Bildstöcke

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bildstock von 1697 in Versbach

Bildstöcke sind Zeugnisse der Volksfrömmigkeit vieler Jahrhunderte und finden sich zahlreich in Stadt und Landkreis Würzburg.

Einführung[Bearbeiten]

In unserer fränkischen Landschaft begegnet man Bildstöcken sehr häufig, doch nur selten werden sie von uns bewusst wahrgenommen. Häufig stehen sie unbeachtet am Straßenrand und schnell ist man an ihnen vorbeigefahren. Wer macht sich schon die Mühe anzuhalten, auszusteigen und sie genauer anzusehen?

Was sind Bildstöcke?[Bearbeiten]

Bildstöcke sind in erster Linie religiöse Zeichen, die aufgrund einer Stiftung errichtet wurden und hauptsächlich an öffentlichen Wegen stehen. In Form und Aussehen entsprechen sie dem Geschmack der Zeit und dem Können des Handwerkers. Bildstöcke gehören zur Gruppe der Flurdenkmale, obwohl sie nicht nur in der Flur, sondern auch in Dörfern und Städten stehen. Zur Abteilung der Flurdenkmale zählen auch Wege-, Feld- und Sühnekreuze, Heiligenfiguren, Kreuzschlepper, Gedenksteine, Prozessionsaltäre und alte Grenzsteine.

Seit wann gibt es Bildstöcke?[Bearbeiten]

Die Entwicklung von Bildstöcken lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Der älteste bekannte Bildstock des Landkreises Würzburg steht an der Gollach bei Bieberehren; er trägt die Jahreszahl 1432 (Bildstock Mühlweg (Bieberehren). Unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn und nach den schrecklichen Pestzeiten der Jahre 1624 und 1634 erlebte der Brauch der Bildstocksetzung seine erste Blütezeit, um dann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Höhepunkt zu erreichen.

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde dieser Brauch immer seltener ausgeübt. Doch er ist bis heute nicht ausgestorben. Unsere modernen Heiligenfiguren, vor allem in den Weinbergen, führen diese jahrhundertealte Tradition fort.

Brauchtum und Bildstöcke[Bearbeiten]

Die Errichtung eines Bildstockes war ein Ereignis im dörflichen Leben und mit bestimmten Sitten und Bräuchen verbunden. So wurde er vor dem Aufstellen vom Pfarrer gesegnet. Alte Gemeinderechnungen geben Auskunft über die „Feierlichkeiten“, z.B. über Mahlzeiten für die Handwerker, den Pfarrer, den Lehrer, d.h. für Personen, die bei der Setzung mitgeholfen hatten. Ging man an einem Bildstock vorüber, betete man früher ein Vaterunser und die Männer nahmen den Hut ab. Überdies schrieb man den Bildstöcken eine Schutzfunktion für das Dorf zu, indem sie den Ort und die Flur vor schweren Unwettern bewahren helfen sollten.

Heimatgeschichtliche Zeugen[Bearbeiten]

Die Beweggründe für die Errichtung von Bildstöcken waren unterschiedlichster Art. Sie lassen sich anhand mancher Inschriften erkennen und erlauben heute einen kleinen Einblick in das damalige Leben.

Bildstöcke sind nicht nur Überbleibsel aus vergangener Zeit. Sie berichten von Ereignissen aus der Heimat, von Unfällen, Pest-, Kriegs- und Notzeiten. Sie erinnern an alte Wege und die Entstehung von Bräuchen, wie z.B. das Verirrtenläuten in Röttingen. Auf alten Karten und in alten Berichten dienten sie als Grenzzeichen bzw. Orientierungshilfen für den Grenzverlauf. Wappen und Ordenszeichen weisen auf herrschaftliche Zugehörigkeiten und Besonderheiten hin.

Zeugen der Religiosität unserer Vorfahren[Bearbeiten]

Bildstock in Maidbronn mit Inschrift Dettelbacher Gnaten Bilt

Bildstöcke sind in erster Linie religiöse Zeichen. Diese Tatsache verdeutlichen vor allem die Darstellungen und Inschriften. Lobpreis, Dank und Ehre Gottes, eine besondere Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit und der Mutter Gottes kommen hier zum Ausdruck.

Andere Bildstöcke erinnern an bekannte Wallfahrtsorte. Bei einem Bildstock in Maidbronn aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verweist die Inschrift unter der Darstellung der Pietà auf das Dettelbacher Gnaten Bilt. Neben den großen Wallfahrten veränderten kleinere, ortsspezifische Prozessionen und Umgänge manchen Bildstock, indem er bei derartigen Ereignissen zum Stationsaltar wurde.

Familiengeschichtliche Zeugen[Bearbeiten]

Doch nicht nur die Frömmigkeitsgeschichte unsere Vorfahren tritt hier zutage. Persönliche Schicksale oder Ereignisse lassen sich anhand dieser Steinsetzungen erkennen. Dabei können bildliche Darstellungen und Text zusammenwirken und eine kleine Geschichte erzählen. Inschriften enthalten die Namen der Stifter und bewahren auf diese Weise deren Andenken. Wappen und Handwerks- oder Zunftzeichen geben Auskunft über Beruf und Stand. Stiftungsanlässe, in Text und Bild dargestellt, zeigen persönliche Schicksale, Unfälle oder Errettungen aus großer Not auf.

Manche Bildstöcke sind mit Sagen und kleinen Geschichten verbunden. Hinzu kommen die Gedenksteine, die vom Totschlag und Mord erzählen und die von Hinterbliebenen gestiftet wurden (Schneiderskreuz (Greußenheim)).

Kunstgeschichtliche Zeugen[Bearbeiten]

Bei einem Gang durch die fränkische Landschaft überrascht die Vielfalt der Bildstockformen. Die Bandbreite der Objekte reicht von einfachen Darstellungen mit nur einem Flachrelief über reich ornamentierte Martern, die auf Vorder- und Rückseite Abbildungen aufweisen, bis hin zu ausladenden Altarbildstöcken und bewegten Freifiguren. So dominieren bei den Denkmalen der Spätgotik Spitzbogen, Spitzgiebel und einfache Formen. Die Aufsätze der Renaissance erhalten Säulchen oder Pfeiler und Gesimse zur Umrahmung der Darstellungen. Gestik und Mimik der Personen verlieren die Starre der Gotik und werden lebhafter. Der Vierkantschaft der vorherigen Jahrhunderte wird durch die Rundsäule mehr und mehr verdrängt. Ihren Höhepunkt in der Ornamentik erreichen die Bildstöcke im Rokoko. Eine Fülle von Blattwerken, Ranken und Voluten schmücken diese Martern. Hinzu kommen im 17./18. Jahrhundert neue Formen, wie Freifiguren und Altarbildstöcke.

Zeugen der kunsthandwerklichen Tradition einer Region[Bearbeiten]

Die Bildstöcke wurden von den Handwerks- und Steinmetzbetrieben der Umgegend geschaffen. Ihre Form und Gestaltung geben nicht nur Auskunft über den Geschmack und die Finanzkraft des Auftraggebers, sondern auch über das handwerkliche Geschick und Können der ausführenden Werkstatt. Die Namen der Handwerker sind in der Regel nicht auf allen Bildstöcken vermerkt, denn das Werk sollte in erster Linie dem Lob Gottes und nicht des Herstellers dienen. Möglicherweise maß man der Namensnennung auch keine große Bedeutung zu.

Doch die Qualität der namenlosen Denkmäler lassen ein beachtliches Niveau der Handwerkskunst in unserer Region erkennen. Bildstöcke schmücken Häuser, Höfe, Dörfer, Wege, Kirchen und die Flur. In ihnen widerspiegeln sich Lebensalltag sowie Lebenshöhepunkte, Sitte und Brauch unserer Vorfahren. Sie schaffen eine kulturelle Identität und sind zu erhalten.

Standorte und Informationen[Bearbeiten]

Die meisten älteren Bildstöcke sind in den Denkmallisten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege erfasst. Hier geht es zu den entsprechenden WürzburgWiki-Listen:

► Baudenkmäler

Übersicht[Bearbeiten]

Zusätzlich bieten die Kategorien

einen Überblick über die jeweiligen Objekte, die bereits über eigene Artikel im WürzburgWiki verfügen.

Literatur zu Bildstöcken in Stadt und Landkreis Würzburg[Bearbeiten]

(jeweils chronologisch absteigend sortiert)

Allgemein (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Reinhard Worschech, Werner Stahr: Bildstöcke. Bezirk Unterfranken, Abteilung Kultur- und Heimatpflege, Würzburg 1992
  • Reinhard Worschech: Bildstöcke. Wahrzeichen der fränkischen Landschaft. Würzburg ca. 1992
  • Josef Dünninger, Bernhard Schemmel: Bildstöcke und Martern in Franken. Stürtz, Würzburg 1970

Ortsübergreifend[Bearbeiten]

  • Eduard Popp: Bildstöcke die beim Wallweg stehen von Würzburg zum Kreuzberg in der Rhön. Selbstverlag, 2006 (Stadtbücherei Würzburg Drl 2 Bil)
  • Stefan Popp: Bildstöcke im nördlichen Landkreis Würzburg. Inventarisierung und mentalitätsgeschichtliche Studien zu religiösen Kleindenkmalen. 2004 (Volltext der UB Würzburg)
  • Erich Grübl: Bildstöcke im Ochsenfurter Gau – Zeugen der Frömmigkeit. 1983. (UB 55/Rp 8,1756)
  • Wolfgang Oppmann: Religiöser Hausschmuck in den Landkreisgemeinden Zell a. Main, Margetshöchheim, Erlabrunn, Thüngersheim, Veitshöchheim, Güntersleben. Zulassungsarbeit 1980, 3 Bände. (UB 55/Rp 8,1412-1; 55/Rp 8,1412-2; 55/Rp 8,1412-3).
  • Annette Weiser: Religiöse Male im alten Landkreis Ochsenfurt (nördlicher Teil) – unter besonderer Berücksichtigung der Standortversetzung. 1977. (UB 55/Rp 8,911)
  • Gerda Hubrich: Bildstöcke im nördlichen Landkreis Würzburg. 1976. (UB 55/Rp 8,851)
  • Helmut Bausenwein: Religiöse Male im nördlichen Landkreis Würzburg. 1976. (UB 55/Rp 8,846)
  • Traudl Berke: Inventarisierung und Auswertung religiöser Male im ehemaligen Landkreis Würzburg (linksmainischer Teil). Zulassungsarbeit 1975. (UB 55/Rp 8,1777)
  • Hardy Grimmer: Bildstöcke und Martern im alten Landkreis Ochsenfurt. 1974. (UB 55/Rp 8,879)
  • Hildegard Weyrauch: Bildstöcke und Wegkreuze im mittleren Ochsenfurter Gau. Inventarisierung. 1974. (UB 55/Rp 8,882)
  • Herbert Hopf: Studien zu den Bildstöcken in Franken – insbesondere im Stadtbereich und Landkreis Würzburg. 1970. (UB 20/NZ 90330 M2-51/54)
  • Herbert Hopf: Studien zu den Bildstöcken in Franken – insbesondere im Stadtbereich und Landkreis Würzburg. 1969. (UB 00/Rp 8,2186)
  • Jürgen Gottschalk: Die Flurdenkmäler des Land- und Stadtkreises Würzburg. 1964. (UB 55/Rp 8,1800)
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Bayern - Bezirksamt Würzburg. Oldenbourg, München 1911. (UB 53/Rp 15,971-3)
(bzw. als unveränderter Nachdruck 1982: 20/NZ 90331 K96(2)-3)
  • Hans Karlinger: Die Kunstdenkmäler von Bayern - Bezirksamt Ochsenfurt. Oldenbourg, München 1911. (UB 53/Rp 15,1288-1+2)
(bzw. als unveränderter Nachdruck 1983 20/NZ 90331 K96(2)-1)

Einzelne Städte/Gemeinden[Bearbeiten]

  • Aub Beate Deppisch: Bildstöcke meiner Heimat als Ausdruck einer zeitbedingten Volksfrömmigkeit. 1976. (Aub) (UB 55/Rp 8,856)
  • Bergtheim Norbert Frosch: Bildstöcke und Flurkreuze in Bergtheim – Dipbach - Opferbaum. 2009. (UB 56/Rp 8,1858)
  • Norbert Frosch: Bildstöcke in der Gemeinde Bergtheim mit den Ortsteilen Dipbach und Opferbaum - aufgelistet sind Bildstöcke, Hochkreuze, Freiplastiken, Bildhäuschen, Kreuzschlepper, Prozessionsaltäre. 2006. (UB 56/Rp 8,1845)
  • Eibelstadt Georg Hures: Bildstöcke, Freifiguren und Flurdenkmäler - ein Gang durch die Eibelstadter Gemarkung. Heimatverein Eibelstadt, Eibelstadt 1996
  • Georg Hures: Bildstockwanderweg durch den Eibelstadter Altenberg. (Faltblatt) Stadt Eibelstadt, Eibelstadt ca. 2010
  • Hausen Irene Konrad, Alois Gößmann: Hausen - Erbshausen-Sulzwiesen. Bildstockband zum 400-jährigen Bestehen der Pfarrei Hausen und der Filialkirche Erbshausen-Sulzwiesen (1613-2013). 2013. (UB 53/Rp 8,3498)
  • Hettstadt Bildstockführer Hettstadt. Kleindenkmale in und um Hettstadt. Hrsg.: Obst- und Gartenbauverein Hettstadt, Hettstadt 2015
  • Kürnach Christine Demel: Die Kürnacher Bildstockwanderwege. Selbstverlag, Kürnach 2006
  • Unterpleichfeld Robert Roos: Der Burggrumbacher Bildstockweg. Die Bildstöcke der Gemeinde Unterpleichfeld. Band 1. Hrsg: Gemeinde Unterpleichfeld 2010
  • Robert Roos: Unterpleichfelder Bildstöcke. Die Bildstöcke der Gemeinde Unterpleichfeld. Band 2. Hrsg: Gemeinde Unterpleichfeld 2011
  • Robert Roos: Bildstöcke in Hilpertshausen und Rupprechtshausen. Die Bildstöcke der Gemeinde Unterpleichfeld. Band 3. Hrsg: Gemeinde Unterpleichfeld 2013
  • Würzburg Herbert Backmund: Unterdürrbacher Madonnen und Bildstöcke. Auszug aus einem Lichtbildervortrag am 5.9.2006. (Mit Farbaufnahmen) (UB 53/Rp 23,4859-3)
  • Bernd Bartenschlager: Freistehende religiöse Male in Lengfeld, Versbach, Oberdürrbach und Unterdürrbach. Zulassungsarbeit 1980. (UB 55/Rp 8,1547)
  • Waltraud Kopf: Freistehende religiöse Male im Würzburger Raum. Bestandsaufnahme und Dokumentation (Heidingsfeld, Rottenbauer, Würzburg). Zulassungsarbeit 1975. (UB 55/Rp 8,813)
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Bayern - Stadt Würzburg. Oldenbourg, München 1915. (UB 53/Rp 15,1288-12)
(bzw. als unveränderter Nachdruck 1981: 20/NZ 90331 K96(2)-12)
  • Jörg Lusin: Würzburger Freiplastiken aus zehn Jahrhunderten. Ein Inventar und Wegweiser. 1980. (UB 20/NZ 97959 L971 W9)

Quellen[Bearbeiten]