Franz Wilhelm Driesler

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Franz Wilhelm Driesler (um 1877)

Franz Wilhelm Driesler (* 2. Februar 1854 in Lohr am Main; † 16. Juni 1910 in Würzburg) war ein fränkischer Künstler des Historismus.

Familiäre Zusammenhänge

Die Familie Driesler übte bereits seit Generationen künstlerische Berufe aus. So hatte der Großvater von Franz Wilhelm, Adam Josef Driesler (1784–1823), eine Freie Architektonische Zeichenschule für Handwerker in Lohr gegründet, die Vorläuferin der heutigen Berufsschule. Der Vater Johann Jakob Driesler (1815–1892) arbeitete als Vergolder, Fassmaler und Lackierer und besaß in Lohr einen Betrieb. Damit war die Familie bereits eng an den kirchlichen Bereich gebunden, weil von dort die meisten Aufträge kamen.

Driesler hatte zwei ältere Schwestern, die Mutter hieß Anna Cölestine, geborene Niedermaier (1816–1867).

Leben und Wirken

Driesler trat nach dem Besuch der Lateinschule und der Zeichenschule seines Großvaters in den väterlichen Betrieb für Vergoldung und Fassmalerei ein. Er, der eigentlich Architekt werden wollte, musste nach dem strengen Willen seines Vaters dessen Beruf erlernen und wurde widerwillig wie dieser Vergolder.

Mit 23 Jahren eröffnete Franz Wilhelm Driesler 1877 das Photographische(s) Atelier von Franz Driesler in Lohr a.M., Ludwigstraße im Rückgebäude der väterlichen Werkstatt; zeitgleich arbeitete er im Betrieb seines Vaters als Vergolder.

Driesler war gerade 25 Jahre alt, als er 1879 seinen ersten Auftrag bekam und für die katholische Pfarrkirche St. Petrus und Paulus in Gemünden einen neuen Hochaltar und eine Kanzel in neugotischen Formen schaffen sollte. 1879/80 wurde Driesler von der katholischen Kirche Maria vom Berge Karmel in Urspringen beauftragt, zwei Seitenaltäre in neuromanischen Formen in Anlehnung an den vorhandenen Hochaltar zu fertigen und den Kirchenraum zu renovieren. Der junge Driesler etablierte sich schnell, renovierte viele Kirchen im östlichen Mainviereck und machte sich vor allem durch Arbeiten in Marktheidenfeld einen Namen.

1880 heiratete der junge Künstler die ein Jahr jüngere Maria Louisa Schoenmann. Drei Jahre später erhielt Driesler seinen ersten größeren Auftrag: Er fertigte für die Pfarrkirche in Wiesenfeld den Hoch- und zwei Seitenaltäre. Bis zum Ende der 1880er Jahre ergaben sich immer mehr Aufträge, die über das reine Renovieren der Kirchenausstattung hinausgingen. Ab 1892 bestand die Arbeit des Künstlers aus mehr Neuerrichtungen als Ausbesserungen.

Die Bekanntheit des Franz Wilhelm Driesler war zwischenzeitlich so groß, dass er die einheimischen Handwerker verdrängte. So empfahl 1885 das Landbauamt Aschaffenburg Driesler für eine Arbeit in der katholischen Pfarrkirche St. Georg in Neubrunn. Die einheimischen Handwerker gingen daraufhin gegen den auswärtigen Driesler vor, so dass sogar die Polizei eingeschaltet werden musste. Der Konflikt konnte erst beruhigt werden, als Driesler auf die Malerarbeiten an Wänden und Decke der Kirche verzichtete und nur die Fassmaler- und Vergolderarbeiten ausführte.

Großen Einfluss auf Driesler wirkte das 1200-jährige Kiliansjubiläum im Bistum Würzburg aus, zu dem Lohr gehörte. Die zum Fest des Frankenheiligen erscheinende Chronik enthielt mehrere Illustrationen von den Gebrüdern Schiestl, die der Künstler in seinen Arbeiten später künstlerisch umsetzte. So tauchte die Ermordung Kilians in den Altarbildern auf, die Driesler für die Wallfahrtskirche Maria im Grünen Tal in Retzbach 1891 schuf.

Franz Wilhelm Driesler (um 1895)

1892 übernahm Driesler die Werkstatt seines Vaters. Im gleichen Jahr starb am 14. Februar Drieslers Ehefrau. Um die Versorgung der Kinder sicherzustellen ehelichte Franz Wilhelm Driesler im darauffolgenden Jahr die drei Jahre jüngere Elisabeth Keßler aus Lohr. Der Künstler plante zu diesem Zeitpunkt wohl bereits aus Lohr wegzuziehen, um seine Werkstatt im zentraleren Würzburg zu eröffnen.

Zunächst stellte Driesler seine Arbeiten in der Würzburger Rotscheibengasse bei dem mit ihm befreundeten Bildhauer Max Schmitt aus. Im März 1896 kaufte er in der Heidingsfelder Straße 45 (heute: Friedrich-Spee-Straße 41) ein stattliches Haus mit großem Garten, in dem er seine verschiedenen Werkstattgebäude errichtete. Am 1. Mai 1897 erhielt Driesler das Wohnrecht in der Stadt. Mit dem Wegzug erhielt er nun auch Aufträge aus seiner Heimatstadt Lohr, zugleich präsentierte Driesler seine Kunst 1896 bei der Bayerischen Landes-Gewerbe, Industrie- und Kunstausstellung in Nürnberg dem Publikum.

In der Zwischenzeit fand sein künstlerisches Schaffen von kirchlicher Seite hohe Anerkennung, nicht zuletzt wegen des neugotischen Hochaltars in der Burkarder Kirche aus dem Jahre 1895. Driesler konzipierte den architektonischen und ornamentalen Aufbau des Altars. Die Figuren schnitzten Matthäus Schiestl d.Ä. und sein Sohn Heinz, sein Sohn Matthäus d.J. schuf die Gemälde.

In seinem „Atelier für kirchliche Kunst“ waren zeitweise 15 Mitarbeiter beschäftigt, darunter auch Ludwig Sonnleitner. Drieslers Werkstatt restaurierte und gestaltete über 100 Kirchen neu.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts rückte man von der Ausschließlichkeit der Romanik und Gotik ab und akzeptierte auch wieder die nach-refomrmatorischen Kunststile in der Kirche. So zeigt die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Sächsenheim ihre Ausstattung im Formenrepertoire der Renaissance, jedoch nicht im Stil des Barock, obwohl die Kirche in der Zeit des Barock erbaut worden war. Um die Jahrhundertwende hielt aber auch der Barockstil wieder Einzug in die kirchliche Kunst. Für die katholische Klosterkirche St. Michael in Oberzell, einer barock überformten romanischen Säulenbasilika, schuf Driesler die Ausstattung mit drei Altären und einer Kanzel in barocker Formensprache.

Um 1909 erkrankte der fünfundfünfzigjährige Franz Wilhelm Driesler an einem unheilbaren Magenkarzinom. Da keines seiner Kinder den Betrieb weiterführen wollte, bestimmte Driesler noch in der Zeit seiner Krankheit seine beiden ältesten Gesellen, Adam und Anton Weber, zu seinen Nachfolgern.

Am 16. Juni 1910 verstarb Franz Wilhelm Driesler in seinem Haus in Würzburg. Sein Leichnam wurde nach Lohr überführt und dort am 19. Juni auf dem städtischen Friedhof beerdigt. Der Grabstein hat sich erhalten.

Werke in Stadt und Landkreis Würzburg (Auswahl)

Mitgliedschaft

Driesler war Mitglied der Hätzfelder Flößerzunft bis zu seinem Tod.

Quellen und Literatur

  • Gertrud Fels: Franz Wilhelm Driesler. Der Einfluss des 1200jährigen Kiliansjubiläums auf sein künstlerisches Schaffen im Bistum Würzburg. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter Band 52. Würzburg 1990. S. 389–404
  • Gertrud P. Fels: Franz Wilhelm Driesler – Ein Künstler aus Lohr sucht seinen Weg. In: Spessart. Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart. (April 2012) Lohr am Main 2012, S. 3–9
  • Heimatbuch Oberwerrn Teil 2, Hrsg.: Gemeinde Oberwerrn, Verlag J.G. Röll GmbH, Dettelbach 2004, S. 193

Hinweise

  1. Die Altäre sind heute nur noch fragmentarisch oder teilweise neu ergänzt vorhanden. Die Kanzel ist ganz aus der Kirche entfernt und in ihren figürlichen Teilen in Waldbrunn deponiert.