Müller-Thurgau

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Rebsorte Müller-Thurgau

Der Müller-Thurgau (auch: Rivaner) ist die am weitest verbreitete Weißweinsorte, die im gesamten fränkischen Weinanbaugebiet vorzufinden ist. Ende Juli 2014 betrug die mit Müller-Thurgau bestockte Rebfläche in Franken 1.712,43 Hektar, die Fläche ist insgesamt stark abnehmend. [1] [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Sie wurde 1882 vom Schweizer Rebforscher Hermann Müller (Thurgau) aus dem Kanton Thurgau an der Forschungsanstalt Geisenheim gezüchtet. Müller-Thurgau ist mit 42.000 ha Anbaufläche weltweit die erfolgreichste Neuzüchtung.

In Unterfranken wurde der Müller-Thurgau erstmals 1913 angebaut: Der Hofrat und Landesweinbauinspektor Dr. August Dern ließ auf einem Versuchsweinberg im Lohrer Stadtteil Sendelbach die ersten 300 Müller-Thurgau-Rebstöcke anbauen. [3]

Die Rebsorte stellt an Klima und Boden keine hohen Ansprüche. Die Reben reifen früh im Jahr und bringen große Ertragsmengen. Aufgrund ihrer geringen Säure ist sie mild, aber dennoch fruchtig. Die Weine sollten relativ jung getrunken werden, da sie - von wenigen Ausnahmen abgesehen - durch Lagerung nicht besser werden. Bei langer Lagerung verliert der Wein an (Muskat-) Aroma.

Trocken und halbtrocken ausgebaut wird Müller-Thurgau heute auch als „Rivaner“ bezeichnet, nach den ursprünglich vermuteten Elternreben Riesling und Silvaner. Auch Hermann Müller wusste nämlich nicht mehr sicher, welche Eltern-Rebsorten er verwendet hatte.

Aufgrund einer gendiagnostischen Untersuchungen der Deutschen Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Siebeldingen/Pfalz stellte sich aber heraus, dass es sich in Wahrheit um eine Kreuzung der Sorten Riesling (Mutter) und Madeleine Royale[4] (Vater) handelt. Bereits zuvor hatte die Klosterneuburger Weinbauschule in Österreich im Jahr 1998 mit Hilfe gendiagnostischer Verfahren festgestellt, dass der Silvaner als Kreuzungspartner auszuschließen ist.

Merkmale[Bearbeiten]

  • Die einzelne Traube ist mittelgroß bis groß und locker bis dichtbeerig.
  • Die einzelnen Beeren sind mittelgroß, gelbgrün und breit-elliptisch in der Form.
  • Müller-Thurgau ist stark anfällig gegen Peronospora (Mehltau), Phomopsis (Sternrußtau), Roten Brenner (rötlich-braune Flecken) und Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule).
  • Die Anfälligkeit für Frost ist mittel bis hoch.

Geschmack[Bearbeiten]

Der Müller-Thurgau hat insgesamt eine sehr unkomplizierte Geschmacksrichtung und lässt sich deshalb mit allen Speisen gut kombinieren. Da es ein sehr fruchtiger, blumiger Wein mit milder Säure ist, eignet sich dieser für Weineinsteiger und ist darüber hinaus ein beliebter Zechwein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dagmar Ehrlich: Rebsorten ABC - Die Reben und ihre Weine. Hallwag, München, 2011.
  • Hartmut Gimmler: Vom Moos zum Wein, vom Main zum Rhein: Würzburg und "sein" Müller-Thurgau. Selbstverlag, Würzburg, 2001.
  • Heinz Lott: Taschenbuch der Rebsorten. Mainz, 2010.
  • Helmut Becker: 100 Jahre Rebsorte Müller-Thurgau. In: Der Deutsche Weinbau. 12/1982
  • Oliver Bock: Kreuzungsunfall im Gewächshaus. 125 Jahre Müller-Thurgau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 171 vom 26. Juli 2007, S. 9
  • Otto Meyer: Müller-Thurgau, der fränkische Weinbau und die Universität Würzburg. Echter Verlag, Würzburg, 1983.
  • Oz Clarke & Margaret Rand: Clarkes großes Lexikon der Rebsorten. München 2001

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]