Rottendorfer Kehlberg

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Rottendorfer Kehlberg (kurz: Kehlberg) ist die einzige Weinlage von Rottendorf auf Rottendorfer Gemarkung. Sie umfasst auch den Bereich Reißbach. Der Wein wird auch als Kehlbergwein bezeichnet.

Lage

Die Weinberge der Weinlage befinden sich alle östlich von Rottendorf. Ein Weinberg liegt nördlich der B 8 oberhalb des Reißbaches (Bachlauf, der aus Richtung Kitzingen entlang der Bundesstraße 8 durch die Brünnleinswiese führt und sich vor dem Ortseingang mit der von Rothof kommenden Landleite vereinigt) am Hasenberg. Der Weinberg ist von der Bundesstraße aus einsehbar und hat eine südwestliche Exposition. Weitere Weinberge befinden sich nördlich des Rottendorfer Industriegebietes am Hühnleinsberg/Kehlberg. Sie haben eine südöstliche Exposition.

Namensgeber

Der Name Kehlberg leitet sich von der Flurlage Kehl (bzw. Kehlen) ab. Die Bezeichnung Reißbach leitet sich von den topographischen Gegebenheiten ab: Die Flurlage befindet sich an einem Geländeeinschnitt (Ritze-/Riss- /Reiß-bach). [1]

Geschichte des Weinbaus in Rottendorf

Der Weinbau wird bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung Rottendorfs in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts genannt. So sind für Rottendorf in dem Güterverzeichnis der Würzburger Domkustodie zwei Hofstellen (mansi), ein Weingarten (vinea), die Pfarrei St. Johannes sowie 43 Zinspflichtige dokumentiert. Für das 13. bis 15. Jahrhundert geben die Urkunden überwiegend Verkäufe von Weinbergen bekannt.

In der Weinleseordnung von 1546 werden erstmals die ältesten Weinbaubezirke aufgezählt, die die vier Lagen am Reißbach, am Steinhammer und Frohnberg, den Kehlberg sowie den Hühnleinsberg, Gleißberg mit Röden umfassen. Der damalige Propst Daniel Stiebar war für die Einteilung der Lesebezirke verantwortlich und bestimmte auch vereinbarte Lesetage für die Weinbauern, die sich auf die zins- und zehntbaren Weinberge bezogen. Neben dieser jährlichen Abgabe musste die Gemeinde auf Anordnung von Stift Haug, dem Gerichtsherrn bis ins 17. Jahrhundert den sogenannten „Bannwein“ im Fronhof abliefern. Witterungsbedingte Missernten in Verbindung mit den Abgabeforderungen ließen die Weinbauern oft in wirtschaftliche Bedrängnis geraten. Der Weinbau stieg seit dem Mittelalter kontinuierlich an, denn Wein bzw. Most entwickelte sich zu einem beliebten Volksgetränk. 1650 werden weitere Weinlagen mit folgenden Bezeichnungen genannt: im Steig, Bülz, Winterleiten, vorderes Tal, im Tal, Hasenberg und Teufelskeller.

Ende des 18. Jahrhunderts änderten sich die Trinkgewohnheiten und Bier lief dem Wein in der Beliebtheitsskala den Rang ab, zumal der Preis für Wein sich nahezu vervierfacht hatte. In Rottendorf eröffneten zu dieser Zeit zunächst zwei kleinere Brauereien. Viele Häcker konnten trotz großen Arbeitsaufwands ihre Familien nicht mit den Weinerträgen ernähren und verdingten sich zusätzlich als Tagelöhner oder Handwerker.

Mit dem Bau der Ludwigs-West-Bahn 1854 unter König Ludwig I. von Bayern erhielt Rottendorf 1855 eine Bahnstation und eröffnete neue Arbeitsplätze bei der Bahn, die einen geregelten Verdienst gewährleisteten, so dass u.a. auch viele kleine Weinbauern den Winzerberuf aufgaben und sich umorientierten.

1863 gründete der Münchner Bankier Joël Jakob von Hirsch auf Gereuth die produktionsstarke und angesehene Brauerei Hirschbräu. Trotzdem waren laut einem Gemeindeprotokoll 1885 immer noch 41 Hektar Weinanbaufläche vorhanden. Die aus Amerika über Frankreich und Westdeutschland nach Unterfranken eingeschleppten Rebschädlinge dezimierten jedoch die Weinberge. Die Pilzkrankheiten Peronospora und Oidium (falscher und echter Mehltau) sowie die Reblaus Phylloxera sorgten dafür, dass sich 1907 die Rebflächen in Rottendorf auf sieben Hektar verringerten.

Die wachsende Vorliebe für Frankenwein ab Anfang des 20. Jahrhunderts führte auch in Rottendorf wieder dazu, dass einige Privatbesitzer kleinere Flächen anbauten und für den Eigenbedarf nutzten. Der Weinberg der Familie Vogel wurde im Jahr 1901 mit Silvanerreben bepflanzt. Robert Schmitt bewirtschaftete seinen Weinberg 1954 noch mit wurzelechten Silvanerpflanzen. Die ersten Reben der Familie Amend wurden ebenfalls um 1956 angebaut.

Beim Rottendorfer Kehlberg handelt es sich rein rechtlich um eine recht junge Weinlage: 1989 wurde diese vom Rottendorfer Winzer Willi Grimm mit Unterstützung von Heiner Vogel in die Weinbergsrolle eingetragen. [2]

Weinlage Rottendorfer Kehlberg

Die jetzige Weinlage umfasst etwa 1,2 Hektar und wird von den Familien Amend, Vogel und Körner bewirtschaftet. Angebaut werden die Rebsorten Silvaner, Johanniter, Domina, Regent, Cabernet Dorsa, Bacchus und Müller-Thurgau. Einige Rebstöcke haben bereits ein stolzes Alter von über 100 Jahren - sie wurden laut Experten der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim 1901 gepflanzt. Darunter befinden sich unter anderem fünf Rebstöcke der Sorte Putzscheere - einmalig im gesamten fränkischen Anbaugebiet. [3] Die Hobbywinzer haben sich in jüngerer Vergangenheit im Verein Kehlbergwinzer Rottendorf e.V. zusammengeschlossen und setzen sich für den Erhalt der Weinbautradition in Rottendorf ein. Die Weinlage Rottendorfer Kehlberg ist großlagenfrei.

Kehlberg vordere Lage

Rottendorfer Kehlberg vordere Lage

Der Weinberg Kehlberg mit der vorderen Lage wurde in der Nachkriegszeit um 1950 von der Familie Josef Eger mit Müller-Thurgau bepflanzt. Willi Grimm übernahm 1986 diesen Weinberg und beschloss nach ein paar Jahren, den alten Müller-Thurgau-Weinberg zu roden und neu anzupflanzen. Hierzu wurde 1996 der Weinberg komplett bis auf die Tiefe eines Meters umgegraben und angelegt. Der Zeilenabstand dieser Anlage beträgt heute 1,80 Meter. Aus Altergründen übergab Willi Grimm den Weinberg Ende 2009 an die Familie Körner. Nachdem es in Rottendorf bis zu dieser Zeit keine Bacchus-Reben gegeben hatte, entschloss sich die Winzerfamilie 2010 fünf Zeilen Müller-Thurgau zu roden und Bacchus anzupflanzen.

Kehlberg hintere Lage

Rottendorfer Kehlberg hintere Lage

Silvaner „1901“

Der Weinberg Kehlberg mit der hinteren Lage trägt den Namen „1901“. In diesem Jahr wurde grüner Silvaner angepflanzt. Bei diesem Weinstock handelt es sich nicht um einen reinen grünen Silvaner, sondern um einen „Gemischten Satz“, der viele unterschiedliche Rebsorten vereint. [4]

Der Weinberg „1901“ soll nach dem Willen der Kehlbergwinzer zu einem Museumsweinberg werden. Wie der Name sagt, befinden sich dort noch Rebstöcke aus dem Jahr 1901. Dieser zählt damit zu den ältesten und letzten noch wurzelechten Weinbergen Frankens[5]

Silvaner „Alte Reben“

Der heute zweitälteste Weinberg in Rottendorf wurde von Robert Schmitt 1954 mit wurzelechten Silvanerreben angelegt. Robert Schmitt kaufte das Grundstück 1952 und grub die Rebflächen einen Meter tief um (rigolen), um alle Steine und größere Wurzeln zu entfernen. 2006 übergab er seinen Weinberg an seine Nichte Maria und ihren Mann Wolfgang Körner. Von Januar bis März 2010 wurde jede zweite Zeile entfernt und ein neuer Drahtrahmen in einer Höhe von zwei Metern eingebaut. Auf diese Weise wurde die „alte Silvanerlage“ auf einen modernen Stand gebracht. Der Zusatz „Alte Reben“ darf für Weine verwendet werden, die von Weinstöcken stammen, die älter als 40 Jahre sind.

Neuer Silvaner

Da der „alte Silvaner“ sehr beliebt und daher immer sehr schnell verkauft ist, beschloss die Familie Körner das Nachbargrundstück zu ihrem alten Silvaner zu kaufen und ebenfalls für den Weinbau zu nutzen. Hierzu musste ein Weinbaurecht erworben und das Grundstück entsprechend gerodet und bis auf die Tiefe eines Meters umgegraben werden. Bei diesem Grundstück handelt es sich um einen „jungfräulichen“ Weinboden, da auf diesem seit mehr als 50 Jahren keine Rebstöcke angebaut wurden. Deshalb stellte die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (Veitshöchheim) (LWG) eine neue Silvanerzüchtung (Klon Wü-9929) zur Verfügung. Diese neue Silvanerzüchtung zeichnet sich insbesondere durch die Lockerbeerigkeit aus, da die Trauben länger am Stock hängen können und trotzdem gesund bleiben. Dieser Weinberg wird u.a. als Vermehrungsweinberg für die LWG eingesetzt.

Am Reißbach

Rottendorfer Kehlberg „Am Reißbach“

1955 begann Edmund Nöth „Am Reißbach“ zu rigolen und wieder neue Reben anzupflanzen. Neben den Sorten des gemischten Satzes baute er 1956 erstmals die neu zugelassene Sorte Müller-Thurgau an. 1980 übernahm sein Schwiegersohn Paul Amend die Reben am Reißbach. Sein Sohn Johannes beschloss, den Weinberg weiter auszubauen und pflanzte 1988 zunächst die Rebsorte Domina an. Anschließend baute er 2004 die pilztolerante Rotweinsorte Regent und 2006 eine weitere pilztolerante Weißweinsorte mit Namen Johannes sowie mit einer Cabernet-Kreuzung.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Irene Meeh: Rottendorf - 1933 bis 2015. Hrsg.: Gemeinde Rottendorf 2015, ISBN 9783000526183, S. 657 ff.
  • Angela Treiber: Rottendorf - Zur Geschichte einer unterfränkischen Gemeinde. Hrsg.: Gemeinde Rottendorf, Selbstverlag, Rottendorf 1991, S. 202 ff.

Weblinks

Einzelnachweise, Erläuterungen und Hinweise

  1. Mitteilungsblatt der Gemeinde Rottendorf vom 5. Juni 2012, S. 9
  2. Main-Post: „Erster Rottendorfer Weinfrühling gelungen“ (15. April 2013)
  3. Focus online: „Ein Weindetektiv auf der Suche nach den Reben der Zukunft“ (19. August 2014)
  4. Gemischter Satz ist die Bezeichnung für den Anbau von Wein, der aus unterschiedlichen Rebsorten in einem Weingarten besteht, sowie dann des daraus hergestellten Weins. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  5. Main-Post: „Weinhang 1901 soll zum Museumsweinberg werden“ (29. April 2014)

Kartenausschnitt

Teilbereiche Kehlberg und Reißbach
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