Johann Joseph Dömling

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Prof. Dr. Johann Joseph Dömling (* 13. Januar 1771 in Merkershausen, heute ein Ortsteil von Bad Königshofen im Grabfeld im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld [1]; † 7. März 1803 in Würzburg) war Professor der Physiologie und Stadtarmenarzt in Würzburg.

Leben und Wirken

Johann Joseph ging als Bauernsohn zunächst auf die Merkershausener Dorfschule und wurde dann Schüler an einer Lateinschule in Königshofen. Zwar hatte seine Familie nicht die finanziellen Mittel, ihn auf ein Gymnasium zu schicken, doch nachdem sich Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal persönlich von der Eignung Dömlings überzeugt hatte, verschaffte jener ihm einen Ausbildungsplatz am „Museum des Juliusspitals“, wo dieser zunächst das geistliche Seminar besuchte. Anschließend erhielt er aufgrund seiner Begabung und des Interesses, das er am Krankenhaus des Juliusspitals zeigte, wo er als Gehilfe des berühmten Nikolaus Anton Friedreich arbeitete, durch den Fürstbischof ein Stipendium für die weitere medizinische Ausbildung und dazu erfolgte Reisen. Nachdem ihm auch von Georg Karl von Fechenbach weitere finanzielle Unterstützung widerfuhr, konnte er in Würzburg Medizin studieren und wurde unter der Doktorvaterschaft von Carl Caspar Siebold 1797 [2] dort promoviert. Weitere Studienreisen führten ihn nach Wien, Prag, Dresden, Leipzig, Jena und Halle an der Saale.

Professor in Würzburg

Nach seinen Studienreisen wurde er am 20. August 1799 in Würzburg Professor für Physiologie, Nachfolger Barthel von Siebolds und Stadtarmenarzt.

Nachdem er in seinen ersten Publikationen das antik-mittelalterliche medizinische System der Viersäftelehre in Zweifel zog und sich als Verfechter modernerer naturwissenschaftlicher Medizinkonzepte zeigte, polemisierte er zunächst auch gegen die Naturphilosophie Schellings, den er bereits in Jena kennengelernt hatte. Doch ab etwa 1802 lassen seine Schriften eine Begeisterung für die Ansichten Schellings erkennen. Wesentliche Elemente seiner Thesen bilden dabei Experimente zu den Erscheinungen der (elektrischen) Erregbarkeit von Organen und Geweben. [3]

Als Vertreter naturphilosophischer Ideen hatte Dömling in Würzburg den Weg bereitet für den Philosophen und Anthropologen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der im November 1803 in Würzburg Lehrstuhlinhaber der Philosophie wurde und als Begründer der sogenannten „Romantischen Medizin“ gilt. Dömlings Amtsnachfolger wurde sein Freund, der Stadtphysikus Ignaz Döllinger.

Publikationen

Mit dem Würzburger Stadtarzt Philipp Joseph Horsch gab Dömling das Archiv für die Theorie der Heilkunde in Nürnberg heraus - allerdings ist davon nur ein Band 1804 erschienen. Seinerzeit bestanden Gerüchte, dass Horsch als ihn behandelnder Arzt Dömling ermordet haben könnte. Urheber dieser Gerüchte war - gemäß Gerabek [4] - mit einiger Wahrscheinlichkeit der Würzburger Theologieprofessor Franz Berg, ein Anhänger „aufklärerischer“ philosophischer Anschauungen.

Hinweise und Einzelnachweise

  1. nicht im hessischen Markershausen, wie Hirsch in der Allgemeinen Deutschen Biographie behauptet; siehe dazu Werner E. Gerabek, a.a.O., S. 22
  2. Johann Joseph Dömling: Dissertatio inauguralis sistens morborum gastricorum acutorum ... Carolo Casparo Siebold ... die XXIII. iunii M.DCC.XCVII ... Wirceburgi
  3. Johann Joseph Dömling: Beweis, dass das Nervensystem das Organ der Sensibilität in allen Theilen des menschlichen Organismus, und dass folglich die Lebensthätigkeit aller Organe von ihm abhängig sey, Archiv für die Theorie der Heilkunde 1 (1804), S. 281-288
  4. Werner E. Gerabek: Der Würzburger Physiologieprofessor und Stadtarmenarzt Johann Joseph Dömling (1771-1803) - ein fast vergessener Pionier der romantischen Heilkunde, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22 (2003), S. 21-29, S. 26 f.

Siehe auch

Quellen

  • Werner E. Gerabek: Der Würzburger Physiologieprofessor und Stadtarmenarzt Johann Joseph Dömling (1771-1803) - ein fast vergessener Pionier der romantischen Heilkunde, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22 (2003), S. 21-29 (zitiert)
  • August Hirsch: Doemling, Johann Joseph, in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 288-289 Onlinefassung

Literatur

  • Susanne Andrea Geywitz: Der Würzburger Physiologieprofessor und Stadtarmenarzt Johann Joseph Dömling (1771-1803) - Leben und Werk, medizinische Dissertation, Würzburg 2013