Würzburger Stein

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Würzburger Stein im Herbst

Der Würzburger Stein (abgekürzt: Stein) ist eine bekannte Weinbaulage in Würzburg.

Stein-Harfe

Geografie[Bearbeiten]

Die Weinlage Würzburger Stein ist eine Steillage mit einer Hangneigung zwischen 30 und 80 Prozent [1] und erstreckt sich im Südhang des Steinbergs leicht muschelförmig nördlich von Würzburg. Die Spitzenlage ist mit 85 Hektar Rebfläche außerdem die größte zusammenhängende Einzellage Deutschlands. Verwaltungstechnisch gehört die Weinlage zu den Stadtbezirken Dürrbachtal und Grombühl. Der Würzburger Stein liegt auf einer Höhe von 210 bis 250 Meter über NN [1] und bietet somit eine beeindruckende Aussicht auf die Stadt. Die bewaldete Bergkuppe sorgt außerdem dafür, dass der Wein vor kalten Winden aus Richtung Norden geschützt ist - allgemein wirkt sich das Mikroklima in der Kessellage (u.a. auch Schutz vor Westwind) positiv aus. Auf der Bergkuppe findet man außerdem am Ende der Steinburgstraße das Hotel und Restaurant Steinburg mit dem Tagungszentrum Refugium.

Lage Stein-Harfe
Würzburger Stein 1909

Eine Besonderheit des Weinberges sind dessen Böden: Verwitterter, mineralhaltiger Muschelkalk, in dem stellenweise Lehm- und Tonschichten eingelagert sind, verpassen dem Wein ein besonderes Aroma. Darüber hinaus speichert der Kalkboden die Wärme und die Wasserfläche des Mains im reflektiert Sommer und Herbst das Sonnenlicht. [2]

Das acht Hektar große Mittelstück („Filetstück“) des Würzburger Stein wird seit dem 17. Jahrhundert auch als Stein-Harfe bezeichnet. Es erstreckt sich auf einer Breite von etwa 300 Metern beidseitig der Rotkreuzsteige zwischen Bismarckwäldchen an der Bergkuppe und dem Wohngebiet Am Stein (Höhe Firma J.E. Schum, nordwestlich vom Hauptbahnhof) am Fuße des Steinberges. Der Name leitet sich davon ab, dass der Weinberg in seiner Form mit etwas Fantasie eine auf dem Kopf stehende Harfe zeigt. Die Fläche wird ausschließlich vom Weingut Bürgerspital bewirtschaftet. [3] [4]

Ziemlich zentral durchquert die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg den Stein - das mit Muschelkalk verkleidete Portal des Steinbergtunnels ist gut sichtbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Würzburger Stein ist seit dem Beginn des Weinbaus in Franken im 8. Jahrhundert ein Weinberg. Im Gegensatz zu heute war der Weinberg früher zersplittet in viele kleine Terrassen mit einer Vielzahl an Besitzern. Die Rebsorten waren dabei wild gemischt angebaut. Auch Tilman Riemenschneider soll Mitbesitzer eines Teilstücks im Bereich der Stein-Harfe gewesen sein. Die heutige Besitzteilung entwickelte sich erst nach der Säkularisation um 1803.

Aufgrund der guten Gegebenheiten wurde der Würzburger Stein anfangs sehr extensiv bewirtschaftet - Bäume wurden gefällt, die Bergkuppe war kahl. Erst 1876/1877 wurde die Kuppe vom Verschönerungsverein Würzburg bewaldet. Diese Entwicklung wurde am Bismarckwäldchen beginnend ausgeweitet.

Grundlegend verändert hat sich das Erscheinungsbild der Weinbaulage nach der Flurbereinigung im Jahr 1964: Die Anzahl der Terrassen wurde reduziert um eine bessere Bewirtschaftung zu ermöglichen. Zugleich wurde die Wasserabführung verbessert und mit gezielter Bepflanzung für Schutz vor Erosion gesorgt.

Auch gegenwärtig steht eine nachhaltige Bewirtschaftung im Vordergrund. Teilweise werden Rebflächen auch im ökologischen Weinbau betrieben.

Rebsorten[Bearbeiten]

Der Silvaner wird mit 38% Rebfläche am häufigsten angebaut und entwickelt ein weltweit einzigartiges Aroma. Gefolgt vom Riesling (31%), Müller-Thurgau (9%) und dem Rieslaner (Kreuzung aus Riesling und Silvaner, 7%). Jeweils 3% Anteil haben Weißburgunder und Traminer. Darüber hinaus werden Scheurebe, Bacchus, Albalonga (Kreuzung aus Rieslaner und Müller-Thurgau), Mariensteiner (Kreuzung aus Rieslaner und Silvaner) und seit 2001 Blaufränkischer (Lemberger Rotwein) angebaut. [5]

Bewirtschaftung[Bearbeiten]

Der Würzburger Stein gehört zu jeweils etwa einem Drittel den drei Würzburger Weingütern Weingut Bürgerspital, Weingut Juliusspital und Staatlicher Hofkeller Würzburg. Kleinere Anteile haben auch das Weingut am Stein Ludwig Knoll und das Weingut Reiss. Das Mittelstück, die Stein-Harfe, ist ausschließlich im Besitz des Bürgerspitals.

Historischer Weinberg[Bearbeiten]

Einen Eindruck, wie der Wein zu früheren Zeiten gepflegt und angebaut wurde, vermittelt der altfränkische Weinberg Tusculum: Bei der Flurbereinigung in den 1960er Jahren blieb am Tusculum eine kleine Fläche in ihrer ursprünglichen Wirtschaftsform erhalten. Jede einzelne Rebe wird hierbei an einem Pfahl aufgezogen - man spricht auch von „Pfahlunterstützter Kopferziehung“ (im Gegensatz zur heutigen „Stammerziehung mit Drahtrahmen"). Es gibt verschiedene Terassen, die mit Treppen untereinander verbunden sind und von Trockenmauern gestützt werden, sowie Steinrutschen (aufgesammelte Steine werden zu Rutschen gehäuft) mit Vegetation. Da der Boden des Weinbergs noch in Häckermanier mit der Hacke gelockert wird und nicht mit der Fräse, findet man am Tusculum auch noch seltene Weinbergspflanzen. Im Gegensatz zu früher ist der Wengert jedoch nicht mit verschiedenen Rebsorten gemischt bepflanzt, sondern ausschließlich mit Riesling. Die 75 Tusculum-Rebstöcke werden nämlich gemeinsam mit benachbarten Riesling-Flächen gelesen und gekeltert. Die Weinlese erfolgt im altfränkischen Weinberg per Hand. Der Weinberg Tusculum ist Station 12 des Stein-Wein-Pfades. [6]

Würzburger Stein in der Literatur[Bearbeiten]

Die Weinlage wurde von vielen Schriftstellern und Dichtern aufgegriffen. Eine Auswahl:

  • Johann Wolfgang von Goethe schrieb in einem Brief an seine Frau Christiane über den Würzburger Stein: „Kein anderer Wein will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein Lieblingsgetränk abgeht.“ Goethe ließ sich den Stein-Wein aus Würzburg liefern.
  • Joseph Victor von Scheffel dichtete: „Es heilt uns am besten ein fröhlicher Sinn,- und Mainwein und Steinwein sind auch Medizin.“
  • Karl Immermann schrieb: „Ich erwachte am nächsten Morgen frisch, ohne Kopfweh, Säure, Beschwerde, lobte Gott den Herrn für den Steinwein, sah aus dem Fenster, da lag Würzburg vor mir in goldenem Frühlicht mit seinen Kuppeln und Thürmen, und Rebenhügel blickten über die Straßen hinein.“
  • „Das Gehen fällt uns leicht, der Steinwein fällt uns rechtschwer. Die älteren Jahrgänge vom Bürgerspital wollen getrunken sein. Wir trinken sie.“ schrieb Kurt Tucholsky.
  • Friedrich Schnack: „Der Main geht breit und kühl durch weite Feuerwochen, - Bamberg und Würzburg segneten ihn ein. - Die Stille lodert, wenn die Weine kochen: - Der hohe Leisten und der milde Stein.“
  • Gottfried von Viterbo: „Trefflich ist diese Lage, wunderschön erschien sie mir; ins Tal eingeschnitten liegt die Stadt wie ein irdisches Paradies. Darf ich auf weiteres Leben hoffen, werde ich mich alsbald dort ansiedeln.“
  • Kurt Tucholsky in „Wirtshaus im Spessart“: „Wir hätten sollen nicht so viel Steinwein trinken. Aber das ist schwer: so etwas von Reinheit, von klarer Kraft, von auf gesammelter Sonne und sonnengetränkter Erde war noch nicht da.“

Bilder[Bearbeiten]

Panorama[Bearbeiten]

Der große See mit Schloss im Hintergrund

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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