Johann Maximilian von Welsch

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Johann Maximilian von Welsch (* 23. Februar 1671 in Kronach; † 15. Oktober 1745 in Mainz) war ein deutscher Architekt, Oberbaudirektor und Festungsbaumeister. Er gilt als bedeutender Vertreter des barocken Festungsbaus im Heiligen Römischen Reich, machte sich daneben auch mit dem Bau von Schlössern einen Namen und gilt als Architekt der Schönborn-Bischöfe.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Welsch wurde 1671 in eine kleinbürgerliche Familie in Kronach hineingeboren. Der Vater, bambergischer Feldwebel und nach seiner Entlassung Kaufmann, trat in die fürstbischöfliche Verwaltung ein. Von 1676 an wuchs Maximilian in Bamberg auf. Dort besuchte er die Lateinschule und studierte von 1690 bis 1692 an der Jesuitenhochschule, an der er wahrscheinlich den untersten akademischen Grad eines Bakkalaureus [1] der Philosophie erwarb. Hier lernte Welsch aber auch in den Fächern Mathematik, Geometrie und Physik, die für das wissenschaftliche Befestigungswesen und die Baulehre sehr nützlich waren.

Ende 1692 trat der junge Welsch auf Anraten seines Vaters, der beim Militär realistische Aufstiegschancen seines Sohnes sah, als Leutnant in ein Kürassierregiment [2] ein. Bis 1699 erwarb er sich, zuletzt bei den Dragonern stehend, Erfahrungen als Frontoffizier und Ingenieur am Oberrhein, in Savoyen und Ungarn. Nachdem die Türkenkriege [3] beendet waren traf er in Ungarn auf den Prinzen Johann Wilhelm von Sachsen-Gotha [4], in dessen Gefolge er einen großen Teil von Europa kennenlernte. Er reiste mit ihm in den Jahren 1699 bis 1700 von Ungarn über Wien, Gotha, Holland und Belgien nach England und Frankreich. Im Grenzgebiet zwischen Frankreich und den spanischen Niederlanden besichtigte er zahlreiche Festungen, die zu dieser Zeit zu den modernsten und kurz zuvor im Krieg hart umkämpften gehörten.

Welsch hatte es zwischenzeitlich zum Hauptmann gebracht und lernte die bedeutenden norddeutschen und nordeuropäischen Residenzen und Städte kennen: Hannover, Celle, Berlin, Stockholm, Hamburg und Reval sowie Breslau und wiederholt Wien.

Welsch als Festungsbauer[Bearbeiten]

Welsch, der sich seit 1703 um eine Anstellung in seiner Heimat bemühte, galt als allseitig gebildeter und erfahrener weltgewandter Offizier, der besondere Fähigkeiten auf dem Gebiet des Fortifikationswesen [5] mitbrachte. Dies veranlasste 1704 den Kurfürsten und Erzbischof von Mainz und Fürstbischof von Bamberg Lothar Franz von Schönborn, Welsch für den Ausbau und die Vollendung der Festung Mainz in die kurfürstliche Residenzstadt zu holen, da man jederzeit wieder mit Kriegszügen rechnete. Welsch wurde dabei von Ingenieur-Oberstleutnant Luttig, Ingenieur-Oberst Gerhard Cornelius von Walrave und weiteren Ingenieuroffizieren unterstützt. [1] 1714 waren die Planungen für die Festung Mainz abgeschlossen und Welsch reiste mit dem Plan über Bamberg nach Wien, um ihn dem Kaiser unter Befürwortung des Prinzen Eugen und des Reichsvizekanzlers Friedrich Karl von Schönborn vorzulegen.

Nach dem Tod von Lothar Franz von Schönborn bewirkte der Ausbruch des Polnischen Thronfolgekrieges [6] 1734 eine intensive Tätigkeit im Festungsbau. Welschs Verdienste um den Mainzer Festungsbau waren so groß, dass sie im Adelsbrief vom 9. September 1714, den er in Wien mit großem Eifer erstritt, eigens erwähnt wurden. Gleichzeitig mit der Erhebung in den Adelsstand wurde Welsch zum kaiserlichen Oberstleutnant ernannt und ihm die Aufsicht über die Oberrheinischen und anderen Reichsfestungen übertragen.

Der Ruf von Welsch als Festungsbaumeister war so groß, dass er auch als Berater auswärtiger Anlagen herangezogen wurde. Für Würzburg machte er verschiedene Vorschläge. Bei einem Besuch im Februar 1720 ritt er gemeinsam mit Balthasar Neumann um die Stadt um die Situation zu besehen und fertigte von 1720 bis 1726 sechs Pläne für die Verstärkung der Festung Marienberg. [2] [3] Aufgrund der eiligeren Befestigung der Stadt und der neu begonnenen Residenz wurden die von Welsch vorgeschlagenen Außenwerke der Festung Marienberg aufgeschoben und kamen auch später nicht mehr zur Ausführung. Von 1724 bis 1730 wurde nach dem Entwurf von Welsch der Maschikuliturm von Balthasar Neumann zur Sicherung der Südflanke der Festung Marienberg errichtet.

Welsch als Architekt profaner und kirchlicher Bauten[Bearbeiten]

Mit dem Titel eines Kurmainzischen und Bamberger Oberbaudirektors (bis 1729) war von Welsch auch für viele Schlossneu- und -ausbauten verantwortlich. Ab 1711 war er gemeinsam mit Johann Dientzenhofer, mit dem er schon gemeinsam an der Mainzer Favorite gebaut hatte, am Bau von Schloss Weißenstein in Pommersfelden beteiligt sowie an der Planung und Gestaltung des Pommersfelder Gartens. Ferner baute er für Georg August Samuel von Nassau-Idstein das Schloss Idstein aus und arbeitete am Mittelbau von Schloss Biebrich in Wiesbaden-Biebrich mit. Auch an der Würzburger Residenz und der Fuldaer Orangerie war Welsch zumindest ausgestaltend tätig.

1718 plante Johann Philipp Franz von Schönborn schon als Dompropst die Schönbornkapelle am Nordquerhaus des Würzburger Kiliansdoms zur Begräbnisstätte für sich und die Familie Schönborn. Erhalten sind die beiden Risse von Welsch, die er im Rahmen seiner Tätigkeit als Berater des Fürstbischofs in den Jahren 1721 und 1722 geschaffen hat. Die Grundsteinlegung zur Schönbornkapelle erfolgte am 4. Juni 1721. Balthasar Neumann, der die Schönbornkapelle später ausführte, übernahm den Aufriss Welschs weitgehend.

Spätestens ab den 1720er Jahren wurde Maximilian von Welsch jedoch immer häufiger vom aufstrebenden Balthasar Neumann verdrängt, dem wohl bedeutendsten barocken Baumeister im heutigen Deutschland. Bereits geplante Projekte wurden von Neumann übernommen, die dieser jedoch nur stark modifiziert ausführte oder vollständig neu plante, wie beispielsweise die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen [7]. Die Kirche in Amorbach (begonnen 1742) geht auf von Welschs Entwürfe zurück, ihre Vollendung erlebte er jedoch nicht mehr.

Tod und Begräbnis[Bearbeiten]

Johann Maximilian Ritter und Edler von Welsch starb am 15. Oktober 1745 in Mainz. Noch am selben Tag fand er in der dortigen Quintinskirche hinter dem zu Lebzeiten entworfenen Hochaltar seine Grabstätte. Das letzte Lob, das über Welsch ausgesprochen wird, wurde in dem sehr knapp gehaltenen Totenbuch von St. Quintin in Mainz durch Weihbischof Christoph Nebel am 15. August 1745 eingetragen:

„Welsch, Direktor der Militärarchitektur und in der Kriegs- und Zivilbaukunst gleichermaßen erfahren, sei durch Frömmigkeit und Freigiebigkeit gegen die Armen sehr berühmt gewesen.“
(„Excellentissimus D. Maximilianus de Welsch excubiarum extremus praefectus et dux legionis pedestris architecturae militaris director, vir architectura tam bellica quam civili, pietate et liberalitate in pauperes maxime celebris.“)

Werke[Bearbeiten]

  • Festungsbau:
    • Festung Mainz [8]
    • Festung Rosenberg (Kronach) [9]
    • Festung Forchheim [10]
    • Zitadelle Petersberg (Erfurt) [11]
    • Festung Kehl [12]
  • Schlösser, Orangerien und Gärten
    • Schloss Idstein [13]
    • Schloss Biebrich, samt Orangerie und Schlossgarten in Wiesbaden-Biebrich [14]
    • Lustschloss Favorite in Mainz (1793 geschleift) [15]
    • Schloss Bruchsal (Entwürfe und erste Ausführungen) [16]
    • Würzburger Residenz (teilweise baukünstlerische Ausgestaltung)
    • Schloss Weißenstein in Pommersfelden (Marstall) [17]
    • Orangerie Fulda
  • Adelspalais und Regierungsbauten
    • Wambolder Hof, ehemaliger Domherrnhof in Worms
    • Kurmainzische Statthalterei in Erfurt (Ausbau zu einer Vierflügelanlage) [18]
    • Teile der Kommende des Deutschen Ordens in Frankfurt am Main-Sachsenhausen [19]
    • Neues Zeughaus Mainz [20]
    • Torhaus von Haus Stapel, Havixbeck [21]
  • Kirchliche Einrichtungen
    • Kloster Amorbach, unter anderem Barockisierung der Kirche und Umgestaltung der Kirchtürme (1742–1745) [22]
    • Hochaltäre in der Mainzer Kartause (heute in der Einhard-Basilika in Seligenstadt) [23], der Mainzer Quintinskirche [24] und in der Stiftskirche von Ellwangen [25]

Entwürfe[Bearbeiten]

  • Festungsbau:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alfred Börckel: Mainz als Festung und Garnison von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Verlag von J. Diemer, Mainz 1913, S. 71
  2. E. Chr. Vollmer: Maximilian von Welsch plant für die Festung Marienberg in Würzburg. in: Kunst und Kultur am Mittelrhein. (= Festschrift Fritz Arens), Worms 1982, S. 122 - 131 mit Abbildung aller Pläne.
  3. Franz Seberich: Die Stadtbefestigung Würzburgs II. Mainfränkische Hefte 40, Hrsg.: Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 1963, S. 71 f. und 226

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