Heiliger Aquilin

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Aquilin, auch Wezelin (* um 970 in Würzburg; † vor 1018 in Mailand) ist der einzige in Würzburg geborene Heilige.

Aktuelles[Bearbeiten]

Die 1000-Jahr-Feier des Martyriums des Heiligen Aquilin findet in Würzburg vom 29. Januar 2017 bis 29. Januar 2018 statt.

► 1000 Jahre Martyrium Würzburg/Mailand 2017/2018

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Aquilin wurde in der Südstadt, „im Sande“ aus einem vornehmen Geschlecht auf einem der großen Höfe in der heutigen Hörleingasse geboren. Zur theologischen Ausbildung ging der junge Mann nach Köln, wurde ins Domkapitel aufgenommen und unter dem Namen Wezelinus zum Dompropst gewählt. Nur einmal kehrte er nach dem Tod seiner Eltern nach Würzburg zurück, um sein Erbe unter den Armen zu verteilen. Als er 999 zum Nachfolger des Erzbischofs Everger gewählt wurde, schlug er diese Wahl aus, verließ Köln und ging nach Paris, das er auf wunderbare Weise von der Pest befreite. Danach wechselte er nach Mailand ins Kanonikerstift San Lorenzo Maggiore, wo er als Chorherr tätig war. Es wird angenommen, dass es in Mailand zur Umformung von Wezelinus zu Aquilinus gekommen ist. Dort predigte er gegen die Arianer, eine christliche Gruppierung, die eine Kirchenspaltung hervorrief und deren Vertreter von der Amtskirche als „Irrlehrer“ angesehen wurden. Von Anhängern dieser Gruppe wurde er mehrfach überfallen. Ein aus dem Hinterhalt geschleudertes Schwert traf den wackeren Glaubensstreiter in der Kehle, als er die Basilika des hl. Ambrosius besuchte.

Patrozinium[Bearbeiten]

Der Heilige Aquilin ist unter anderem der Patron der Gepäckträger und der angehenden Priester, sein Gedenktag ist der 29. Januar.

Verehrung in Würzburg[Bearbeiten]

In Würzburg begann die Aquilin-Verehrung relativ spät. Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn führte am 29. Januar 1665 das Fest des Heiligen im Bistum Würzburg ein. Im Jahr 1705 ließ Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau erstmals ein Reliquienpartikel aus dem 1697 geöffneten Grab des Heiligen nach Würzburg bringen und übergab es der Neubaukirche (Die Reliquie gelangte dann von der Universitätskirche in die Marienkapelle, war Eigentum der Marianischen Sodaliät [1] und um 1710 ließ diese Würzburger Bürgersodalität ein lebensgroßes Silber-Brustbild Aquilins (von Johannes Zeckel, Augsburg, um 1710/12) auf einem Ebenholzsockel anfertigen [2]). Eine weitere Reliquie brachte 1854 Bischof Georg Anton von Stahl von Mailand nach Würzburg und ließ sie in der Michaelskirche aufstellen. Beide sind seit dem 16. März 1945 nicht mehr vorhanden. 1987 führte eine Wallfahrt mit Pfarrer Karl-Heinz Albert von Würzburg nach Mailand mit dem Ziel, wieder eine Reliquie für Würzburg zu erbitten. Aus einem Knochen des Heiligen, der zuvor für eine Identitätsprobe aus dem Sarkophag entnommen worden war, trennte man ein kleines Stückchen und bettete es in eine von Michael Amberg gefertigte Monstranz. Diese Reliquienmonstranz befand sich bis zur Renovierung der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in den Jahren 2015/2016 in einem Tabernakel unterhalb des nördlichen St.Aquilin-Altars. [3]

Weitere Erinnerungen an den Heiligen finden sich am ungefähren Standort seines angeblichen Geburtshauses in der Hörleingasse 7 [4] (Inschrift und Heiligenfigur, wobei das Sterbejahr mit 786 hier falsch angegeben ist) sowie vor der Kirche St. Peter und Paul.

1000 Jahre Martyrium des heiligen Aquilin 2017/2018[Bearbeiten]

Vorbereitungen, die Reliquie des hl. Aquilin in den neuen Schrein einzulassen

Anlässlich des Gedenkjahrs „1000 Jahre Martyrium des heiligen Aquilin“ hat eine 13-köpfige Delegation aus Mailand eine Reliquie des einzigen in Würzburg geborenen Heiligen – eine Rippe – nach Würzburg gebracht. Am 28. Januar 2017 wurde diese im Beisein von Carlo Faccendini, Bischofsvikar für Mailand, weiteren Vertretern der Erzdiözese Mailand sowie Bischof Friedhelm Hofmann und Generalvikar Thomas Keßler im Exerzitienhaus Himmelspforten in ein neues Reliquiar eingesetzt.

In einer feierlichen Zeremonie in der Kilianskapelle platzierte Domkapitular Jürgen Lenssen, Kunstreferent der Diözese Würzburg, die Reliquie des heiligen Aquilin gemeinsam mit Goldschmied Markus Engert in dem dafür vorgesehenen Schrein. Engert fertigte diesen nach einem Entwurf Lenssens. Bischof Hofmann versiegelte die Reliquie gemeinsam mit der neuen Authentik, der Bestätigung der Herkunft und Echtheit, die er zuvor verlesen hatte. Am 29. Januar, dem Gedenktag des Heiligen, eröffnete Bischof Hofmann das Aquilinsjahr mit einem Pontifikalgottesdienst im Dom St. Kilian. Anschließend wurde Schrein mit der Reliquie in einer feierlichen Prozession vom Kiliansdom in die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul übertragen. Am Ende der Pontifikalvesper am selben Tag wurde das Reliquiar in den Reliquienschrein auf dem Aquilinsaltar eingesetzt.

Die Reliquie ist ein Geschenk der Erzdiözese Mailand an das Bistum Würzburg. Für die Reliquienentnahme wurde der Kristallsarkophag in der Aquilinskapelle der Basilika San Lorenzo Maggiore geöffnet. Im Beisein von Benigno Mörlin Visconti, Dombaumeister am Mailänder Dom, Monsignore Giordano Ronchi, Wächter der Reliquien der Erzdiözese Mailand, Monsignore Gianni Zappa, Pfarrer von San Lorenzo Maggiore sowie Pfarrvikar Don Luca Camisana wurde die Reliquie aus der rechten Seite des Leichnams des heiligen Aquilin mit einer kleinen Säge herausgetrennt. Nach Würzburg wurde die Reliquie von Monsignore Giordano Ronchi, Organist Matteo Galli sowie Pfarrvikar Don Luca Camisana mit dem Auto transportiert. [5]

Prozession am 29. Januar 2017[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Kuhn und Robert Kümmert: Fränkische Glaubenszeugen. Verlag Richard Mack, Mellrichstadt 1989, S. 56
  • Karl-Heinz Wirsing: Geburtshaus des Hl. Aquilin. In: Die Mainlande, 19. Jahrgang (1968), S. 23 f.
  • Karl-Heinz Wirsing: Der hl. Aquilin vor der Peterskirche in Würzburg. In: Die Mainlande, 20. Jahrgang (1969), S. 42-44
  • Bernhard Schemmel: Zu Darstellung und Verehrung des hl. Aquilin im Bistum Würzburg. Würzburger Diözesangeschichtsblätter 37-38 (1975-1976), S. 199-228
  • Wolfgang Brückner: Kirchlich geprägte Lebensstile im 19. und 20. Jahrhundert (1840-1950). In: Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günther Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 107-148; S. 127 f.
  • Jürgen Vorndran, Wolfgang Weiß (Hrsg.) „Glauben verbindet. 1000 Jahre Martyrium des heiligen Aquilin“. Echter-Verlag, Würzburg 2018, ISBN 978-3-429-053109

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Brückner: Kirchlich geprägte Lebensstile im 19. und 20. Jahrhundert (1840-1950). In: Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günther Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 107-148; S. 127
  2. Bistum Würzburg: Heilige und Selige
  3. Main-Post vom 26. August 1987
  4. Dass er dort auch geboren wurde, gehört eher in das Reich der Legendenbildung.
  5. Pressestelle Bischöfliches Ordinariat Würzburg (POW): „Aquilin als verbindendes Element“ (28. Janaur 2017)