Allendorf-Kapelle (Würzburg)

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Gesamtansicht der Allendorf-Kapelle

Die Allendorf-Kapelle, ein architektonisches Kleinod, ist Bestandteil des ehemaligen Domherrnhofs Kurie Seebach und befindet auf dem Gelände der Theresienklinik in der Domerschulstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kurie Seebach ist heute ein Teil der Theresienklinik. Durch den spätgotischen Westflügel, der vermutlich eine Abschlussmauer mit Tordurchfahrt ersetzte, betritt man einen großflächigen Innenhof mit Nutz- und Wohngebäuden. Am Westflügel (um 1900) befindet sich ein Wappen aus dem hervorgeht, dass dieser Flügel von Johann von Allendorf erbaut wurde, später erfolgte eine Umgestaltung von Johann Franz Schenk von Stauffenberg. [1] Das fast halbkreisförmige Tor ist heute nur noch in einer Kopie von 1955 erhalten.

Frühgotisches Eingangsportal der Allendorf-Kapelle

Bis vor dem 16. März 1945 öffnete sich hier ein schmaler und tiefer Hof, der im Osten von der Wohnung des Kanonikus umgeben ist, über Eck im Norden von der Allendorf-Kapelle und im Süden von einem weiteren Flügel. An der Westseite dieses Flügels ist das Wappen von Ernst von Seebach zu finden. Das lässt den Schluss zu, dass er der Erbauer ist. Der Zugang zum Wohngebäude wurde - wie auch heute - durch den Treppenturm ermöglicht, ebenso wie das Betreten der beiden Geschosse der Hofkapelle. Der Treppenturm ist in seiner heutigen Form eine Schöpfung der Renaissancezeit. Das Renaissancetor im Treppenturm wurde am 16. März 1945 stark beschädigt, konnte aber wiederhergestellt werden. Im Turm befindet sich eine sehenswerte spindelfreie Wendeltreppe. An der Lichtwange der 19. Stufe befindet sich ein Steinmetzzeichen, dessen Formgebung auf den Beginn des 17. Jahrhunderts hinweist. Aus diesem Grund ist die Datierung der Wendeltreppe relativ einfach.

Bauinschrift neben dem frühgotischen Eingangsportal der Allendorf-Kapelle: „Im Jahr 1492 hat der ehrwürdige Vater, Herr Johann v. Allendorf, Propst bei St. Burkard, Domherr zu Würzburg und Archidiakon des hochwürdigsten Vater in Christus, Herrn Rudolf von Würzburg und Herzogs von Ostfranken, diese zu Ehren der glorreichen Jungfrau Maria geweihte Kapelle errichtet ..."
Kapellenraum der Allendorf-Kapelle

Die heutige Gestalt der Allendorf-Kapelle geht zurück auf Johann von Allendorf, der den Domherrnhof am 4. Mai 1474 kaufte und den Wohntrakt sowie die Hofkapelle erweiterte. Die Bauinschrift neben dem frühgotischen Eingangsportal weist darauf hin, dass die Kapelle spätestens seit 1492 der Heiligen Jungfrau Maria geweiht war und auch heute noch ist.

Dompropst und Propst von Stift Haug Johann Gottfried von Aschhausen, der die Kurie 1594 erwarb, war der zweite wichtige Besitzer. Er war ab 1609 Fürstbischof von Bamberg und ab 1617 zudem Fürstbischof von Würzburg.

Beschreibung des Innenraums der Kapelle[Bearbeiten]

„Die Kapelle gliedert sich in ein annähernd ebenerdig liegendes Untergeschoß und den eigentlichen Betraum im Obergeschoß. Der im Inneren modern gestaltete Kapellenraum hat eine Länge von drei Jochen wird von zwei Südfenstern und einem Westfenster mit Licht versorgt. Hier liegt ein klassisches Netzgewölbe mit geschmückten Schlusssteinen vor. Die zweimal gekehlten Rippen sitzen in den Ecken auf Konsolen, die mit den Ahnenwappen der Erbauers dekoriert sind. Von dort werden die Rippen zu zwei reich dekorierten Schlusssteinen umgeleitet. Dort finden sich ebenfalls die Ahnenwappen Johann von Allendorfs. Zwei Schlusssteine rahmen das mittlere Rautenfeld ein: sie sind mit einem Heiligen Kilian im Dreipass und mit dem reich verzierten Allendorf-Wappen mit Helmzier dekoriert. In den Feldern wurden in den Jahren von 1612 bis 1617 im Auftrag von Johann Gottfried von Aschhausen Darstellungen von Engel mit den Leidenswerkzeugen des Herrn gemalt. In den Zwickeln befinden sich die Darstellungen der vier lateinischen und griechischen Kirchenlehrer, die Sinnbilder der vier Evangelisten sowie florale Elemente in relativ naturnaher Manier. Für die Datierung dieser Arbeit findet sich der zentrale Hinweis im Mittelfeld der Decke: das Wappen des Fürstbischofs Johann Gottfried von Aschhausen mit einer datierten Umschrift von 1611. Die Blumen in den Felderzwickeln scheinen zum Teil symbolischen, zum Teil repräsentativen Charakter zu haben. Diese werden Andreas Herrneisen zugeschrieben, der auch auf der Festung Marienberg und im Dom ähnliche Pflanzendarstellungen gemalt hat. [2]


Bildergalerie der Deckenfresken[Bearbeiten]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Die Allendorf-Kapelle überstand den Luftangriff des 16. März 1945 fast unversehrt und wird heutzutage von den Ebracher Schwestern und den Patienten der Theresienklinik zur stillen Anbetung genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Schiedermair: Pflanzenmalereien in drei unterfränkischen Kirchen. Ikonographie, Kunstgeschichte und aktuelle Bedeutung in Bezug auf die Entwicklung von Medizin und Pharmazie. Dissertation zur Erlangung des naturwissenschaftlichen Doktorgrades der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 2003, S. 46
  2. Meeviertel-Anzeiger: Die Allendorf-Kapelle in der heutigen Theresienklinik von Dr. Wolfgang Schiedermair, August 2011, S. 2

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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