Michael Joseph Auwera

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Michael Joseph Auwera (* 31. Dezember 1748 in Aub; † 28. Juni 1813 in Bad Mergentheim) war ein fränkischer Bildhauer und entstammte der Auber Bildhauerfamilie Auwera.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Michael Joseph Auwera - auch Michael Joseph van der Auwera - wurde am 31. Dezember 1748 in Aub als zweiter Sohn des Bildhauers Johann Michael Joseph van der Auwera und seiner Frau, der Weberstochter Maria Anna, geborene Ley aus Aub, geboren und am gleichen Tag im elterlichen Hause notgetauft. [1] Er war der Bruder von Johann Georg Auwera. Als Taufpate fungierte der fürstbischöflich-würzburgerische Alumnus Joseph Ley aus Aub, der ein Verwandter seiner Mutter war. Michael Joseph wuchs im Waisenhaus des Juliusspitals in Würzburg auf. Diese Einrichtung stand nicht nur Waisen, sondern auch den Kindern weniger betuchter Untertanen bis in das 15. Lebensjahr offen und war wegen ihrer guten Schule gefragt. [2]

Nachdem Johann Georg nach der Rückkehr von seiner Wanderschaft im Jahre 1764 im Alter von 23 Jahren im Frühjahr oder Sommer 1764 die Werkstatt seines Vaters übernommen hatte, ging Michael Joseph sehr wahrscheinlich bei seinem Bruder in Aub in die Lehre und verbrachte auch die anschließenden Gesellenjahre ununterbrochen in Aub. Wie dem Vertrag über die beiden Seitenaltäre in der Pfarrkirche von Gaubüttelbrunn aus dem Jahre 1773 zu entnehmen ist, war Michael Joseph auch nach dem meisterfähigen Alter von 23 Jahren noch bei seinem Bruder tätig, denn es wird eigens ein „Laubenthaler” für seine Mitarbeit aufgeführt. [3] Für seine weitere Ausbildung suchte Michael Joseph noch im gleichen Jahr nach Unterstützung und hoffte, diese bei der Hofkammer in Würzburg zu finden. [4] Über den Verlauf der Wanderjahre und Ausbildung bei anderen Meistern ist nichts näheres bekannt, es scheint jedoch sicher, dass sein Vetter Johann Peter Wagner Einfluss auf ihn genommen hat. Seit Mitte der 1780er Jahre arbeiteten Johann Georg und Michael Joseph wieder zusammen. So ist seine Mitarbeit an Hofgartenfiguren in Bad Mergentheim überliefert. Dort überließ ihm aber sein Bruder ab 1780/81 ganz das Feld. Die erste bekannte Arbeit von Michael Joseph in Bad Mergentheim ist auf den 26. Oktober 1780 datiert und am 29. März 1784 wurde er als Bürger und Bildhauermeister in Bad Mergentheim aufgenommen.

Am 5. Mai 1794 heiratete Michael Joseph im Alter von 46 Jahren die vermögende Elisabeth Lochner. Deren Vater, ebenfalls aus Aub stammend, war Metzgermeister und Ratsherr in Bad Mergentheim. Im Ehevertrag verpflichtete sich Michael Joseph, den vier Jahre alten unehelichen Sohn der Braut nach der Hochzeit zu adoptieren. Durch die bereits zu Beginn der 1780er Jahre ungünstige Auftragslage zögerte Michael Joseph sich endgültig in Bad Mergentheim niederzulassen, vor allem, weil diese sich zunehmend durch die Sparmaßnahmen des ganz im Geist der Wiener Aufklärung regierenden Landesherrn Maximilian Franz [1], dem jüngsten Bruder Kaiser Josephs II., verschlechterte. [5] Zwar hatte Auwera die relativ vermögende Heirat kurz vor den Napoleonischen Kriegen [2] vor dem Schlimmsten geschützt, doch befand er sich bereits 1805 in Not. Im selben Jahr wandte er sich mit einem Bittgesuch an Erzherzog Anton Victor um Anstellung als Hofbildhauer, jedoch ließ man dieses „bis auf bessere Zeiten” auf sich ruhen. [6] Im Jahre 1809 verlor Bad Mergentheim seinen Charakter als Residenzstadt, was für Michael Joseph zur Folge hatte, dass die höfische Kundschaft, die besonders seine Dienst als Wachsbossierer [7] in Anspruch genommen hatte, ausfiel.

Am 28. Juni 1813 starb Michael Joseph Auwera im Alter von 65 Jahren. Was aus seinem Adoptivsohn wurde, ist nicht bekannt. Er selbst hatte keine Kinder. Seine Frau starb 1834 verarmt in einem Mergentheimer Spital. [8]

Werke[Bearbeiten]

1767
Gelchsheim: St. Johannes Nepomuk, Maria Steinbach, Sockel und Figur (Wappen und Türsturz von Johann Georg Auwera)

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Georg Menth: Die Bildhauerfamilie Auwera in Aub. Aubanusverlag, Wolfratshausen 1987

Einzelnachweise und Erklärungen[Bearbeiten]

  1. Pfarrarchiv Aub, Pfarrmatrikel 1748, fol. 40: Am 31 Dezember 1748 morgens zwischen Acht und Neun wurde geboren und wegen offensichtlicher Schwäche zu Hause getauft Michael Joseph, ehelicher Sohn des kunsterfahrenen Herrn Michael Joseph Auwera Bürger und Bildhauer dahier und seiner Frau Maria Anna. Aus der Taufe hob P. Jos. Michael Ley Alumnus in Würzburg.
  2. Vgl. Remigius Stölzle: Erziehungs- und Unterrichtsanstalten im Juliusspital in Würzburg, München 1914
  3. Pfarrarchiv Gaubüttelbrunn, Akten Kirchenbaulichkeiten - Altäre, Actum Gaubüttelbrunn den 10ten Maji 1773: „Herr Johann Georg Auwera Bildhauer zu Aub errichtet mit pfarrern zu Gau Büttelbrunn einen accord Krafft dessen ged Herr Auwera zwey Neben Altäre nach dem Riss sub Nro 1 mit dem nahmen des Pfarrers von Sulzdorff unterzeichnet, in die pfarr Kirch mentionirten Gau Büttelbronns Verfertigen will. Wo hingegen ihme pfarrere daselbst nach errichteten düchtigen arbeit 110 Rthlr schreibe hundertzehen Reichs Thaler samt einen Laubthaler für dessen Bruder zum Tranck geld zu Bezahlen Verspricht zu wessen mehrer festhaltung sich Beyde Contrahierende Theile unterschrieben.”
  4. Staatsarchiv Würzburg, Hofkammerprotokoll 1773, fol. 536 f.
  5. Maximilian Franz von Österreich wurde nach dem Tod seines Onkels Max Franz in Bad Mergentheim am 25. Oktober 1780 zum Hochmeister des Deutschen Ordens inthronisiert
  6. Deutschordens Zentralarchiv Wien, Merg 291/10
  7. Wachsbossierung = Bezeichnung für die Kunst, Wachsplastiken herzustellen, sowie für die aus Wachs modellierten oder gegossenen Objekte. Andere Namen für Wachsbossierung sind Keroplasti, Wachsbildnerei, Wachsplastik oder Wachsbossierung. Da Wachs durch Zugabe von Öl u. dgl. leicht formbar ist, wurde es schon in der Antike für die Herstellung von Modellen, aber auch für eigenständige plastische Arbeiten verwendet.
  8. Stadtarchiv Mergentheim, Spitalakten, Nr. 758