem Wiener Kongress Tirol gegen Würzburg eingetauscht hatten, hinterließen sie ihre Spuren an und in der Residenz.

So wird 1821 das als „geschmacklos“ geltende schmiedeeiserne Ehrenhofgitter abgebaut [5] und 1894 durch den Frankoniabrunnen ersetzt. Dieser Brunnen von Ferdinand von Miller wird 1824 von der Stadt zu Ehren des 1821 in der Residenz geborenen Prinzregenten Luitpold errichtet. Dargestellt sind die versinnbildlichte Region Franken und die drei Künstler, die sie bereichert haben: Walther von der Vogelweide, Mathis Gothart Nithart (genannt Matthias Grünewald) und Tilman Riemenschneider. [6] Die Figur der Frankonia blickt auf den Dom. [7]

All die Arbeiten der zwei vergangenen Jahrhunderte werden beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 fast zunichte gemacht: In dieser Nacht wird die Residenz vor allem in den Seitenflügeln schwer beschädigt. Erhalten bleiben jedoch die großen, steingewölbten Räume des Zentralbaus: das Vestibül, der Gartensaal, das Treppenhaus, der Weiße Saal und der Kaisersaal, wo nun die Gewölbe ohne Dächer freilagen.

Nach 1945: Wiederaufbau und Restaurierung[Bearbeiten]

Nach der Einnahme der Stadt durch amerikanische Truppen am 5. April geht alles sehr schnell: Ein amerikanischer Kunstschutzoffizier, John Davis Skilton, sorgte für eine sofortige provisorische Abdeckung mit Zeltplanen und für ein Notdach, das bereits ein halbes Jahr nach der Zerstörung die erhaltenen Gewölbe wieder überdeckte. So konnten die Fresken von Tiepolo in Treppenhaus und Kaisersaal sowie die Stuckdekoration von Bossi im Weißen Saal gerettet werden.

Die dortigen Beschädigungen durch Regenwasser und allgemeine Verstaubung wurden in aufwendigen Restaurierungsarbeiten bis Herbst 2006 behoben. [8] So sind sowohl das Fresko als auch die Wände des Treppenhauses nach dreijähriger Restaurierung wieder in frischem Glanz zu sehen.

Die wertvolle bewegliche Ausstattung war aus allen Räumen rechtzeitig ausgelagert worden; Lüster, Wandteppiche, Ölgemälde, Spiegel, Holzvertäfelungen, Tische, Stühle, Bänke u.a. mehr waren beim Angriff in Sicherheit und konnten gerettet werden. Drei Würzburger Firmen rekonstruierten die zerstörten Prunk-Räume der südlichen und nördlichen Seitenflügel, die u.a. als Gästezimmer für Kaiserin und Kaiser bestimmt waren, sowie die Ingelheim-Zimmer, um die erhaltene reiche Ausstattung wieder einzurichten. Die endgültige Wiederherstellung konnte 1987 mit der Vollendung des Spiegelkabinetts abgeschlossen werden; hier war die wandfeste Raumausstattung beim Angriff zerstört worden und musste wiederhergestellt werden. Die ursprünglich verwendete Technik der Arbeit hinter Glas (Verspiegelung, Aufdampfen und Ziselieren von Gold, Hinterglasmalerei) konnte rekonstruiert werden und forderte höchsten Einsatz der Würzburger Künstler, allen voran Wolfgang Lenz. Auch das Steingewölbe der Hofkirche überstand den Angriff, litt aber schwer unter Feuer und Nässe. So sind die Fresken von Johann Rudolf Byss stark beeinträchtigt worden: Über der Eingangsempore malte er den Engelsturz, über der Mitte die Himmelfahrt Mariens, über dem Altarraum das Martyrium der Frankenapostel.

Heute[Bearbeiten]

Die Residenz ist heute vornehmlich ein Museum mit über 40 wieder hergestellten Räumen, welches ganzjährig zu besichtigen ist. Darüber hinaus beherbergt sie die Galerie und Antikensammlung des Martin-von-Wagner-Museums, einen Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlung (Staatsgalerie), Teile der Universität, einen Teil des Staatsarchivs, sowie die Verwaltung. Seit 1921 findet fast durchgehend jedes Jahr das Mozartfest im Juli statt, zudem ist die Residenz immer wieder Ort für wechselnde Sonderausstellungen; so 2009 zum „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“. Im Jahr 2010 erschien die 100-€-Goldmünze UNESCO Welterbe – Würzburger Residenz und Hofgarten. [9]

Architektur[Bearbeiten]

Die Residenz aus der Luft

Die Würzburger Residenz ist formal eine mehrhöfige Anlage über einer rechteckigen Grundfläche, an welcher zur Stadtseite ein Ehrenhof ausgespart ist. Damit stellt sie einen Kompromiss zwischen einer Dreiflügelanlage vergleichbar mit Schloss Weißenstein in Pommersfelden und einer vielhöfigen Stadtresidenz wie in München oder Wien dar. Die Ausmaße sind gewaltig: So hat die Gartenfront eine Länge von 167 Metern, die Schmalseite eine Front von 97 Metern, sie beherbergt über 300 Räume.
Mit Schloss Weißenstein, mehr noch mit Schloss Augustusburg verbindet Würzburg die große Bedeutung des Treppenhauses in der repräsentativen Raumfolge. Jedoch ist es nicht zentral angelegt, sondern erstreckt sich vom Vestibül aus in nördliche Richtung. Mit seinen gigantischen Ausmaßen (31 x 19 Meter) ist allein das Treppenhaus im Palast von Caserta bei Neapel vergleichbar, das dem Würzburger auch strukturell ähnelt. Anleihen nimmt sie auch von Balthasar Neumanns zweitem großen Palast, Schloss Augustusburg bei Brühl. Die Maße des im Gebäude liegenden Vorhofes des Treppenhauses wurden durch die Notwendigkeit bestimmt, die vierspännige Kutsche der Besucher unter dem Dach vorfahren und wenden zu lassen. Eine vierspännige Kutsche hat einen Wendekreis von ungefähr 19 Metern.

Hier wie dort haben wir bis zu einem Wendepodest eine einläufige Treppe, welche sich dann in zwei parallele Läufe bis zur Beletage spaltet. Die dreischiffige Treppe wird von einem Umgang umgeben. Weitere Räume von höchster Bedeutung sind der Weiße Saal, der Kaisersaal und das Spiegelkabinett, jeweils für das 18. Jahrhundert einmalige Raumkompositionen. Der Weiße Saal zeugt von der Genialität und Meisterschaft Bossis, der Kaisersaal – noch zu Lebzeiten Balthasar Neumanns vollendet – gibt vermutlich das authentischste Zeugnis von dem dekorativen Konzept Neumanns. Das Spiegelkabinett kann als nicht zu steigernder Höhepunkt seiner Raumgattung angesehen werden. Der Weiße Saal, das grüne Kabinett, das Venezianische Zimmer sowie die Hofkirche stellen bemerkenswerte Raumschöpfungen des fränkischen Rokoko dar.

Äußere Gestaltung[Bearbeiten]

Man merkt der Residenz an, dass eine Vielzahl von Ideen eingebracht wurden bis sie zu ihrem heutigen Erscheinungsbild kam. So ist ihre Frontansicht zum Hof hin zunächst ein zweigeschossiger Bau, aufgelockert von einem Mezzaningeschoss zwischen wie auch über den beiden Hauptgeschossen. In den Ehrenhof hinein treten zunächst beiderseits der Flügel kurze Balkone hervor, welche in Verbindung mit einem Zurückweichen der Innenfronten den Palast recht wuchtig wirken lassen. Zum Mittelteil hin verjüngt sich der Bau: Während von der Front zwei Haupt- und Halbgeschosse zu entdecken sind, verschwindet ein Mezzanin an den seitlichen Innenfronten, das zweite Mezzanin sodann an der Hauptfassade am Mittelbau vollständig. Diese Verkürzung auf zwei Geschosse hat das Schloss mit Schloss Weißenstein gemein, ebenso mit französischen Bauten.

Arbeiten von Jakob van der Auwera[Bearbeiten]

Jakob van der Auweras Bildhauerarbeiten an der fürstbischöflichen Residenz begannen im ersten Bauabschnitt im Jahre 1722 und endeten im zweiten Bauabschnitt 1737. Er arbeitete von 1722 bis 1724 unter Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn, von 1724 bis 1729 unter Fürstbischof Christoph Franz von Hutten und schließlich von 1729 bis 1737 unter Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn.

Die Gesamtleistung der Arbeiten Jakob van der Auweras an der Residenz kann nicht als Einheit gesehen werden, denn manche der Dekorationsgegenstände sind nicht einmal von ihm selbst entworfen (z.B. Giebelfelder der Risalite [10] des Nordblocks, die von Clemens Anton Lünenschloß stammen), andere mussten eng an die herrschende Architektur angelehnt werden.

1722 bis 1728 erfolgte der Außenschmuck des Nordblocks. Wie schon beim Rohbau ging man in der Reihenfolge Rennweg, Stadtfront, Ehrenhof-Nordwand, Verbindungsflügel vor. In den Residenzbaurechnungen taucht der Name Jakob van der Auweras zum ersten Mal 1722 für „Verschiedene Bildthauerarbeith“ und anschließend 1723 „Vor 4 gemachte Steinerne Wappen an die fenster in der Neuen Residenz“ auf. Es sind nur geringe Beträge, die Auwera hierfür erhält, während Balthasar Esterbauer und Claude Curé wesentlich mehr beschäftigt sind.

1726 erhielt Jakob van der Auwera den ersten großen Auftrag an der Residenz: die beiden Reliefs in den Giebelfeldern der Stadtfront. Die Entwürfe der rein allegorisch gesehenen Gruppen „Justitia“ (linkes Giebelfeld) und „Pax“ (rechtes Giebelfeld) stammen von Clemens Anton Lünenschloß.

  • „Justitia“: Eine Frau sitzt im Zentrum des Dreiecksgiebel auf Wolken, in der rechten Hand ein Schwert, in der linken die Waage. Den Kopf wendet sie zwei geflügelten Putten zu, welche rechts von ihr die Faces [11] tragen. Im linken Teil blickt hinter einer Wolke ein Vogel hervor. Auwera setzte lediglich in den Ecken, wo Lünenschloß in seiner Entwurfsskizze freien Raum lässt, einige Wölkchen sowie eine Putte als Füllmotive hinzu.
  • „Pax“: Die Frau, die in der Mitte auf einer Wolkenbank sitzt, hält in der rechten Hand einen Caducäusstab [12], in der linken Bandschleifen, darunter sind Ährenbündel und Wolken. Links sind zwei Putten mit einem Füllhorn beschäftigt, rechts liegen friedlich ein Löwe und ein Schaf.

1726 entstand auch der Schmuck über dem Portal der Stadtfront des Nordblocks. In der Mitte des Portalbogens war über dem Schlussstein das Huttenwappen angebracht. Das Wappen wurde nach der Säkularisation heraus gebrochen und durch das Monogramm des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph ersetzt. Überliefert ist, dass der Maurermeister Käß 1803 den Auftrag erhielt, an der Residenz die Wappen der alten Herrschaften zu beseitigen. Ebenso wurden an 114 Kartuschen die Domherrenwappen abgeschlagen. [13] Die seitlichen Löwen sind ebenfalls eine Erneuerung aus dem 19. Jahrhundert. Die Zwickel an den Seiten des Wappens werden von zwei Putten ausgefüllt. 1728 fertigte Auwera den Hermen- und Trophäenschmuck des darüber liegenden Rundfensters.

Eine führende Rolle übernahm Jakob van der Auwera in der Zeit von 1731 bis 1735 bei der Schmückung des Südblocks mit Bauplastiken. Besonders erwähnenswert sind hier die beiden Reliefs der Giebelfelder. Sie stellen unter Fortführung des am Nordblock angeschlagenen Themakreises hier „Condordia“ (1732 fertiggestellt) (linkes Giebelfeld) und (über der Kirche) „Pietas“ (aus dem Jahre 1733) in rein allegorisch gesehenen Gruppen dar.

  • „Concordia“: In der Mitte des dreieckigen Giebelfeldes sitzt eine Frau mit Harfe und Zepter in den Händen. Ein Blumenkranz schmückt ihr Haar. Ihr Blick fällt nach rechts, wo eine alte Frau zur Erde gefallen ist. Die Schlange kennzeichnet sie als Zwietracht, über die Concordia triumphiert. Dicke Putten umgeben mit Symbolen der Eintracht die Concordia. In der linken Ecke sitzt ein ungelenker Hund.
  • „Pietas“: In der Mitte des Giebelfeldes thront eine Frauengestalt, die die Frömmigkeit verkörpert. Über ihrem Haupt schwebt die Flamme des Heiligen Geistes. In ihrer linken Hand hält sie einen Stab. Sie ist nach links dem Altar zugewandt, auf dem das Opfer brennt. Rechts zwei Putten mit dem Opferstier. Links schwebt eine Putte mit dem Weihrauchfass heran. Dieses Giebelfeld ist das gelungenste seiner Werke an der Residenz.

Leider hat der künstlerische Eindruck gerade dieser vier Giebelfelder sehr durch die nachlässige, flächige Arbeit der modernen Nachbildung gelitten.

Stadtfront des Nordblocks
Stadtfront des Südblocks

Portaldurchfahrten des Südblocks[Bearbeiten]

  • Portaldurchfahrten in den ersten und zweiten Innenhof des Südblocks, Bogenfelder von Ferdinand Tietz (1736-1738) [14]

Baumaterial der Residenz[Bearbeiten]

Die Aufzeichnungen in den Rechnungsbüchern der Residenz bestätigen, dass die Residenzbaustelle ab Baubeginn im Jahre 1719 von den Zeller Ziegelhütten beliefert wurden, die fast den gesamten Bedarf an Ziegeln, Backsteinen und gebranntem Kalk deckten. Die Rechnungsbücher beginnen mit einem Eintrag vom 23. November 1719 über 2.200 gelieferte Backsteine aus Zell. In den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts stieg die Produktion auf ca. 140.000 bis 170.000 Backsteine im Jahr an. Auch in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts blieben die Zeller bis zur Fertigstellung des Residenz-Rohbaus die Hauptlieferanten für Dachziegel, Backsteine und gebrannten Kalk.

Nachdem der Rohbau der Residenz im Jahre 1744 fertiggestellt war, gab es zunächst nur noch wenig Bedarf an Ziegeln. Erst ab 1750 wurden wieder Ziegel aus Zell für die Gartenanlage und die Orangerie benötigt. Die Ziegelkonstruktionen der Residenz sind hauptsächlich aus Zeller Backsteinen errichtet. Es war den Zeller Zieglern über ein Vierteljahrhundert gelungen auf der Residenzbaustelle eine monopolartige Position aufzubauen und zu halten. [19]

Innenraumgestaltung[Bearbeiten]

Raumaufteilung, 1. OG

Die Würzburger Residenz folgt in ihrem Aufbau ganz dem Idealbild eines barocken Schlosses: Die Raumfolge folgt einer Zentralperspektive; einerseits mit dem Gartensaal als Empfangsraum oder Ballsaal und dem Vestibül mit Treppenhaus, dem danach folgenden Weißen Saal, Kaisersaal und den Kaiserzimmern drückt in ihrer Pracht ganz den Machtanspruch aus, den ein absolutistischer Herrscher für sich beanspruchte. Der Monarch steht körperlich in der Mitte seines Herrschaftsgebiets.

Die Kaiserzimmer sind zudem auf zwei Flügel für den Herrscher und seine Gattin aufgeteilt, wobei das Appartement im Südflügel das eigentliche Kaiserappartement darstellt. Und es wurde in Abwesenheit des Kaisers vom Fürsten, als seinem Stellvertreter bewohnt. In ihrer Aufteilung entsprechen beide den damaligen Anforderungen an Zimmer für den kaiserlichen Aufenthalt. Die übliche Abfolge von Antechambré, Audienzzimmer und Schlafzimmer wird im Südflügel zusätzlich durch das Spiegelkabinett aufgewertet.

Im Nordflügel sind dem Audienz- und Schlafzimmer für die Kaiserin zwei kleine Räume zwischengelagert. Darüber hinaus befinden sich im Nordflügel noch zwei weitere Gästezimmer sowie das „Grünlackierte Zimmer“.

Dank der großzügigen Abmessungen des Hauses befinden sich hinter den Paradezimmern Dienerschaftsgänge und Zimmer der Kammerherren, -damen, welche das ganze Haus durchziehen und von welchen aus auch früher die herrschaftlichen Zimmer beheizt wurden, ohne sie betreten zu müssen. So konnten auch Toilettenstühle (Kommoden) in Nebenkammern entleert werden.

Diese beiden Appartements sind an der Gartenfassade so aufgereiht, dass in ihnen ein Durchgang ohne Richtungswechsel möglich ist. Dem Herrscher kann so der Blick aufs Volk weitgehend „erspart“ werden. Man sieht ins Grüne. Vor diese Achse sind stadtwärts die beiden Seitenflügel um je zwei Innenhöfe gebaut.

Sieht man sich genauer im Schloss um, so wird man entdecken, dass der Hauptteil der noch heute zu besichtigenden Inneneinrichtung der Residenz in die Barockzeit fällt (so die Kaiserzimmer, Kaisersaal, Treppenhaus). Aber auch verspieltere Stile sind zu finden, so der Rokoko des Weißen Saales, die ruhigere frühklassizistische Ausgestaltung des grünlackierten Zimmers (Grünes Zimmer) oder die unter Adam Friedrich von Seinsheim ( (1708—1779) in klassizistischem Stil umgearbeiteten Ingelheimzimmer, welche Kontrapunkte zum überbordenden Barock der Kaiserzimmer, speziell des Spiegelkabinetts, bilden.

Treppenhaus[Bearbeiten]

Würzburg tiepolo 1.jpg
Residenz - Deckengemälde.jpg

Die gewaltige Anlage von Zufahrt und Treppe wird überwölbt von dem größten zusammenhängenden Deckenfresko der Welt (ca. 670 m²), gemalt 1752 bis 1753 von Giovanni Battista Tiepolo aus Venedig, dem berühmtesten Freskenmaler seiner Zeit, sowie seinen Söhnen – insbesondere Giovanni Domenico Tiepolo – und weiteren Helfern. Sein Thema: Die Verherrlichung des Hausherrn, des Fürstbischofs, durch die (damals anerkannten) vier Kontinente. Karl Philipps Portrait schwebt in einem Medaillon über der Europa als Bewahrer und Förderer der Künste. Er wird von der ganzen Welt gefeiert, die durch vier Frauengestalten (=Kontinente), auf für ihren Kontinent typischen Tieren reitend, symbolisiert wird. Als Stellvertreter der Künste sind Balthasar Neumann (Architektur), Antonio Giuseppe Bossi (Bildhauer/Stuckateur) und Tiepolo (Malerei) selbst auch im Bild vertreten: Neumann auf einer Kanone reitend, eine Anspielung auf seine Stellung als Oberst der Artillerie des fränkischen Kreises [20]. Danach Bossi mit seinem Handwerkszeug zu Füßen über dem rechten Aufgang, sowie zuletzt Tiepolo im Eck zwischen Afrika und Europa, als Beobachter der Künstlerkollegen mit rotem Mantel und weißem Schal gekleidet. Eine Ölskizze für den Fürstbischof vom April 1752, der offizielle Entwurf und die Grundlage der Abrechnung, befinden sich heute im Metropolitan Museum von New York. Tiepolo erhielt für das Werk die stattliche Summe von 15.000 Gulden, das entsprach dem 13fachen Jahresgehalt von Balthasar Neumann.

Die Wände sind zurückhaltend weiß in frühklassizistischen Formen stuckiert. So wirkt dieser Raum nicht überladen, und das Deckenfresko kommt bestmöglich zur Geltung.

Am Rande: Der Legende nach wurde Balthasar Neumanns Deckenkonstruktion des Treppenhauses wegen ihrer Größe von zeitgenössischen Architekten sehr kritisch beäugt; ein Kollege Neumanns (evtl. der ältere Wiener Konkurrent Johann Lucas von Hildebrandt) wettete darauf, dass das Gewölbe nach Abnahme des Baugerüsts einstürzen würde. Die Gegenwette Neumanns soll ein Angebot gewesen sein, Kanonen im Vestibül abzufeuern – es werde der Druckwelle schon standhalten. Auch wenn diese Wetten nicht eingelöst wurden, so zeigte sich die Stabilität des Gewölbes Jahrhunderte später beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945, bei der es auch dem Gewicht des darauf einstürzenden Dachstuhls standhielt.

Weißer Saal[Bearbeiten]

Das Hauptwerk des Antonio Bossi in der Würzburger Residenz ist sicher der Weiße Saal, ein in weiß auf lichtgrau gehaltener Raum, der somit den vorausgehenden (Treppenhaus) wie auch den nachfolgenden Raum (Kaisersaal) kontrastiert. Bossi hat hier in einmaliger Weise in etwa neun Monaten von 1744 bis 1745 einen großen Festsaal mit Freihandstuckfiguren ausgeschmückt, wie sie sonst nur noch im Gründamastenen Zimmer im Nordflügel zu bewundern sind. Drachen und Pfaue sind zu bewundern, in den Ecken hat Bossi zu Ehren der ersten zu erwartenden Besucher, des Kaiserpaares Maria Theresia und Franz Stephan I., Trophäengruppen postiert. Wie das Treppenhaus überstand auch dieser Saal den Zweiten Weltkrieg. Erst in den 1980er Jahren wurde der Saal restauriert und aufgehellt.

Kaisersaal[Bearbeiten]

Der Kaisersaal ist ein in den Jahren 1752/1753 von Antonio Bossi und Giovanni Batitsta Tiepolo prachtvoll ausgestalteter Festsaal, in dem die Reichsidee und der Kaiser auf würdige Weise dargestellt werden. Er liegt in der Zentralachse des Hauptgebäudes zur Gartenfront hin. Betreten wird er vom Treppenhaus her kommend durch den Vorraum „Weißer Saal“, in dem die Kammerherren und die Leibgarde Aufstellung zu nehmen hatten. An den Kaisersaal schließen sich beidseits an der Gartenfront die stets für deren Besuch bereit gehaltenen Räume des kaiserlichen Paares an.

Tiepolo und sein Auftraggeber wählen in diesen Fresken – anders als sonst üblich – nicht den aktuellen Kaiser Franz Stephan I., sondern den Staufer Friedrich Barbarossa, um die Verbindung des Bistums mit dem Kaiserhaus heraus zu stellen.

Zur Südseite sieht der Betrachter das Gemälde „Die Trauung Kaiser Barbarossas und der Beatrix von Burgund durch den Würzburger Fürstbischof 1156“, so der offizielle Titel.

Hierbei fallen einige Dinge auf:

So trägt der Bischof auf dem Bild das schon aus dem Treppenhausfresko bekannte Antlitz des Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths und nicht das des damaligen Bischofs, Gebhard von Henneberg – ein subtiler Hinweis auf die geistliche Gewalt eines (Fürst-)Bischofs, vor dem der Kaiser in der Zeremonie kniet.

Die zum Betrachter gedrehte Mitra mit einem Vogel (Wappentier der Greiffenclaus) weist weiter auf den Auftraggeber des Bildes hin. Zuletzt ist auch der Altersunterschied der beiden Ehepartner nicht erkennbar. Nimmt man Barbarossa seine 34 Jahre noch ab, so erkennt man jedoch in Beatrix nicht das 12jährige Mädchen, das sie zur Hochzeit war.

Einen historischen Anspruch hat das Gemälde nicht – wie schon der Titel zeigt, der Bischof war 1156 kein Fürst. Die ganze Szenerie ist historisierend gehalten, die Personen tragen Kleidung des 16. Jahrhunderts. Wichtiger ist vielmehr die Botschaft: Der Würzburger Bischof macht das Fortbestehen des Kaiserhauses und des Reiches möglich.

Auf der Gegenseite: „Die Belehnung des Würzburger Bischofs Herold mit dem Herzogtum Franken durch Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstag zu Würzburg 1168“. Die Figuren wiederholen sich, nur haben sich ihren Positionen vertauscht: Nunmehr ist es der Kaiser, der den Bischof vor sich knien hat. Auf diesem zweiten Bild ist Herold von Höchheim bei seiner Erhebung zum Herzog von Franken zu sehen – mit dem Antlitz des Carl Philipp von Greifenclau – der nun zu den Fürsten des Reiches gehört. Ihm ist links im Bild die Urkunde Güldene Freiheit vorbereitet, durch welche die Herrschaft der Fürstbischöfe von Würzburg ihren Anfang nimmt.

Neben den Fresken Tiepolos sind die vergoldeten Stuckaturen Antonio Bossis sicher das beeindruckendste Merkmal dieses Raumes, der mit seinem Marmorfußboden, den mit Stuckmarmor verzierten Halbsäulen und den beiden erwähnten Fresken Tiepolos eine einmalige Raumeinheit bildet.

Auch der Kaisersaal war durch Kriegsschäden 1945 weithin durchfeuchtet worden. Restaurierungsarbeiten erfolgten von 1947 bis 1951 und in den 1970er und 1980er Jahren. Sinterflecke und Fehlstellen wurden dabei großzügig retuschiert.

Der gesamte Kaisersaal wurde von September 2006 bis Oktober 2008 erneut konserviert und restauriert. Dabei konnte sogar noch unversehrte Malerei Tiepolos freigelegt werden. Der Saal wurde am 29. April 2009 durch den bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon wieder für das Publikum eröffnet.

Spiegelkabinett[Bearbeiten]

Postkarte des Spiegelkabinett (um 1920)

Das ursprüngliche Spiegelkabinett wurde in den Jahren 1740 bis 1745 geschaffen. Das Zimmer an der Südostecke ist durchgehend mit Spiegeln umgeben, ursprünglich bemalt von Schülern von Johann Rudolf Byss, verbunden durch vergoldete Stuckierungen von Antonio Bossi. Diese Spiegel sind mit Hinterglasmalereien verziert und der Blick auf diese auch nicht durch damals beliebte orientalische Figurinen verstellt, so dass die Spiegelebene voll hervortritt.

Dies damals wohl kostbarste Zimmer der Residenz ist lediglich eine Replik des originalen Spiegelkabinetts – das Original schmolz beim Brand der Residenz am 16. März 1945, die Spiegel hatten nicht entfernt werden können. Die Restaurierung begann 1979 und dauerte acht Jahre, während derer ca. 600 Spiegelscheiben neu verziert, die Raumschale neu verputzt und die neuen Stuckaturen mit 2,5 kg Blattgold verziert wurden. Die Techniken hierzu mussten vielfach neu erlernt und entdeckt werden, insbesondere die Techniken zum Verzieren der Glasscheiben. Beteiligt hieran war auch der Künstler und Restaurator Wolfgang Lenz.

Hofkirche[Bearbeiten]

Nachdem sich Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn von Balthasar Neumann davon überzeugen ließ, die Hofkirche im südwestlichen Ecktrakt der Residenz einzurichten wurde die linke fensterlose Seite mit Spiegeln versehen, die durch Reflexion des Lichtes wie Fenster wirken. Neumann versuchte den Raum mit Säulen zu gliedern, die sowohl die Längen als auch die Höhen der fensterreichen Außenmauer berücksichtigen. „Fantastisch“ ist die Farbgebung des Raumes in dunklem Rosa und Gold, wobei Wände wie Säulen mit Stuckmarmor verziert sind.

Die beiden Seitenaltäre malte ebenfalls Tiepolo.

Bemerkenswert ist noch die frühklassizistische Kanzel von Materno Bossi, einem Neffen des Antonio: vier Köpfe mit typischen Kopfbedeckungen stellen auch hier die vier Kontinente dar.

Hoftheater[Bearbeiten]

Im Ovalsaal des Nordflügels befand sich ein Theater. Es wurde kaum genutzt und bald demontiert. Der Saal und die sog. Rennwegzimmer wurden vielfältig umgenutzt, auch als fürstlicher Kindergarten. Seit 1974 ist er dezentraler Teil der bayer. Staatsgalerie. 44 Gemälde geben einen Überblick über die venezianische Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, darunter auch die berühmte „Anbetung der Könige“ des süddeutschen Malers Johann Rottenhammer und die von Joseph Heintz überformten venezianischen Volksfeste. Als Seltenheit des Hauses gelten die zwölf Bildnissen türkischer Sultane aus der Werkstatt des Veronesen.

Die Hofgarten-Anlage[Bearbeiten]

Gartenfront und östlicher Hofgarten
Gartenplan
Hofküchengarten mit Orangerie

Ostgarten[Bearbeiten]

Die Anlage des Gartens war – wie auch der Residenzbau selbst – durch die bestehende barocke Stadtmauer begrenzt. Bereits Balthasar Neumann hatte die Idee, diese Bastion mit in die Gartengestaltung einzubeziehen und bis heute lädt sie zum Spazieren mit wunderbarem Blick über Garten, Schloss und Teile der Stadt ein. Zu dieser hohen Befestigungsmauer führen symmetrisch zwei rahmende Rampen- und Treppenanlagen hinauf, wobei auf halber Höhe eine Terrasse eingefügt wurde.

Dieser Ostgarten ist auf den Ausgang aus dem Gartensaal im Mittelbau der Residenz angelegt; von hier ausgehend erläuterte ehemals der Hausherr seine Pflanzen- und Skulpturen-Schätze.

Heute blühen hier hunderte von alten Rosensorten, früher waren es beschnittene Obstbäume. Geblieben sind die anschließenden Laubengänge, welche einmalig aus Kornelkirschen und Lärchen geformt sind und zwischen denen sich 12 der berühmten Putten von Johann Peter Wagner tummeln. Von ihm stammen auch die zahlreichen Kanapees, Vasen, Pflanzschalen sowie weitere Putten, Savoyardenknaben und Figuren auf den Treppen und der Bastion.

Südgarten[Bearbeiten]

Südlich der Residenz schließt sich ein flacher rechteckiger Garten an, der von der Orangerie abgeschlossen wird. Diesen hatte der Fürstbischof aus seiner Wohnung – zu der u. a. der Toscanasaal gehörte – im Blick. Hier schmücken große Figurengruppen Wagners die Rasenflächen, sorgen Faune, Pane und Allegorien der Jahreszeiten unter mächtigen Eibenbäumen in Kegelform für Überraschungen.

Englischer Garten[Bearbeiten]

Der Bereich vom Südgarten zur Balthasar-Neumann-Promenade wurde im Stil englischer Landschaftsparks angelegt. Hier führen gewundene Wege durch vielfältige Flora.

Hofküchengarten[Bearbeiten]

Hinter der Orangerie wurde der ehem. Hofküchengarten rekonstruiert, in dem wieder alte Apfel- und Birnensorten sowie Beerensorten wachsen, wobei die Beete von niedrigen Kräuter- und Lavendelhecken eingerahmt sind.

Gärtnerei[Bearbeiten]

Südöstlich der Residenz befindet sich die betriebseigene Gärtnerei der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die Gärterei ist für die Pflege des Hofgartens zuständig, in den Gewächshäusern werden unter anderem die Blumen für die Gartenanlage angezogen.

Eingänge[Bearbeiten]

Weitere Eingänge zu diesem Hofgarten, z. B. neben der Hofkirche oder am Rennweg zieren kunstvoll mit Blüten geschmiedete Gitter des Tirolers Johann Georg Oegg, des so genannten Königs der Schmiede aus der Zeit des Rokoko.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Eintritt, Führung[Bearbeiten]

Im Eintrittspreis (7,50 Euro regulär / 6,50 Euro ermäßigt) ist eine Führung durch die Haupträume der Residenz enthalten.

  • Führungen in deutscher Sprache finden von November bis März halbstündlich zu jeder vollen und halben Stunde, von April bis Oktober laufend im Abstand von ca. 20 Minuten statt (letzte Führung eine Stunde vor Schließung des Hauses).
  • Englischsprachige Führungen werden täglich um 11 und 15 Uhr sowie in der Hauptsaison (April bis Oktober) um 16.30 Uhr angeboten.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Gedenkmünze 2010
  • An der Residenz beginnt offiziell die Romantische Straße. Eine Informationsstele befindet sich am Hofgarteneingang von Seiten des Rennwegs [21].
  • Für den Erhalt des unverfälschten Zustands des Schlosses setzt sich die Vereinigung Freunde der Würzburger Residenz ein.
  • Der Residenzplatz wird gegenwärtig als Parkplatz genutzt. Dieser ist 24 Stunden geöffnet und bietet 400 Stellplätze.
  • Die Residenz ist neben anderen historischen Bauwerken von Würzburg in einer Collage auf dem 50-Mark-Schein der letzten Serie der D-Mark-Banknoten]], links neben dem Porträt des Baumeisters Balthasar Neumann, zu sehen. Weitere Bauwerke der Collage sind der Grafeneckart, die Festung Marienberg, die Schönbornkapelle am Dom, der Stift Haug, das Holztor und die Alte Mainbrücke. Auf der Rückseite der Banknote bildet das Treppenhaus der Residenz zusammen mit der Abteikirche Neresheim das Hauptmotiv.

Luftaufnahmen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Baumann, Burkhard von Roda, Werner Helmberger: Residenz Würzburg und Hofgarten. Amtlicher Führer. 13. Auflage. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. 2001, ISBN 3-932982-41-X.
  • Dehio, G.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I, 1979. ISBN 3-4220-0359-2
  • Marianne Erben: Das kleine Buch von der Würzburger Residenz. Echter, Würzburg 1987/1996 (Stadtbücherei Drk 4 Res)
  • Willi Feuerstein: Geschichte des Hochstifts Würzburg unter H. Dissertation. Würzburg, 1924; NDB X, 98; LThK V, 550.
  • Verena Friedrich: Rokoko in der Residenz Würzburg. Studien zu Ornament und Dekoration des Rokoko in der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz zu Würzburg. Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Band IX. Bayerische Schlösserverwaltung, München, 2004.
  • Hanswernfried Muth: Tafelbilder von Wolfgang Lenz. Einleitender Text. Schöningh, Würzburg. ISBN 3-87717-710-7
  • Richard Sedlmaier: Die fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. Teil 1: Textband. München 1923. (Digitalisat bei archive.org)
  • Peter Stephan: „Im Glanz der Majestät des Reiches“. Tiepolo und die Würzburger Residenz. Die Reichsidee der Schönborn und die politische Ikonologie des Barock. 2 Bände. Weißenhorn, Konrad Anton, 2002, 406 Seiten. ISBN 3-87437-404-1 (Stadtbücherei Drk 4 Res)
  • Manuel Weinberger: Verschollen geglaubtes Planmaterial von Balthasar Neumann und seinem Baubüro, und eine unbekannte Zeichnung aus dem Umfeld Johann Dientzenhofers. In: RIHA Journal 0003 vom 14 April 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. UNESCO Deutschland
  2. Arne Karsten und Hillard von Thiessen, Nützliche Netzwerke und korrupte Seilschaften, Vandenhoeck & Ruprecht, 2006, S.126
  3. Marianne Erben: Das kleine Buch von der Würzburger Residenz. Echter, Würzburg 1987. S. 6f mit Planskizze
  4. Geschichte der Stadt Würzburg. Band II. Hrsg. Ulrich Wagner. Theiss, Stuttgart 2004. S. 284f
  5. Felix Mader (Bearb.), Bezirksamt Würzburg, Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg 12, München 1915, Ndr. München/Wien 1981, S. 421
  6. Erika Kerestely: Würzburg. Stadtführer mit farbigem Stadtplan. Stürtz Stadtführer. Verlagshaus Würzburg GmbH & Co KG, Würzburg 2008. ISBN 978-3-8003-1929-9. S. 25
  7. Polyglott: Die *** Sehenswürdigkeiten Europas. Polyglott-Verlag Dr. Bolte KG, München 1987/88. ISBN 3-493-60292-8, S. 37
  8. Restaurierung der Tiepolo-Fresken
  9. Goldmünze Residenz
  10. Risalit (von ital. risalire, wieder hervorspringen), ein aus dem gesamten Bauwerk hervortretender Baukörper oder Architekturteil, der aus der Linie des Gesamten hervortritt. In der Barockzeit gerne zur Fassadengliederung von Palästen und in der einfachsten Form auch zur Gliederung von einfachen Häusern verwendet.
  11. Ein Fascis (lat. fascis „Bündel“), Plural Fasces, ist ein Rutenbündel, in dem ein Beil steckt. Fasces waren das Amtssymbol der höchsten Machthaber des Römischen Reichs und wurden diesen von ihren Amtsdienern (Liktoren) vorangetragen, weshalb sie auch Liktorenbündel genannt werden.
  12. Der Hermesstab oder Caduceus (lat. caduceus) ist ein Stab mit zwei Flügeln, der von zwei Schlangen mit einander zugewendeten Köpfen umschlungen wird.
  13. Richard Sedlmaier und Rudolf Pfister: Die Fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. München 1923, Tafelband S. 81
  14. Siehe auch Hans-Peter Trenschel: Ferdinand Tietz in Würzburg 1736-1747. Beiträge zum Frühwerk des Bildhauers, S. 13 ff
  15. 15,0 15,1 Staatsarchiv Würzburg, Residenzbaurechnung 1737 (Rechn. Nr. 39465, fol. 9 und 10)
  16. Ursprünglich befand sich in der Wappenkartusche das Staatswappen des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn, heute finden wir dort die Initialen des Kurfürsten Max Joseph von Bayern.
  17. Staatsarchiv Würzburg, Residenzbaurechnung 1736 (Rechn. Nr. 39464), fol. 12
  18. Die Bekrönung der Wappenkartusche verwies auf das Staatswappen von Friedrich Karl von Schönborn. Nach dem Übergang von Würzburg an Bayern erhielt 1803 der Würzburger Maurermeister Käs den Auftrag an der Residenz die Wappen der ehemaligen Herrschaft zu beseitigen, weshalb die Wappenkartusche heute leer ist. Überliefert ist ferner, dass Käs für 171 Gulden an 114 Kartuschen die Domherrenwappen abzuschlagen hatte. Bei dieser Gelegenheit werden wohl auch die Staatswappen und Monogramme der Fürstbischöfe beseitigt worden sein. (Richard Sedlmaier und Rudolf Pfister: Die Fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. München 1923, Tafelband S. 81)
  19. Christian Naser: Das vergessene Schloss - Balthasar Neumanns Weinhändlerpalais in Zell. Verlag Könighausen & Neumann, Würzburg 2013, S. 17 ff., ISBN 978-3-8260-5297-2, (Stadtbücherei Würzburg Drl 4 Zel)
  20. Rudolf Endres, Der Fränkische Reichskreis, Hefte zur Bayerischen Geschichte, Bd.29, Haus der Bayerischen Geschichte, 2003, S.14
  21. Beginn Romantische Straße, Wuerzburg.de


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