Alte Mainbrücke

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Brücke vom Mainkai aus gesehen mit Festung Marienberg
Blick über die Alte Mainbrücke auf die Altstadt
Auf der Alten Mainbrücke
Alte Mainbrücke mit Blick auf den Kiliansdom

Die Alte Mainbrücke ist die älteste Brücke in Würzburg und verbindet das Stadtzentrum mit dem Mainviertel und dem Marienberg, auf dem die Festung steht. Über Jahrhunderte bildete sie einen der wichtigsten Verbindungswege im Stadtgebiet. Sie wurde vom Baumeister Enzelin im 12. Jahrhundert errichtet. Teile der heutigen Brücke stammen noch von diesem ersten Bau.

Die Alte Mainbrücke ist eines der Wahrzeichen Würzburgs. Berühmt ist sie insbesondere wegen der „Brückenheiligen“, 12 überlebensgroßer Steinfiguren von Persönlichkeiten (nicht ausschließlich Heiligen), die teils in enger Beziehung zu Würzburg standen. Sie schmücken seit dem 18. Jahrhundert die Plattformen über den Brückenpfeilern.

Heute ist die Brücke als Teil der Fußgängerzone für den motorisierten Verkehr gesperrt. Der Blick geht stadteinwärts durch die Domstraße direkt auf die Fassade des Doms. Menschen mit eingeschränkter Sehkraft können sich durch das Tastmodell am linksmainischen Aufgang einen Eindruck des Bauwerks verschaffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis um 1120 musste jeder, der den Main überqueren wollte, eine Furt überwinden oder sich mit Schiffen oder Flößen übersetzen lassen. Bis zur Zeit der Staufer waren Brücken eine Seltenheit, oberhalb von Würzburg gab es überhaupt keine Möglichkeit, trockenen Fußes über den Main zu gelangen. Dabei konzentrierten sich gerade hier bedeutende überregionale Handelsströme. Neben den Waren, die auf dem Fluss selbst transportiert wurden, verlief durch Würzburg eine große Handelsverbindung von Südosten ins Rheingebiet. Zusätzlich kreuzte eine Straße, die den Norden über den thüringischen Raum mit dem Süden und Südwesten verband, die Stadt. Der Fluss stellte also für den stark anwachsenden Handelsverkehr im 12. Jahrhundert ein Hemmnis dar. Eine Brücke musste den Verkehr entlasten und die Attraktivität von Würzburg deutlich steigern. Auch wenn die Anstrengungen und Baukosten enorm waren, hoffte man, dass die Kosten über Steuern und Zölle wieder hereinkommen würden.

Was wir an schriftlichen Nachrichten über den Bau besitzen, ist nicht viel. Eine einzige Urkunde von Bischof Embricho kündet vom Bau und seinem Baumeister. Nur im Nebensatz verlautbart die Urkunde, dass der weithin berühmte Baumeister Enzelin die Brücke errichtet hatte. 1133 war die Brücke demnach fertiggestellt. Weitere Quellen zur Person Enzelins sind nicht vorhanden. (Nach neuerer Interpretation der mittelalterlichen Texte war Enzelin nicht der bauausführende Werkmeister, sondern der Bauverwalter. Siehe Artikel Enzelin)

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die steinerne Mainbrücke war 179 Meter lang. Acht gewaltige Pfeiler trugen Steinbögen, die bis zu 15 Meter überspannten. Zwei große Rampen zu beiden Seiten sorgten für den Aufgang zur Brücke. Zum Marienberg hin wurde bereits im 12. Jahrhundert die Godehardskapelle errichtet. Auf der Brücke wurden zu beiden Seiten Brückentore angebracht, mit denen die Zugänge gesichert und der Brückenzoll kassiert wurden.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Durch die winterliche Vereisung und die zahlreichen starken Hochwasser im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Brücke zunehmend geschwächt. Beim Magdalenenhochwasser am 22. Juli 1342 wurde die Brücke komplett zerstört [1]. Schließlich waren fast alle Brückenbögen zerstört, eine provisorische Holzkonstruktion überspannte die Brückenpfeiler. Ausbesserungsarbeiten wurden begonnen, zogen sich aber wegen mangelnder finanzieller Mittel über Jahrzehnte hin und verbesserten die Situation kaum. 1468 musste eine Verkehrsbeschränkung verhängt werden. Fürstbischof Rudolf von Scherenberg sorgte schließlich für einen Neubau der Brücke ab 1476. Zahlreiche Schwierigkeiten während der Baus verzögerten die Fertigstellung. Die Steinbögen waren erst im Jahr 1703 wieder komplett. Ab 1725 wurde die Brücke mit den 12 Heiligenfiguren geschmückt.

Im Rahmen der Entfestigung der Stadt wurde im Mai 1869 das äußere Brückentor auf linksmainischer Seite abgerissen. 1875 wurde rechtsmainisch die sogenannte Silberstiege angebaut, eine Podesttreppe als Aufgang vom Oberen Mainkai. Der Name Silberstiege rührt daher, dass die Baukosten sich letztlich auf das Doppelte des Voranschlags beliefen.

Bis zur Fertigstellung der Luitpoldbrücke/Friedensbrücke 1888 sowie der Ludwigsbrücke/Löwenbrücke 1894 blieb die Alte Mainbrücke die einzige Brücke Würzburgs und ohne weitere nennenswerte Schäden bis zum 2. Weltkrieg erhalten. Am 2. April 1945 wurden der vierte und fünfte Brückenbogen durch deutsche Truppen gesprengt. Dabei wurden auch die Brückenheiligen beschädigt. Der Einmarsch der amerikanischen Armee wurde durch die Sprengung aber kaum verzögert, die Lücke durch Stahlträger schnell überbrückt. Bis 1950 wurde die Alte Mainbrücke restauriert. 1978 waren auch alle Figuren wieder hergestellt. Seit 1992 gehört die Brücke zur Fußgängerzone, bereits ab Juni 1990 durfte die Brücke nicht mehr von Kraftfahrzeugen befahren werden. [2]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Alte Mainbrücke ist eine Steinbogenbrücke mit einer Länge von 185 Metern und einer Breite von insgesamt ca. 7,5 Metern (Fahrbahnbreite etwa 4 Meter).

Die Brücke besteht aus acht Bögen, wovon zwei Bögen mit Natursteinen verkleidete Stahlbetongewölbe sind. Die Fundamente und Steinpfeiler sind wiederum aus Muschelkalk, der aus einem Eibelstädter Steinbruch kam.

Rechtsmainisch überspannt ein Bogen den Mainkai. Trotz der zuvor mehrfach angegebenen Durchfahrtshöhe von 3,1 Meter (an den Seiten 2,5 Meter) haben sich in regelmäßigen Abständen Kleintransporter und Lastkraftwagen am Brückenbogen festgefahren. Die Berufsfeuerwehr besitzt wegen der geringen Durchfahrtshöhe Drehleitern in niederer Bauweise, um im Notfall unter der Alten Mainbrücke hindurchfahren zu können.

Linksmainisch befindet sich unterhalb des letzten Brückenbogens die Schleuse Würzburg.

Das ehemalige westliche Brückentor[Bearbeiten]

Mit dem Bau des ehemaligen westlichen Brückentors wurde 1701 begonnen. Das Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau und die vier Statuen der beiden Fassaden stammen von Balthasar Esterbauer. [3] Durch Flügelmauern war das Tor rechts und links an die Mainmauer angeschlossen und stellte mehr eine Sperre denn ein aktives Verteidigungswerk dar. Die Plattform mit umlaufender Brustwehr hatte zwar einige Schießscharten, allerdings konnten nur leichte Geschütze aufgestellt werden. Eine weitere Verteidigungsmöglichkeit bestand vom Brückentor nicht. Bis 1865 besaß das Tor nur eine zentrale Durchfahrt, dann wurden nach längerem Widerstand des Militärs zwei seitliche Durchgänge für Fußgänger durchgebrochen. Vier Jahre später, im Mai 1869, fiel der gesamte Bau den Verkehrsnotwendigkeiten zum Opfer.

Die Brückenheiligen[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Den Auftrag für den Entwurf von 12 Heiligenfiguren gab der Fürstbischof Christoph Franz von Hutten 1725 an Clemens Anton Lünenschloß. Daraufhin schufen Johann Sebastian Becker und Volkmar Becker zunächst die sechs Figuren der Südseite: St. Totnan, St. Kilian, Patrona Franconiae (als Immaculata), St. Kolonat, St. Burkard und St. Bruno. Nach dem Tod des Fürstbischofs von Hutten 1729 führte Friedrich Karl von Schönborn die Planungen fort. Für die Nordseite wählte er Pipinus, St. Fridericus, den Hl. Josef, St. Nepomuk, Carolus Borromäus, und Karl den Großen. Sie wurden von Claude Curé geschaffen. Nicht umgesetzt wurden die ursprünglich von Hutten gewünschten St. Christophorus, St. Aquilin und Bischof Arn. Wegen starker Verwitterung des verwendeten Sandsteins wurden alle Figuren zwischen 1852 und 1926 erneuert.

Figuren[Bearbeiten]

Alle Figuren sind aus fränkischem Sandstein und im Schnitt 4,50 Meter hoch. [4] Vor allem in jüngster Vergangenheit waren einzelne Heiligenfiguren immer wieder Ziel mutwilliger Beschädigungen gewesen, was von abgebrochenen Fingern bis hin zu gestohlenen Utensilien (Schwert, Dolch, Strahlenkranz) reichte. Laut Stadtverwaltung entstehen dadurch jährliche Kosten von mehreren Tausend Euro - die Täter konnten in den wenigsten Fällen ermittelt werden. [5]

Totnan (geb. in Irland; † um 689 in Würzburg den Märtyrertod), war neben Kolonat der Begleiter des Missionsbischofs Kilian, der Frankenapostel schlechthin. Totnan ist Mitpatron des Bistums Würzburg. Kilian, Totnan und Kolonat haben ihren Gedenktag am 8. Juli.
Wie seine beiden Begleiter Totnan und Kolonat stammt Kilian aus Irland und christianisierte Teile Frankens. Er starb den Märtyrertod mit Totnan und Kolonat.
Kolonat (geb. in Irland; † um 689 in Würzburg den Märtyrertod), war neben Totnan ein Begleiter des Missionsbischofs Kilian, der Frankenapostel schlechthin. Kolonat ist Mitpatron des Bistums Würzburg. Kilian, Totnan und Kolonat haben ihren Gedenktag am 8. Juli.
  • St. Johannes von Nepomuk
Für dessen Heiligsprechung 1729 hatte sich Friedrich Karl von Schönborn stark gemacht.
  • St. Fridericus
Namenspatron des Fürstbischofs von Schönborn
Er hat das junge Bistum Würzburg nach seiner Gründung finanziell und materiell großzügig unterstützt.
  • St. Carolus Borromäus
Namenspatron des Fürstbischofs von Schönborn
erster Bischof von Würzburg
Gedenktag: 14. Oktober
Bischof von Würzburg, Fundator des heutigen Doms
Attribut: Bibel
Gedenktag: 27. Mai
als Begründer des Frankenreiches
  • Joseph mit Jesuskind
  • Jungfrau Maria
als die „Herzogin von Franken"

Wappen[Bearbeiten]

Die Sockel der Statuen auf der Südseite sind mit dem Wappen des Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten geschmückt. Fünf Sockel der Nordseite tragen das Wappen des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn, ein Monogramm des selben befindet sich bei der Statue des Hl. Josef.

Fotogalerie Figuren[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Feste und Aktivitäten, die auf der Alten Mainbrücke - bzw. im direkten Umfeld - stattfinden:

Einzelhandel und Gastronomie[Bearbeiten]

rechtsmainisch (Innenstadtseite):

linksmainisch (Mainviertel):

Brückenschoppen[Bearbeiten]

Der Brückenschoppen ist ein bei Einheimischen wie Touristen beliebtes Wein-Angebot der Gastronomiebetriebe Alte Mainmühle, Mainwein (Initiator) und der Vollkornbäckerei Köhler. Hierbei wird auf der Alten Mainbrücke Frankenwein (alternativ auch Hugo oder Spritz) in Schoppengläsern (0,25 Liter, mit Pfand) ausgeschenkt, der auf der Brücke getrunken werden kann. Das Angebot ist derart beliebt, dass es oftmals zu einem starken Andrang kommt, der wiederum Probleme mit sich bringt: Das überqueren der Brücke mit Fahrrad (die Brücke ist ein offizieller Fahrradweg) oder Kinderwagen bzw. Rollstuhl wird durch die Schoppentrinker erschwert und von den auf der Brüstung abgestellten Gläsern gehen weitere Gefahren aus (Glasscherben, Herabfallen auf den Oberen Mainkai). Die Gastronomen haben sich deshalb freiwillig dazu bereiterklärt, die Anzahl der gleichzeitig ausgegebenen Gläser zu begrenzen und je nach Bedarf einen privaten Sicherheitsdienst („Brücken-Wächter“) zu beschäftigen. [7] Gegenwärtig ist jedoch kein Sicherheitsdienst mehr im Einsatz.

Sehr kontrovers diskutiert und letztlich vom Stadtrat mehrheitlich abgelehnt wurde im Sommer 2016 ein Antrag der CSU-Stadträte Kurt Schubert und Emanuele La Rosa, die Brücke für Fahrradfahrer zu sperren und lediglich noch das darüberschieben der Fahrräder zu erlauben.

Auf großes Unverständnis stießen auch zwei von der Stadt Würzburg an den Brückenrampen angebrachte Schilder mit der Aufschrift „Zu viel Leut' da schieb ich heut“. Unter anderem ADFC Kreisverband Würzburg, VCD, die Arbeitsgruppe Radverkehr der Agenda 21 und der Bund Naturschutz kritisierten diesen einseitigen, nur an die Fahrradfahrer gerichteten Appell und kreierten einen Gegenvorschlag.[8]

Ehemalige Gastronomie[Bearbeiten]

Ehemalige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Bauersche Buchdruckerei (Besitzer: Franz Bauer), An der Mainbrücke (3. Distrikt Nr. 269 [9]) [10]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste von Brückeneinstürzen auf wikipedia.org
  2. Main-Post: „80er Jahre: Damals ging es noch mit dem Auto über die Alte Mainbrücke“ (29. November 2014)
  3. Fortifikationsbaurechnung 1701, S. 50 und 1702, S. 40
  4. Main-Post: „Die Brückenheiligen“ (27. September 2012)
  5. Main-Post: „Amputierte Brückenheilige kosten viel Geld“ (9. Februar 2011)
  6. Homepage der Fischerzunft Würzburg
  7. Main-Post: „Brückenschoppen: Stadt Würzburg gibt sich tolerant“ (4. April 2014)
  8. Würzburg erleben: „Alte Mainbrücke: Statement von Radverkehrsorganisationen und Bund Naturschutz“
  9. heute: Oberer Mainkai (Modehaus Wöhrl)
  10. Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern (1831), Nr. 12, Würzburg: C. A. Bonitas'sche Buchdruckerei, Sp. 231

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