Balthasar Esterbauer

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Balthasar Esterbauer (* um 1672, wahrscheinlich in Mettenbach (Kreis Landshut); † 1728) war ein deutscher Holz- und Steinbildhauer des Barock.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Balthasar Esterbauer war der Sohn des Schreinermeisters Joseph Esterbauer. Seine Ausbildung erhielt er wahrscheinlich in der Familienwerkstatt. Kurz vor 1700 etablierte Esterbauer seine Werkstatt in Würzburg. Er heiratete am 5. April 1701 Anna Maria Siebenlist [1] und wurde 1704 Würzburger Bürger. Die gemeinsamen Kinder hatten die Baumeister Christoph Dientzenhofer (1706), der Orgelbauer Johannes Hofmann (1709) und Balthasar Neumann (1717) als Paten.

1705 begann er seine Tätigkeiten in Stift Haug und nannte sich seit dieser Zeit Stiftsbildhauer. Bereits 1706 vergrößerte er aufgrund der gestiegenen Auftragslage seine Werkstatt. [2]

Auf Grund eines früheren Italienaufenthaltes ist Esterbauers Einfluss auf die Einführung des italienischen Stils erheblich. Sicherlich kannte er die Werke des Andrea Pozzo, Gian Lorenzo Bernini und Carlo Fontana. Esterbauer arbeitete eng mit einem etablierten Künstlerkreis zusammen, darunter die Baumeister Joseph Greising, Kilian Stauffer und vor allem Johann Dientzenhofer. Zu seinen Schülern zählte Johann Thomas Wagner.

Balthasar Esterbauer starb 1728 außerhalb Würzburgs, möglicherweise auf einer Reise; Ort und genaues Datum seines Todes sind unbekannt.

Werke[Bearbeiten]

Von Andrea Pozzo inspiriert sind der Johann-Gottfried-Altar in Kleinochsenfurt und der Dreikönigsaltar in Würzburg, von Carlo Fontana ist Stift Haug und von Gian Lorenzo Bernini die Altäre der Seiten-Kapelle in Kloster Banz. Den Höhepunkt in der Zusammenarbeit mit Johann Dientzenhofer ist vielleicht die Ausstattung der Klosterkirche Banz, deren Hoch- und Choraltar eine gemeinschaftliche Planung zugrunde liegt. Die Steinskulpturen formen einen zweiten Schwerpunkt in Esterbauers Werk, Hausfiguren unter anderem in Würzburg und Schwäbisch Hall, Garten- und Brunnenfiguren in Würzburg und Kloster Bronnbach sowie die figürliche Ausstattung an der Fassade des Fuldaer Domes (um 1710/12), in Obertheres, Kloster Bronnbach, Kloster Ebrach und Kloster Banz. Unsicher ist die Zuschreibung zahlreicher weitere Altar- und Bildwerke, so wie der Altarausstattung der Würzburger Marienrotunde (um 1700) oder die Fassadenplastik der Neumünsterkirche (nach 1712).

chronologisch
  • 1699: Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau mit Madonnenplastik über dem Bossenportal des Hof Emeringen
  • 1700: Langhausaltar im Kiliansdom (heute in der katholischen Pfarrkirche Maria Schnee in Kleinochsenfurt)
  • 1700/1701: Das konchenförmige [3] Hochaltarziborium des Würzburger Domes (1945 zerstört)
  • 1701-1702: Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau und die vier Statuen der beiden Fassaden des ehemaligen westlichen Brückentors der Alten Mainbrücke [4]
  • 1703-1710: Hochaltar, linker Seitenaltar im Hauptschiff, Altäre in den Seitenschiffen (Kreuzaltar und Marienaltar) und Kanzel der katholischen Pfarrkirche St. Stephanus in Randersacker
  • 1704-1706: Kanzel und vier Nebenaltäre der Abteikirche Kloster Bronnbach
  • 1705-1706: Der nicht erhaltene Dreikönigsaltar und das Stifterdenkmal im Würzburger Stift Haug
  • 1706-1708: Hochaltar der Kirche in Gereuth
  • 1706-1709: geschnitzte Chorbogenaltäre im Würzburger Dom (1945 zerstört)
  • 1710-1712: Wappen über dem Hauptportal des Fuldaer Doms
  • 1712: Hochaltar der Abteilkirche Kloster Bronnbach
  • 1712-1713: Hochaltar in Großcomburg
  • 1715: Barockkanzel mit den Sitzfiguren der Evangelisten in der Klosterkirche Banz
  • 1716-1718: Figuren des Salvator, der Frankenapostel und des heiligen Burkard an der Fassade von Neumünster in Würzburg [5]
  • 1721: Hauptaltar und vier Nebenaltäre mit ihren Figuren in der Klosterkirche Banz
  • 1720/28: Barocke Seitenaltäre in der katholischen Pfarrkirche St. Josef (alt) in Oberdürrbach

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Diehl: Balthasar Esterbauer. Ein Beitrag zur Künstlergeschichte des fränkischen Barock. Dissertation (maschinenschriftlich) Frankfurt am Main 1920
  • Uta Hengelhaupt, Splendor und Zier, Altarbau und kirchliche Innenausstattung im Hochstift Würzburg, 1680 - 1720, Regensburg 2008
  • Balthasar Esterbauer. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 35, Saur, München 2002, S. 191
  • Balthasar Esterbauer. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 11, E. A. Seemann, Leipzig 1915, S. 52
  • Hans-Peter Trenschel (Hrsg.): 150 Meisterwerke aus dem Mainfränkischen Museum Würzburg, Mainfränkisches Museum Würzburg 1997, S. 192

Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Trauungsmatrikel der Dompfarrei von 1701
  2. Stadtarchiv Würzburg 1706 S. 26, Domkapitelsprotokolle 1706, S. 8
  3. Erklärung zur „Konche” bei Wikipedia [1]
  4. Fortifikationsbaurechnung 1701, S. 50 und 1702, S. 40
  5. Früher schrieb man den gesamten Figurenschmuck an der Fassade von Neumünster in Würzburg Jakob van der Auwera zu (Vgl. Gertrud Krüger: Jakob van der Auwera. Ein Beitrag zur Entwicklung der Würzburger Barockplastik. Inaugural-Dissertation an der Universität Würzburg. Buchdruckerei Bavaria GmbH, Würzburg 1931, S. 29 - 33), doch nimmt die neuere Forschung feinere stilistische Ausdifferenzierungen vor und weist die Statuen des Obergeschosses mit guten Argumenten Balthasar Esterbauer zu (Vgl. Tilmann Kossatz: Die Plastik vom späten Manierismus bis zum Klassizismus in: Peter Kolb und Ernst Günter Krening (Hgg.), Unterfränkische Geschichte, Band 4/2, Würzburg 1999, S. 381 - 457, hier S. 412. Er beschreibt erstmals die stilistischen Unterschiede der oberen Figuren, des Salvator, der Frankenapostel und des heiligen Burkard, die er Esterbauer zuschreibt, zu den klar den Stil Jakob van der Auweras repräsentierenden beiden Johannes am Portal und der Himmelskönigin im Segmentgiebel.)

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