Anton Ruland

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Anton Ruland

Dr. Anton Ruland (* 25. November 1809 in Würzburg; † 8. Januar 1874 in München) war Katholischer Theologe, Bibliothekar und bayerischer Landtagsabgeordneter.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Anton Ruland wurde als Sohn des Professors für Arzneimittellehre und gerichtliche Medizin Dr. Thomas August Ruland und seiner Ehefrau Anna Maria Christina, Tochter des Arztes und Philanthropen Ignaz Reder (1746-1796) aus Mellrichstadt, geboren. Er wuchs in Würzburg zusammen mit seinen zwei Schwestern und drei Brüdern in einem „gutbürgerlichen, akademisch geprägten Elternhaus“ [1] auf und besuchte hier die Volksschule und das Gymnasium. Nach Beendigung des philosophischen Studiums an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg schloss sich das Studium der katholischen Theologie an. Im Oktober 1829 trat Ruland in das Würzburger Priesterseminar unter Carl Rutta ein und wurde am 26. Mai 1832 zum Priester geweiht. Durch sein enge Verbindung zum Seminarvorstand Carl Rutta wurde der angehende Priester von dessen geistigen und religiösen Standpunkten zur Seelsorge grundlegend geprägt. So waren neben seiner priesterlichen Hingabe bereits früh Aufrichtigkeit, kompromissloses Einstehen für die Wahrheit und Verteidigung der Rechte der Kirche wichtige Eckpfeiler seiner Berufsauffassung. [2] Nach seiner Priesterweihe war Ruland bis März 1833 als Kaplan („Kooperator“) in Kitzingen tätig. Seit 1837 bis 1850 wirkte er als Pfarrer in Arnstein.

Bibliothekar der Universität[Bearbeiten]

Am 27. März 1833 wurde er mit Unterstützung seines Patenonkels, dem bis 1835 an der Würzburger Universitätsbibliothek als Oberbibliothekar tätigen Professor Peter Richarz (Richarz wurde dann Bischof von Speyer und später auch von Augsburg), zum zweiten Bibliothekar an die Würzburger Universität berufen. Am 16. August 1834 promovierte Ruland zum Doktor der Theologie mit der Arbeit „De S. Missae Canonis ortu et progressu nec non valore dogmatico“. 1837 wurde er aufgrund seiner „restriktiven Ausleihpraxis“ seines Amtes enthoben und als Pfarrer nach Arnstein versetzt. Dort war er auch literarisch tätig. [3] Beachtung fand vor allem seine 1848 in Würzburg herausgegebene Schrift „Der Fränkische Clerus und die Redemptoristen“. [4]

1850 wurde Ruland, nicht zuletzt durch Empfehlung von Franz von Rinecker, alleinverantwortlicher Vorstand der Würzburger Universitätsbibliothek. Es gelang ihm, die in Unordnung geratene Sammlung wieder instand zu setzen. So konnte er beispielsweise Diebstähle aufklären und einen Teil verschwundener Bibliotheksbestände wiederbeschaffen. Hilfreich war hierbei die von ihm und Richarz 1833/34 angelegte Inventarliste. [5] Der Senat beauftragte Ruland, in Rom die Übernahme der Kunstsammlung Martin von Wagners auszuhandeln. [6] Die Leitung der Universitätsbibliothek und seine umfangreichen literarischen Arbeiten, unter anderem über 500 Rezensionen in katholischen Literaturzeitungen, gipfelten in der Erstellung eines Handschriftenkataloges der Würzburger Universitätsbibliothek. Der Original-Katalog liegt handschriftlich auf einzelnen Papierblättern in Kassetten vor und wird in der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek verwahrt.

Bayerischer Landtagsabgeordneter[Bearbeiten]

Anton Ruland zog 1847 in den letzten noch ständisch gegliederten bayerischen Landtag ein. Aus den Eckpfeilern seiner Berufsauffassung leitete er auch die Grundsätze ab, nach denen er als Abgeordneter des Bayerischen Landtags stetig versuchte, „die Kirche und ihre Institutionen, die Glaubensinhalte und die christliche Sittenlehre gegen alle Angriffe zu verteidigen.“ [7] Aufgrund seiner erzkonservativen Haltung und der Schärfe seiner Vorträge stieß er in den nahezu 26 Jahren seiner Tätigkeit als Abgeordneter nicht nur bei politischen Gegnern oftmals auf Unverständnis.

Die sich festigende Trennung von Staat und Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts verbitterte Ruland. So konnte er in punkto Staatskirchentum den Ideen des Würzburger Weihbischofs Gregor von Zirkel hinsichtlich der Vorteile einer Loslösung der Kirche vom Staat nur teilweise folgen. In seiner politischen Ausrichtung war er deutlich konservativer veranlagt, als dies bei den progressiven Vertretern des politischen Katholizismus der Fall war. [8]

1849 wurde Anton Ruland, als geistlicher Abgeordneter des oberbayerischen Wahlbezirkes Haag, erneut in den bayerischen Landtag gewählt. Als Vertreter seiner katholisch-konservativen Positionen konnte Ruland dank seiner Rhetorik begeistern und so zumindest in der Anfangszeit seiner politischen Tätigkeit oftmals auch Abgeordnete anderer Lager für seine Sache gewinnen. Mit dem Fortschreiten seines politischen Werdegangs machte sich Ruland vor allem als Wortführer der konservativen, katholisch-großdeutsch geprägten Patriotenpartei und als manchmal starrköpfiger Verfechter althergebrachter kirchlicher Privilegien und Hauptfeind aller Liberalen einen Namen.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Im Winter 1873/74 erkrankte Ruland in München an der seinerzeit epidemisch auftretenden Cholera, verstarb daran am 8. Januar und wurde zunächst in München beigesetzt. 1892 fand er seine letzte Ruhestätte in der Familiengrabstätte auf dem Würzburger Hauptfriedhof. [9]

Nachlass[Bearbeiten]

Den größten Teil seines Vermögens vererbte er seiner Schwester Auguste. Als Nachlassverwalter war der Bibliothekar Friedrich Leitschuh bestimmt. Seine umfangreiche Büchersammlung vermachte Ruland in seinem Testament vom 16. Februar 1873 [10] dem Heiligen Stuhl. Eine umfangreiche Sammlung von Rulands Briefen gelangte - entgegen den Testamentsbestimmungen - nicht nach Rom, sondern wurde zunächst in der Staatsbibliothek Bamberg, wo Friedrich Leitschuh tätig war, aufbewahrt. 1983 erhielt dann die Würzburger Universitätsbibliothek diesen, etwa 10.300 Schriftstücke umfassenden Briefnachlass [11], der insbesondere historisch wertvolle Korrespondenzen mit Priestern des Würzburger Diözesanklerus, mit Universitätslehrern sowie politische Schreiben beinhaltet . Seine kostbare, ab 1866 angelegte Münzsammlung überließ Anton Ruland der Universität Würzburg (Die Münzsammlung ging beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 verloren). [12]

Stiftung[Bearbeiten]

In seinem Testament hatte er auch die Errichtung einer Stiftung angeordnet und als Grundkapital sein Elternhaus in der Altstadt zur Verfügung gestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Johanna Gauch: Anton Ruland. in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66, Hrsg.: Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 2014, S. 221 - 237
  • Thomas Sauer und Ralf Vollmuth: Briefe von Mitgliedern der Würzburger Medizinischen Fakultät im Nachlaß Anton Rulands. Quellen zur Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert mit Kurzbiographien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 9 (1991), S. 135-206, S. 135-144 und 167-171
  • Friedrich Leitschuh: Dr. Anton Ruland, k. Oberbibliothekar der Universität Würzburg als Schriftsteller. Eine Erinnerungsgabe zum dreihundertjährigen Jubiläum der Universität Würzburg, München 1882
  • Friedrich Leitschuh: Ruland, Thomas August, in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (Leipzig 1889), S. 632-634 (Digitalisat)
  • Otto Handwerker: Anton Ruland, in: Lebensläufe aus Franken, hrsg. von Anton Chroust, Band II, Würzburg 1922, S. 359-372
  • Theodor Wiedemann: Dr. Anton Ruland. Eine biographische Skizze, Oesterreichische Vierteljahresschrift für katholische Theologie 13 (1874), S. 407-448 und 481-552
  • Stephan Petersen: Anton Ruland (1809-1874) - Bibliothekar und Handschriftenforscher, in: Kulturstadt Würzburg. Kunst, Literatur und Wissenschaft von der Schönbornzeit bis zur Reichsgründung, Würzburg 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Petersen: Anton Ruland (1809-1874) - Bibliothekar und Handschriftenforscher. in: Kulturstadt Würzburg. Kunst, Literatur und Wissenschaft von der Schönbornzeit bis zur Reichsgründung. Hrsg.: D. Klein und F. Fuchs, Würzburg 2013, S. 308 f.
  2. „Wer nicht den Muth besitzt, die Wahrheit der Religion zu lehren, wie solche die Kirche lehrt, wer selbe stillschweigend herabsetzen lassen kann, der ist nicht aus Christus, sondern ein Feigling, seines Heilandes unwürdig. [...] Wenn der Priester nicht die Wahrheit zu sprechen und das Tadelswürdige zu tadeln sich getraut, wer soll es dann? Sie stehen frei, sie haben keine Pflichten gegen Weib und Kinder, sie sind nur Gott in seiner Kirche und ihrem Gewissen Rechenschaft schuldig. Wer Wahrheit reden will, der muß wehethuen, der muß beleidigen, der muß erschüttern, sonst wäre es keine Wahrheit.“ (Quelle: Anton Ruland: Predigten. herausgegeben von Friedrich Leitschuh, Wien 1878, S. 2)
  3. Thomas Sauer: Anton Ruland in Arnstein, in: Jahrbuch 1990 des Heimatkunde-Vereins Arnstein e.V., Würzburg 1990, S. 61-75
  4. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth: Briefe von Mitgliedern der Würzburger Medizinischen Fakultät im Nachlaß Anton Rulands. Quellen zur Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert mit Kurzbiographien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 9 (1991), S. 135-206, S. 135 f.
  5. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth, a.a.O., S. 167
  6. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth, a.a.O., S. 136
  7. Thomas Sauer: Anton Ruland (1809-1874). Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Restauration in Bayern. (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 103), Würzburg 1992, S. 28
  8. Anton Ruland: Die Anschauungen des Dr. Zirkel und des Professors Dr. Andreas Metz zu Würzburg über das Verhältnis von Staat und Kirche. in: Archiv für katholisches Kirchenrecht 31, 1874, 260-309
  9. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth, a.a.O., S. 137
  10. Abschrift des Testaments Anton Rulands in der Universitätsbibliothek Würzburg, M.ch.f.651
  11. http://www.bibliothek.uni-wuerzburg.de/sondersammlungen/handschriften_und_alte_drucke/nachlaesse_autografen/liste_der_nachlaesse/
  12. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth, a.a.O., S. 139 f.