Johann Georg Ritter von Steidle

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hofrat Johann Georg Ritter von Steidle (1860)
Hofrat Johann Georg Ritter von Steidle (1898)
Grabstätte von Johann Georg Ritter von Steidle auf dem Würzburger Hauptfriedhof

Hofrat Dr. h.c. Johann Georg Ritter von Steidle (* 10. September 1828 in Diessen a. Ammersee; † 23. November 1903 in Würzburg) war Jurist und Erster rechtskundiger Bürgermeister der Stadt Würzburg von 1884 bis 1899.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Johann Georg Steidle war Sohn des Färbermeisters Johann Georg Steidle und dessen Ehefrau Barbara, geb. Schleglmann. Nach dem Besuch der Volksschulen in Diessen und Seeg bei Füssen (1834-1840) hatte er Privatunterricht in Griechisch und Latein (1837-1840). Daraufhin besuchte er die Lateinschule, das Gymnasium und das Lyzeum in Dillingen/Donau (1840-1846). Im Anschluss absolvierte er sein Jurastudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (1846-1848) und bestand 1850 sein 2. Staatsexamen. Von 1850 bis 1858 war er bei zwei Würzburger Anwälten beschäftigt. 1859 reiste er mit Professor Franz Hettinger nach Italien, um die Nachlassangelegenheiten von Martin von Wagner zu regeln. Seit 1859 war er als selbstständiger Rechtsanwalt in Würzburg tätig. Am 31. Januar 1860 heiratete er Sophia Franziska Maria-de-la-Luz Lang (gest. 1869), mit der er drei Söhne hatte.

Erster Bürgermeister in Würzburg[Bearbeiten]

1875 wurde er erstmals für die Ultramontanen in das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten gewählt. Am 21. Juli 1884 wurde Steidle zum Ersten Bürgermeister von Würzburg gewählt.

In seine Amtszeit fallen die Einweihung der Luitpoldbrücke (heute Friedensbrücke) 1888, der Bau des städtischen Kühlhauses und die Erweiterung des Gaswerks Würzburg (1888-1890), der Bau der Ludwigsbrücke, des Wasserwerks Mergentheimer Straße, die Eröffnung der ersten Straßenbahnlinie mit dem Durchbruch zwischen Kürschnerhof und Schönbornstraße und der Baubeginn der Pädagogischen Hochschule im Stadtteil Frauenland. 1894 wurde der Frankoniabrunnen, im folgenden Jahr der Kiliansbrunnen eingeweiht. Am 31. Dezember 1899 trat Steidle von seinem Amt zurück.

Steidle vs. Lindahl[Bearbeiten]

In Steidles Amtzeit fallen auch die Auseinandersetzungen mit dem Landschaftsgärtner Jöns Person Lindahl. Die Gestaltung des Ringparks verstand Lindahl als Kunstwerk, weshalb er daher kaum zu Kompromissen bereit war, auch wenn die Finanzmittel dafür begrenzt waren. Als er vor dem Sanderviertel einen See, der mit Mainwasser gespeist werden sollte, anlegen ließ, kritisierte die lokale Presse, dass es ein Unding sei, neben einem Fluss für teures Geld einen künstlichen See anzulegen. Aus diesem Grunde distanzierte sich Bürgermeister Steidle von seinem Stadtgärtner. Eine Kommission sollte künftig Lindahls Ausgaben überprüfen. Dieser Affront führte bei Lindahl zu einem Nervenzusammenbruch. Während eines Kuraufenthalts ließ der Magistrat den ausgehobenen Weiher wieder zuschütten, mit Rasen bepflanzen, die aufgeworfenen Hügel verkleinern und als Spielplätze herrichten. Nach seiner Rückkehr war Lindahl über diese Eingriffe in sein Werk so entsetzt, dass er am 22. November 1887 seinem Leben selbst ein Ende setzte und sich in den Glacisanlagen an der Ottostraße erschoss.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Er verstarb an Lungenentzündung und wurde am 26. November 1903 auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach Johann Georg von Steidle ist die Steidlestraße im Stadtbezirk Frauenland benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harm-Hinrich Brandt: Würzburger Kommunalpolitik 1869-1918, in: Geschichte der Stadt Würzburg III/1. Stuttgart 2007, S. 64-166, hier: S. 98-111.
  • Hans-Peter Baum: Johann Georg Steidle. Erster Bürgermeister 1884-1899, in: Würzburger Bürgermeister 1862-1920. Hopfenstätter, Zürn, Steidle, Michel, Ringelmann, Grieser (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 3), Würzburg 1990, S. 43-94.

Siehe auch[Bearbeiten]