Lusamgärtchen

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Romanischer Kreuzgangflügel im Lusamgärtchen
Vogelweide-Gedenkstein
Vogelweide-Gedenkstein Oberfläche

Das Lusamgärtchen ist der ehemalige Kreuzganghof des Stift Neumünster. Dort befindet sich ein Flügel eines romanischen Kreuzgangs und ein Gedenkstein für Walther von der Vogelweide. Das Lusamgärtchen befindet sich direkt hinter dem Neumünster und ist von der Martinstraße 4 aus zugänglich. Der mit Bäumen und Pflanzen (insbesondere Efeu) bewachsene Hof bildet eine ruhige Oase mitten in der Innenstadt.

Kreuzgang[Bearbeiten]

Erhalten blieb hier der Nord-Flügel des romanischen Kreuzgangs, welcher Ende des 12. Jahrhunderts (wahrscheinlich zwischen 1170 und 1180 [1]) aus rotem Sandstein errichtet wurde. Die daran befindlichen Reliefs gehören zu den ältesten erhaltenen figürlichen Plastiken in Würzburg. Die Figuren stellen Christus als Allherrscher und St. Kilian in bischöflicher Kleidung dar. Die Bögen waren in einem angrenzenden Wirtschaftsgebäude des Stifts Neumünster verbaut (wenig nördlich des jetzigen Standortes) und beim Abriss desselben in den 1880er Jahren entdeckt worden.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Kreuzgangrest im „Fränkischen Luitpoldmuseum“ (Vorgänger des Mainfränkischen Museums) an der Maxstraße 4 aufgebaut. Das Gebäude wurde beim Luftangriff 1945 zerstört, der Kreuzgang im Museumsgarten blieb unversehrt. 1953 wurde er wieder ins Lusamgärtchen versetzt.

Grashof[Bearbeiten]

Der Hof muss schon in früheren Jahrhunderten eine Grünfläche umfasst haben, da er zunächst auch „Grashof“ genannt wurde. Einst diente der Ort als Begräbnisstätte der Stiftsherren. Walther von der Vogelweide verbrachte im Stift seinen Lebensabend und wurde hier um 1230 begraben.

Vogelweide-Gedenkstein[Bearbeiten]

1930 ließ die Stadt im Lusamgärtchen einen Gedenkstein für den berühmten Minnesänger errichten. Der Muschelkalkblock wurde von Fried Heuler gestaltet. Eine rundumlaufende Inschrift zitiert einen Spruch von Hugo von Trimberg: „Herr Walther von der Vogelweide, swer dez vergaeze, der taet mir leide“. Auf der Oberfläche sind Vertiefungen für Wasser und Körner eingearbeitet. Dies nimmt Bezug auf den überlieferten Wunsch des Sängers, die Vögel an seinem Grab zu füttern. Auf dem Stein finden sich häufig Rosen oder kleine Blumensträußchen. Denn es heißt, wer Blumen auf dem Gedenkstein ablegt, würde Linderung seines Liebeskummers erfahren.

Sitzbank[Bearbeiten]

Die Holzbretter einer Sitzbank wurden von Mai bis Oktober 2015 von dem Künstler Kerim Seiler durch farbig lackierte Lärchenholzbretter ersetzt. Das Sitzmöbel sollte mit seinen Farben Bezug auf ein Lied des Minnesängers nehmen. Es war eines von drei Kunstwerken Seilers.

Pietà[Bearbeiten]

Die Pietà (Figurengruppe aus rotem Sandstein) von Lukas Anton van der Auwera aus dem Jahr 1764 wurde Anfang der 1990er Jahre ins Lusamgärtchen versetzt und hatte vorher ihren Standort im Vorgarten des Anwesens Franz-Ludwig-Str. 9. [2] [3]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Das Lusamgärtchen als Handlungsort in Romanen[Bearbeiten]

In einigen Romanen tritt das Lusamgärtchen auch als Ort der Handlung in Erscheinung. Uwe Klausner lässt seinen Protagonisten Bruder Hilpert das Lusamgärtchen als „Hort des Friedens und der Ruhe“ erleben [4]: "[Er] sog den Duft der Rosensträucher, Ginsterbüsche und Kräuterbeete begierig ein. Der Geruch von Salbei, Thymian und Minze verlieh ihm neue Energie, genau wie die Schatten spendenden Arkaden des Kreuzgangs, unter denen er sich wie zu Hause fühlte." Bruder Hilpert lässt in seiner Beschreibung den Grashof im Jahr 1416 lebendig werden und nimmt auch Bezug auf das Grab Walther von der Vogelweides, welchen er als „größten Poet, den die deutschen Lande bislang hervorgebracht haben“ bezeichnet: „Dort wimmelte es geradezu von Rotkehlchen, Mauerseglern und Buchfinken, die aus dem Napf neben der verwitterten Inschrift tranken.“

In Günther Huth’s Würzburg-Krimi Der Schoppenfetzer und der Tod des Nachtwächters [5] dient das Lusamgärtchen als geheimer mitternächtlicher Treffpunkt des Ex-Kommissars Rottmann mit der „Bruderschaft der Kilianäer“.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Historische Fotografien des Kreuzgangs finden sich auf der Internetseite „bildindex.de"[1], Schlagwort „Lusamgarten“. Einige Bilder stammen von ca. 1883 (Auffinden des Kreuzgangs), andere aus der Zeit im Garten des Luitpoldmuseums (1903-1946).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Josef Friedrich Abert: Das Lusamgärtlein. In: Die Mainlande, 3. Jahrgang (1952) S. 67
  • Gärten und Grünanlagen in Würzburg. Ihre Entwicklung und Bedeutung. Staatsarchiv Würzburg 1990. ISBN 3-921635-15-2
  • Kunstführer Würzburg und Mainfranken. HB Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Hamburg 1983
  • Würzburg. Geschichte einer Stadt. Von Peter Moser, Babenberg Verlag, Bamberg 1999, ISBN 3-933469-03-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 296 f.
  2. In der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege von 1985 war die Pietà unter Franz-Ludwig-Straße 9 geführt worden.
  3. Jörg Lusin schreibt in seinem Buch Würzburger Freiplastiken aus zehn Jahrhunderten - Ein Inventar und Wegweiser, Sonderband der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte 1980, auf Seite 17: „Die Figurengruppe stammt vermutlich von Johann Wolfgang oder Lukas van der Auwera.” Da Johann Wolfgang bereits am 27. März 1756 gestorben ist, scheidet er als Bildhauer der Pieta aus.
  4. Uwe Klausner: Die Kiliansverschwörung. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2008. ISBN 978-3-89977-768-0, S. 252f
  5. Günther Huth: Der Schoppenfetzer und der Tod des Nachtwächters. Verlag Peter Hellmund, 2004, ISBN 3-9808253-4-5

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Die Karte wird geladen …