Werner E. Gerabek

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Professor Werner E. Gerabek

Prof. Dr. Dr. Werner Erwin Gerabek (* 14. Juli 1952 in Gerolzhofen) ist ein deutscher Professor für Geschichte und Ethik der Medizin sowie Gründer und Geschäftsführer des Deutschen Wissenschafts-Verlags (DWV). [1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Abitur am Röntgen-Gymnasium Würzburg studierte Gerabek die Fächer Germanistik, Geschichte, Sozialkunde, Soziologie, Philosophie und Medizingeschichte und legte das I. und II. bayerische Staatsexamen für das Lehramt an den Gymnasien ab. [2] Seine akademischen Lehrer waren unter anderem Hans-Jürgen Schings, Kurt Ruh, Heinrich Rombach, Otto Meyer, Peter Johanek, Georg Brunner und Peter Herde. Er ist seit 1980 am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg tätig. [2] 1988 wurde er mit einer Arbeit über Jean Paul zum Dr. phil. promoviert. [2] 1995 folgten an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg die Habilitation in Medizingeschichte mit einer Arbeit über Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, die Verleihung der Venia legendi sowie die Ernennung zum Privatdozenten. [2] Seit 1996 lehrt er als Lehrbeauftragter mit Promotionsrecht das Fach Medizingeschichte auch an der Universität Regensburg. [2] 2001 wurde Werner E. Gerabek an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg zum Professor für Geschichte und Ethik der Medizin ernannt.

Wissenschaftliche Forschung[Bearbeiten]

Gerabek hat bislang mehr als 400 Schriften veröffentlicht und zahlreiche Dissertationen an den Universitäten in Würzburg und Regensburg als Doktorvater betreut. [2] Zu seinen Hauptarbeitsgebieten in Forschung und Lehre zählt neben der Würzburger Medizingeschichte unter anderem die Geschichte der Medizin und Zahnmedizin im Nationalsozialismus. So erhielt eine Doktorandin Gerabeks für ihre Dissertation über den SS-Zahnarzt Willy Frank 2008 den renommierten Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. [3] Weitere Arbeitsgebiete Gerabeks sind die Medizin und Anthropologie der deutschen Aufklärung und Romantik, die Geschichte der Zahnheilkunde sowie die medizinhistorische Lexikographie: [2] Er ist Mitarbeiter des biographischen Standardwerkes Neue Deutsche Biographie [4], für das er bislang 45 Beiträge über bedeutende Mediziner verfasst hat. [5] Des Weiteren arbeitet er über die mittelalterliche Heilkunde, unter anderem auch als Rezensent für das Deutsche Archiv für Erforschung des Mittelalters [6], das Publikationsorgan der Monumenta Germaniae Historica (MGH) [7], sowie als Beiträger des Lexikons des Mittelalters [8] und des Verfasserlexikons - Die deutsche Literatur des Mittelalters[9] 1998 verfasste er für das Harenberg Lexikon der Nobelpreisträger. Alle Preisträger seit 1901 18 ergografische Artikel über Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin[10] [11] 2005 gab Gerabek die Enzyklopädie Medizingeschichte [12] heraus, für die er selbst 164 Artikel verfasst hatte.[2]

Aufgrund seiner Forschungen zur Geschichte der deutsch-türkischen wissenschaftlichen Beziehungen in der Medizin erhielt Werner E. Gerabek 1998 in Istanbul von der Medizinischen Fakultät der türkischen Militärmedizinischen Akademie Gülhane [13] [14] die Atatürk-Plakette verliehen.

Wissenschaftliche Gutachtertätigkeit[Bearbeiten]

Gerabek ist unter anderem für die Studienstiftung des deutschen Volkes [15], die Alexander von Humboldt-Stiftung [16] sowie für den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) [17] als Gutachter für Geschichte der Medizin tätig. Des Weiteren übt er für die Wiener klinische Wochenschrift [18] eine gutachterliche Tätigkeit aus. Gerabek ist ferner Mitarbeiter am Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Zahnmedizin (NKLZ)[19]

Verlagsleiter[Bearbeiten]

1998 gründete Werner E. Gerabek in Würzburg den international agierenden Deutschen Wissenschafts-Verlags (DWV) mit Zweitsitz in Boston, MA und heutigem Sitz in Baden-Baden, einen der führenden unabhängigen Wissenschaftsverlage, den er bis heute leitet [20] und in dem u.a. die 8-bändige Gesamtedition der Briefe des Malers Max Liebermann erscheint. [21]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monographien

  • Naturphilosophie und Dichtung bei Jean Paul. Das Problem des Commercium mentis et corporis. Akademischer Verlag Stuttgart, 1988. ISBN 3-88099-206-1 (Dissertation)
  • Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und die Medizin der Romantik. Studien zu Schellings Würzburger Periode. Peter Lang, Frankfurt 1995. ISBN 3-631-48865-3 (Habilitation) [22]
  • mit Josef Domes, Bernhard D. Haage (Hrsgg.): Licht der Natur. Medizin in Fachliteratur und Dichtung. Kümmerle, Göppingen 1994. ISBN 3-86888-008-9
  • mit Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsgg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005. ISBN 3-11-015714-4
  • mit Ludwig Schießl, Manfred Jähne, Michael Nerlich, Thomas Richter, Christoph Weißer (Hrsgg.): Doktor Eisenbarth (1663-1727). Ein Meister seines Fachs: Medizinhistorische Würdigung des barocken Wanderarztes zum 350. Geburtstag. Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV), Baden-Baden 2013. ISBN 3-86888-064-X

Buch- und Zeitschriftenbeiträge

  • Pfarrer, Hans. Chirurg in Würzburg, 15. Jh., in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl. hrsg. von Kurt Ruh, VII, Berlin und New York: Walter de Gruyter 1989, Sp. 555–556
  • Zahnmedizin im hohen Mittelalter: Hirschnieren-Fett gegen den Schmerz, in: Zahnärztliche Mitteilungen 80 (1990), H. 24, S. 2705–2711
  • Hans Spemann – ein in Franken fast vergessener Nobelpreisträger, in: Würzburg heute (1991), H. 52, S. 37–39
  • Schenck, Johann, von Würzburg. Wundarzt in Trier, 15. Jh. , in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl. hrsg. von Kurt Ruh, VIII, Berlin und New York: Walter de Gruyter 1991, Sp. 637–639
  • Der Weg zur Bismarckschen Invaliditäts- und Altersversicherung aus medizinhistorischer Sicht, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 10 (1992), S. 331–356
  • Zum 150. Geburtstag des Würzburger Medizinhistorikers und Augenarztes Friedrich Helfreich, in: Blick. Forschung, Lehre, Dienstleistung [1] (1993), Nr. 1, S. 14f.
  • Zusammen mit Angelika Pabel: Johann Lukas Schönlein. Mediziner, Sammler, Mäzen. Ausstellung in der Universitätsbibliothek, 3. 3. – 21. 5. 1994; Würzburg 1994
  • Hundert Jahre Röntgenstrahlen: „Ich fand durch Zufall, daß die Strahlen durch schwarzes Papier drangen. ...“ , in: Zahnärztliche Praxis 46 (1995), H. 11, S. 36f.
  • Wilhelm Conrad Röntgen und seine Entdeckung der X-Strahlen, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 13 (1995), S. 87–96
  • Wilhelm Conrad Röntgen und Würzburg, in: Frankenland. Zeitschrift für Fränkische Landeskunde und Kulturpflege (1995), Nr. 2, S. 82–93
  • Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und die Medizin der Romantik. Bemerkungen zur Würzburger Zeit (1803–1806) des Philosophen, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 14 (1996), S. 63–72
  • Der Würzburger Arzt und Naturgelehrte Philipp Franz von Siebold. Der Begründer der modernen Japanforschung, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 14 (1996), S. 153–160
  • Die Edition des medizinhistorischen „Pschyrembel“. Ein lexikographischer Werkstattbericht, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 18 (1999), S. 15–17
  • Athanasius Kircher und die Medizin, in: Magie des Wissens. Athanasius Kircher 1602–1680. Universalgelehrter, Sammler, Visionär. Ausstellung Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg, 1. Oktober – 14. Dezember 2002, hrsg. von Horst Beinlich, Christoph Daxelmüller, Hans-Joachim Vollrath und Klaus Wittstadt, Dettelbach 2002, S. 177–182
  • Zusammen mit Gundolf Keil: Lorscher Arzneibuch, Wolfegger Hausbuch und Kodex Schürstab – drei der bedeutendsten Handschriften zur mittelalterlichen Medizin, in: Schrift, Sprache, Bild und Klang. Entwicklungsstufen der Schrift von der Antike bis in die Neuzeit. Sonderausstellung der Fakultät für Altertums- und Kulturwissenschaften der Universität Würzburg in Verbindung mit dem Lehrstuhl für Alte Geschichte, dem Institut für Geschichte der Medizin, der Universitätsbibliothek und der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums im Jubiläumsjahr der Universität Würzburg, 23. April–31. August 2002, Würzburg 2002 (= Nachrichten aus dem Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg, Reihe A: Antikensammlung, Bd. 4), S. 179–183
  • Der Würzburger Physiologieprofessor und Stadtarmenarzt Johann Joseph Dömling (1771–1803) – ein fast vergessener Pionier der romantischen Heilkunde, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22 (2003), S. 21–30
  • Vom Fieberheilmittel zum Medizinzentrum, in: Würzburg. 1300 Jahre Stadtleben zwischen Bildung und Bürgertum, Kirche und Kultur, hrsg. von Klaus M. Höynck und Alexander von Papp, Würzburg 2003, S. 77–81
  • Rudolf Virchow – berühmtester Würzburger Mediziner des 19. Jahrhunderts, in: Frankenland 56 (2004), S. 95–106
  • Kircher, Athanasius, in: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler, II, München 2004, S. 314f.
  • Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von, in: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler, III, München 2004, S. 251f.
  • Spemann, Hans, in: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler, III, München 2004, S. 308f.
  • Carl Joseph Ringelmann und der Beginn der wissenschaftlichen Zahnheilkunde in Würzburg um 1800, in: Geschichte der Stadt Würzburg. Vom Übergang an Bayern 1814 bis zum 21. Jahrhundert, hrsg. von Ulrich Wagner, III,1, S. 777-779, III, 2, S. 1332, Stuttgart 2007
  • Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, „Madame Luzifer“ und die Alma Julia. Die Wohn- und Lebenssituation des Philosophen in Würzburg (1803-1806). Eine Miszelle, gewidmet Dr.med. Walter M. Brod zum 95. Geburtstag, in: Tempora mutantur et nos? Festschrift Walter M. Brod 2007, hrsg. v. Andreas Mettenleiter, Pfaffenhofen 2007 (= Aus Würzburgs Stadt- und Universitätsgeschichte, 2), S. 382-387
  • Das Gesundheitswesen der Stadt Würzburg, in: Geschichte der Stadt Würzburg. Vom Übergang an Bayern 1814 bis zum 21. Jahrhundert, hrsg. von Ulrich Wagner, III,1, S. 770-776, III, 2, S. 1332, Stuttgart 2007
► Weitere Schriften bei Wikipedia

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Internetseiten des Deutschen Wissenschafts-Verlags (DWV)
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Werner E. Gerabek auf der Homepage des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg
  3. Forschungspreis der Bundesärztekammer
  4. Nähere Informationen zur Neuen Deutschen Biographie bei Wikipedia [1].
  5. Neue Deutsche Biographie: Artikel Werner E. Gerabeks
  6. Nähere Informationen zum Deutschen Archiv für Erforschung des Mittelalters bei Wikipedia [2].
  7. Nähere Informationen zur Monumenta Germaniae Historica (MGH) bei Wikipedia [3].
  8. Nähere Informationen zum Lexikon des Mittelalters bei Wikipedia [4].
  9. Nähere Informationen zum Verfasserlexikon - Die deutsche Literatur des Mittelalters bei Wikipedia [5].
  10. Nähere Informationen über die Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin bei Wikipedia [6].
  11. Harenberg Lexikon der Nobelpreisträger. Alle Preisträger seit 1901. Ihre Leistungen, Ihr Leben, ihre Wirkung, Dortmund 1998
  12. Enzyklopädie Medizingeschichte
  13. Nähere Informationen zur Militärmedizinischen Akademie Gülhane bei Wikipedia [7].
  14. Gülhane Askerî Tıp Akademisi
  15. Nähere Informationen zur Studienstiftung des deutschen Volkes bei Wikipedia [8].
  16. Nähere Informationen zur Alexander von Humboldt-Stiftung bei Wikipedia [9].
  17. Nähere Informationen zum Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) bei Wikipedia [10].
  18. Wiener klinische Wochenschrift
  19. Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Zahnmedizin (NKLZ)
  20. Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV)
  21. Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV): Max-Liebermann-Briefedition
  22. Autoreninformation beim Peter-Lang-Verlag

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