Peter Speeth

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Peter Speeth (* 29. November 1772 in Mannheim; † 1831 in Odessa, Ukraine) war ein bedeutender Vertreter der „Revolutionsarchitektur“. [1] Ab 1807 war er in Würzburg tätig und schuf hier mehrere repräsentative Bauwerke.

Familiäre Zusammenhänge

Peter Speeth war das äl­teste von fünf Kin­dern der Wil­hel­mine Speeth, ge­bo­rene Are­ans, und des kur­pfäl­zi­schen Hoft­rom­pe­ters Ni­ko­laus Speeth (1740–1784), der 1778 mit dem Kur­fürs­ten Karl Theo­dor nach Mün­chen kam.

Leben und Wirken

1781 wurde er von den Eltern auch nach München geholt, wo ihn der Vater mit den Bildenden Künsten und damit verbundenen Wissenschaften vertraut machen ließ. Nach dem frühen Tod des Vaters holte ihn sein Onkel Georg Weber, der in Heidelberg in der Bauverwaltung tätig war, zu sich und unterrichtete den zwölfjährigen Speeth in Architekturzeichnung und in der Baukunst. Als Georg Weber nach Frankfurt am Main gerufen wurde, um dort die Ausführung des von Nicolas de Pigage [2] entworfenen Schweitzerschen Palais in der Zeil für den Seidenhändler Franz Maria Schweitzer zu übernehmen (Bauausführung 1788–1794), holte er den 14-jährigen Speeth nach, um diesem praktische Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln zu können. De Pigage erkannte Speeths Talent und stellte ihn als Bauzeichner ein.

1797 zog Speeth nach Heidelberg, arbeitete an „Grohmanns Ideenmagazin“ mit und veröffentlichte 1803 zusammen mit Georg Primavesi [3] eine Stichfolge mit „Ansichten des Heidelberger Schlosses“. In den gleichen Jahren entstanden die nicht ausgeführten Entwürfe für den Wiederaufbau der Zisterzienserabtei in Engelthal und für ein Kur- und Badehaus für Langenschwalbach im Taunus.

Ab 1804 war Speeth am Fürstlich Leiningenschen Hof in Amorbach als Zeichenlehrer tätig und baute das Wohn- und Geschäftshaus für den Kaufmann Thibault d’Allerit aus. 1806 erhielt er in Frankfurt die Erlaubnis, „öffentlichen Unterricht im architektonischen, als landschaftlichen Fache“ erteilen zu dürfen.

Großherzoglicher Zeichner und Landbaumeister

Großherzogs Ferdinand III. von Toskana holte Speeth im Jahr 1807 nach Würzburg. Zunächst wirkte er als Zeichner, dann als Landbaumeister im großherzoglichen Bauamt. Bis 1813 lehrte er auch Architekturzeichnung an der Zeichenschule. Besonders gefragt waren seine phantasievoll variierenden Entwurfszeichnungen, die neueste künstlerische Entwicklungen aufnahmen.

Obwohl er auch über baupraktische Fähigkeiten verfügte hatte er möglicherweise zu wenig fachliche Erfahrung um das Amt des Landbaumeisters voll ausfüllen zu können. Dass er - nachdem Würzburg wieder bayerisch geworden war - 1815 wieder aus dem Amt entlassen wurde, wird aber eher seinem „unbeugsamen, stolzen Charakter“ zugeschrieben. Trotz mehrerer Gesuche erhielt er keine neue Anstellung und lebte von Privataufträgen und Zeichenunterricht, bis er 1826 vom russischen Staatsrat von Vietinghoff, der das neu gebaute Würzburger Zuchthaus bewundert hatte, nach Russland berufen wurde. Dort baute Speeth die Metropolitankirche in Chișinău, starb aber noch vor ihrer Vollendung 1831 in Odessa als Provinzialarchitekt für Bessarabien.

Bauwerke

Im öffentlichen und privaten Auftrag plante und verwirklichte Speeth im Zeitraum 1807-1821 verschiedene Gebäude im Stadtgebiet, die teilweise heute noch in ihrer Ursprungsform vorhanden sind.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Antje Hansen und Suse Schmuck: Das ehemalige Zuchthaus von Peter Speeth. Hefte für Würzburg, Heft 6. Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2017
  • Mareike Hennig: Träume aus Stein: Peter Speeth und die Revolutionsarchitektur in Deutschland. 1. Auflage, Verlag Fichter, H. W., 20. Januar 2011
  • Stefan Kummer: Kunstgeschichte der Stadt Würzburg 800-1945. Schnell und Steiner, Regensburg 2011
  • Ingrid Haug: Peter Speeth. Architekt. 1772-1831. Inaugural-Dissertation an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1969. (Universitätsbibliothek 20/NZ 99701.4 H371)

Weblinks

Einzelnachweise, Erläuterungen und Hinweise

  1. Der Begriff Revolutionsarchitektur bezeichnet eine Entwicklungsphase des Klassizismus – die Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts insbesondere in Frankreich. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Nicolas de Pigage (* 3. August 1723 in Lunéville; † 30. Juli 1796 in Schwetzingen) war ein lothringischer Baumeister. Weitere Informationen bei Wikipedia [2].
  3. Johann Georg Primavesi (* 1774 in Heidelberg; † 16. Januar 1855 in Kassel) war ein deutscher Theater- und Landschaftsmaler. Weitere Informationen bei Wikipedia [3].
  4. Heinrich Ragaller: Zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in Würzburg, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 353-373, S. 354
  5. Heinrich Ragaller, a.a.O.
  6. ein Fenster in Lyra-Form ziert noch den Eingang der Musikhochschule; laut Josef Kern: Die Bildende Kunst abseits der Zentren, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 247-316, S. 311, Anm. 7
  7. Main-Post: „Ein Schlösschen wird herausgeputzt“ (7. Juli 2014)
  8. Zuschreibung, noch nicht mit Quellen belegt.

Kartenausschnitt (Bauwerke in Würzburg)

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