Joël Jakob von Hirsch auf Gereuth

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Joël Jakob von Hirsch auf Gereuth

Joël Jakob von Hirsch auf Gereuth (* 5. September 1789 in Gaukönigshofen; † 6. September 1876 in Würzburg) war ein jüdischer Bankier, Großkaufmann, Industrieller und Gutsbesitzer.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Joël Jakob war der älteste Sohn von Jakob von Hirsch auf Gereuth und wuchs in der unterfränkischen Gemeinde Gaukönigshofen auf.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Um 1803 kam er mit seiner Familie nach Würzburg und zählte zu den frühesten Mitgliedern der neuzeitlichen Jüdischen Gemeinde Würzburg. Die Familie erwarb den Ebracher Hof in der Ebracher Gasse und unterhielt dort auch eine Privatsynagoge. 1809 erhielt Joël Jakob die Erlaubnis sich in Würzburg ansässig zu machen. Ab 1811 führte er eine Bank in der Stadt, die besonders Kreditgeschäfte mit Adelsfamilien tätigte und war ab etwa 1815 Generalbevollmächtigter seines Vaters. Nach dem Wegzug seines Vaters nach München führte er den Würzburger Zweig der 1818 geadelten Familie Hirsch auf Gereuth. 1833 erfolgte die Registrierung seines Bankinstituts „Joël Jacob von Hirsch“.

Das im 19. Jahrhundert zweifellos größte jüdische Unternehmen Würzburgs war der im Jahre 1830 von Joël Jakob gegründete Holzgroßhandel. Dieser exportierte hauptsächlich Eichenstämme aus dem Spessart als Schiffbauholz nach Holland. Bereits im ersten Jahr des Bestehens konnte er Holz im Wert von 200.000 Gulden verschiffen, doch musste Hirsch nur knapp zwei Jahrzehnte später im wirtschaftlichen Krisenjahr 1848 den Handel aufgeben.

Unternehmensgründer[Bearbeiten]

Ab 1836 gründete er neben der Hirschbräu, die Hirsch'sche Zuckerfabrik. Dieser Schritt wurde von der Regierung unterstützt um das Königreich Bayern von der Rohrzuckereinfuhr aus Übersee unabhängig zu machen.

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1840 erbte er dessen umfangreichen fränkischen Grundbesitz. 1843 war der auch zu den führenden Industriepionieren in Unterfranken zählende Joël Jakob von Hirsch unter den ersten Mitgliedern der 1843 gegründeten Handelskammer für Unterfranken und Aschaffenburg und machte sich auch durch die gesetzliche Emanzipation der Juden in Bayern verdient.

Joël Jakob beteiligte sich führend an der Finanzierung innovativer Unternehmungen wie des Ludwig-Main-Donau-Kanals und der Würzburger Main-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, zu deren Vizepräsident er gewählt wurde. Auch engagierte er sich im Eisenbahnbau, wenngleich in weit geringerem Maß als andere Mitglieder seiner Familie.

Im Laufe der 1860er Jahre stellte das renommierte Bankhaus „Joël Jacob von Hirsch“ seinen Betrieb ein. Dies hatte keine konfessionellen, sondern allgemein wirtschaftliche Gründe, da zunehmend Aktien- und Genossenschaftsbanken sowie Konsortien die kleinen Privatbanken verdrängten. Diese Banken vermochten wesentlich leichter die infolge der fortschreitenden Industrialisierung benötigten Kapitalsummen aufzubringen.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Im Alter von fast 90 Jahren starb er in Würzburg und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Heidingsfeld beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]