Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

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Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, um 1800
Friedrich Wilhelm Joseph Ritter von Schelling

Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Joseph Ritter von Schelling (* 27. Januar 1775 in Leonberg, heute im Landkreis Böblingen; † 20. August 1854 in Bad Ragaz/Schweiz) war Anthropologe und Philosoph, einer der Hauptvertreter des Deutschen Idealismus und Theoretiker der romantischen Heilkunde sowie Professor in Würzburg von 1803 bis 1806.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Schellings Eltern waren der Orientalist Joseph Friedrich Schelling, Pfarrer in Leonberg, ab 1777 Lehrer am Höheren Seminar des Klosters Bebenhausen, und dessen Ehefrau Gottliebin Marie, geb. Cleß.

Schelling besuchte zunächst die Lateinschule in Nürtingen, dann die evangelische Klosterschule in Bebenhausen. Mit einer Sondergenehmigung konnte Schelling 1790 bereits im Alter von knapp sechzehn Jahren in das Tübinger Evangelische Stift, das zur Universität gehörte, aufgenommen werden. Dort studierte er Evangelische Theologie gemeinsam mit Friedrich Hölderlin und Georg W. F. Hegel. Von 1796 bis 1798 studierte er an der Universität in Leipzig Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin. Von 1798 bis 1803 lehrte Schelling als Professor für Philosophie in Jena. Ab 1802 arbeitete er mit Hegel zusammen; beide gaben die Zeitschrift Kritisches Journal der Philosophie heraus (1802–1803).

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

1803 wurde Schelling an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg auf den Lehrstuhl für Philosophie berufen, wo er bis 1806 blieb und sich besonders auch mit medizinischen Themen beschäftigte. Er versuchte im Gegensatz zur praktisch-experimentellen Vorgehensweise, die Medizin seiner Zeit mit spekulativer Methodik und ausgeklügelten Gedankengebäuden theoretisch zu begründen, beeinflusste mit seiner Auslegung von Naturphilosophie (Identität von Sein und Bewusstsein, Materie und Geist sowie Leib und Seele) viele Ärzte in Deutschland und gilt als Wegbereiter der von etwa 1800 bis 1830 verbreiteten „romantischen Medizin“. Die dabei angenommene Einheit von Leib und Seele trug entscheidend zum damaligen Aufschwung der Psychiatrie bei. Die Geisteskrankheiten wurden in gelehrten Kreisen zu einem Modethema und auch Heinrich von Kleist hatte in dieser Zeit wohl aus dementsprechender Neugier die Irrenabteilung des Würzburger Juliusspitals aufgesucht.

Einige Anhänger Schellings bildeten den sogenannten Würzburger Schelling-Kreis, dem unter anderem der Mediziner und Naturphilosoph Carl Windischmann (1775-1839) und der Brownianer Andreas Röschlaub (1768-1835) sowie Ignaz Döllinger angehörten. [1]

Neben der Schrift Philosophie und Religion (1804) entstand in Würzburg das System der gesamten Philosophie und der Naturphilosophie, insbesondere (Würzburger Vorlesungen) eines der Hauptwerke der Identitätsphilosophie.

Weitere Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

1806 ging Schelling nach München, wo er in den bayerischen Staatsdienst eintrat, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde und bis 1820 blieb. 1808 wurde er Generalsekretär der neugegründeten Akademie der Bildenden Künste in München. 1820–1826 dozierte Schelling als Honorarprofessor ohne feste Lehrverpflichtung in Erlangen. 1827 wurde er als ordentlicher Professor an die neu errichtete Universität München berufen, wo er bis 1841 Vorlesungen hielt. 1841 wurde Schelling nach Berlin auf den vakanten Lehrstuhl Hegels berufen.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Friedrich Schelling heiratete am 26. Juni 1803 Caroline Schlegel nach ihrer Scheidung von August Wilhelm Schlegel. Caroline Schelling wohnte mit ihrem Mann von 1803 bis 1806 in Würzburg.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm wurde die Schellingstraße im Stadtbezirk Frauenland benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Werner E. Gerabek: Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 1291-1293
  • Werner Gerabek: Jean Paul und die Romantische Medizin, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 51-64, S. 51-55 (Zur Naturphilosopie Schellings)
  • Werner E. Gerabek: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und die Medizin der Romantik. Studien zu Schellings Würzburger Periode, Frankfurt am Main u.a. 1995
  • Werner E. Gerabek: Der Würzburger Physiologieprofessor und Stadtarmenarzt Johann Joseph Dömling (1771-1803) - ein fast vergessener Pionier der romantischen Heilkunde, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22 (2003), S. 21-29, S. 21 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner E. Gerabek: Windischmann, Carl Joseph Hieronymus, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 1500

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