Antonio Petrini

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Stift Haug, das Hauptwerk von Antonio Petrini
Stift Haug

Antonio Petrini (* 18. November 1620 oder 17. März 1621 in Lasino bei Trient in Italien; [1]8. April 1701 in Würzburg) war ein fränkischer Baumeister italienischer Abstammung. Petrini verband italienischen Barock mit deutscher Renaissance und führte den fränkischen Barock ein.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Petrini wurde 1620 oder 1621 in Trient/Calavino geboren. Er gehörte zu einer Gruppe italienischer Bauleute, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Deutschland kamen um hier die Städte neu zu befestigten (Festungsbaumeister) und Kirchen und Paläste auszubauen. Durch ihre Werke begann eine neue Stilrichtung. [2]

Man weiss nicht genau, wann Antonio Petrini nach Deutschland kam. Im Jahre 1657 tritt Petrini in Würzburg als Schöpfer von zwei nicht ausgeführten Entwürfen der Kreuzkapelle in Eibelstadt in Erscheinung, die deutlich ein norditalienisches Gepräge aufwiesen. Das Domkapitel hatte einen sogenannten „Architekturwettbewerb“ zum Bau der Kapelle ausgeschrieben, bei dem auch Baumeister Heinrich Eberhardt, Angehöriger des Bauamtes des Domkapitels einen Bauplan abgeliefert hatte. Den Zuschlag erhielt Meister Eberhardt. Als Grund für die Auswahl erklärte das Domkapitel nur, dass Heinrich Eberhardt ein „Teutscher“ sei, mit dem reden könne und dessen Plan „so weniger umb ein Zimbliches costen würdte“ [3] als jener Petrinis. Petrini musste sich mit einer Entschädigung für seine Risse begnügen.

In den Jahren von 1662 - 1669 wirkte Petrini am Bau der Karmelitenkirche mit. Ein Jahr später, im Jahre 1670, begann Petrini mit dem Bau seines Hauptwerkes, der Kirche St. Johannes in Stift Haug. 1657 hatte Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn die alte romanische Stiftskirche abreißen lassen, da sie der geplanten Neubefestigung Würzburgs im Wege stand, und versprochen innerhalb von drei bis vier Jahren eine andere Kirche errichten zu lassen, jedoch zogen sich der Verhandlungen darüber noch über ein Jahrzehnt hin. Im April 1670 übergab Petrini seinen Ausführungsplan und erhielt dafür 240 Gulden. Am 26. April 1670 legte Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn den Grundstein zum Neubau. Bereits 1676 wurden die vergoldeten Kreuz auf die Türme gesetzt, allerdings geriet dann der Fortgang durch Probleme mit dem schwierigen Kuppelbau ins Stocken. Am 6. März 1677 legte Petrini dem Kapitel Pläne für eine größere und eine kleinere Kuppel vor. Aus finanziellen Gründen wurde die billigere Lösung gewählt. Dieser Entschluss wurde jedoch wieder umgestoßen, das Dach geschlossen und die endgültige Entscheidung auf später verschoben. Obwohl das Kapitel noch keine Entscheidung gefällt hatte, ließ Petrini die Steine für den Kuppelbau vorbereiten. Den Protokollen des Kapitels ist zu entnehmen, dass „ein Gewölbe“ geschlossen und „ein Kranz“ fertiggestellt wurde. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um den Kuppelbau handelte, der um das Jahr 1683 beendet war. Am 5. August 1691 wurde Stift Haug von Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg geweiht. Nach mehr als zwanzig Jahren Bauzeit war die neue Stiftskirche, das Hauptwerk Antonio Petrinis und der erste große Kirchenbau des Barock in Franken, vollendet.

Inzwischen war Antonio Petrini durch den Erwerb von Grundbesitz in Würzburg ansässig geworden. 1674 hatte er ein Haus erworben, das er allerdings bereits im Jahr darauf wieder veräußerte. 1677 wurde es Petrini gestattet, den alten Pfarrhof des Stiftes Haug nach seinen Wünschen und Notwendigkeiten umzubauen und für vier Jahre zu bewohnen. [4] 1685 kaufte Petrini das Haus „uffm Marckh“, das er im gleichen Jahr durch einen Neubau ersetzte, aber im Jahre 1693 an Johann Grießling weiterverkaufte. Petrini war ein geschäftstüchtiger Mann, der Gebäude erwarb und diese nach seiner Umgestaltung mit Gewinn wieder verkaufte.

Antonio Petrini hat fast ein halbes Jahrhundert in Franken gelebt und wurde bis zuletzt bei allen großen Bauaufträgen hinzugezogen. Am 8. April 1701 starb Antonio Petrini und wurde in der ehemaligen, 1824 abgebrochenen Karmelitenkirche St. Barbara, die seinem einstmaligen Wohnhaus benachbart war, bestattet.

Werke und Aufgaben[Bearbeiten]

1650
Außenseite des Neutors
1651
Weitere Bauten der Bastionärsbefestigung
1657
Pläne für die Kreuzkapelle in Eibelstadt. Für die Kreuzkapelle fertigte Petrini zwei Auswahlentwürfe: ein einschiffiger Längsbau mit quadratischem Chor und andererseits ein achteckiger Zentralbau mit hoher Kuppel. In letzterem zeigen sich bereits deutlich die späteren Bauformen von Stift Haug. Aus Kostengründen kam die Kreuzkapelle nicht zur Ausführung.
1660
Zitadellentor in Mainz [1]
1662
Festungstor von Kronach
1662-1669
Karmelitenkirche (Reuererkirche). Sie gilt als frühester Barockbau in Mainfranken und wird eindeutig Petrini zugeordnet, auch wenn seine Urheberschaft nicht schriftlich belegt ist.
1664
Zeller Tor
1667-1669
Franziskanerkirche in Paderborn
1668-1670
Klosterbau der Franziskaner in Worbis
1668-1673
Petersberger Tor in Erfurt
um 1670
Dietricher Spital am Marktplatz
1670-1677
Klosterkirche der Franziskaner in Worbis
1670-1690
Klosterkirche der Zisterzienserinnen in Anrode
1670-1691
St. Johannes in Stift Haug
1672
Neugestaltung des Innenraumes der Klosterkirche der Zisterzienserinnen in Beuren
1673-1679
Klosterbau der Zisterzienserinnen in Beuren
1677
Pläne für eine Neugestaltung der Fassade des Kiliansdoms, die nicht zur Ausführung kamen.
1677-1682
Ehemaliges Kollegiatsstiftskirche St. Stephan, Bamberg. Die Kirche bestand bereits aus einem romanischen Turm und einem Chor aus dem Jahr 1628, die Bauarbeiten waren dann durch den 30jährigen Krieg unterbrochen. Petrini erhielt 1677 den Auftrag zur Vollendung des Kirchenbaus. Nicht umgesetzt wurde dabei die urspüngliche Planung einer Kuppel über der Vierung. Ausführender „erster Pallier“ vor Ort war Hieronymus Turra, Petrinis Schwager. Geweiht wurde die Kirche erst im Jahr 1717. [2]
um 1680
Burkarder Tor
1680-1683
Pfarrkirche in Wiesentheid (Umbau und Erweiterung der damaligen gotischen Pfarrkirche, später entstand hier ein barocker Neubau durch Balthasar Neumann)
1681
Pläne für die Jesuitenkirche in Paderborn
1681-1683
Pfarrkirche in Breitenworbis
1685
Petrinis Wohnhaus am Marktplatz
1686-1689
Kreuzkapelle in Wiesentheid (Neubau)
1686-1693
Evangelische Stadtkirche in Kitzingen (Neubau als Kirche des Ursulinerinnenklosters) [3]
1687
Franziskanerkirche in Miltenberg. Das Langhaus war bereits 1667 begonnen worden. Urkunden belegen, dass Petrini zumindest den Unterbau des Chores schuf, dessen Grundsteinlegung auf 1687 datiert ist. Die Überwölbung des Chores erfolgte erst im Jahr 1707.
1687-1701
Schloss Seehof (Marquardsburg) [4]
1688-1691
Umbau und Neugestaltung der damaligen Klosterkirche der Augustiner (Ecke Augustinerstraße/Wirsbergstraße)
ab 1691
Petersbau, Münzstraße 1
1694
Deutschordenskomturei, Zeller Straße 38
1696
Hof Zum Hackenbrunnen, Sandgasse 8
1696-1701
Neubaukirche (Universitätskirche)
ab 1699
Rosenbachhof, Residenzplatz
1699
Hof Emeringen, Martinstraße
1699-1701
Juliusspital. Wiederaufbau und Neugestaltung des Nordtrakts inklusive Fürstenbau nach Zerstörung durch einen Brand. Der Bau wurde nach Petrinis Tod von Joseph Greising vollendet.
1699-1703
Hauger Kapitelhaus Bahnhofstraße
ab 1700
Schlößchen am Rennweg. Etwa am heutigen Standort der Residenz als Wohnsitz des Fürstbischofs errichtet. Es wurde jedoch wegen starker Senkungen des Baugrundes nicht bezogen und wieder abgebrochen.
Ende 17. Jahrhundert
Bechtolsheimer Hof, Hofstraße 16

Ehrungen[Bearbeiten]

Der „Antonio-Petrini-Preis“, der Architekturpreis der Stadt Würzburg, erinnert an den Baumeister und seine Bedeutung für Würzburg und Franken.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

(nach Erscheinungsjahr)

  • Clemens Schenk: Petrini - Geising. Bauanalytische Untersuchung zum Würzburger Barock. Univ. Dissertation, Würzburg, 1922.
  • Lili Götz: Antonio Petrini, ein Beitrag zur Geschichte der Barockarchitektur in Franken. Univ. Dissertation, Frankfurt a/M, 1923.
  • Albrecht Braun: Antonio Petrini, der Würzburger Baumeister des Barock und sein Werk. Inaugural-Dissertation an der Philosophische Fakultät der Universität Würzburg. Wien, 1934 (Universitätsbibliothek 20/NZ 99359 B825)
  • Lucia Longo: Antonio Petrini architetto (Calavino di Trento 1621 - Würzburg 1708); Trento, 1974.
  • Lucia Longo: Antonio Petrini. Ein Barockarchitekt in Franken. Schnell & Steiner; München, Zürich, 1985. ISBN 3-7954-0374-X (Stadtbücherei Würzburg Drm Pet)
  • Hanswernfried Muth: Antonio Petrini; in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 51 (1999), S. 243-250. Auch erschienen als Einzelpublikation „Liebhaberdruck aus dem Echterhaus“ 1968 (Universitätsbibliothek 20/NZ 99359 M992)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zum Geburtsdatum von Antonio Petrini schreibt Lucia Longo in ihrem Buch Antonio Petrini. Ein Barockarchitekt in Franken: „In den Pfarrbüchern von Calavino, der Urpfarrei für die umliegenden Dörfer - wie Sarche, Lasino, Cavedine, Padergnone und Madruzzo - kommt sehr häufig das Geschlecht Pedrini Omnes de Lasino vor; alle Mitglieder waren also bis zurück ins 16. Jahrhundert aus Lasino gebürtig. Aus dem Taufbuch der Jahre 1616-1636 geht hervor, dass ein Antonius Pdrinus, der Sohn des Balthassaris, genannt de Chemotis, und seiner Ehefrau Antonia, am 17. März 1621 geboren wurde. Schon ein Jahr früher, am 18. November, wurde ein Antonius filius Jacobi Pedrini, ebenfalls chemot genannt und deshalb ein Angehöriger der gleichen Familie, geboren. Einer der genannten könnte der zukünftige Baumeister von Würzburg gewesen sein. Welcher von beiden, ja ob überhaupt einer von ihnen nach Würzburg gegangen ist, kann jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.“
  2. Siehe hierzu auch den Artikel Pietro Magno.
  3. Staatsarchiv Würzburg, Protokollbücher des Würzburger Domkapitels, 12. Juli 1657, fol. 254v)
  4. Staatsarchiv Würzburg, Stift Hauger Protokolle 1677, fol. 264‘