Eckert's Garten

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Restaurant Eckert's Garten (Frontansicht)

Der Eckert's Garten (auch Eckertsgarten) war ein von 1906 bis zur Zerstörung beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 bestehendes Restaurant in der Veitshöchheimer Straße 4-6 / Welzstraße 2.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Bereits 1835 erwarb der Würzburger Zimmermann Anton Eckert d.Ä. gemeinsam mit seinem Bruder Josef ein dreieckiges Flurstück zwischen Main und Veitshöchheimer Straße, auf der späteren Veitshöchheimer Straße 1, das zuvor dem Holzhändler Johann Rüb von Langenprozelten gehört hatte. Dieser hatte hier ein Gartengrundstück angelegt, welches er zum Teil auch für ein kleines Holzlager in Holzständerbauweise nutzte. [1] [2] Bereits vor der Entfestigung Würzburgs ab 1867 [3], die neue Entwicklungsflächen vor den Mauern bot, zeichnete sich ab, dass Baugeschäfte Hochkonjunktur haben würden, da die Entfestigung als kommunales Struktur- und Wirtschaftsprogramm wirken würde. [4]

Die Stadt erwarb am 26. September 1868 das Glacis und die Festungswerke rechts des Mains vom Land Bayern unter der Auflage, das Areal als Grünbereich zu erhalten. Von 1868 bis 1890 wurden die alten Festungsanlagen schrittweise niedergelegt. [5] 1878 begann unter dem Oberbürgermeister Georg von Zürn die Umgestaltung des Glacis in eine Parkanlage, welche heute als Ringpark bekannt ist. Am Fuße des Steinbergs entstand im Zeitraum von 1863 bis 1864 der neue Bahnhof. Bei der Erschließung des Gebiets [6] jenseits des Befestigungsrings um 1865 [7] wurde die Pleichacher Glacisstraße angelegt, in der sich zahlreiche in der Gründerzeit zu Wohlstand gekommene Unternehmer großzügige Villen errichten ließen. 1888 wurde die Luitpoldbrücke fertiggestellt und sorgte für die Verlängerung der neuen Ringstraße in Richtung Zellerau. Ab 1875 wurde der Alter Hafen errichtet.

Anton Eckert d.Ä. hatte bereits kurz nach dem Erwerb des Gartengrundstücks in der Veitshöchheimer Straße damit begonnen, das ganze Areal zu einem großzügig dimensionierten Werkplatz umbauen zu lassen, der zum Ausgangspunkt des wirtschaftlichen Aufstiegs der Familie und ihrer Ausbreitung in der Äußeren Pleich wurde. In den Folgejahren wurden die Gebäude auf dem Werkplatz sukzessive erweitert. Bis spätestens 1870 hatte Eckert auf der von ihm neu erworbenen Fläche gegenüber ein weiteres Baugeschäft mit Bauschreinerei, Glaserei sowie einer Holzhandlung mit eigenem Dampfsägewerk aufgebaut. Nach 1870 übergab er alles an seinen dritten Sohn Johann Adam Philipp.

Nach dem Tod des Gründungsvaters 1879 übernahmen die Söhne Joseph und Johann Adam Philipp das Geschäft und investierten vor allem in den Ausbau der Veitshöchheimer Straße 2. Auf dem Grund des neuen Baugeschäftes plante die nächste Generation 1881 einen repräsentativen Firmensitz, der zugleich das neue Wohnhaus der Familie werden sollte. Im März 1882 wurde der Bau genehmigt und war bis April 1893 fertiggestellt. Da die Geschäfte sehr gut liefen, wurde auf eigenem Grund Richtung Bahnhof eine wesentlich größere Wohnanlage in Angriff genommen und für die Mietnutzung neuer Wohnraum geschaffen. Durch den Zugewinn weiterer Grundstücke zwischen Ziegelaustraße und Rotkreuzstraße konnten weitere Mietshäuser gebaut werden. Ab 1893 wurden die alten Fabrikhallen abgerissen und bis August 1894 entstand ein neues viergeschossiges Wohnhaus.

Entstehung[Bearbeiten]

Um 1900, als Anton Josef Eckert, der von 1893 bis 1896 an der Technischen Hochschule in München studiert hatte, sich aktiv in das Baugeschäft einschaltete, bestand der Firmensitz in der Veitshöchheimer Straße aus dem alten Werkplatz, dem neuen Baugeschäft mit Dampfsäge, dem repräsentativen und teilweise vermieteten Firmensitz sowie den dahinter sich erstreckenden Mietshäusern in der Rotkreuzstraße. Anton Eckert beabsichtigte ein optische Aufwertung des Geländes um den Firmensitz. Im Zusammenhang mit dem Ausbau und der Begradigung der Veitshöchheimer Straße entstand ein Garten mit einer Gartenmauer. Eine in enger Anlehnung an die barocke Gartenkultur geplante Einfriedung mit einer hohen Mauer mit schmiedeeisernen Gitterfeldern wurde nicht genehmigt. Der Verkauf der Flächen des alten Werkhofes für den Bau des neuen Hauptzollamtes brachte offenbar finanzielle Bewegungsfreiheit.

Im Januar 1904 reichte Anton Eckert Pläne für ein gegenüber des künftigen neuen Hauptzollverwaltungsbaues gelegenes vierstöckiges Haus ein. Eckert plante einen langgestreckten Bau mit zwei Seitenflügeln, von denen der zur Welzstraße etwas größer dimensioniert sein sollte. Von Beginn an war im Erdgeschoss eine Restauration mit Gartenschänke vorgesehen; der Garten sollte eine Kegelbahn erhalten. Die Bauleitung übernahm Anton Eckert am 15. Juli 1904 selbst. Ende August 1904 begannen die Bauarbeiten. 1906 war der Eckbau mit der Nr. 6 fertiggestellt. 1907 kam eine Einfriedung hinzu, die sich an die des Gartens anlehnte. Der Flügel gegen die Welzstraße (Nr. 4) brauchte etwas länger und wurde 1911 vollendet. Im unteren Stockwerk befand sich das „Restaurant zum Eckertsgarten“. Damit war Eckert auch im Gastgewerbe aktiv geworden, ebenso wie sein Großvater, der 1844 die Wirtshausgerechtigkeit vom ehemaligen Gasthof zum Eichhorn in der Eichhornstraße 6 erworben hatte. [8] Das Restaurant wurde an Albert Fritz verpachtet, die 4- bis 6-Zimmerwohnungen darüber wurden von Professoren, Offizieren und Beamten bewohnt.

Restaurant[Bearbeiten]

Das Blasorchester der Gesellschaft „Ammerländer“ übte im Nebenzimmer der Gaststätte „Eckert's Garten“.

Das Restaurant sollte vor allem die höheren Dienstgrade des Zollamtes, die zahlreichen bessergestellten Mieter des Viertels sowie die am Main entlang Reisenden anziehen. Den Nebenraum bezogen bald die Ammerländer, ein Liebhaber-Blasorchester aus Professoren, höheren Beamten und Kaufleuten. [9]

In frivoleren Momenten traf sich aber auch Leonhard Franks „Räuberbande“ zum Kegeln. Eine Szene wird in seinem Roman „Die Räuberbande“ geschildert: „Die Räuber waren sehr erregt und zu allem möglichen bereit, als sie in dem vor der Stadt liegenden Wirtschaftsgarten, dem Eckertsgärtle anlangten, was gleich dadurch zum Ausdruck kam, daß der bleiche Kapitän für alle zusammen eine Liesl Bier bestellte, einem hohen Krug, der zwei Liter faßte und aus dem nur mit Hilfe einer Hand zu trinken die Ehre verlangte. Johann Jakob Streberle beobachtete die Räuber verärgert und lächelte manchmal schadenfroh, während er mit einem Train-Soldaten sprach, zu dem er sagte, er solle die Lausbuben auffordern, mitzukegeln, weil sonst kein Spiel zustande käme.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Würzburg, Bauakten, Ältere Reihe, Nr. 4551, Gesuch Johann Rüb von Langenprozelten 1834, mit einem Plan des Gartens.
  2. Das Gartengrundstück in der Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  3. Vgl. Brandt, Harm-Hinrich: Die Entfestigung Würzburgs. in: Helmut Flachenecker, Dirk Götschmann, Stefan Kummer (Hrsg.): Burg - Schloss - Festung. Der Marienberg im Wandel. Würzburg 2009, S. 255-281
  4. Dieter Schäfer: Aspekte der Wirtschaftsgeschichte Würzburgs vom Ausgang des Alten Reiches bis zur Gegenwart. in: Geschichte der Stadt Würzburg. Band III/1 und III/2. Vom Übergang an Bayern 1814 bis zum 21. Jahrhundert. Hrsg: Ulrich Wagner. Verlag Theiss, Stuttgart 2007, S. 655-657
  5. Helmuth Zimmerer: Die räumliche Entwicklung der Stadt Würzburg. In: 15 Jahrhunderte Würzburg. Hrsg. von Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 238-248; S. 241 (zitiert)
  6. Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. 2. Auflage, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1921, S. 171 f.
  7. Adreßbuch für die Stadt Würzburg von 1868
  8. Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. a.a.O., S. 138 f.
  9. Erich Wimmer: Geselligkeit, Feste und Feiern. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Band III/1 und III/2. Vom Übergang an Bayern 1814 bis zum 21. Jahrhundert. Hrsg: Ulrich Wagner. Verlag Theiss, Stuttgart 2007. S. 1066, ISBN 3-8062-1478-6

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